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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Versuch
Eingestellt am 29. 11. 2001 20:22


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Deanna Rialto
???
Registriert: Nov 2001

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Versuch

Hallo an alle!

Vielleicht sollte ich mich erst einmal knapp vorstellen, ich bin nĂ€mlich zum ersten Mal auf diesem Board. Ich bin noch SchĂŒlerin, wohne z.Z. in Kaiserslautern und versuche mich seit einigen Jahren im selbststĂ€ndigen Schreiben worin ich mich natĂŒrlich gerne verbessern wĂŒrde. Daneben sind meine Hobbies hauptsĂ€chlich Malerei, Lesen, Reisen & Sprachen.
Folgendes ist ein Fragment eines Jugendromans, an dem ich gerade arbeite. WĂŒrde mich sehr freuen, wenn ihr mir sagen wĂŒrdet was ihr davon haltet und ob es sich lohnt das Ganze weiter auszubauen.
* * *

CĂ©cile saß schweigend im Auto, in der Hoffnung bald ihren Vater durch die mattierte GlastĂŒr des GebĂ€udes vor ihnen treten zu sehen, damit sie endlich nach Hause fahren konnten. Wie jeden Freitag warteten sie und ihre Mutter auf dem Parkplatz vor seinem BĂŒro, um CĂ©ciles Vater abzuholen, und wie immer verspĂ€tete er sich. Aus dem Radio drang eine melancholische Melodie leise an ihr Ohr und CĂ©cile gestand sich in Gedanken zum unzĂ€hligen Male ein, wie sehr dieses Warten nach der Schule sie langweilte. Der Song wurde vom Klingeln des Handys unterbrochen und CĂ©cile konnte dem einseitigen GesprĂ€ch, dass sie mitbekam, schon nach Sekunden entnehmen, dass das Warten sich dieses Mal wohl noch lĂ€nger hinziehen wĂŒrde. Seufzend nahm sie aus ihrem Rucksack Schreibblock und Kugelschreiber, um die Zeit zumindest irgendwie sinnvoll zu ĂŒberbrĂŒcken. In diesem Fall waren Hausaufgaben schließlich immer noch besser als nichts zu tun, zumal sie mit ziemlicher Gewissheit sagen konnte, dass sie am Wochenende wohl kaum dazu kommen wĂŒrde.
Das MĂ€dchen ĂŒberlegte kurz. Frau Stoltz hatte der Klasse aufgetragen eine Argumentation zu dem an der Tafel diskutierten Thema zu verfassen, wobei auf formelle GrundsĂ€tze einer solchen ErlĂ€uterung - also durch objektive Beispiele und treffende BegrĂŒndungen gestĂŒtze Aussagen, die systematisch zu einer logischen Schlussfolgerung, einem Fazit, gefĂŒhrt werden und dem Leser anschließend so ĂŒberzeugend wie möglich erscheinen sollten - zu achten war. CĂ©cile hatte im Moment keine besondere Lust sich ausfĂŒhrlich mit einem Aufsatz zu befassen und entschied sich einige formelle SĂ€tze zu Papier zu bringen, um sich die Arbeit daran zu sparen und sich dann unterhaltsameren Dingen widmen zu können, jedoch darauf bedacht, dass niemand sagen konnte, sie hĂ€tte gar nichts getan.
>>Es ist schwer zu sagen was „deutsch sein“ fĂŒr mich persönlich bedeutet.<<, schrieb sie. >>Ich habe lange darĂŒber nachgedacht und mir ist ehrlich gesagt nichts eingefallen. Daraus ziehe ich den Schluss, dass es mir nicht wichtig ist bzw. eigentlich nichts bedeutet.