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Leselupe.de > Kurzprosa
Vier-Personen-Stück
Eingestellt am 16. 03. 2005 09:18


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Udogi-Sela

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Registriert: May 2003

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Eine Mutter hetzt mit ihrem kleinen Sohn an der Hand durch Straßen, Gassen, über Wege und Brücken, um pünktlich zum Beginn eines Theaterstücks zu gelangen.
Die Stadt ist wie ausgestorben: keine Fahrzeuge wie Autos, Bahnen, Busse, Taxen, nicht mal Fahrräder sind unterwegs, kein Mensch ist zu sehen. Es ist dunkel und es regnet leicht. Der Asphalt glänzt schwarz.
Der Mutter ist das Stück wichtig, ihr Sohn hängt an ihrer Hand wie ein hinderlicher Klotz, den sie am liebsten los wäre, um schneller und leichter voranzukommen. Der Junge quengelt, kann das Tempo der Mutter kaum mithalten. Sie zieht und zerrt an ihm, schimpft und droht.
Der Weg scheint endlos.
Dann, endlich erreichen Sie das Theater. Es ist leer. Sie setzen sich genau in die Mitte des Theaters, umgeben von Hunderten von leeren Sitzplätzen.
Der Vorhang öffnet sich, die Vorstellung beginnt: Auf der linken Seite der Bühne steht ein gewaltiger Baumstamm; man sieht also nur ein kurzes Stück des Baumes, Stamm und Baumkrone entziehen sich dem Blickfeld nach oben. Auf der rechten Seite sieht man ein filigranes Gebilde, wie ein aus feinen Fäden, wie Spinnfäden, errichtetes Gebäude. Man kann hindurchsehen und alle Räume erkennen.
Ein Mann betritt von links die Bühne. Das ist mein Lebenswerk, sagt er, und zeigt auf Baum und Haus.
Eine Frau betritt die Bühne von rechts und lacht den Mann aus. Lebenswerk? Sie greift an das Gebäude und es fällt sofort in sich zusammen. Dann holt sie eine Säge und setzt sie an dem Baum an. Die Rinde ist dünn wie Papier und der Baum ist in wenigen Augenblicken niedergemacht und verschwunden.
Ihr könnt gehen, ruft der Mann der Mutter mit ihrem Sohn zu. Die Mutter steht auf, der Sohn bleibt sitzen. Ich will wissen, wie es weitergeht, ruft der Sohn.
Das weiß keiner, sagen der Mann, die Mutter und die Frau.
Wer hat das Stück denn geschrieben, fragt die Mutter.
Dein Sohn, sagt der Mann.

__________________
Dieses ganze Schreiben ist nichts als die Fahne des Robinson auf dem höchsten Punkt der Insel. (Kafka)

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Montgelas
???
Registriert: May 2004

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lieber udo,

die sprache hetzt einem im tempo ihres atems mit,
die pointe - sehr schwarz.
ein text, den ich mir noch mal in ruhe anschau !

bis dann !

montgelas

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Lotte Werther
Guest
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Deinem Text merkt man die Schreibübung an. Er steht anfangs auf sprachlich wackligen Füßen und wird gegen Ende immer sicherer und besser.

Die Idee ist doch gut. Es sollte dir wert sein, auch den Anfang zu überarbeiten. Schön wäre gewesen, wenn du, am Ende des Textes warm geschrieben, wie in einer Schleife gleich wieder über den Anfang drüber gegangen wärest.

Eine Mutter hetzt mit ihrem kleinen Sohn an der Hand durch Straßen, Gassen, über Wege und Brücken, um pünktlich zum Beginn eines Theaterstücks zu gelangen.

Die Ursache für die Hetze der Mutter verliert ihre Aussagekraft im Nebensatz. Trenn sie ab.

Es ist leer. Sie setzen sich genau in die Mitte des Theaters, umgeben von Hunderten von leeren Sitzplätzen.

Die Feststellung der Leere wird wiederholt, verstärkt aber die Aussage nicht. Behalt ruhig den Satz von den leeren Sitzplätzen, aber verbinde damit einen Gedanken, eine neue Sicht.

"Es ist leer. Sie setzen sich genau in die Mitte des Theaters. Hunderte von leeren Sitzplätzen ... "

Auf der linken Seite der Bühne steht ein gewaltiger Baumstamm; man sieht also nur ein kurzes Stück des Baumes,...

Ein schönes Beispiel, wie ein kleines Wort wie "also" einen Satz verändern kann. Es macht aus einer Beschreibung eine Erklärung. Und die ist hier fehl am Platz.

