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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Versprochen Gebrochen Verbrochen
Eingestellt am 08. 03. 2016 12:56


Autor
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Alex Knov
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jul 2015

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Ein Junge rannte durch seine schwarz- wei├če Welt, seinen alten, wei├čen Fu├čball unter dem rechten Arm. Voller Vorfreude, mit seinen Freunden Fu├čball zu spielen, bog er in die Stra├če zum Fu├čballplatz ab, als er etwas in seinen Augenwinkeln bemerkte. Neugierig drehte er sich zu dem auff├Ąlligen Objekt, was zu Folge hatte, dass er mit voller Wucht gegen eine Stra├čenlaterne lief.

Verwirrt und mit schmerzendem Gesicht rappelte der Junge sich auf und schaute sich um. Sein Fu├čball war durch den Aufprall seinen Armen entglitten und die Stra├če zur├╝ck gerollt. Jedes andere Kind h├Ątte wahrscheinlich erst seinen Fu├čball wieder geholt, doch die Neugier des Jungen siegte und er rannte auf die andere Stra├čenseite, um das seltsame Objekt zu inspizieren. Es war auch ein Fu├čball, jedoch kein gew├Âhnlicher. Dieser Fu├čball war kunterbunt.

Nie vorher hatte der Junge Farben gesehen. Zwar hatte er von ihnen getr├Ąumt und sie sich vorstellen k├Ânnen, doch im echten Leben hatte er noch nie welche gesehen. Er fasste den Ball an und f├╝hlte ├╝ber das glatte, weiche Leder. Seine Neugierde wuchs, also spielte er ein wenig mit dem Ball, der so gar nicht in seine Welt zu passen schien.

Es war ein gro├čartiges Gef├╝hl, mit dem farbenfrohen Ball in dieser farbenleeren Welt zu spielen, doch schon schnell kamen Passanten vorbei und sahen ihn beim Spielen. Einige ignorierten ihn angestrengt, andere warfen ihm h├Ąmische Blicke aus den Augenwinkeln zu und wieder andere lachten ihn offensichtlich aus und beleidigten ihn. Dem Jungen kamen Zweifel. Sollte er lieber wieder mit seinem alten Ball spielen?

Einer seiner Freunde kam vorbei und sah den Jungen dort stehen, hin und her gerissen zwischen den zwei B├Ąllen. Er be├Ąugte den Jungen, der versuchte, den bunten Ball vor seinem Freund zu verbergen, komisch und winkte ihn zu sich und den anderen in Richtung des Fu├čballplatzes. Es war an der Zeit, eine Entscheidung zu treffen, also warf der Junge den bunten Ball auf den kalten, grauen Boden und ging mit seinem Freund.

ÔÇ×Halt! Nimm ich mit!ÔÇť, rief der bunte Ball verzweifelt.

ÔÇ×Ich komme wieder, versprochen!ÔÇť, antwortete der Junge, w├Ąhrend er sich abwandte.

Doch er kam nicht, egal wie viel Zeit verstrich.

Eines verregneten Tages fuhr ein grauer LKW ├╝ber die Stra├če, an dessen Seite der bunte Ball lag. Einige Momente, bevor der LKW auf H├Âhe des Balls war, schloss der Ball die Augen und Rollte vorw├Ąrts. ├ťberall Farbe.

Wusste der Junge, was er getan hatte? Wieso hat er versprochen, zur├╝ck zu kommen, nur um es dann wieder zu brechen? Dachte der Junge manchmal an den bunten Ball? Viele Fragen in einer grauen Welt, doch keine bunten Antworten.

__________________
The fool's the happy one.

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Etma
???
Registriert: Jan 2016

Werke: 34
Kommentare: 412
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Hallo Alex,

mir gef├Ąllt die Idee mit der schwarz-wei├čen Welt und dem bunten Objekt, das wie aus dem Nichts auftaucht, sehr gut.

Falls du diese Idee noch erweitern m├Âchtest, k├Ânntest du doch ausf├╝hrlicher beschreiben, wie au├čergew├Âhnlich die Tatsache ist, dass pl├Âtzlich etwas buntes zu sehen ist. Zwar hat der Junge schon von bunten Sachen getr├Ąumt, aber ich verstehe nicht wie das ├╝berhaupt m├Âglich sein soll, wo er doch nie solche Wahrnehmungen hatte. Ich dachte immer man kann sich sich nur solches ertr├Ąumen oder vorstellen, was man schon erlebt hat; wie man sich zum Beispiel auch nur Gesichter ertr├Ąumen oder vorstellen kann, die man schon mal gesehen hat. Das hat mich also ein wenig verwirrt und ich frage mich wieso die Passanten und der Junge nicht v├Âllig au├čer sich sind, etwas so - f├╝r sie - metaphysisches und ├╝bernat├╝rliches wahrzunehmen. Wieso m├Âchte der Junge, der den Protagonisten zu sich winkt, nicht, dass sie mit dem bunten Ball spielen? Wieso bleibt der Ball so lange liegen, ohne dass ihn jemand mitnimmt? Ich kann mir gar nicht vorstellen wie ich pers├Ânlich reagieren w├╝rde, wenn mir in einer schwarz-wei├čen Welt pl├Âtzlich etwas buntes erschiene.