<< Zufrieden betrachtete CĂ©cile die kurze Notiz und stellte erfreut fest, dass es an dessen Form kaum etwas auszusetzen gab. Es war schließlich nicht erwĂ€hnt worden, wie lang der betreffende Text sein sollte. Ein freches LĂ€cheln erschien auf dem Gesicht des MĂ€dchens, wĂ€hrend sie sich eine widerspenstige Locke aus der Stirn strich; es wurde jedoch augenblicklich von einem Ausdruck plötzlicher Verwirrung abgewechselt. Und dann ĂŒberkam es sie. Ein seltsamer Impuls, der wie aus dem Nichts zu kommen schien, und doch so stark war, dass sie sich ihm nicht entziehen konnte. Ein Verlangen sich mitzuteilen, transparente und konturlose Empfindungen in Worte zu fassen und Verschwiegenes zu offenbaren. Sie griff wieder nach ihren Schreibmaterialien und fĂŒgte dem anfĂ€nglichen Text in flĂŒchtiger hektischer Schrift etwas hinzu, das ihr plötzlich mit einer solch seltenen und ungewohnten Klarheit durch den Kopf ging, dass es sie ĂŒberraschte und beflĂŒgelte. Die Gedanken schossen ihr so schnell und zahlreich durch den Kopf, dass sie trotz ihrer augenblicklichen IntensitĂ€t jeden Moment in Begriff waren zu verschwinden. CĂ©cile musste unweigerlich an BlĂ€tter, die vom Wind durch die Straßen getrieben wurden, denken, obschon ihr eigentlich jeder Hang zu symbolischer SentimentalitĂ€t zuwider war.
Aus wenigen SĂ€tzen wurden eineinhalb Seiten; aus kurzzeitiger Langeweile war Leidenschaft und Überzeugung geworden.
>>Da gibt es allerdings natĂŒrlich dieses berĂŒhmte Klischee des „Lebens in zwei Welten“, wie meine Situation im Volksmund so gerne genannt wird, welches bei mir jedoch nicht zutrifft. Ich denke, dass ich in dieser Hinsicht viel mehr in meiner eigenen Welt lebe und mich daher weder als Deutsche noch als Russin oder sonst irgendetwas anderes empfinde.
StĂ€ndig versuchen Menschen andere in bestimmte Schubladen zu stecken - verstĂ€ndlich, schließlich macht das alles scheinbar erheblich einfacher. Man muss sich nicht hinterfragen und kann einfach mit der breiten Masse gehen. SelbstverstĂ€ndlich muss man sich auch nicht allein gegen diese Menge stellen. Das Problem dieser „Schubladenwirtschaft“ sind nicht nur die damit verbundenen EinschrĂ€nkungen fĂŒr den Einzelnen, sondern auch der Fakt, dass es immer Menschen gibt, die in keine davon hineinpassen und somit automatisch gezwungen sind sich gegen die Masse aufzulehnen, wenn sie sich nicht darin verlieren wollen. Russland-Deutsche sind da nur ein Beispiel unter vielen. Hier in Deutschland sind sie Russen, in Russland wiederrum Deutsche. Nicht umsonst nennt man unsereinen das „Volk ohne Heimat“. Eine besondere Schublade ohne positiven Beigeschmack.
Die einzig wahre Lösung ist meiner Meinung nach Individualismus, sich selbst als eigenstĂ€ndige unikale Person und nicht als Zugehörige einer Kategorie zu betrachten. Und andere dazu bringen einen ebenso zu sehen und zu akzeptieren. Aus den Schubladen auszubrechen ist zwar hart, jedoch möglicherweise die einzige Chance sich selbst treu zu bleiben. Ich habe kein NationalitĂ€tsbewusstsein - womit die Frage nach dem Patriotismus wohl ebenfalls geklĂ€rt wĂ€re - und bedauere dies auch nicht. Das hat ĂŒbrigens nur sehr geringfĂŒgig mit dem Wunsch oder der Vision einer heilen Welt, die vor Gleichberechtigung, Frieden und VerstĂ€ndnis unter ihren Menschen nur so strotzt, zu tun. Es ist meine Art den Schubladen zu entfliehen.<<
CĂ©cile schaute vom Geschriebenen auf. Es hatte zu regnen begonnen und ihr Vater lief mit dem Aktenkoffer ĂŒber dem Kopf auf das Auto zu. WĂ€hrend der Fahrt lauschte CĂ©cile nachdenklich dem GerĂ€usch der Regentropfen, die aufgeregt gegen die Fensterscheibe des Autos schlugen, und versuchte darin ihr aufgewĂŒhltes Ich zu hören.

