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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Verzaubert
Eingestellt am 25. 11. 2011 11:49


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Estella
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Registriert: Jan 2005

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Es war an einem Sonntag im August. Ein heißer, schwĂŒlwarmer Tag, wie all die Tage auch davor. Adrian war frĂŒh aufgebrochen, um der stickigen Stadtluft zu entkommen. Gegen neun Uhr hatte er den Schluchsee erreicht. Er stellte seinen Wagen ab und machte sich auf, den See zu umwandern.

Langsam schlenderte Adrian Becker, ein junger Mann, schlank und hochgewachsen, den von BĂ€umen ĂŒberschatteten Weg entlang. Der See, der Wald, es herrschte eine laue, trĂ€ge Stimmung. WĂ€hrend er die Wolken beobachtete, die am Himmel hinzogen und dem Zittern der Baumwipfel lauschte, empfand er ein GefĂŒhl der Ruhe. Der Weg und der Strand waren menschenleer. Die SonntagsspaziergĂ€nger wĂŒrden wohl erst am Nachmittag auftauchen. Nach etwa einer Stunde machte er Rast, setzte sich auf einen großen Stein, am Rand des Weges, zog die Wasserflasche aus dem Rucksack und nahm einen krĂ€ftigen Schluck. Eine Weile saß er still, ließ die Beine baumeln und seine Gedanken schweifen. Wie er da ruhte, in der Hitze des Sommers und in seiner Einsamkeit, wurde er plötzlich aufmerksam.

Ein GerĂ€usch hatte ihn aufgeschreckt. Glockenhelle Stimmen, Lachen, laut und wieder verhalten. Woher kamen diese GerĂ€usche? Der See lag so still, wie vorher. Auf dem Weg bewegte sich niemand. Adrian lauschte. Zirpen, der Ruf einer Nachtigall, Rascheln unter tief hĂ€ngenden Ästen und wieder Stimmen. Kichern, locken, rufen. Nur wenige Schritte trennten den Weg von einem WaldstĂŒck, das sich dunkel und geheimnisvoll am Seeufer entlang zog. Adrian ließ sich von dem Stein gleiten. Einen Augenblick lang zögerte er, bevor er mit langen Schritten den Wald betrat. Hier war es schattig und kĂŒhl. Adrian bemerkte eine Spur in dem hoch stehenden Heidekraut, die tiefer in den Wald hinein fĂŒhrte.
Jetzt, wieder, ganz in der NĂ€he, FlĂŒstern und Raunen, ein Flirren und Singen, Adrian folgte den Stimmen mit klopfendem Herzen.

Einige Schritte weiter sah er den See, der mit seinen hohen Ufern, tief in den Wald geschnitten, plötzlich vor ihm lag. Über dem schwarzen Wasser schwebten weiße Schleier. Als er nĂ€her kam, waren sie verschwunden. Am Ufer sah er eine MĂ€dchengestalt sitzen. Zerbrechlich zart wirkte sie auf ihn. Sie musste ihn nicht bemerkt haben, denn sie drehte sich nicht um. Das MĂ€dchen trug ein weißes Kleid, ihr schwarzes Haar reichte ihr bis zu den HĂŒften. Sie hielt den Kopf ein wenig vornĂŒber geneigt, in der Hand hielt sie ein hauchzartes Tuch, das sich im Wind blĂ€hte.

Sie stieß einen Schrei aus, als sie ihn bemerkte und sprang auf. Ihre glĂ€nzenden Augen waren auf ihn gerichtet, Adrian erstarrte. Er sah in ein Gesicht von so wunderbarere Schönheit, wie er noch nie eines gesehen hatte. Von den hohen geschweiften Augenbrauen zog sich eine gerade Linie ĂŒber die Nase, deren FlĂŒgel zitterten, bis zu den sinnlichen Lippen. Er sah ihren schlanken Hals, bemerkte die Rundungen ihrer BrĂŒste, die sich beim Atmen hoben und senkten. So stand sie ihm gegenĂŒber, in Sonnenlicht gehĂŒllt.