Naja, das sind nur so meine Gedanken beim Lesen deines Textes, wie du dazu stehst wei├č ich ja nicht. Vielleicht verstehe ich deine Geschichte ja einfach nicht und sie ist eher parabelartig aufgebaut, was ich mir durchaus vorstellen kann, sodass die Umsetzung nur so Sinn ergibt.

Das Grundkonzept finde ich aber wie gesagt ├╝beraus faszinierend - das erinnert ein wenig an "The Giver" oder an die Vorstellung, dass in einer zweidimensionalen Welt eine Person aus der dreidimensionalen zu erkl├Ąren versucht wie die dritte Dimension ist. Sehr abstrakt, sehr tiefgr├╝ndig: Das f├╝hrt einen unmittelbar in erkenntnistheoretische Gedanken.

Auch fand ich den inneren Konflikt des Jungen interessant: Wie der Druck der Mitmenschen auf ihn gewirkt hat, sodass er sich letztendlich anders entschieden hat, als er es ohne die umgebenden Passanten getan h├Ątte.

Eine weitere Kleinigkeit, die mich ein wenig aus der Atmosph├Ąre geschlagen hat war, dass der Ball eigentlich ein Lebewesen ist. Vielleicht ist das nur mein pers├Ânlicher Geschmack aber dadurch wirkt die Geschichte so m├Ąrchenhaft - so wie bei sprechenden Tieren. Da kann man das Ganze kaum noch ernst nehmen. Es w├╝rde sogar fast reichen, wenn vom Plot her nicht viel mehr passiert, dass der Ball also nicht unter den LKW rollt oder dem Jungen hinterher ruft, finde ich, sondern einfach nur ein sonderliches Objekt der Tr├Ąume ist.

Au├čerdem: Sollte der Ball nicht "nimm mich mit" schreien?

Abgesehen von den angesprochenen Punkten finde ich die Kurzgeschichte gelungen und sehe viel Potential darin.

Lass dich von meiner Meinung nicht zu sehr beeinflussen, es ist schlie├člich dein Text! Ich hoffe, ich konnte helfen und habe nicht alles falsch verstanden.

Alles gute,
Etma


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Kinokie
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Feb 2016

Werke: 3
Kommentare: 9
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Hallo Alex,

von der grunds├Ątzlichen Bewertung m├Âchte ich mich Etma anschlie├čen. Eine sch├Âne Geschichte, die einiges an weiterem Potenzial bietet.

Zus├Ątzlich finde ich, dass einige S├Ątze die sehr schachtelartig aufgebaut sind vielleicht besser wirken, wenn du sie k├╝rzt bzw. in mehrere S├Ątze packst.

Ich habe die Geschichte zweimal gelesen und bin beide male z.B. ├╝ber diesen Satz gestolpert:

"Er be├Ąugte den Jungen, der versuchte, den bunten Ball vor seinem Freund zu verbergen, komisch und winkte ihn zu sich und den anderen in Richtung des Fu├čballplatzes."

Gr├╝├če
Kinokie
__________________
Kinokie

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Alex Knov
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jul 2015

Werke: 38
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Hallo und danke f├╝r eure Kommentare und Bewertungen !

@aligaga zwar denke ich, dass es doch jedem selbst ├╝berlassen ist, wie er eine solche Plattform nutzt, doch gl├╝cklicherweise habe ich mir selbst auch schon vorgenommen hier aktiver zu werden. Ich schreibe nur einfach deutlich mehr als ich lese...

@Etma die Idee hinter den Tr├Ąumen bunter Gegenst├Ąnde des Jungen ist, dass er sich bewusst ist, dass er in einer farblosen Welt lebt. Ob so etwas nun in der "echten Welt" m├Âglich ist oder nicht spielt keine Rolle, da es ja Fiktion ist
Die negative Reaktion der Passanten und des Freundes ist einfach zu erkl├Ąren - der Ball ist anders als "normale" B├Ąlle. Auch in der heutigen Gesellschaft in der wir alle leben wird Abnormalit├Ąt als etwas negatives empfunden.
Mit dem sprechenden Ball habe ich auch lange gerungen, doch ich finde es gro├čartig, dass es dich "aus der Atmosph├Ąre geschlagen" hat! Genau diesen Zweck hat der sprechende Ball n├Ąmlich, einen aus der Komfortzone zu locken. Au├čerdem finde ich es schade, dass M├Ąrchen und Fabeln so einen - nun ja - kindisch unernsten Ruf haben, wobei sich mit ihnen so elementar wichtige Dinge vermitteln lassen. Zu guter Letzt dachte ich, ein sprechender, bunter Ball in einer schwarz- wei├č Welt der Suizid begeht bringt etwas Humor in die Geschichte, zumindest f├╝r die die einen solchen annehmen k├Ânnen.
Ich habe mich sehr ├╝ber deinen Kommentar gefreut, er ist wirklich sehr freundlich und sympathisch geschrieben. Es sollte mehr Leute wie dich im Internet geben!

@Kinokie die langen, verschachtelten S├Ątze sind Absicht, ich steh einfach drauf. Vielleicht habe ich ja zu oft "Big Sur" gelesen oder sowas, aber auch dir danke f├╝r dein Kommentar.
__________________
The fool's the happy one.

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