* * *

Es klingelte zum Ende der zweiten Pause und der Schulhof begann sich langsam zu leeren. Felix, CĂ©cile und Ben kamen wie immer als letzte herein, aber das störte inzwischen niemanden mehr. WĂ€hrend sie sich zu ihren PlĂ€tzen begaben - CĂ©cile und Felix saßen in fast allen FĂ€chern nebeneinander, wĂ€hrend Ben seinen Platz meistens ebenfalls irgendwo in der NĂ€he hatte - war Saskia Stoltz gerade dabei, die AufsĂ€tze wieder auszuteilen, die sie nach der vorigen Stunde zur Korrektur mitgenommen hatte.
„Eine sehr gute Arbeit.“, sagte sie zu CĂ©cile, als diese an der Reihe war, und hielt ihr das Blatt hin. >>Danke fĂŒr das Vertrauen, CĂ©cile!<<, las sie darunter. Der ihr ausgehĂ€ndigte Text schien Eindruck auf die junge Lehrerin gemacht zu haben, sie hatte bei all der ihr eigenen GrĂŒndlichkeit nicht einmal einen Fehler darin angestrichen. Das Geschriebene war so unverhofft ehrlich und direkt, dass es sie fast schon mit Ehrfurcht erfĂŒllte.
>>Vertrauen ist die stillste Art von Mut.<<, fiel CĂ©cile plötzlich ein und sie musste zugeben, dass das Zitat einen Funken Wahrheit enthielt, obwohl sie sich nicht einmal daran erinnern konnte von wem es stammte. Es hatte sie einiges an Überwindung gekostet diesen Text von jemanden lesen zu lassen, der ihr fast völlig fremd war.