Schließlich fing sie zu lĂ€cheln an, streckte den Arm aus und winkte ihn zu sich. Und als er neben ihr stand, vernahm er den wundervollen Duft, der aus ihrem Haar zu kommen schien. Adrian fĂŒhlte sich zu dem Wesen hingezogen, er war wie verzaubert und nicht mehr Herr seiner Sinne. Sie fasste seine Hand und ließ sich mit ihm zusammen ins Heidekraut fallen.
„Wer bist du?“ flĂŒsterte er nahe ihrem Ohr.
„Eine Nymphe“, antwortete sie, schlang ihre Arme um seinen Körper und zog ihn an sich. Das zarte Gespinst ihres Schleiers bedeckte ihn, die Hitze ihrer HĂŒften setzte ihn in Flammen.
Lange lagen sie so. Versunken, schwebend. Mit jeder Minute wuchs der Taumel, die Ungeduld, das Verlangen. Adrians Herz trommelte in der Brust, wĂ€hrend die Nymphe seinen Kopf an ihr Herz drĂŒckte. Sie betastete seinen Leib, gab ihm KĂŒsse auf das Gesicht, auf den Mund, auf die Augen. Jede ihrer BerĂŒhrungen ließ ihn vor Wonne vergehen. Ein Schauer durchbebte ihn bis ins Mark und ein Seufzer entstieg seiner Brust.

Er schreckte hoch. Dieser Seufzer, kam der aus seinem Mund? Er fand sich alleine im tiefen Heidekraut sitzen. Wo war die Nymphe? Wo war dieses MÀdchen voller Schönheit und Anmut? Hatte er alles nur getrÀumt?

Der See lag still, dunkel und geheimnisvoll zu seinen FĂŒĂŸen. Adrian ließ seine Augen wandern, ĂŒber das Wasser und zum anderen Ufer hinĂŒber. Lange stand er so, gefangen in Sehnsucht und Trauer. Als er sich umdrehte, um fort zu gehen, entdeckte er ein zartes Gewebe im Schilf. Der Schleier der Nymphe! Hatte sie ihn verloren? Oder fĂŒr ihn hinterlassen? Adrian spĂŒrte, wie sein Blut in Wallung geriet, wie seine Nerven vibrierten. Er rutschte die Uferböschung hinunter, ließ sich ins Wasser gleiten, kĂ€mpfte sich durch Farne und Schilfrohre bis er den Schleier greifen konnte. Schon hielt er ihn in der Hand, da verlor er den Boden unter den FĂŒĂŸen. Eine unbekannte Macht zog ihn tiefer und immer tiefer. Er ruderte mit den Armen, er strampelte mit den Beinen, da schlug eine mĂ€chtige Welle ĂŒber ihm zusammen. Adrian versank in der Tiefe.
__________________
"Es macht die WĂŒste schön", sagte der kleine Prinz, "dass sie irgendwo einen Brunnen birgt."

(Saint-Exupéry)

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KaGeb
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Estella,

deine Geschichte liest sich in gewisser Weise wie ein MĂ€rchen – vielleicht solltest du sie dahingehend verĂ€ndern (ist natĂŒrlich Lese-Ansichts-Geschmacks-Sache).

quote:
Es war an einem Sonntag im August. Ein heißer, schwĂŒlwarmer Tag, wie all die Tage auch davor. Adrian war frĂŒh aufgebrochen, um der stickigen Stadtluft zu entkommen. Gegen neun Uhr hatte er den Schluchsee erreicht. Er stellte seinen Wagen ab und machte sich auf, den See zu umwandern.

Hier wĂ€re interessant, was ihn gerade zu diesem See gezogen hat. Der Hinweis „es war an einem Sonntag im August...“ reicht IMHO völlig aus, um den Sommer rĂŒber zu bringen. Der nachfolgende Satz ist m.M.n. redundant. Auch der Hinweis „...gegen neun“. Hier reicht „ FrĂŒh“.

quote:
Langsam schlenderte Adrian Becker, ein junger Mann, schlank und hochgewachsen, den von BĂ€umen ĂŒberschatteten Weg entlang.


