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Leselupe.de > Gereimtes
Vieles von dem, was ich täglich seh...
Eingestellt am 23. 06. 2003 11:02


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Penelopeia
Autorenanwärter
Registriert: Nov 2002

Werke: 149
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Vieles von dem, was ich täglich seh,
seh ich mit halbem Auge,
es scheint mir manchmal, daß ich schon gut
für ein Blindenleben tauge.

Vieles von dem, was ich täglich hör,
ist Teil von Klangkulissen,
ich will deren Bedeutung nicht mehr
bis zum letzten Wort wissen...

Vieles von dem, was mir täglich passiert,
kann ich nicht auf mich beziehen,
auch wenn ich stehe und schweig:
bin ich schon längst am Fliehen...

Vieles von dem, was man mir zeigt,
bringt mich zum Lächeln, zum Nicken,
doch wenn ich auch hinschau,
meine Augen andres blicken...

Vieles von dem, was man mir nachschreit,
ist laut und deutlich zu hören,
und bleibt doch für mich nur ein Geräusch
und leer und kann mich nicht stören...

Vieles von dem, was man mir nachwirft
mit manch gemeinen Sätzen
prallt ab wie von Siegfrieds Drachenhaut:
nichts mehr kann mich verletzen.

Ich badete tief im Drachenblut
der Menschengemeinheiten:
Schuppig und hart ist all meine Haut
und bleibt es für alle Zeiten.

Papieren und dünn wird meine Haut
und angreifbar von allen,
wenn ich des Abends die Augen schließ,
Albträume auf mich fallen...

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Rhea_Gift
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Registriert: Apr 2003

Werke: 325
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Wir laufen alle mit Scheuklappen umher...

Dein Gedicht gefällt mir, hoffe aber, daß du nicht vor lauter Schutz und Wegschauen tatsächlich blind für die Welt wirst - bzw. du deine Augen inzwischen auch wieder mehr sehen läßt?
Wünsch Dir ganz viel Hoffnung und Aufmerksamkeit für die Perlen unter den Kieseln,
den Regenbogen im Nieseln,
dem echten Lachen zwischen Masken,
Fühlen zwischen blindem Tasten,
dem Stern in manchem Menschenauge,
dem Potential der kleinen Raupe,
die sich entpuppt zum Schmetterling -
die Hoffnung liegt in jedem Ding,
man muß sie nur zu fassen kriegen,
nicht in seinen Händen wiegen
sondern lassen höher fliegen
zu den Träumen, den Ideen,
die heute noch nichts Klares sehen
morgen aber denn doch schon
steigen auf den Wahrheitsthron,
erheben sich zur Wirklichkeit:
dem Festhalten an Möglichkeit.

Hoffnung heißt nur hab Geduld,
alles ne Frage nur der Zeit...

LG, Rhea

__________________
...Seele, bist du nun erwacht?...Und sie zittert, und sie lacht allen Himmelssternen zu... (Hesse)

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Penelopeia
Autorenanwärter
Registriert: Nov 2002

Werke: 149
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Hallo Rhea,

danke für Deine Antwort, die so gar nicht zum zweiten Teil des Nicknamens paßt... Es ist z.T. mit diesem Text wie bei anderen von mir: Nicht alles, was in der Ich-Form geschrieben wurde, ist völlig kongruent zu meinem wirklichen Ich. Lyrik, Poesie ist für mich oft das Ausprobieren vermuteter fremder Empfindungen. Mit dieser Methode läßt sich bei aller Subjektivität ein realer Grundkern besser verfolgen und in seiner Ambivalenz gestalten...
Schöner Text übrigens, das Gedicht! - Danke.

Liebe Grüße

Pen.

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