Nach dem Unterricht trafen sich die Freunde wie gewöhnlich bei Michael, da er in der Stadt nicht sehr weit von der Schule weg wohnte und bei ihm nachmittags meistens niemand zu Hause war.
Sylvia, Michael und Vanessa hatten den Rest der Mannschaft aus der KĂŒche vertrieben und kĂŒmmerten sich nun um das Essen.
„Ich weiss nicht so recht, ob ich wegen dem enormen Vertrauen unserer Freunde in unsere UnfĂ€higkeit beleidigt sein oder einfach nur das selige Nichts-Tun genießen
sollte.“, meinte CĂ©cile lĂ€chelnd zu Felix, Claudia und Ben, die es sich inzwischen im Wohnzimmer gemĂŒtlich gemacht hatten.
„Da bin ich auch noch etwas unschlĂŒssig, schließlich wurden wir bekanntlich nicht aus Platzmangel hinaus geworfen. Obwohl ich mich - nach den Ausmaßen des Raumes zu urteilen - theoretisch mit diesem Gedanken trösten könnte. Was dagegen auffĂ€llig ist, ist Vanessas plötzliches Aufleben. Hört euch doch mal an, wie sie ihre Gehilfen herumkommandiert - und das in vollstĂ€ndigen SĂ€tzen!“ Bei seiner letzten Phrase machte sich auf Felix’ Gesicht ein schelmisches Grinsen breit wobei CĂ©cile und Ben in GelĂ€chter verfielen.
„Ja, sie scheint wahrhaftig ihr MĂ©tier gefunden zu haben. Obwohl Michael mir ja schon vor etwa einer Woche anvertraut hatte, dass das MĂ€dchen am Telefon ungewöhnlich gesprĂ€chig sei.“, sagte CĂ©cile, nachdem sie sich wieder gefangen hatte. Sie wusste, dass Felix mit seiner Bemerkung recht hatte: Als Claudia ihnen Vanessa zum ersten Mal als ihre Freundin vorgestellt hatte, war Vanessa so still gewesen, dass es den meisten nicht einmal auffiel, ob sie da war oder nicht. Wenn sie zufĂ€llig etwas gefragt wurde, nickte sie nur bzw. schĂŒttelte den Kopf oder gab einsilbige Antworten. Im Vergleich zu den grĂ¶ĂŸtenteils starken und vor allem lauten Charakteren der Gruppe wirkte sie wie ein Schatten. Sie war so manisch schĂŒchtern, dass dieses Verhalten mit der Zeit zu ihrem auffĂ€lligsten Merkmal wurde und sich kaum jemand mehr wunderte. SelbstverstĂ€ndlich wurde gestichelt, die Witze nahmen jedoch selten beleidigende Ausmaße an. In letzter Zeit schien Vanessa jedoch einen großen Teil ihrer Angst verloren zu haben, womöglich nicht zuletzt durch das fast tĂ€gliche Zusammensein. Sie sprach mehr und hatte sich zu einem festen Mitglied der Gemeinschaft entwickelt.
„Glaubt ihr, dass sich da etwas anbandelt?“, fragte Felix plötzlich neugierig in die Runde.
„Zwischen Vanessa und Michael? Ich bin nicht sicher, aber es wĂ€re gar keine schlechte Idee.“ Überraschte Blicke.
„Schaut mal, Michael redet schließlich ohnehin schon ohne Unterlass, da wĂ€re sie fĂŒr ihn doch eigentlich die perfekte Freundin. HĂ€lt die Klappe und kann stundenlang seinen skurrilen Ideen lauschen. BestĂ€tigt ĂŒbrigens auch die beliebte Theorie, dass GegensĂ€tze sich bekanntlich anziehen.“
„Stempelt sie doch nicht so ab, Leute. Vanessa ist eben nicht besonders selbstsicher, aber sie kann doch nichts dafĂŒr und sie ist ein wirklich netter Mensch, wenn man sie erst einmal kennt.“, kam es diplomatisch von Claudias Lippen und CĂ©cile konnte sich ein LĂ€cheln nicht verkneifen. Claudia war ein liebenswĂŒrdiges MĂ€dchen, gewiss, und sie schĂ€tze ihre Aufrichtigkeit und ihre Sorge, aber CĂ©cile fand dennoch, dass sie sich wenigstens gelegentlich des Spaßes Willen von ihrem BeschĂŒtzerinstinkt gegenĂŒber Vanessa lösen sollte. Über Vanessa selbst machte sie sich eigentlich keine Gedanken, CĂ©cile interessierten stille unauffĂ€llige Menschen einfach nicht und gelegentlich neigte sie dazu sie als langweilig zu bezeichnen. Sie war ohnehin sehr schnell von Menschen, Filmen, Liedern, Partys und anderen Ereignissen gelangweilt, sie war nun einmal schwer zu beeindrucken. Das einzige was sie immer bei Laune halten konnte waren KĂŒnste, wie Schreiben, Malerei, Musik, Theater, Tanz. Sie hatte Respekt vor ihnen und hĂ€tte am liebsten darin gelebt, alles andere schien daneben so nichtig zu sein.

