Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5506
Themen:   94023
Momentan online:
305 Gäste und 15 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Vierundzwanzig aufregende Stunden
Eingestellt am 28. 06. 2017 15:58


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
ThomasQu
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Mar 2015

Werke: 28
Kommentare: 368
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um ThomasQu eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Vierundzwanzig aufregende Stunden

Quietschend verlangsamte die Straßenbahn das Tempo und kam zum Stillstand. Endhaltestelle.
Phil stieg aus und zog sich seine Kapuze ĂŒber. Er lief quer ĂŒber die Straße und steuerte auf den schmalen Trampelpfad zu, der geradeaus in das WaldstĂŒck hineinfĂŒhrte. Nach hundert Metern verließ er den Weg, wandte sich querfeldein nach rechts, bis er das kleine, halbverfallene HĂ€uschen erreichte. Ringsum war es zugewachsen und aus ein paar Metern Entfernung kaum noch sichtbar.
Den ganzen Winter hatten Nina und Phil hier zugebracht, sich notdĂŒrftig eingerichtet und mit Pappe und Stoffresten die zerbrochenen Fensterscheiben so gut wie möglich abgedichtet.

Wuchtig stieß Phil die TĂŒr auf, die etwas schrĂ€g in den Angeln hing. Der linke Raum stand leicht unter Wasser und allerhand GerĂŒmpel lag dort herum. Im rechten befanden sich ein Tisch und zwei StĂŒhle, die vom SperrmĂŒll stammten.
Er öffnete seinen Rucksack und zog zwei Flaschen Wein, eine Salami und ein Baguette hervor.
„Mensch, wie hast du das denn geschafft?“ Nina war siebzehn, vor einem halben Jahr aus einem Berliner Erziehungsheim ausgerissen und nach NĂŒrnberg getrampt. Sie lĂŒmmelte auf einem der StĂŒhle und rauchte.
Phil grinste, griff in seine Jackentasche und holte einen Geldbeutel im Schlangenlederdesign heraus. Triumphierend hielt er ihn in die Höhe. „HabÂŽ eben GlĂŒck gehabt, den habÂŽ ich im Rinnstein gefunden!“
Er setzte sich auf den anderen Stuhl und begann, das Portemonnaie grĂŒndlich zu durchsuchen.
Nina saß ihm gegenĂŒber und bei jedem Geldschein, den er herauszog, wurden ihre Augen grĂ¶ĂŸer. Über dreihundertfĂŒnfzig Euro lagen auf den rostigen Metalltisch, diverse Plastikkarten mit und ohne Magnetstreifen und ein kleiner SchlĂŒssel.
Phil schraubte eine von den Weinflaschen auf, trank einen krĂ€ftigen Schluck und reichte sie Nina. „Zur Feier des Tages!“ Nun ging er mit dem SchlĂŒssel vor die TĂŒr und versuchte im letzten Tageslicht, die eingravierte Schrift zu lesen. „Nina, das ist ein SchlĂŒssel fĂŒr ein Schließfach am Hauptbahnhof!“

WĂ€hrend Nina im Haus blieb, machte sich Phil noch einmal auf, stieg in die Straßenbahn und fuhr zum Bahnhof. Die SchließfĂ€cher befanden sich in der Vorhalle, ganz hinten im Eck, per Sichtschutzwand vom restlichen Bahnhofstrubel abgetrennt. Fach Nummer einundsiebzig war in der untersten Reihe, knapp ĂŒber dem Fußboden.
Phil schaute sich noch einmal um, schloss auf und zog einen ledernen Diplomatenkoffer heraus. Er öffnete den Deckel - und klappte ihn sofort wieder zu! Eine Vielzahl durchsichtiger PlastiktĂŒtchen lagen darin, gefĂŒllt mit hellbraunem Pulver. Heroin!
Phil musste sich erst mal an der Wand abstĂŒtzen und tief durchatmen.
Von Knast hatte er die Nase voll und selbst mit einer Jugendstrafe wĂŒrde er einige JĂ€hrchen absitzen, sollte man ihn damit erwischen.
Er schob den Koffer in ein freies Fach darĂŒber und schloss ab. Im Kiosk an der Ecke kaufte er einen Flachmann, kippte ihn auf ex und ging zurĂŒck zur Straßenbahnhaltestelle.

