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Leselupe.de > Humor und Satire
Verweigerung
Eingestellt am 17. 10. 2006 16:51


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Raniero
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Verweigerung

Mit ungl├Ąubigem Erstaunen nahm Konrad Rutenfort das Groschenblatt zur Hand und starrte auf die Schlagzeile:
ÔÇ×Ehemann verweigert Sex.
Frau ruft Polizei!ÔÇť
stand dort in fetten Lettern und nahm mehr als die H├Ąlfte der Titelseite ein.
ÔÇÜDonnerwetter, was ist das denn f├╝r eine Meldung?ÔÇÖ dachte Konrad und wollte die Zeitung schon umschlagen, um auf Seite drei hinter das Geheimnis dieser Nachricht zu kommen, als er innehielt und nachdenklich das Blatt beiseite legte. Er versuchte, sich die Schlagzeile einmal bildlich vorzustellen und musste dabei unwillk├╝rlich lachen.

Konrad Rutenfort war seit mehr als einem halben Jahrhundert verheiratet, mit ein und derselben Frau, doch eine solche Situation war ihm zum Gl├╝ck noch nicht untergekommen. Nat├╝rlich hatte es im Verlauf seiner langj├Ąhrigen Ehe zuweilen Streit, Unstimmigkeiten und Disharmonien gegeben, - in welcher Ehe auf dem ganzen Erdenball kam so etwas nicht vor - doch im gro├čen und Ganzen konnte er doch auf ein recht harmonisches Zusammenleben mit seiner Frau zur├╝ckblicken. Dieser Ehe waren zwei Kinder entsprungen, Sohn und Tochter, die mittlerweile fl├╝gge geworden, das Haus bereits verlassen und gleichfalls Familien gegr├╝ndet hatten, sodass Konrad und seine Frau Hilde sich nicht nur wie richtige Grosseltern f├╝hlten, sondern es auch waren.
Um das Gl├╝ck vollkommen zu machen, waren ihre beiden Kinder, der Sohn wie auch die Tochter, nicht allzu weit weg vom Elternhaus fortgezogen, sodass gegenseitige Besuche, zwar nicht in ├╝berfallartiger Form, sondern nach Absprache, des ├ľfteren erfolgten, bei denen sich Konrad und Hilde wie alle Gro├čeltern wie n├Ąrrisch auf die Enkel freuten. Gleichwohl warten sie hierbei eine gewisse Distanz zu ihren eigenen Kindern und achteten sehr wohl darauf, sich nicht zu sehr in deren Leben einzumischen, denn sie wussten aus eigener Erfahrung, dass nichts so sehr das Verh├Ąltnis zwischen den Generation nachhaltiger zerst├Âren kann, als allzu h├Ąufiges T├Âpfegucken.
Konrad sch├╝ttelte den Kopf und wollte erneut die Zeitung zur Hand nehmen, um auf Seite drei die wahren Hintergr├╝nde der sexuellen Katastrophe des fremden Ehepaares zu erfahren, als er mit einem Blick auf die Uhr feststellte, dass es Zeit war, den Kaffe aufzusetzen. Kaum hatte er die Kaffeemaschine in Gang gesetzt, als seine Frau auch schon vom Stadtbummel heimkehrte.
ÔÇ×Hm, das riecht aber gut, Konrad. Ich hab auch Kuchen mitgebracht, Erdbeertorte, freust du dich? Was ist das denn?ÔÇť rief sie erstaunt und zeigte auf die Schlagzeile des Boulevardblattes auf dem Tisch.
ÔÇ×Das habe ich mich auch gefragt, Hilde.ÔÇť
Beide mussten lauthals lachen.
ÔÇ×Na, jaÔÇť, meinte Hilde, w├Ąhrend sie den Kuchen auspackte, ÔÇ×da hast du ja richtig Gl├╝ck gehabt im Gegensatz zu dem Ehemann daÔÇť, wies sie erneut auf die Zeitung, ÔÇ×dass ich immer zufrieden war, mit dir, bis jetzt.ÔÇť
ÔÇ×Wie bitte, Schatz? Du kannst dich doch wohl nicht beklagen!ÔÇť
Nachdem Hilde den Kuchen aufgetischt hatte, wollte sie die Zeitung zur Hand nehmen, um der so gro├č aufgebauschten Story auf den Grund zu gehen, besann sich abrupt jedoch eines anderen und blickte ihren Mann mit einem merkw├╝rdigen Ausdruck an, den dieser nur zu gut kannte.
ÔÇ×Sollen wir eben schnell, oder muss ich erst die Polizei rufen, Konrad?ÔÇť
ÔÇ×Und der Kaffee? Und der Kuchen?ÔÇť
ÔÇ×Sp├Ąter Konrad, daf├╝r haben wir sp├Ąter Zeit; komm schnell, Schatz! Ich hol auch nicht die Polizei, das verspreche ich dir, auch wenn du nur einmal kommstÔÇť, neckte und lockte sie ihn wie in alten Zeiten, und Konrad lie├č sich das nicht zweimal sagen.
Eiligen Schrittes folgte er seiner besseren H├Ąlfte ins Schlafzimmer, und mit unglaublicher Geschwindigkeit entledigte sich der sechsundf├╝nfzigj├Ąhrige Opa seiner Kleider und warf sich mit einem Sprung zur f├╝nfundf├╝nfzigj├Ąhrigen Gro├čmutter ins gemeinsame Nachtlager, dass die Federn krachten. Sodann setzten sie zu einer st├╝rmischen und lang anhaltenden Ma├čnahme an, die man Personen ihres Alters gar nicht mehr so ohne weiteres zugetraut h├Ątte, die jedoch gleichwohl ihren Tribut einforderte, denn beide fielen anschlie├čend in einen tiefen Schlaf.

