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Leselupe.de > Kurzprosa
Vom Einfrieren
Eingestellt am 15. 06. 2006 13:11


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HFleiss
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Vom Einfrieren

Dass leidgeprüfte Banken Kredite unverhofft einfrieren können, weiß jeder, auch, dass menschliche Samen unter Laboratoriumsbedingungen eingefroren werden, um sie der roten Gentechnologie für die Weiterverarbeitung zu erhalten, ist uns so bekannt, dass es uns schon kaltlässt.

Nun hat sich die Wissenschaft, genauer gesagt die Gefrierwissenschaft, etwas Neues und, wie man jetzt schon absehen kann, vorwärtsweisend Menschheitsbeglückendes und zudem monetär Lukratives einfallen lassen. In den von der Wissenschaft flugs geschaffenen und amtlich eingetragenen Kreonik-Instituten friert man nämlich neuerdings gegen eine Gebühr von mageren 7.500 Euro auch verstorbene Haustiere ein, für ein Leben im Jenseits oder was Rauhhardackel Struppi oder die Hausratte Reni dafür halten, oder auf dass sie dereinst wiedererweckt werden können, um Herrchen oder Frauchen auf deren künftigem Lebensweg nach dem Tode zu begleiten.

Bisher hielten wir das mit dem Einfrieren ganzer, vor allem cholerischer Körper für eine dieser leichtfüßigen schwarzen Pointen von Louis de Funès. Aber weit gefehlt, denn seit kurzem werden nicht nur tierische, sondern auch menschliche Leichen eingefroren, egal, ob sie einst Choleriker oder Sanguiniker waren. Der Mensch lebt eben nicht nur einmal, sondern sooft er will, in selbstgewählten Abständen von, sagen wir mal, dreitausend Jahren – dank den nagelneuen Kreonik-Instituten, die uns mit der mangelhaften Erschaffung des Erdenlebens durch Gottvater jetzt endlich versöhnen wollen. Der Mensch lebt eben nicht nur einmal, sondern zwei- oder dreimal oder gar viermal, eben sooft er sich einfrieren lässt

Der technische Vorgang ist leicht erklärt: Blut wird gegen Kühlflüssigkeit ausgetauscht. Auf diese Weise - pumpt man in tausend Jahren diese wieder heraus und dafür das bei 196 Grad minus ebenfalls tiefgekühlte Blut wieder hinein und sind vorher schlappe hundertzwanzigtausend Dollar entrichtet worden – wird der Mensch nach seinem Tode neu erstehen, so frisch, so lebendig und so tiefgekühlt, wie der Vater im Himmel ihn niemals hätte erschaffen können. Endlich mal ein Projekt mit Zukunftsvisionen, das von der Politik ständig eingefordert wird, ein Geschäft mit Trost und Hoffnung und mit druckfrischen Dollars. Die Bibel hat nicht recht, und die gestresste Menschheit kann aufatmen, nach dem Tod kommt eben doch noch was, der Gefriertechnik und den expandierenden Kreonik-Instituten der Bundesrepublik Deutschland sei Dank.

Professor X. von der Universität von B., danach befragt, wie man die Ursache des ersten Sterbens eigentlich beseitigen wolle, damit der eingefrorene Leichnam irgendwann wieder erweckt werden könne, zuckte die Schultern. „Aber wir forschen noch“, meinte er, „in tausend Jahren sind wir so weit. Ich gebe niemals auf, schon gar nicht die Hoffnung.“

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