„Warum hast du denn nicht so ein TĂŒtchen mitgebracht? Ein bisschen Heroin schnupfen, das wĂ€re doch ganz wunderbar gewesen.“ Schmollend drĂŒckte Nina ihre Zigarette aus.
„Nee, war mir zu gefĂ€hrlich! Außerdem brauchen wir jetzt ÂŽnen klaren Kopf!“
„Das hĂ€tten wir portionsweise auf dem Straßenstrich verkaufen können!“
„Du bist doch verrĂŒckt. Kein Mensch weiß, wie rein das Zeug ist. Außerdem hĂ€tte uns die Polizei oder der Besitzer von dem Koffer schnell am Arsch. Mir ist das nicht geheuer. Am liebsten wĂŒrde ich den SchlĂŒssel wegwerfen.“
Nina schnitt sich noch ein StĂŒck Salami ab und sprach mit vollem Mund weiter: „Es muss doch möglich sein, an dem Heroin mitzuverdienen.“
„Wie willst du das denn machen?“
„Versetze dich doch mal in die Lage von diesem Kurier! Er wird ganz bestimmt den Koffer wiederhaben wollen. Also treibt der sich ab jetzt rund um die Uhr in der NĂ€he dieser SchließfĂ€cher herum und hofft darauf, dass jemand kommt und ihm einen Deal anbietet!“

Schon x-mal hatte Rokko diese Tour gemacht. Mit dem Intercity von Hamburg nach NĂŒrnberg, im dunklen Anzug, mit weißem Hemd und Krawatte. Ganz auf GeschĂ€ftsmann! Immer ging alles glatt.
Nervös durchsuchte er mehrmals grĂŒndlich seine Taschen, als ihm der Oberkellner die Rechnung auf den Tisch legte. „Tut mir leid, ich muss meine Geldbörse verloren haben. Wie unangenehm!“ Er griff in die Innentasche seines Mantels, holte seine Brieftasche hervor und gab dem Kellner seinen Personalausweis. Mit einer achselzuckenden Geste entschuldigte er sich noch einmal und verließ das Restaurant.
Draußen fiel die Beherrschung von ihm ab. Verzweifelt trat er mit dem Fuß gegen den Pfosten eines Verkehrsschildes und schlug mit der Faust auf den KotflĂŒgel eines geparkten Wagens. „Scheiße, Scheiße, Scheiße! In zwei Stunden muss ich den Koffer abgeben 
“

Das FundbĂŒro am Bahnhof hatte natĂŒrlich schon geschlossen und somit ging er in Richtung der SchließfĂ€cher. Das kann doch nicht sein, dass ich der erste bin, dem so etwas passiert. Es muss doch jemand geben, der mir das Fach aufschließt. Aber, da könnte dann einer von der Bahnpolizei dabei sein und das wĂ€re ein gehöriger Nervenkitzel, bei einem Koffer mit Heroin!
Als er hinter die Sichtschutzwand schaute, bemerkte er, dass alle FĂ€cher in der untersten Reihe offenstanden.
Verdammt! Also hatte schon jemand seine Geldbörse gefunden und den Koffer herausgenommen. Bei seinen “Kunden“ brauchte er sich ohne nicht blicken lassen, soviel war klar, die wĂŒrden ihm die Eier abreißen!
Er musste den Koffer wiederbekommen und zwar schnell! Doch was sollte er jetzt machen, ohne Geld und ohne seine Kreditkarte?
Rokko setzte sich auf eine Bank und versuchte, klare Gedanken zu fassen: Was macht ein Dieb, der ein Bahnhofsschließfach ausrĂ€umt und dabei einen Koffer mit Heroin findet? Ganz klar, er will ihn wieder loswerden und ein bisschen daran verdienen! Und wenn der eins und eins zusammenzĂ€hlen kann, dann kommt der garantiert hierher zurĂŒck und schaut sich um!
Von seiner Bank aus hatte er den Eingang zu den SchließfĂ€chern im Blick und er beschloss, sichtbar und prĂ€sent zu bleiben - und zu warten. Mehr konnte er nicht tun, das war seine einzige Chance.

Eng aneinander gekuschelt lagen Nina und Phil in der Ecke ihres Raumes, zugedeckt mit allem, was geklaute AltkleidersĂ€cke beinhalten. Anders waren die kalten NĂ€chte kaum auszuhalten. „Morgen frĂŒh, wenn am Bahnhof viel los ist, gehen wir einfach mal hin und checken die Lage“, meinte Nina. Sie kicherten und schmusten noch ein wenig und schliefen ein.

