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Leselupe.de > Kurzprosa
Villa Bergfried
Eingestellt am 17. 10. 2001 12:18


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hera
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Seit vielen Jahren arbeite ich als Schauspielerin. Und nun liegt mir dieses Drehbuch vor. Es spielt in meiner ehemaligen Heimatstadt. F├╝nfzehn Jahre bin ich nicht dort gewesen. Immer war ich irgendwo in der Weltgeschichte unterwegs. Ab und zu hat mich das Heimweh gepackt, dann habe ich im Internet nach Neuigkeiten dieser Stadt gesucht.
Der Film handelt von einer Familie, die ein Hotel besitzt. F├╝r die Kulisse haben die Filmemacher die Villa Bergfried mit dem gro├čen Park vorgesehen.
Aufgeregt krame ich nach alten Fotos. Meine G├╝te, die sind ja noch schwarz-wei├č! Ich sehe das breite, zweist├Âckige, weinumrankte Haus mit dem nach S├╝den hin offenem Hof. Und hier, den baumbegrenzten Weg, der vom Hof aus hinauf zum Weiherh├Ąuschen f├╝hrt. Davor ist ein Wasserbecken aus verputzten Natursteinen. In meiner Phantasie werden die Fotos bunt.
Schon als ich die Villa das erste Mal sah, wollte ich alles ├╝ber sie wissen.
Angefangen hat es 1901. Die Br├╝der Mauxion aus Berlin kauften unten am Fluss eine M├╝hle und gr├╝ndeten eine Schokoladenfabrik.
1911 wird Ernst H├╝ther Gesch├Ąftsf├╝hrer. Und eben dieser l├Ąsst 1922-24 mitten in der Rezension auf dem 20 ha gro├čen Grundst├╝ck f├╝r sich, seine Frau und die vier Kinder die Luxusvilla bauen. Zur Ausstattung geh├Âren Marmorbadezimmer, Sauna, ein modernes Heizungssystem und ein Hallenbad im Keller. 5,5 Millionen Goldmark hat das gekostet. Demnach brachten ihm seine Gesch├Ąftsideen und die Schokolade mit dem blauen Band und seinen Initialen, ein liegendes E auf einem stehenden H, eine Menge Geld ein.
1944 starb er. 1948 wurde seine Fabrik aus dem Gewerberegister gel├Âscht, seine Familie enteignet. Die Schokoladenfabrik wurde Volkseigener Betrieb ÔÇ×RotsternÔÇť. Seit 1990 geh├Ârt sie zu Stollwerck-Gruppe.
Die Villa wurde zum Erholungsheim und 1963 Diabetikersanatorium. Sp├Ąter wird sie sogar unter Denkmalschutz gestellt und ein Freundeskreis zur Pflege und Erhaltung des Ensembles wird gegr├╝ndet.
Wie gerne lag ich mit einer Decke und einem Buch unter den B├Ąumen und lauschte auf das Rascheln der Bl├Ątter. Wie habe ich den kleinen japanischen Garten mit dem k├╝nstlichen Bachlauf geliebt.
Und wenn ich gro├čes Gl├╝ck hatte, konnte ich dem Glockenspiel lauschen. Zur Villa geh├Ârte n├Ąmlich auch ein freistehender Glockenturm. Die Bronzeglocken waren von einer Klaviatur in der Villa aus bespielbar. Allerdings jagte mir die Musik immer einen unheimlichen Schauer ├╝ber den R├╝cken. Denn dort, wo der Glockenturm steht, stand fr├╝her ein Galgen, dessen letzte Reste erst 1824 beseitigt wurden.
Ich wei├č nicht, ob man das Glockenspiel heute noch h├Âren kann, denn soviel ich wei├č, steht die Villa nun leer.
Wird es noch so aussehen, wie damals, als ich mit meiner kleinen Tochter zum letzten Mal dort war. Sie teilte meine Begeisterung und kam gern zum Drachensteigen und Kastanien sammeln mit mir hierher.
In unmittelbaren N├Ąhe soll jetzt eine gro├če Klinik stehen. Das kann ich mir kaum vorstellen. F├╝r die Patienten ist der Park sicherlich erholsam.
Hoffentlich k├╝mmert sich jemand um alles. Aber verfallen kann die Villa ja nicht sein, sonst w├╝rde sie sich nicht f├╝r den Film eignen.
Ich werde es bald sehen, denn ich glaube, ich nehme die Rolle an...

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Frank Zimmermann
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Ostw├Ąrts

Trotz Nachfrage bei einem Menschen, der sich im Osten recht gut auskennt, bekam ich nicht heraus, wo denn die Villa Bergfried nun steht. Die Enteignung legt nat├╝rlich eine klare Spur in den Osten der Republik, aber weiter bin ich nicht gekommen. Vielleicht, weil ich im ├Ąu├čersten Westen wohne...
Auch die Schokolade ist mir nicht bekannt. Ich bin gespannt ob jemand das Geheimnis l├╝ftet...

Danke f├╝r Deinen Beitrag!
__________________
fz

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hera
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Hallo!

Ostw├Ąrts stimmt nat├╝rlich, genauer Th├╝ringen, an der Saale...

Viele Gr├╝├če, hera

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Willi Corsten
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Liebe hera,
Kompliment! Sehr gut geschrieben.
Ich finde nicht einen Satz, der verbesserungsbed├╝rftig ist.
Darf ich dennoch eine kleine Anmerkung machen? Dumme Frage eigentlich, denn wegen der konstruktiven Kritik stellst du die Texte ja in die Leselupe.
Wie gesagt, stilistisch ist alles bestens, ein wenig st├Ârt mich allerdings der ÔÇ×WerdegangÔÇť der Villa. Wenn ich straffen m├╝sste, w├╝rde ich diese Passage dazu ausw├Ąhlen. Sie hemmt den so sch├Ânen Erz├Ąhlfluss etwas.
Bist doch nicht b├Âse, oder?

Es gr├╝├čt dich ganz lieb
Willi

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hera
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Hallo Willi!
Ich bin nicht b├Âse!! Bin doch froh ├╝ber jede Meinung. Du hast auch ganz recht. Ich bin aber selbst so begeistert von der Villa. War auch gar nicht so leicht, alles rauszufinden.
Scheint aber doch keiner zu wissen, von welcher Stadt ich spreche. Es sind vielleicht nicht viele Th├╝ringer hier. Da aber nun sicher bald eine neue Schreibaufgabe kommt, verrate ich es mal. Es ist Saalfeld.

Tsch├╝ssie, hera

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