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Leselupe.de > Kurzprosa
Vögel töten
Eingestellt am 26. 06. 2003 19:39


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weghenkel
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Registriert: May 2003

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Vögel töten

Ein Dramolett um Heinrich Bräsch und Albert Schweitzer
im Alter von sieben Jahren.


Albert
Heinrich
Stimme

A: Heinrich, so früh schon? Ich bin grade auf.
H: Dann ist’s ja gut. Komm zieh dich an - und los.
A: Was hast du da?
H: ------------------------Das siehst du doch. Zwei Schleudern
    Für dich und mich. Wir wolln zum Rebberg gehn.
    Was schaust du so?
A: -----------------------------Ich weiß nicht recht.
H: -----------------------------------------------------------Ich warte.
    Ein schöner Morgen. Trödle nicht.
A: -----------------------------------------------Bis gleich.

H: Langschläfer, du. Ich bin seit sieben munter.
    Grad solch ein Sonntag ist ja doch besonders.
    Die nassen Wiesen - und halb Günsbach schläft noch:
    Da ist es grade schön herumzustromern. -
    Da bist du ja. Wir müssen uns beeilen.
A: Warum denn?
H: --------------------Weil die Sonne sie vertreibt.
A: Vertreibt? Wen denn vertreibt? Ach ja, die Vögel.
H: Hier, nimm. Das beste Gummi. Im Nähkästchen
    Der Mutter hab ich es gefunden. - Gut?
A: Es scheint sehr fest.
H: -----------------------------Das will ich meinen. Achtung!
    Das sind wohl fünfzig Meter! ’s geht noch weiter!
A: Schieß nur nicht in die Fenster unsrer Kirche.
H: Ich paß schon auf. Hältst du mich für so dämlich?
A: Nun laß uns gehen. Quer über alle Felder?
H: Ja, das ist gut. Dann sind wir früher dort.

A: Nicht lange mehr, dann ist es Ostern. Frei!
    Es ist doch eine schöne Zeit, die Ferien.
H: Drei Wochen noch. Am Ostersonntag kommt
    Besuch zu uns. Eine ganz feine Dame.
    Mit der Luise. Das ist ihre Tochter.
A: Gib nicht so an.
H: -----------------------Wenn’s aber stimmt, du Schaf.
    Duck dich!
A: ----------------Wieso?
H: -----------------------------Weil ich dir’s sage. Dort!
    Siehst du den kahlen Baum da vorne stehn?
A: Die Eiche? Wo wir immer klettern, meinst du?
H: Genau. Nun runter mit dem Kopf. Und leise!
    Daß du sie nicht verscheuchst. - Wir sind Indianer.
    Ganz leise schleichen. Ohne ein Geräusch.
    Und immer näher. Deckung! Hier, der Strauch.
S: Die kleinen Vögel schießen. Warum das?
    Was haben sie uns denn getan? Sie singen
    Vor Sonnenaufgang schöner noch als sonst.
    Und wir, wir töten sie. Was für Indianer!
H: Was ist? Was schaust du so verdrießlich drein?
    Nun los, du Jäger, Hier, nimm einen Kiesel
    Und spanne deine Schleuder. Siehst du, dort!
    Der rührt sich nicht. Auf drei wird scharf geschossen.
S: Was soll ich machen?
A: --------------------------------Ist das nicht ein Stieglitz?
H: Was weiß denn ich. Die Federn sind schön bunt.
    Und der da. Das ist nur ein dummer Spatz.
S: Er läßt nicht los. Er denkt noch, ich bin feige.
    Ich bin nicht feig. Wie böse Heinrich schaut.
    Ich muß es tun. Ich werd danebenschießen.
H: Was ist jetzt? Schießen wir? Und drei. Und zwei.

(Kirchenglocken.)

S: Was ist das für ein Läuten? Ach, es läutet
    Im Dorf. Halb zehn. Das ist das Zeichenläuten.
    Um zehn beginnt der Sonntagsgottesdienst.
    Es läutet, grade jetzt. Ich wollte schießen.
    Ich kann nicht schießen. Und du sollst auch nicht!
    Das ist ja eine Stimme aus dem Himmel.
A: Heh, heh, ihr Vögel, fort! Fliegt weg! Fliegt weg!
    Fort, du verdammte Schleuder. Brauch dich nicht.
H: Was tust du da? Heh, Albert! Was soll das?
    Bist du denn irrsinnig?
A: ----------------------------------Vielleicht.
H: -------------------------------------------------Du spinnst!
    Willst du mir nicht erklären, was das soll?
A: Nein.
H: -------Spielverderber! Hau nur ab, Idiot!
    Ich frage Christoph, nicht mehr dich. Wozu
    Hat man denn einen Freund? Am Nachmittag
    Kommt er mit mir hinaus! Dich brauch ich nicht!
A: Der Christoph ist gar nicht zuhaus.
H: ----------------------------------------------------So’n Pech.
    Dann kommt er morgen mit hierher. Wirst sehn.
A: Ja, frag ihn nur.
S: ----------------------Er wird es nicht verstehn.
    Die Bäume sind so kahl. Der Frühling friert.
    Du sollst nicht töten, steht geschrieben. Ja.
__________________
weghenkel

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weghenkel
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Ermunterung

Dramatik scheint ungemein selten besucht zu werden, hier in der Leselupe. Und das, wo es doch solche Mühe macht, allein einen Text optisch halbwegs ansprechend zu gestalten (z.B. wenn man in Blankversen schreibt, wie die Herren Shakespeare oder Lessing, und man dementsprechend Striche setzen muß, wenn ein Vers sich mehreren Figuren zuschreibt): so will ich mich selbst ermutigen. Daß wenigstens ein Mensch mal in diesen Thread hineingeschaut hat. Vielleicht kommen ja dadurch andere hinzu.
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weghenkel

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blaustrumpf
???
Registriert: Mar 2003

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Hallo, weghenkel

Vielleicht ist mittlerweile auch der Assozisations-Weg via Lambarene ein wenig zu weit geworden - und das trotz Billigflieger und Pauschaltourismus.

Jedenfalls hast du da eine schöne Szene gebaut. Sie gefällt mir, vielleicht gerade weil sie so völlig abständig ist vom "Tagesgeschäft" auf den Bühnen und im wirklichen Leben.

Herzliche Grüße von blaustrumpf
__________________
Dafür bin ich nicht aus dem Schrank gekommen, um mich in eine Schublade stecken zu lassen.

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khayman
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: May 2002

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Kommt mir bekannt vor...

Seh ich ja an meinem eigenen Drama, das ich hier reingestellt habe, niemand hat seine meinung zu geschrieben, ich erwarte sicher keine Romane oder Autorintensionen dazu, sondern einfach ein .. "das hat mir gefallen" oder "das nicht" oder sowas...


Weil so einfach... OHNE etwas dazu zu sagen... *schnief*



khayman
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Wo kämen wir hin, wenn jeder sagen würde: "Wo kämen wir hin?" und keiner ginge, um zu schauen, wohin wir kämen???

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