FĂŒr Rokko war die Nacht etwas ungemĂŒtlicher. Zweimal wurde er von der Bahnpolizei kontrolliert. Er konnte sich zwar nicht ausweisen, erzĂ€hlte aber die Story vom verlorenen Geldbeutel und zumindest war er noch im Besitz seines RĂŒckfahrtickets nach Hamburg. Das genĂŒgte den Beamten.
Schon am spĂ€ten Abend waren ihm die Zigaretten ausgegangen und jetzt war er unausgeschlafen, hatte Hunger und wurde von Koffein- und Nikotinentzug gequĂ€lt. Falls er bis heute Nachmittag keinen Kontakt zu dem Kofferdieb herstellen konnte, mĂŒsste er zurĂŒck nach Hamburg, dort seine Siebensachen packen und sich auf Nimmerwiedersehen vom Acker machen, soviel war klar! Seine “Freunde“ verstanden keinen Spaß!

Hektisches Treiben herrschte und die Pendler hasteten in alle Richtungen, als Nina und Phil am Morgen die Bahnhofsvorhalle betraten. Aufmerksam beobachteten sie die wenigen Menschen, die als Fixpunkte in dem Gewimmel auffielen.
Als sie sich den SchließfĂ€chern nĂ€herten, bemerkte Nina einen Typen im zerknitterten Anzug auf einer Bank. „Schau mal, der könnte es sein! Zu dem wĂŒrde so ein Lederkoffer passen!“
WĂ€hrend Nina in sicherer Entfernung wartete, ging Phil auf ihn zu und setzte sich neben ihn. Ihm war gar nicht wohl bei dieser Sache.
Die beiden sahen sich einander in die Augen und nach einem durchdringenden Blickkontakt stand fest - zwei Menschen hatten sich gesucht und gefunden.
Phil stand auf und ging hinter die Sichtschutzwand, einige Sekunden spÀter folgte Rokko.
„Könnte es sein, dass du etwas vermisst?“, sprach Phil ihn an.
Unvermittelt schlug ihm Rokko die Faust in den Bauch, packte ihn am Kragen und hielt ihm die Klinge seines Springmessers unter das Kinn. „Du kleiner Drecksack, rĂŒckÂŽ sofort meinen Koffer und den Geldbeutel raus! Kannst du dir vorstellen, was dir blĂŒht? Alle Drogenbosse der Stadt werden dich jagen!“
Phils Beine wurden weich. Da hatte er sich auf ein schönes Abenteuer eingelassen! Er antwortete erst mal gar nicht und wartete, bis Rokko seinen Griff lockerte.
„Das kannst du alles wiederhaben. Ich 
 ich möchte nur einen kleinen Finderlohn! Z
 zehntausend Euro!“
Rokko war wie vom Schlag getroffen. Das wĂ€ren fĂŒnf Touren, die er völlig umsonst gemacht hĂ€tte. Aber was blieb ihm denn ĂŒbrig? Er setzte ein verkniffenes Grinsen auf. „Okay, Kleiner! Aber hast du dir auch ĂŒberlegt, wie es mit dir weitergeht, wenn du dieses Geld hast?“
Daran mochte Phil gar nicht denken.
„Als erstes gibst du mir mein Portemonnaie zurĂŒck. Dann treffen wir uns heute Mittag um zwölf Uhr genau hier. Du bekommst das Geld und ich den Koffer.“
Phil griff in seine Jackentasche und reichte ihm den Geldbeutel. WĂ€hrend Rokko sofort den Inhalt kontrollierte, verschwand Phil in der Menschenmenge, suchte Nina und erstattete Bericht.

Wenigstens hatte Rokko nun seine Kreditkarte wieder. Als erstes holte er sich hundert Euro aus dem Automaten, kaufte Zigaretten und bestellte Kaffee und ein Croissant. Danach erklĂ€rte er in einem halbstĂŒndigen Telefonat dem Filialleiter seiner Bank in Hamburg, dass er dringend bis heute Mittag in NĂŒrnberg zehntausend Euro in bar benötigte. Im Restaurant holte er seinen Personalausweis ab, dann betrat er die örtliche Filiale seines Bankhauses und der Kassierer ĂŒbergab ihm das Geld.
Auf keinen Fall aber hatte Rokko vor, sich von so einem Rotzlöffel abkochen zu lassen. Er ging in ein Warenhaus und besorgte sich eine Spielzeugpistole.

