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Viertes Kapitel
Eingestellt am 20. 03. 2004 04:56


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Marcel Sommerick
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Aug 2000

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Viertes Kapitel



    „Kairo ist ein Moloch“, hatte der Alte gesagt, und als Yassir über den ausgebrannten Häuserblocks dahinglitt, schienen die Worte an Gehalt zu gewinnen. Er parkte den Gleiter im Halbdunkel auf einer Baustelle, um noch eine Mütze Schlaf zu nehmen. Doch als kurz darauf ein Bandit mit einer Schrotflinte auf den Gleiter zusteuerte, musste er einen Kavalierstart hinlegen. Die Straßenkämpfe waren in vollem Gange. Yassir entschied sich, ein paar Pfund zu investieren und fuhr in die Neustadt. Hier patrouillierte die Polizei. Er parkte in der Garage des Hotel Continental, packte die beiden Goldbarren in sein Handgepäck und begab sich zur Rezeption. Der Portier schickte ihn in das Büro des Hotelchefs, damit er einen guten Preis aushandeln könnte. Der Hotelchef war eine jener begüterten Personen, die sich durch eine Gentherapie unnatürlich lange am Leben halten konnten. Er mochte schon weit über hundert Jahre alt sein. Sein Gesicht war fleckig, aber in seinen Augen blitzte die Energie eines jungen Mannes auf. Er telefonierte auf Arabisch, als Yassir das Büro betrat. Dann legte er das Telefon auf und musterte Yassir. „Was kann ich für Sie tun?“
    „Der Portier meint, es gäbe vielleicht einen Rabatt für das Zimmer.“
    „Zahlen Sie in Lunos?“
    „Ich habe nur ägyptische Pfund.“
    „Lunos wären besser.“
    Er beugte sich über seinen Papierkram und zählte das Bündel Geldscheine, das Yassir ihm reichte. „Dafür können Sie eine Woche bleiben.“
    „Wechseln Sie auch Gold?“
    „Leider nein. Das ist mir zu heikel.“
    „Und wann geht die nächste Rakete?“
    „Gehen Sie in den Hammam. Dort trifft sich alles, was Rang und Namen hat.“
    „Danke für die Information.“
    „Nichts zu danken.“
    Ein Hoteldiener führte Yassir zu seinem Zimmer. Er lud sein Gepäck ab, gab dem Diener ein Trinkgeld. Der druckste ein wenig herum, deutete auf das Nachbarzimmer. „Hier ist es schön, oder?“
    Nebenan herrschte Rotlicht. Yassir verstand nicht gleich, was der Diener wollte, und drückte ihm noch ein Pfund in die Hand. „Ja, schön hier. Mezyana.“
    Er schloss die Tür hinter sich, hörte, wie die Dirne nebenan stöhnte. Dann versteckte er die beiden Goldbarren unter einem Bündel Kleider im Wandschrank, packte zwei Handtücher zusammen und ging über die Straße in den Hammam.
    „As-Salam aleikum“ grüßte er die bereits anwesenden Badegäste. Frischgebadete, dick in Badetücher gehüllt, erholten sich im hohen, kuppelgekrönten Umkleideraum bei einem Zigarettchen. In der Mitte plätscherte ein Springbrunnen, in dem Limoflaschen gekühlt wurden. Grünpflanzen und bemaltes Gewölbe sorgten für Farbe. Die Stimmen der Gäste und das Klopfen ihrer Holzpantinen hallten im hohen Kuppelraum wieder. Platz zur Entspannung boten die hohen, mit Teppichen abgedeckten Sitzbänke.