Adrian hast du schon eingefĂŒhrt. Wieso benennst du den Prot. noch mal als Adrian Becker? Die Hinweise „junger Mann, schlank und hochgewachsen“ – alles redundant. Wichtig ist es m.M.n. bei einer KG, dass nur Hinweise gestreut werden, die dem Plot in der Zukunft voran bringen.

quote:
Der See, der Wald, es herrschte eine laue, trĂ€ge Stimmung. WĂ€hrend er die Wolken beobachtete, die am Himmel hinzogen und dem Zittern der Baumwipfel lauschte, empfand er ein GefĂŒhl der Ruhe.

Wolken ziehen grundsĂ€tzlich nur am Himmel und wie lauscht man dem „Zittern der Baumwipfel“?

quote:
Nach etwa einer Stunde machte er Rast, setzte sich auf einen großen Stein, am Rand des Weges, zog die Wasserflasche aus dem Rucksack und nahm einen krĂ€ftigen Schluck. Eine Weile saß er still, ließ die Beine baumeln und seine Gedanken schweifen.


Er "kletterte" wohl auf den Stein, um die Beine baumeln zu lassen. Setzen bedeutet ja, dass ich mich in gleicher Höhe knieseits einknicken lasse. Wenn er aber die Beine baumeln lÀsst, muss er zunÀchst hochklettern.

quote:
Wie er da ruhte, in der Hitze des Sommers und in seiner Einsamkeit, wurde er plötzlich aufmerksam.

Diesen Satz finde ich völlig daneben. „Wie er da ruhte ...“ – Sorry, schlimmer geht nimmer. Dann „wurde er plötzlich aufmerksam“.
Warum verwendest du stÀndig stehende Redewendungen? Im Text knallts erst, wenn es direkt passiert. Ergo nicht schreiben, was passiert, sondern es passieren lassen!!!


quote:
Ein GerĂ€usch hatte ihn aufgeschreckt. Glockenhelle Stimmen, Lachen, laut und wieder verhalten. Woher kamen diese GerĂ€usche? Der See lag so still, wie vorher. Auf dem Weg bewegte sich niemand. Adrian lauschte. Zirpen, der Ruf einer Nachtigall, Rascheln unter tief hĂ€ngenden Ästen und wieder Stimmen. Kichern, locken, rufen. Nur wenige Schritte trennten den Weg von einem WaldstĂŒck, das sich dunkel und geheimnisvoll am Seeufer entlang zog.

Idee:
Plötzlich, ein GerĂ€usch, er schreckte hoch, lauschte mit offenem Mund. Da waren Stimmen, nah, dann fern – der See lag still.
Zu still.
Er schluckte schwer, wischte sich ĂŒber die Stirn und lauschte: Zirpen, eine Nachtigall, Rascheln im Wald – und wieder Stimmen. Lautes Lachen, rufen ...


quote:
Adrian ließ sich von dem Stein gleiten.


Das meine ich mit "passiver" Redewendung. Nicht beschreiben, was passiert, sondern es passieren lassen!!!

Adrian rutschte vom Stein runter.


quote:
Einen Augenblick lang zögerte er, bevor er mit langen Schritten den Wald betrat.

Wie kann er mit langen Schritten den Wald betreten? Dazu reicht ein Schritt :-)
Auch ist mir als Leser Wur"sch"t, wie lange er zögert. "Einen Augenblick" ist ergo redundant.

Vielleicht sowas wie: Entschlossen schritt er zum Wald, zögerte kurz, bevor er den ersten Schritt hinein wagte.

quote:
Hier war es schattig und kĂŒhl. Adrian bemerkte eine Spur in dem hoch stehenden Heidekraut, die tiefer in den Wald hinein fĂŒhrte.
Jetzt, wieder, ganz in der NĂ€he, FlĂŒstern und Raunen, ein Flirren und Singen, Adrian folgte den Stimmen mit klopfendem Herzen.

Idee: Die Stimmen wurden lauter, er vernahm ein FlĂŒstern und Raunen, sein Herz schlug bis zum Hals, und doch setzte er die nĂ€chsten Schritte. Er folgte der Spur im Heidekraut, immer tiefer in den Wald hinein.

So, hier erst mal ein ultimatives Ende meiner Betrachtungen. Ich weiß ja gar nicht, ob dir die Richtungssicht angenehm ist. Bei Interesse gern weiteres Input.

LG KaGeb

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