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Leselupe.de > Kurzgeschichten
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Eingestellt am 25. 12. 2001 00:26


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anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

Werke: 587
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Sabine kam gerade um die Ecke, blass sah sie aus. „kannst du mir etwas pumpen?“ Diese Frage kannte Jürgen schon. Sehr oft hatte er ihr Geld gegeben, von wegen „pumpen“, noch nie bekam er auch nur einen Teil davon zurück.

Er traf Sabine, weil er am Stadtbrunnen vorbeikam. Dort hielten sie sich auf, die Dealer und die Süchtigen. Jetzt eilte es sie, wegzukommen. Sein Geld musste in Koks angelegt werden.

Unschlüssig stand er herum, gerne hätte er noch mit ihr geredet und über die Situation zu Hause gesprochen. Doch sie interessierte sich nur für den Stoff und wenn er nicht bald machte, dass er hier weg kam, würden ihn dieAnderen hier auch noch anpumpen.

Im Vorbeigehen hörte er, wie der Freund von ihr zu einem Anderen sagte: „Och, das ist nur ihr Bruder, diese Flasche.“

Plötzlich überlegt er es sich noch einmal: Warum hatte dieser Typ ihn „Flasche“ genannt? Der kannte ihn doch gar nicht! Oder doch?

Er entschloß sich zurück zu ihm zu gehen, setzte sich neben ihn auf den Brunnenrand und fragte ihn: „Warum nanntest du mich Flasche?“

Der Typ mit seinen langen Haaren und seinem mageren Körper sah ihn eindringlich an. „Ich weiß es von deiner Schwester!“

„Was weißt du über mich?“ hakte Jürgen nach.

„Du bist der Tausendsassa zu Hause, sollst mal alles erben, in Vaters Fußstapfen treten!“

„Und wer hat mir das eingebrockt?“ fragte Jürgen ihn. „Meine Schwester! Sie hat unsere Eltern schon genug enttäuscht. Ich möchte das alles nicht, doch ich will ihnen Kummer ersparen“. „Pah!“ gab er abweisend von sich. „Du warst doch schon immer der Liebling deiner Eltern!“ Unterwegs sann er darüber nach. War es so? War es wirklich so? Ist das der Grund für seine Schwester gewesen sich an so ein Extrem zu hängen?


Vater zeigte auf den freien Platz neben der Doppelgarage, „dort dachte ich könnte ein Anbau stehen!“ Ja, das wusste Jürgen, das war ihm wichtig, dass er ihm nur nicht auch davon lief. Seine Schwester lief und ging wohin sie wollte, doch ihn hatte man zu Hause eingeplant. Wie sollte er das jemals seiner Freundin klar machen? Sicher lief sie ihm gleich davon.


Anja bog gerade um die Ecke und rief ihm zu: “Hey, Jürgen, so warte doch!“ Sie hakte sich bei ihm unter und gemeinsam liefen sie die Stufen empor. Er musste es ihr jetzt gleich sagen, bevor sein Vater es machte. Sie sollte es nur von ihm erfahren.

Nach dem ersten langen Begrüßungskuss begann er ihr von seiner Schwester zu erzählen und davon was Vater mit ihm vorhatte. Anja hörte sich alles stillschweigend an, gab keinen Kommentar, nichts.

Es wurmte ihn, dass sie darauf nicht reagierte. „Was ist jetzt?“ fragte er, „Was denkst du darüber?“ „Also eins will ich dir sagen, wenn du das wirklich vor hast, für ewig und alle Zeiten bei deinen Eltern zu bleiben, nicht mit mir! Ich finde sie zwar sympathisch, doch
ich käme mit ihnen nicht aus, da bin ich mir ganz sicher.

Dann müssen wir es ihnen gleich sagen, bevor sie weiter mit uns spekulieren, denn Vater hat schon fast die Pläne für den Anbau in der Tasche.

Gemeinsam gingen sie hinüber ins Wohnzimmer, wo Vater mit dem Stift auf dem Papier herummalte. Sicher waren es schon Räume für den geplanten Anbau.

„Du Papa, wir wollen das nicht!“ Schnell nahm Jürgen ihm den Wind aus den Segeln. „Wir haben zwar noch keine Zukunftspläne, aber wir sind uns sicher, dass wir hier nicht wohnen wollen! Bitte plane nichts mit uns. Wir wollen unseren eigenen Weg gehen und finden.“

Vater schwieg zwar lange Zeit, schien enttäuscht zu sein aber die Beiden machten es schon wieder gut, indem sie ihre Eltern oft besuchten, nachdem sie eine eigene Wohnung gefunden hatten.

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