Sich mit solch schweren Jungs anzulegen, das war fĂŒr Phil der blanke Wahnsinn! Was, wenn der Kurier zur KofferĂŒbergabe drei Kumpels mitbringt? Eine saftige Tracht PrĂŒgel wĂ€re dann das Mindeste, was er zu erwarten hĂ€tte, aber Nina will das ja unbedingt durchziehen. Verdammt, hĂ€tte er nur nichts von diesem Koffer erzĂ€hlt!

Schon dreißig Minuten frĂŒher als vereinbart saß Rokko auf seiner Bank und wartete, als er endlich Phil erblickte, der auf ihn zukam.
Das Geld befand sich in einem KunstledertĂ€schchen, das Rokko in einer PlastiktĂŒte verwahrte. „Damit das klar ist, ich will zuerst den Koffer!“
„Der ist im Versteck, da mĂŒssen wir noch hin.“
Rokkos Augenbrauen zogen sich zusammen. Mit Phil marschierte er hinaus zur Straßenbahnhaltestelle. Sie nahmen die Linie drei, stiegen nach zehn Minuten um in die vier, um nach weiteren drei Stationen in die Linie acht zu wechseln, die zurĂŒck zum Bahnhof fĂŒhrte. Rokko knetete unaufhörlich seine HĂ€nde und ließ die Gelenke seiner Finger knacken. Phil saß ihm gegenĂŒber und beobachtete aufmerksam die anderen FahrgĂ€ste. Er musste nur versuchen, cool zu bleiben, das hatte Nina ihm eingeimpft.
Wieder am Bahnhof angekommen war Rokko ganz schön angepisst. „Was sollte denn diese ganze Weltreise? Glaubst du vielleicht, ich habe Lust auf solche Blödeleien? Jetzt sieh endlich zu, dass wir fertig werden!“
Als er mit Phil vor den SchließfĂ€chern stand, trat Nina in Aktion!
Gut sichtbar fĂŒr Rokko hielt sie den SchlĂŒssel hoch und Phil stellte sich zwischen die beiden, um eine Attacke Rokkos gegen Nina abblocken zu können.
„Jetzt schließ endlich auf!“ befahl Rokko genervt.
„Nichts da, wir tauschen! SchlĂŒssel gegen Geld! Und du zuerst!“, Ninas Augen blitzten. „Das Spiel wird nach unseren Regeln gespielt, oder wir lassen es!“
ZĂ€hneknirschend gab Rokko die TĂŒte mit dem Geld Phil, der sie sogleich an Nina weiterreichte. Sofort ĂŒberprĂŒfte sie die GeldbĂŒndel. Es waren ausschließlich Hunderteuroscheine und so konnte sie den Betrag leicht hochrechnen. Zehntausend Euro!

Als Nina ihm den SchlĂŒssel geben wollte, packte Rokko sie plötzlich am Handgelenk, riss sie mit einem Ruck an sich und hielt ihr die Pistole an die Rippen.
Phils Herzschlag setzte aus. Genau so etwas hatte er befĂŒrchtet, das konnte ja nicht gutgehen! Die TĂŒte mit den Scheinen war Nina entglitten und lag jetzt auf dem Fußboden.
„So, kleiner Hosenscheißer, jetzt nimmst du deiner Freundin den SchlĂŒssel aus der Hand und schließt auf!“ Den linken Arm hatte Rokko eng um Ninas Hals gelegt, mit der rechten Hand drĂŒckt er ihr die Pistole an den Hinterkopf.
„Nein Phil“, krĂ€chzte Nina, sie bekam kaum Luft. „Der kann uns nichts tun!“ Und an Rokko gerichtet sagte sie: „Hör mal, du Affe! Dein SchießgerĂ€t kannst du wieder einstecken. Wenn du jetzt schießt, hören das ÂŽne Menge Leute und in einer Minute ist die Polizei da! Ich bin mir sicher, dass du das nicht willst!“
Damit hatte sie leider Recht! Rokkos Überrumplungstaktik war nicht aufgegangen. UnwillkĂŒrlich lockerte er seinen Griff.
Auch Phil fasste sich nach einigen Schrecksekunden und hob die TĂŒte auf.
„Du darfst mich jetzt loslassen!“ Nina wand sich aus der Umklammerung, blickte Rokko bitterböse an und warf ihm den SchlĂŒssel vor die FĂŒĂŸe.
Jetzt gab es fĂŒr Nina und Phil kein Halten mehr. Sie sprinteten los, durch die Bahnhofshalle, hinaus, an der Straßenbahnhaltestelle vorbei, hinĂŒber zum Busbahnhof. WĂ€hrend des Laufens wĂŒhlte Nina in ihrer Hosentasche nach den Tickets. „Da vorne ist er! Die Nummer einundfĂŒnfzig! Der Fernbus nach Madrid!“, rief sie Phil fast atemlos zu.