„Ist das ein Geschichtsbuch in deinen HĂ€nden, Sonnenscheinchen?“
CĂ©cile hatte Felix nicht kommen gehört und erschrak nun, als sie plötzlich von hinten angesprochen wurde. Sie hatte sich fĂŒr eine Weile nach oben in Michaels Schlafzimmer zurĂŒckgezogen, solange die anderen noch immer in der KĂŒche rumorten oder sich im Wohnzimmer auf dem Sofa herum lĂŒmmelten.
„Ja“, sagte sie zögerlich und fĂŒgte dann lĂ€chelnd hinzu: „Du weisst natĂŒrlich, wie sehr ich es eigentlich verabscheue sich bei Freunden mit schulischen Dingen zu beschĂ€ftigen, aber da ich heute noch bis spĂ€t abends unterwegs sein werde, komme ich leider nicht darum herum. Ich hoffe ihr erbarmt euch und verzeiht mir, huh?“
„Aber sicher, wozu sind Freunde denn da? Dir ist ja bekannt, dass wir ohnehin deinem Charme erliegen wĂŒrden. Apropos Schule: Hab ich dir schon erzĂ€hlt, was unsere geehrte Frau Stoltz zu meiner Argumentation gemeint hat?“
„Nein...“
„Sie hat gesagt die Argumentation selbst sei sehr gut, der Satzbau dagegen mehr als mangelhaft. Was soll ich deiner Meinung nach davon halten?“
„Dich freuen, dass deine grauen Zellen scheinbar in Ordnung sind und an deinem Satzbau arbeiten, ist doch logisch. Unter meinem Aufsatz fand ich dagegen eine Ă€ußerst sentimentale Äußerung vor, >>Danke fĂŒr dein Vertrauen, CĂ©cile.<<“
„Dein Vertrauen? Sag mal, was fĂŒr einen Text hast du denn eigentlich geschrieben?“
„Vielleicht zeige ich ihn dir irgendwann mal. Ist persönlicher geworden, als ihn haben wollte.“
Felix nickte und verschwand dann auf der Treppe, da von unten gerade zum Essen gerufen wurde. Sie hatten es zum Schluss also doch noch geschafft. CĂ©cile war ziemlich verblĂŒfft ĂŒber die Reaktion ihres Freundes. Mit einem solch schnellen Abgang hatte sie nun wirklich nicht gerechnet. Sie hatte zumindest eine weitere Frage erwartet, zum Beispiel was an dem Text so persönlich sei oder etwas in der Art; stattdessen hatte er nur kurz genickt und war dann gegangen. Noch immer leicht verwirrt stand sie vom Bett auf und begab sich ebenfalls nach unten, wo ihr augenblicklich der Duft von heißen Spaggetti und pickanter Souße entgegenströmte.
Im Laufe des Tages erwĂ€hnte CĂ©cile das Thema noch einige Male, aber Felix zeigte keinerlei auffĂ€llige Neugier und unterließ es auch, sie ĂŒber ihren Text auszufragen. Das erschien CĂ©cile im Endeffekt doch recht seltsam, besonders wenn sie daran dachte, wieviel Interesse und Anteilnahme er ihr und den Dingen, die sie tat oder die ihr durch den Kopf gingen, sonst schenkte. Sie dachte jedoch nicht daran, ihm ihr intimstes Seelenleben aufdrĂ€ngen zu wollen, obgleich sie ihm doch gern eine Gelegenheit gegeben hĂ€tte sie wirklich kennenzulernen. Es gab schließlich kaum jemanden, der das tat, weil sie Menschen nur sehr langsam vertraute.
Sie konnte es sich weder eingestehen noch ganz begreifen, aber sie ahnte, wie sehr sie sich heimlich wĂŒnschte, er hĂ€tte intensiver nachgeforscht und wie sehr es sie enttĂ€uschte, dass er es nicht getan hatte.