    „Ahlan wa sahlan“, hieß ihn der Badevorsteher willkommen. Yassir entkleidete sich, schlüpfte in ein Paar der bereitgestellten Holzpantoffeln und deponierte die Wertsachen. Dann nahm er ein Dampfbad und ließ sich einseifen. Der Chef rubbelte ihn ab und befreite seinen Körper von Schmutz und alter Haut. Schließlich wurde er in eine Ladung frischer Tücher verpackt. Er ging in den Kuppelraum, ließ sich eine Wasserpfeife bringen. Ein Gast fasste ihm in den Schritt, aber Yassir regte sich nicht auf, da er damit gerechnet hatte, dass sich hier die Homosexuellen trafen. Er fragte den Badevorsteher nach den Fahrtverbindungen, und der führte ihn zu einer Gruppe diskutierender Männer. Nachdem Yassir sich weiter durchgefragt hatte, erfuhr er, dass er zunächst ein Ticket bräuchte. Die gebe es am Busbahnhof. Weiterhin müsse er sich aus Sicherheitsgründen in der Botschaft vorstellen. Der nächste Raketenstart sei in zehn Tagen. Yassir bedankte sich und rauchte seine Wasserpfeife zu Ende. Nachdem er noch ein kleines Trinkgeld hinterlassen hatte, verließ er das Bad.
    Er ging in das Hotel zurück und trank einen starken süßen Kaffee an der Bar. Auf dem Flur begegnete er der Dirne von nebenan. Sie war anfangs sehr zurückhaltend, und er verwickelte sie in ein kurzes Gespräch. Sie hieß Tanita und kam aus Europa, Genaueres war nicht herauszufinden. Er betrachtete sie verstohlen. Mit ihren kurzen rotblonden Haaren und ihrem burschikosen Auftreten gefiel sie ihm sehr gut. Sie bemerkte seinen Blick und kicherte. Aber da er sonst keine Avancen machte, verabschiedete sie sich und verschwand in Richtung Bar. Er ging auf sein Zimmer und vergewisserte sich, dass die Goldbarren noch da waren.
    Als er sich später noch zwei Flaschen Bier auf das Zimmer bringen ließ, befragte er den Hoteldiener, was er über Weltraumreisen wisse. Der Diener lachte und sagte, „du musst dir einen Chip ins Hirn pflanzen lassen, sonst lassen sie dich erst gar nicht auf die Abschussbasis.“
    „Einen Chip ins Hirn, wie bei einem Homuter?“
    „Exakt. So können sie dich jederzeit kontrollieren. Es ist wegen der Terrorismusgefahr.“
    Yassir schluckte, dachte dann aber an die vier Millionen Lunos, die das Gold wert sein mochte. Er fragte den Diener, ob er schon einmal dort gewesen sei.
    „Auf dem Mond?“
    „Genau da.“
    „Hör zu, mein Freund, ich bin nicht irre. Seit die arabische Liga ganz Amerika mit Atombomben gepflastert hat, sind Ausländer dort nicht gerade willkommen. Wenn du einen Ratschlag haben willst, dann bleib hier.“
    Er deutete auf Tanitas Zimmer. „Du willst mir doch nicht erzählen, dass man hier keinen Spaß haben kann, oder?“
    Yassir stimmte ihm zu und nahm ihm die zwei Flaschen Bier ab. „Ich werde darüber nachdenken, mein Freund. B-es-släma.“
    Er brauchte nicht viel Alkohol, um sich einen Schwips zu holen. Die Hitze tat ein Übriges, und bald schon lallte er vor sich hin, „eine Fahrkarte, ein Chip, ich mach einen Trip.“
    Eine automatische Wespe kam durch das Fenster gesurrt und umkreiste ihn bedrohlich. Yassir griff zur Fliegenklatsche und erlegte sie. Möglich, dass ihn die Amerikaner jetzt schon im Visier hatten. Er hätte sich gerne noch mit Tanita vergnügt, aber sein Geld war knapp, er musste erst wieder tauschen. Er trank den letzten Schluck Bier und dachte sehnsüchtig an seine Felder, die Heimat, die Freunde. Die Pilgerfahrt war schon in weite Ferne gerückt, aber was würde die Verwandtschaft sagen, wenn er unverrichteter Dinge wieder zurückkäme? „Gemach“, hatte der Alte aus Luxor gesagt, „auf ein weiteres Jahr kommt es nicht an.“ Draußen rief der Muezzin zum Gebet. Yassir verneigte sich gen Mekka. Er hatte ein schlechtes Gewissen, weil er dem Alkohol zugesprochen hatte. Aber dann überwog die süße Trunkenheit, und er sank ins Bett.