Der Busfahrer hatte den Motor schon angelassen, aber die TĂŒr stand noch offen. Mit breitem Grinsen sprangen Nina und Phil hinein und der Fahrer stempelte die Tickets ab. „Gerade noch geschafft!“
Sie stolperten durch den Gang zur hintersten Sitzreihe, die komplett frei war, fielen sich um den Hals und Nina wischte sich ein paar FreudentrÀnen aus den Augen.


Version vom 28. 06. 2017 15:58

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


ackermann
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Jul 2012

Werke: 24
Kommentare: 61
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um ackermann eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Es weihnachtet sehr

Ähm ja ...

Diese Geschichte hat was von einem Schulaufsatz (so 6. / 7. Klasse, auch der Titel erinnert daran), ein bisschen was von Bonnie und Clyde und irgendwie denke ich dabei auch an eine Weihnachtsgeschichte: Zu schön um wahr zu sein.
Sie ist nett geschrieben, Rechtschreibung und Grammatik sind okay. Aber was fehlt, ist die sprachliche WĂŒrze, das Salz in der Suppe, ein paar Felsbrocken und Stromschnellen im begradigten Fluss dieser Geschichte (immer auf die Sprache bezogen).
Die Rahmenbedingungen sind mir zu "mĂ€rchenhaft". Zwei junge Menschen leben im Wald, es ist Winter und bitterkalt. Wovon leben die beiden, was machen die den ganzen Tag. BeutezĂŒge durch NĂŒrnberch(g)? Was ist mit Handy, Social Media und so? Halten die das ĂŒberhaupt aus?
Konflikte werden weitgehend vermieden oder lösen sich in Luft auf. Selbst Rokko, der Drogenkurier ist irgendwie ein Guter. Alles geht gut, das Happy End schimmert von Anfang an durch. Der Bus wartet bereits.

Dann natĂŒrlich traditionelle Rollenbilder. Der starke Mann (Phil) sorgt fĂŒr die schwache Frau (Nina). Dem aktuellen Trend folgend, mĂŒsste es eigentlich genau umgekehrt sein: Starke Frau, schwacher Mann. Er kocht fĂŒr sie ein SĂŒppchen und sie bringt den MĂŒll raus.
Nina scheint mir moralisch fragwĂŒrdig: Das gefundene Heroin auf dem Straßenstrich verkaufen. Geht gar nicht im Kontext dieser "schönen" Geschichte.

Und dann dieser Absatz:

"Sich mit solch schweren Jungs anzulegen, das war fĂŒr Phil der blanke Wahnsinn! Was, wenn der Kurier zur KofferĂŒbergabe drei Kumpels mitbringt? Eine saftige Tracht PrĂŒgel wĂ€re dann das Mindeste, was er zu erwarten hĂ€tte, aber diese Nina will das ja unbedingt durchziehen. Verdammt, hĂ€tte er nur nichts von diesem Koffer erzĂ€hlt!"

Auf der einen Seite kuscheln die beiden in der kalten HĂŒtte (Liebe?), auf der anderen Seite schimmert hier ein gespanntes VerhĂ€ltnis durch ( "aber diese Nina"). Das "diese" sollte auf jeden Fall weg. Am besten der ganze Absatz. Ironisch wĂ€re noch anzumerken: Was tut ein Mann nicht alles fĂŒr Sex ;-)

Sorry @ThomasQu, wenn ich hier ein bisschen hart einsteige, aber ... aber was? Keine Ahnung.


__________________
Freiheit, Gleichheit, Mahlzeit!

Bearbeiten/Löschen    


8 ausgeblendete Kommentare sind nur fĂŒr Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
ZurĂŒck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.



Werbung