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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Vollkommen (und) sinnlos
Eingestellt am 09. 05. 2008 18:04


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Karl Feldkamp
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2006

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Ein Leben f├╝r Belohnungen im Jenseits zu f├╝hren wird schwierig, wenn Gott als Hotelier himmlischer Komfortunterk├╝nfte f├╝r Entleibte von Menschen aus dem Diesseits gek├╝ndigt wurde.
Doch Erdendasein ganz ohne Gott sinnvoll zu gestalten, hat seine T├╝cken. Wenn Gott schon keinen Sinn mehr vermittelt, kann es Jahrzehnte und l├Ąnger dauern, bis der einzelne Erdenbewohner seinen wahren irdischen Lebenssinn zu erkennen glaubt. Und mancher wird gar erst auf dem Sterbebett r├╝ckblickend bemerken, dass es wohl nichts gewesen sei mit dem, was er aus seinem Leben machte.
Gerade die Angst vor dem Tod und damit vor dem endg├╝ltigen Ende treibt Menschen an, sich ein Leben jenseits des besagten Jordans vorzustellen. Visionen von Religionsgr├╝ndern lie├čen dort dr├╝ben zahlreiche sch├Âne Jungfrauen, Engel oder aber einfach nur unvorstellbares himmlisches Gl├╝ck auf die aus dem Leben Entr├╝ckten warten.
N├╝chtern denkende Kopfmenschen, die sich f├╝r Wissenschaftler halten oder auch politisch motivierte Atheisten meinen hingegen beweisen zu m├╝ssen, dass es
keinen naturwissenschaftlichen Beweis f├╝r die Existenz Gottes gibt. Inzwischen versuchten immer mehr aufgekl├Ąrte Zweifler, sich eigene Religionen zusammenzubasteln.
Dazu eignen sich am besten Versatzst├╝cke diverser Weltreligionen unter Zusatz eigenn├╝tzlicher Glaubensinhalte. Denn sie ist nun einmal weit verbreitet die Sehnsucht des Menschen nach Spiritualit├Ąt. Und weit verbreitet ist daher auch der Glaube an eine unaufhaltsam flie├čende Lebens-/Liebesenergie, die sowohl irdisches, als im Zweifelfall auch ├╝berirdisches Leben erm├Âglicht.

Nicht wenige, darunter auch K├╝nstler, die sich als Kulturschaffende und zugleich als Kultschaffende verstehen, meinen hinter dem Leben stecke ÔÇô ebenso wie hinter ihrer Kunst ÔÇô au├čer dem Sinn sinnlos zu sein, ├╝berhaupt kein Sinn. Sie halten es f├╝r eine besondere Herausforderung, ohne Sinn und Zweck zu sein und sehen genau darin die absolute k├╝nstlerische Freiheit, die durch rein gar nichts eingeschr├Ąnkt werden kann.
Nun meinen alle angeblich Normal-Menschlichen besonders gut zu wissen, dass ihre Spezies nicht in der Lage ist, in absoluter Freiheit zu leben. Solche Lebensart k├Ąme einer (Nicht-)Existenz irgendwo im unendlichen Weltall jenseits von Schwerkraft und jeglicher Bindung gleich. Bindungslos bedeutet, in vollkommener Einsamkeit existieren zu m├╝ssen. Wie aber soll ein Mensch sich abgew├Âhnen, Sozialwesen zu sein? Nun gut, gerade manche Schreiber unter den K├╝nstlern gelten als absolute Individualisten. Doch bei allen Tr├Ąumen vom Fliegen, w├Ąre ein v├Âllig los gel├Âstes Leben nur im Zustand des Todes vorstellbar. Tote aber, selbst wenn sie K├╝nstler sein wollten, leben nicht.
Der Buddhist glaubt, die h├Âchste Existenzform sei gerade jenes absolute Nichts.
Er versucht, die Vorstellung zu entwickeln, keine Vorstellung zu haben. F├╝r ihn ist es somit sinnvoll, sinnlos zu sein.
Ich kann nicht ausschlie├čen, dass mein bisheriger Text Denkfehler enth├Ąlt, obwohl Denkfehler unter sinnlosen Bedingungen eigentlich gar nicht vorkommen k├Ânnen.
Sollten also Leser einen derartigen Fehler entdecken, glauben sie an einen Sinn. Sollten sie keinen Fehler entdecken, brauchen sie ebenfalls ein sinnvolles Bewertungssystem, mit dem sie etwas als richtig oder falsch beurteilen k├Ânnen.
Sinnlosigkeit gibt es offenbar nicht ohne Sinn und Sinn nicht ohne Sinnlosigkeit. Und damit w├Ąre selbst Sinnlosigkeit sinnvoll und dieser eigentlich sinnlose Text sinnvoll und sinnlos zugleich.
Ganz wie die Kunst im richtigen K├╝nstlerleben.

__________________
Bei jedem Irrtum hat die Wahrheit eine neue Chance.

Version vom 09. 05. 2008 18:04
Version vom 11. 05. 2008 19:01

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Karl Feldkamp
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2006

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Lieber jon,
immerhin konnte ich mit scheinbar oder tats├Ąchlich Sinnlosem
Mr. Spock einen Brauenheber und seinem ├ťbersetzer eine kurze "Na-und?"-Frage entlocken.
Viele K├╝nstler haben in ihrem K├╝nstlerleben mit ihren Kunstwerken zun├Ąchst kaum mehr erreicht...
In diessem Sinn Dank und Gru├č
Karl
__________________
Bei jedem Irrtum hat die Wahrheit eine neue Chance.

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