    Am folgenden Tag begab er sich zum Busbahnhof. Die Fahrkartenverkäufer kämen erst gegen Abend, erfuhr er, und er richtete sich auf eine längere Wartezeit ein. Der Busbahnhof war die schäbigste Ecke, die er je gesehen hatte. Schmutz und Unrat faulten auf der Straße. Ein Straßenhändler verkaufte Fladen mit Bohnenmus, die wie Abfall aussahen und auch so schmeckten. Yassir holte sich eine Zeitung. Wenn er als gemachter Mann zurückkäme, könnte er ein Presseinterview geben und seinen Fund der Öffentlichkeit präsentieren. Er schwelgte in Tagträumen. Sein Bild auf der Titelseite, die Leute würden in Strömen kommen. Er las die Zeitung, blätterte sich durch bis zum Goldkurs. Dann faltete er die Zeitung schuldbewusst zusammen. „Kein Wort von dem Gold“, hatte der Alte ihm eingeschärft. „Sonst bist du verraten und verkauft.“
    Der Vormittag verstrich, und einige klapprige Busse fuhren ab nach Sinai und Hurghada. Yassir trank Limonade, aß ein paar Kekse und verschwand zwischendurch mehrmals aus Nervosität auf der Toilette, wobei er sein Handgepäck nicht aus den Augen ließ. Schließlich wurde es Abend. Yassir erfuhr, dass er zunächst ein Ticket zur Abschussbasis bräuchte, erst dort könne er die Reise buchen. Außerdem bräuchte er ein Visum. Der Fahrkartenverkäufer wurde von einer Horde ägyptischer Frauen umlagert und hatte nicht einmal Platz, die Tickets einzeln vom Block abzureissen. Yassir versuchte sich durchzudrängeln. Zwecklos. Der Verkäufer flüchtete quer über den Busbahnhof, versuchte sich etwas Platz zu schaffen. Die Meute riss ihm die Tickets förmlich aus der Hand. Yassir wollte schon aufgeben, da sprach ihn ein alter Ägypter an. Er habe ein Ticket, sagte der Alte, gegen ein ausreichendes Entgelt könne Yassir es bekommen. Yassir überlegte nicht lange. Ein Batzen Scheine wechselte den Besitzer, und Yassir zog zufrieden von dannen.
    Am folgenden Tag stellte Yassir sich auf der amerikanischen Botschaft vor. Die Botschaft war schwer bewacht. Er redete auf das Sicherheitspersonal an der Pforte ein, damit sie ihn durchließen. Schließlich versuchte er es mit einem Bestechungsversuch, aber auch das fruchtete nicht. Dann machte er einen Fehler. Er sprach von dem Gold. „Gold?“ Der Sicherheitsfachmann wurde hellhörig. „Wieviel?“
    „Zwei Kilo.“
    Der Summer ertönte, und Yassir konnte passieren. Der Rest erledigte sich wie von selbst. Ein paar Formulare ausfüllen, eine Bearbeitungsgebühr zahlen. Zwei Fotos abgeben, ein tabellarischer Lebenslauf. Von einem Chip im Kopf war nicht die Rede. Es läuft, dachte Yassir zufrieden, und verließ eine Stunde später die Botschaft mit dem ersehnten Visum. Er fuhr zurück zu dem Hotel, lag die halbe Nacht wach und hörte Tanita nebenan stöhnen. Wie lange hatte er keine Frau gehabt? Sprach nicht der Koran: „Und verwehrt sind euch verheiratete Frauen außer denen, die eure Rechte besitzt. Dies ist Allahs Vorschrift für euch. Und erlaubt ist euch außer diesem, dass ihr mit euerm Geld Frauen begehrt, zur Ehe und nicht in Hurerei. Und gebet denen, die ihr genossen habt, ihre Morgengabe. Dies ist eine Vorschrift; doch soll es keine Sünde sein, wenn ihr über die Vorschrift hinaus miteinander Übereinkunft trefft. Siehe, Allah ist wissend und weise.“