Ein Mann betritt von links die Bühne. Das ist mein Lebenswerk, sagt er, und zeigt auf Baum und Haus.
Eine Frau betritt die Bühne von rechts und lacht den Mann aus. Lebenswerk? Sie greift an das Gebäude und es fällt sofort in sich zusammen. Dann holt sie eine Säge und setzt sie an dem Baum an. Die Rinde ist dünn wie Papier und der Baum ist in wenigen Augenblicken niedergemacht und verschwunden.
Ihr könnt gehen, ruft der Mann der Mutter mit ihrem Sohn zu. Die Mutter steht auf, der Sohn bleibt sitzen. Ich will wissen, wie es weitergeht, ruft der Sohn.
Das weiß keiner, sagen der Mann, die Mutter und die Frau.
Wer hat das Stück denn geschrieben, fragt die Mutter.
Dein Sohn, sagt der Mann.


Da hattest du bereits einen festen Stift in der warmen Hand. Skurill nicht nur durch die Pointe, auch durch die Sprache: knapp, kurz, karg, gut.


Lotte Werther




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Udogi-Sela

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Hallo montgelas, Hallo Lotte,

dieses Bild hatte ich seit ein paar Tagen im Kopf, und ich dachte, daraus könnte ich eine längere Geschichte machen. So schrieb ich diesen Text als Plot, (ich kann sagen er quoll regelrecht aus mir heraus) und dann dachte ich, dass ich die hier in dürren Worten erzählte (aber sehr komplexe) Geschichte um der Wirkung willen so lassen kann.

Wenn ich „um pünktlich zum Beginn eines Theaterstücks zu gelangen.“ weglasse, passt: „Der Mutter ist das Stück wichtig“ nicht mehr. Und erst bei: „Dann, endlich, erreichen Sie das Theater.“ erfährt man das Ziel.

Lotte, ich habe Deine Anregungen hier übernommen:

Eine Mutter hetzt mit ihrem kleinen Sohn an der Hand durch Straßen, Gassen, über Wege und Brücken. Die Stadt ist wie ausgestorben: keine Fahrzeuge wie Autos, Bahnen, Busse, Taxen, nicht mal Fahrräder sind unterwegs, kein Mensch ist zu sehen. Es ist dunkel und es regnet leicht. Der Asphalt glänzt schwarz.
Der Junge hängt an der Hand seiner Mutter wie ein hinderlicher Klotz, den sie am liebsten los wäre, um schneller und leichter voranzukommen. Der Junge quengelt, kann das Tempo der Mutter kaum mithalten. Sie zieht und zerrt an ihm, schimpft und droht.
Der Weg scheint endlos.
Dann, endlich, erreichen Sie das Theater. Es ist leer. Sie setzen sich genau in die Mitte des Zuschauerraums. Sofort öffnet sich der Vorhang, die Vorstellung beginnt: Auf der linken Seite der Bühne steht ein gewaltiger Baumstamm; man sieht nur ein kurzes Stück des Baumes, Stamm und Baumkrone entziehen sich dem Blickfeld nach oben. Auf der rechten Seite sieht man ein filigranes Gebilde, wie ein aus feinen Fäden, wie Spinnfäden, errichtetes Gebäude. Man kann hindurchsehen und alle Räume erkennen.
Ein Mann betritt von links die Bühne. Das ist mein Lebenswerk, sagt er, und zeigt auf Baum und Haus.
Eine Frau betritt die Bühne von rechts und lacht den Mann aus. Lebenswerk? Sie greift an das Gebäude und es fällt sofort in sich zusammen. Dann holt sie eine Säge und setzt sie an dem Baum an. Die Rinde ist dünn wie Papier und der Baum ist in wenigen Augenblicken niedergemacht und verschwunden.
Ihr könnt gehen, ruft der Mann der Mutter mit ihrem Sohn zu. Die Mutter steht auf, der Sohn bleibt sitzen. Ich will wissen, wie es weitergeht, ruft der Sohn.
Das weiß keiner, sagen der Mann, die Mutter und die Frau.
Wer hat das Stück denn geschrieben, fragt die Mutter.
Dein Sohn, sagt der Mann.

montgelas, wenn Du Dir den Text „noch mal in Ruhe anschaun“ willst, dann hab ich eine Menge erreicht!

Danke für Eure Anmerkungen.

Herzlichst
Udo

__________________
Dieses ganze Schreiben ist nichts als die Fahne des Robinson auf dem höchsten Punkt der Insel. (Kafka)

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