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Leselupe.de > Gereimtes
Vom Alleinsein und der Einsamkeit des jungen Laurin.
Eingestellt am 30. 05. 2002 17:44


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pleistoneun
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Wo waren noch die Notenbl├Ątter? Hastig kramte er alles Notenbl├Ątterwerk durch und fand dann das gesuchte St├╝ck. Schnell stimmte er ein Lied an, zur Unterhaltung, zur Berieselung der anwesenden G├Ąste, die wieder wenig applaudierten und wenig Interesse an seiner Kunst zeigten. Sein junges Musikerlos spiegelte sein Lebenslos, das er gezogen hatte. Er w├Ąre lieber arbeitslos gewesen, aber Laurin war hineingeboren in eine Komponisten- und Musikerfamilie und er war ein Sohn, dessen Berufsweg bereits zum Zeitpunkt seiner Geburt vorgezeichnet war: n├Ąmlich das Ebenbild des stolzen, heroischen Chellisten.

In vielen einsamen Stunden qu├Ąlte sich Laurin mit seinem Chello unter den strengen Augen seines Vaters, der alle Freizeit und Pausierung in der Kindheit nur dem Laster und der Untugend zuschrieb. Keine freie Minute wurde dem kleinen Laurin gew├Ąhrt. Wundgespielte Kinderfinger tasteten sehns├╝chtig die lauwarmen Fensterscheiben an freundlichen Fr├╝hlingstagen und zeigten auf spielende Jungen und M├Ądchen, die nicht eingesperrt in ihren Kammern ihre Talente sch├Ąrfen mussten. Laurin hatte keine Freunde, die ihm von der Welt da drau├čen erz├Ąhlen k├Ânnten. Niemand stand ihm tr├Âstend zur Seite, wenn er von dieser schweren Last geknickt in seiner Stube sa├č und j├Ąmmerlich sein Schicksal beweinte. Er war so allein. Er w├╝nschte sich einen Begleiter, der immer an seiner Seite war und ihn verstehen w├╝rde. Und nichts schien ihm besser, als sein Chello, denn beide verband dasselbe Leid. Der kleine Laurin begann mit seinem kleinen Chello zu sprechen. Sie erz├Ąhlten sich erfundene Geschichten ├╝ber Welten, die bunt waren, in denen Fr├Âsche quakten, wei├čen Wolken, Blumen dufteten und einzig das laute Lachen lebensfroher Menschen von den rauschenden Wasserf├Ąllen mit den lustigen Fischen ablenkte. Eine Welt, die auch in Wirklichkeit existierte, die er aber niemals zu sehen bekam.

Als sein herzloser Vater diese "Hirngespinnste" eines Tages bemerkte, wurde Laurin umgehend in ├Ąrztliche Betreuung gegeben. Starke Medikamente sollten ihn schnellstens kurieren, damit er auch gleich wieder ├╝ben kann. So war es auch. Geschw├Ącht sa├č er in seinem K├Ąmmerlein auf seinem abgenutzten Stuhl und streichte wieder stundenlang sein Chello. Es kratzte und kr├Ąchzte, verlor seine Stimme, wurde wieder zu einem gew├Âhnlichen Instrument, wurde wieder zum Feind, zum verhassten Feind.

Er war wieder allein.

Das St├╝ck spielte er an diesem Abend m├Ą├čig, wie immer nur sehr mittel-m├Ą├čig. Im Gehen schon begriffen, wandte er sich nochmal um, denn der schlechten Welt kehrt man nicht ohne Stolz den R├╝cken. Er ging nach Freitod, wo ihn ein pr├Ąchtiger Chor aus Engel aufs Freundlichste empfing. Das Sterben hielt Laurin, kaum vierzehn Jahre alt, f├╝r die sch├Ânste Art zu leben, besser als der dumme Musiker zu sein, viel besser als nur ein Gegenstand zu sein, und noch viel viel besser als Vaters Sohn zu sein. Kein Wort verlor Laurin am Tag seines Abschieds, denn er meinte, seine Art das Chello zu spielen h├Ątte dem Zustand seiner grenzenlosen Einsamkeit mehr als gen├╝gend Ausdruck verliehen.


"Das Mittel wurde nie zum Zweck f├╝r ihn,
einzig nur durchs Volk verlieh┬┤n,
was viele Jahre im Verborg┬┤nen gl├╝hte,
und durch Vaters Hand gewollt verbl├╝hte.

Mit Freunden lachen k├Ânnen wollt er
doch trug in einer Hand die Folter,
die schicksalhaft ihm jeglich Gl├╝ck verwehrte,
und ihm letztlich sogar das Sterben lehrte.

Die Einsamkeit, die hier Laurin erlebt,
sich ├╝ber geist┬┤ge Grenzen weit erhebt,
die grenzenlos uns mag erscheinen,
bringt den Geist dann nur zum Weinen.

Aber wo die Flucht vor Irrsinn und der Welt gelingt,
wo das Qu├Ąlerische in sich selbst versinkt,
und wo kleines Recht auf Lebewohl besteht,
das ist dort, wo Laurins neues Leben steht."

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