    Am nächsten Tag ließ Yassir den Antigrav-Gleiter in einer Werkstatt, um die Windschutzscheibe auswechseln zu lassen. Der Mechaniker bestaunte den Riss und wollte die Geschichte von dem Krokofanten wieder und wieder hören. „Mein Freund, das wird einiges kosten, aber es ist immer noch besser, als wenn die Scheibe unter Spannung steht und mitten in der Fahrt zerspringt. Dann verreißt du das Steuer und krachst ins Nirvana. Und das wollen wir doch nicht.“
    Er versprach Yassir, den Schaden binnen zwei Tagen zu reparieren und rief noch ein Taxi, damit er unversehrt ins Hotel zurückkäme. Es war ein uraltes, verrostetes Fahrzeug, das noch auf Asphalt fuhr. Die Straßen waren schlecht, und überall lagen Minen und Biofesseln. Yassir saß wie auf glühenden Kohlen. Der Fahrer bemerkte seine Nervosität und beruhigte ihn, er kenne sich hier bestens aus. „Fahren Sie nicht zu den Pyramiden und in den Norden der Stadt, dort lungern die Banditen herum.“
    Yassir bedankte sich für den Ratschlag und fragte den Fahrer dann, wo er einen Freezer bekommen könnte. Der Fahrer griff unter den Sitz und fuchtelte mit der Waffe herum. „Bei mir, gut und billig. Drück diesen Knopf, und zisch – alles in deiner Umgebung gefriert zu Eis. Besser kannst du dich gar nicht verteidigen.“
    Sie wurden handelseinig. Yassir verstaute den Freezer in seinem Rucksack. Sie erreichten das Hotel, und Yassir stieg die Treppe zu seinem Zimmer hoch. Auf dem Flur begegnete er wieder Tanita. Sie zog einen Schmollmund und legte einen Arm um seinen Hals. „Irgendwie hab ich ein Herz für dich, Yassir. Ich weiß auch nicht so genau. Es ist ein Gefühl.“
    Yassir wurde es heiß und kalt. Sie strich mit dem Finger über seinen Nacken. „Schau mal, dort wo deine Brusttasche hängt, ist deine Haut ganz weiß. Du solltest deine Börse lieber bei mir lassen. Wozu willst du nach Mekka, hier ist es doch auch schön.“
    Yassir machte sich frei. „Ich habe einen Weg und ein Ziel. Vielleicht, wenn ich von Mekka zurückkomme.“
    „Nun tu nicht so geheimnisvoll. Ich habe gehört, du willst die nächste Rakete nehmen?“
    „Woher weißt du das?“
    „So etwas spricht sich schnell herum. Wenn du zurückkommst, werde ich auf dich warten.“
    „Vielleicht. Ich muss zunächst noch einmal in die westliche Wüste.“
    „Du bist ein seltsamer Mann. Du fährst den dicksten Gleiter der Welt, fast wie ein Zuhälter. Du sagst, du würdest Kif anpflanzen, aber wenn es um Sex geht, kommst du mir mit dem Koran. Du willst nach Mekka, machst aber zunächst einen Abstecher zum Mond. Ich werd aus dir nicht schlau, aber wenn du durchaus so einen Holzkopf hast, werde ich dir keine Steine in den Weg legen. Du wirst schon merken, was dir fehlt.“
    „Sie spielt mit dir“, dachte Yassir und zog sich auf sein Zimmer zurück. Unter der lauwarmen Dusche spülte er den Schmutz des Tages ab. Gerne hätte er gewusst, was der Alte in der Zwischenzeit tat, aber er musste erst warten, bis der Mechaniker den Gleiter repariert hatte, bevor er in die Weiße Wüste zurückfahren könnte. Wieder trank er sich einen an und verbrachte den folgenden Tag auf seinem Zimmer, ging nur einmal kurz nach draußen, um sich eine Tüte Falafel zu kaufen. Die Nähe zu Tanita erregte ihn. Er begehrte sie und nahm sich vor, bei seiner Rückkehr vom Mond länger in dem Hotel zu logieren. Dann kam der nächste Tag, und er fuhr mit dem Taxi durch die abgerissenen, schmutzigen Straßen zu der Werkstatt. Als er aus dem Wagen stieg, drängte ihn ein schäbiger Penner gegen die nächste Häuserwand. „Gib mir Geld“, zischte er.