In der Nacht trĂ€umte CĂ©cile von Mord an ihren Eltern und wachte mit einem starken GefĂŒhl von Wut und Traurigkeit auf. Zuerst wusste sie nichts mit dieser plötzlichen Empfindung anzufangen und fragte sich woher sie kam, bis sich der Nebel der Erinnerung langsam lichtete und der soeben erlebte Traum vor ihrem inneren Auge wieder lebendig wurde. Schneller und schneller began jedes Detail der wirren Geschichte in ihr GedĂ€chnis zurĂŒckzukehren. Sie sah sich auf irgendeiner Party, umgeben von ihren Freunden. Die Musik war laut und die Stimmung ausgelassen. Draußen dĂ€mmerte es bereits und ihre Eltern wĂŒrden sie warscheinlich bald abholen. CĂ©cile ĂŒberprĂŒfte sicherheitshalber, ob der Rufton ihres Handys angeschaltet war, denn sie wusste, dass sie mit einem Riesendonnerwetter rechnen konnte, wenn ihre Mutter nicht in der Lage sein sollte sie zu erreichen, wie es schon oft genug vorgekommen war. Gerade als sie es wieder in die Tasche stecken wollte, klingelte das Handy.
„Hier spricht Polizeiinspektor Heinrich Luebbe vom Morddezenat. Ist CĂ©cile Rosenberg am Apparat?“
CĂ©cile verspĂŒrte plötzlich ein flaues GefĂŒhl in der Magengegend: „Ja, das bin ich.“
„Ich muss Ihnen eine traurige Mitteilung machen. Ihre Eltern, Alexander und Eliza Rosenberg, sind heute abend tot in ihrem Haus aufgefunden worden. Es tut mir sehr leid. Wenn sie mir Ihren derzeitigen Aufenthaltsort nennen schicke ich einen Beamten zu Ihnen, um sie abzuholen...“
Um Cécile drehte sich alles, aus weiter Ferne drang die Stimme des Polizisten an ihr Ohr. Sie drohte ohnmÀchtig zu werden.
„Wie...wie ist das passiert?“, brachte das MĂ€dchen mĂŒhsam hervor.
„Die Leichen ihrer Eltern weisen mehrere Schusswunden auf und es liegen Spuren von gewaltsamem Eindringen vor, wir mĂŒssen also davon ausgehen...“
CĂ©cile wurde von kaltem Schweiß geschĂŒttelt, ihre Beine konnten sie kaum halten. Sie lehnte sich zitternd gegen eine Wand und versuchte ĂŒber sich Herr zu werden. Die darauffolgenden Minuten bekam das MĂ€dchen nur sehr vage mit. Der Inspektor fragte noch einmal nach ihrem Aufenthaltsort, sie nannte ihm die Adresse, er bat sie dort auf seinen Kollegen zu warten.
„Mein herzliches Beileid.“, hörte sie ihn sagen. Eine belanglose Phrase, dessen gesamte Sinnlosigkeit sie erst jetzt wirklich begriff.
Sie legte auf. Ziellos irrte CĂ©cile durch verschiedene RĂ€ume und stieß stĂ€ndig mit feucht-fröhlichen PartygĂ€sten zusammen. Sie konnte weder ihre Gesichter noch ihre Anzahl erkennen, die Bilder verschwammen vor ihren Augen. CĂ©cile wĂŒnschte sich nur, dieser ohrenbetĂ€ubende LĂ€rm, der in ihrem Kopf dröhnte, möge aufhören und sie das vergessen lassen, was sie soeben erfahren hatte. Dann spĂŒrte sie wie jemand sie an der Schulter fasste. Sie drehte sich ruckartig um und sah, dass Felix es war, der sie festhielt.
„Hey CĂ©cile, was hast du denn auf einmal?“
Er schien bester Laune zu sein und schaute sie verdutzt an, als könne er nicht begreifen, wie jemand an einem so amĂŒsanten Abend wie diesem TrĂŒbsal blasen könne.
Sie schĂŒttelte nur den Kopf, unfĂ€hig eine ErklĂ€rung abzugeben oder den dumpfen Schmerz in ihrer Brust zu beschreiben. Auf ihren Augen und ihren geröteten Wangen schimmerten frische
TrĂ€nen und sie atmete heftig. CĂ©cile hörte ihn noch einmal fragen, sagte jedoch noch immer nichts, schluchzte dann laut auf und lief davon. Sie erwartete, dass ihr Freund ihr hinterherlaufen, sie an sich drĂŒcken und verlangen wĂŒrde zu erfahren, was passiert sei. Sie wusste, dass sie ihn jetzt am meisten brauchte, auch wenn sie es nicht zugeben wollte. Als sie keine Schritte hinter sich vernahm, drehte CĂ©cile sich um, doch hinter ihr war niemand. Felix war gegangen.
Auf einmal wurde es um sie herum still. CĂ©cile setzte sich mit dem RĂŒcken zur Wand auf den Boden und der dumpfe Schmerz in ihrer Brust nahm zu, wĂ€hrend sie ihre Knie fest umklammert hielt und manisch hin und her schaukelte.
Sie wĂŒnschte sich in ihrer Verzweiflung so sehr, dass er sich ihrer angenommen, sie gehalten und sie gezwungen hĂ€tte, ihm zu sagen was mit ihr los sei. HĂ€tte er sie tröstend in die Arme genommen und hartnĂ€ckig darauf bestanden zu erfahren, was geschehen war, hĂ€tte sie sich ihm schließlich doch anvertraut und ihren Schmerz geteilt, zum ersten Mal seit ihrer Bekanntschaft emotionale SchwĂ€che offenbart. Ihre TrĂ€nen hĂ€tten dann sein Shirt durchnĂ€sst und wĂ€hren irgendwann erstorben, ihre Schreie an seiner Brust erstickt.
Er hatte ihr aber weder Trost gespendet noch den Halt gegeben, den sie jetzt mehr denn je brauchte. Er war gegangen und hatte sie mit sich - der schlimmsten aller Gefahren - allein gelassen, als ginge es ihn nichts an. CĂ©cile begann zu ertrinken.