Geweckt wurden sie aus diesem Schlaf von mehreren Polizeisirenen, die unmittelbar vor ihrem Haus ert├Ânten. Als sie verbl├╝fft aus dem Fenster schauten, stellten sie fest, dass es sich gar nicht um Polizei - sondern um Feuerwehrsirenen handelte, und nun bemerkten sie ihn auch, den dichten Qualm, der aus dem K├╝chenfenster im Erdgeschoss heraus quoll.
ÔÇ×Mein Gott, die Kaffeemaschine, Konrad, hast du die nicht ausgestellt?ÔÇť
Konrad hatte nicht, und insofern stellte sich der Feuerwehrweinsatz, den aufmerksame Nachbarn ins Leben gerufen hatten, als durchaus berechtigt heraus. Zum Gl├╝ck war der Schaden nicht allzu gro├č, nur die K├╝cheneinrichtung war hin, aber Hilde wollte ja schon immer eine neue haben.

Aus diesem Missgeschick zogen die Eheleute Rutenfort jedoch eine nachhaltige Konsequenz f├╝r die Zukunft; vor jeder ehelichen Pflicht├╝bung tranken sie von dem Tag an nur noch kalte Milch, nach Meinung ihres Hausarztes sollte das auch viel ges├╝nder sein.

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Felix
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Das Ende hat bei mir zwar nicht f├╝r den gro├čen Lacher gesorgt, aber die augenzwinkernde Pointe hat mir trotzdem gefallen.
Nur zwei kleine ├ťberlegungen am Rande:
Stellen sich Kaffeemaschinen nicht eigentlich von alleine aus, sobald der Kaffee fertig gebr├╝ht ist? (ja ich wei├č, es war wichtig f├╝r die Pointe)
Und: Sie sind schon ├╝ber ein halbes Jahrhundert verheiratet, aber dennoch erst mitte F├╝nfzig. Muss eine wahre Sandkastenliebe sein
__________________
Show me a hero and I will write you a tragedy. F. S. Fitzgerald

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Raniero
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Hallo Felix,

ich habe einmal aus berufenem Munde geh├Ârt, dass Kaffeemaschinen, die sich nicht selbst ausschalten,(soll es tats├Ąchlich noch geben) f├╝rchterliche Br├Ąnde verursachen k├Ânnen.
Bez├╝glich des Alters des Ehepaares hast Du nat├╝rlich Recht, sechsundsiebzig und f├╝nfundsiebzig muss es nat├╝rlich hei├čen.

Gru├č Raniero

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flammarion
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also

ich mach jetzt die kaffeemaschine an, damit ich wieder munter werde. mir sind doch glatt beim lesen die augen zugefallen . . .
lg
__________________
Old Icke

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Wendy
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Hallo Raniero,

habe herzlich ├╝ber deine Geschichte lachen m├╝ssen. ├ťber das Alter bin ich eher nicht gestolpert. Es war die Idee, die mich so faszinierte. Immer nach dem Motto: Je oller, desto doller.

Weiter so.

Liebe Gr├╝├če

Wendy

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Raniero
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Hallo flammarion,
hallo Wendy,

freut mich, dass Euch die Story gefallen hat, der Einen mehr, der anderen weniger. Na, ja, flammarion ist noch nicht in dem Alter, sich vorzustellen, dass Sex mit sex(chs)undsiebzig Spass macht.

Gru├č Raniero





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