    „Allah möge dir geben.“
    Er rückte Yassir noch dichter auf den Pelz. „Gib mir dein Geld.“
    Yassir tastete nach dem Freezer, kämpfte sich frei. „Ich geb dir kein Geld.“
    Der Penner schubste ihn noch ein wenig herum, gab dann auf. „Nun gut, wenn du durchaus nicht möchtest, dann möchtest du halt nicht.“
    Yassir grinste und ging hinüber zu der Werkstatt. Der Mechaniker hatte seine Arbeit gut gemacht. Er deutete auf die Alarmanlage und frotzelte. „Die Diebstahlsicherung hätte mich fast das Leben gekostet. Ist es wahr, dass der Dieb eine Landung Giftgas abkriegt?“
    „Nur Betäubungsgas.“
    „Du meine Güte. Ich glaub, ich pflanze auch bald Kif an. Du musst sehr reich sein.“
    „Bald. Bald bin ich reich.“
    Aus dem Lautsprecher der nahegelegenen Moschee erklang der Aufruf zum Gebet. Yassir fuhr zurück zu dem Hotel und räumte sein Zimmer. Die Goldbarren lagen unberührt in ihrem Versteck im Schrank, und er verstaute sie in seinem Gepäck. Er hatte mehr Glück als Verstand gehabt, dass die Putzfrau nicht seine Sachen durchsucht hatte. Er fuhr noch in dieser Nacht. Mit 300 Stundenkilometern zischte er über die Piste zurück zu der Fundstelle. Niemand kam ihm entgegen, als der Scheinwerfer die Dunkelheit zerteilte. Sein Auto war randvoll mit Wasser und Lebensmitteln, die er einige Tage zuvor in einem Supermarkt erstanden hatte. Er rechnete mit einem warmen Empfang, doch der Alte aus Luxor begrüßte ihn kaum, als er den Gleiter an der Fundstelle parkte.
    „Da bist du endlich. Ich wäre fast verdurstet.“
    „Tut mir leid, ich musste mit dem Gleiter in die Werkstatt.“
    „Tut dir leid, tut dir leid. Du bist vielleicht ein Einfaltspinsel. Wegen ein paar Beulen im Blech gefährdest du unser ganzes Unternehmen. Was hast du denn erreicht?“
    „Ich habe ein Visum und die Fahrkarte zur Abschussbasis. Den Flug selbst habe ich noch nicht bezahlt.“
    „Allah! Das Wichtigste hast du vergessen. Ich schlage vor, du lässt deinen Gleiter in meiner Obhut. Ich werde dich zurückfahren nach Kairo zu deiner kleinen Freundin. Dann flieg meinetwegen, wohin du willst. Ich werde hier einen Brunnen graben und den Fund auswerten. Und wo wir schon dabei sind, die Goldbarren lass ich dir, aber alles andere ist für dich zu schade. Du kannst ja gerade mal Auswurf von Kif unterscheiden. Dass du damit Erfolg hast, wundert mich sehr.“
    Yassir ließ den Alten schimpfen und schlich zurück zu seinem Gleiter. Die Goldbarren funkelten im Licht des Mondes. Mochte Rashid sagen, was er wollte. Er war nur ein Mann unter vielen, doch bald würden alle zu seinem Reichtum aufblicken. Er könnte dann noch viele Jahre in Frieden verbringen, und wenn er aus Mekka zurückkäme, würde er Tanita vielleicht mitnehmen zu seinen Feldern im Rif. Der Alte könnte ruhig seinen Schrott sortieren, ihm ging es um vier Millionen Lunos, und die würde er sich nicht nehmen lassen. Allah wird es richten, dachte er, und verkroch sich auf den Rücksitz des Gleiters, um in dumpfen Schlummer zu sinken.



© 2004 by Marcel Sommerick

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