Es war wieder einer dieser so real erscheinenden TrĂ€ume gewesen, die sie erschreckten und noch in den Tag hinein begleiteten. CĂ©cile sank zurĂŒck in ihre Kissen und TrĂ€nen rollten ihre Wangen hinab.

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ex-mact

???

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Moin,

willkommen in der Lupe!

Ich habe momentan leider nur sehr wenig Zeit - und Dein Text ist recht lang. Falls ich eine Gelegenheit finde, ihn komplett zu lesen, hole ich selbiges nach - erstmal habe ich mir nur den Anfang vorgenommen.

Deine SĂ€tze sind zu lang, zu komplex und zu infinitivisiert :-)

Anders formuliert: Du baust SatzgetĂŒme (UngetĂŒme wĂ€ren jedoch schlimmer) und verwendest viele "um-zu-Formen", die SĂ€tze "veruneigentlichen". Der Mittelweg zwischen langen, beschreibenden - aber langweilenden - SĂ€tzen und kurzen, prĂ€zisen - dafĂŒr leicht ins monotone abrutschenden - Aussagen ist schwer zu finden. Ein erster Schritt dorthin könnte sein, etliche Attribute zu streichen (Adjektive, Adverben), die ohnehin durch den Zusammenhang im Leser-Geist entstehen. Auch die hĂ€ufigen ErklĂ€rungen, warum er/sie/es etwas tut, wie er/sie/es es tut, um zu tun, was das Getane schließlich getutet haben worden werden wird... ich wollte sagen: spare mit ErklĂ€rungen, dann hast Du Platz im Bedarfsfall.

> CĂ©cile saß schweigend im Auto, in der Hoffnung bald ihren
> Vater durch die mattierte GlastĂŒr des GebĂ€udes vor ihnen
> treten zu sehen, damit sie endlich nach Hause fahren
> konnten. Wie jeden Freitag warteten sie und ihre Mutter
> auf dem Parkplatz vor seinem BĂŒro, um CĂ©ciles Vater
> abzuholen, und wie immer verspÀtete er sich.
> ...

Cecile saß schlecht gelaunt auf der RĂŒckbank. Vater verspĂ€tete sich immer! Das Handy ihrer Mutter klingelte und schon nach ein paar Worten war klar, daß sie heute noch lĂ€nger als sonst warten mussten. Also kramte sie ihre Hausaufgaben aus der Tasche und begann, sich die Zeit mit Papier und Kugelschreiber zu vertreiben. Am Wochenende kĂ€me sie ohnehin nicht dazu.

...

Das ist keine "Verbesserung" sondern der Ad-Hoc Versuch, den langen ersten Absatz zusammen zu fassen, ohne ErklÀrungen und Beschreibungen abzugeben. Denn die Situation wird, denke ich, auch so ausreichend beschrieben, der Leser kann sich lebhaft vorstellen, was in Ceciles Kopf vorgeht.

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Deanna Rialto
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Danke!:)

hi mact!

Erst einmal bedanke ich mich bei dir, dass du dir (zumindest den Anfang) des Textes mal angeschaut hast, ich hoffe du kommst noch dazu den Rest zu lesen! Deine Kritik schÀtze ich sehr und du hast SchwÀchen angesprochen, die mir teilweise schon selbst aufgefallen sind, nur bin ich mir selbst immer ein wenig unsicher in welche Richtung genau ich dabei gehen muss. Ich habe hÀufig Probleme damit meine Texte als Leser und nicht als Autor durchzulesen. An meinen verschachtelten SÀtzen werde ich noch arbeiten!

Hoffe bald mehr von dir zu hören!

Liebe GrĂŒsse,
Deanna

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