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Leselupe.de > Ungereimtes
Vom Endgültigen
Eingestellt am 17. 01. 2004 00:19


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gareth
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Registriert: Dec 2003

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Vor kurzem hätt´ ich fast einmal verstanden,
wie´s mit dem Sterben ist und was das heißt: der Tod,
genauer: tot zu sein, oder zu gehen
den unseres Erachtens letzten Schritt

Ich seh´, schon bin ich nicht einmal mehr sicher,
was mir zu sehen wirklich war verwehrt,
und auch des letzten Schrittes Wesen nicht gewiss

Doch weiß ich wohl, ich saß bei Alltagsdingen,
als das Erkennen schnellen Fußes nahte,
rasch, still und schwarz, ein Netz aus dunklem Wissen
sank lähmend leise tief in die Gedanken

Ein stummes, drängend unerhörtes Wollen
stieg in mir auf und dann war es vorüber
und ließ erstaunt und ratlos und erschüttert
und zweifelnd, schon vergessend, mich zurück

Und dies Vorbei, Vergessen, mag des Lebens
Bedingung sein, um sich an uns zu binden,
denn wachend zu begehen dies Gefilde,
das hieße treten über eine Schwelle,
von der, ich fürchte, keine Rückkehr ist

Wer von uns weiß, wie viele Seelen leben
in jenem Reich der Klarheit und des Wissens?
Von jener letzten Sicht so ganz erleuchtet,
jedoch der Geist verloren für das Leben?

So find ich froh, zurückgewiesen, glücklich,
mich in gewohnt sichthinderndem Gestrüpp
und will hinfort in froher Blindheit leben
bis einst mein Leib die Seele dann im Tod
nicht hindert mehr, zu seh´n was ihr entspricht.

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Inu
Häufig gelesener Autor
Registriert: Aug 2002

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Hallo gareth


Die dunkle Gewissheit des Sterben-Müssens, die wir alle in uns haben, die aber bei den meisten Menschen vom Hell und der Vitalität des Lebens und einem Mechanismus des angeborenen Optimismus ( sag ich mal so) verdrängt wird, bis auf wenige schwarze Momente... hast Du perfekt ausgedrückt. Denn wenn es anders wäre, und das Furchtbare, Aussichtslose um den Tod uns öfter übermannte, so könnte ja nichts auf Erden mehr geschaffen werden und wir würden in Bewegungslosigkeit und Lethargie versinken.

O je, ich sehe, wie unmöglich das schon in Alltagssprache für mich ist, diese Gedanken und ihre Tiefe auszudrücken, Du hast sie aber glasklar und noch dazu in eine schöne, lyrische Form gebracht.
Meiner Ansicht nach ist das eines der "weisesten" und "allgemeingültigsten" Gedichte, die ich je in der Lupe gelesen habe.

Gruß
Inu

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Lotte Werther
Guest
Registriert: Not Yet

An gareth

Nun ja, deine Gedanken sind nicht neu. Das weißt du ja auch selbst.
Doch neu und dir ganz eigen ist wohl das Setzen der Gedanken in freie Verse.
Frei von Reim und frei auch in der Form der Strophen.
Ich sage dies als Anmerkung und Anerkennung meinerseits.
Was mich am meisten ansprach, ist die letzte Strophe, wo ein sehr schönes Bild aus deiner Feder floss:

"So find ich froh, zurückgewiesen, glücklich,
mich in gewohnt sichthinderndem Gestrüpp..:"

Dann wäre noch von mir hier anzumerken, dass ich beim Lesen dieser Zeile:

"rasch, still und schwarz, ein Netz aus dunklem Wissen..."

kurz nur stutzte und sie wiederholte, um den Stolperstein für mich hier auszumachen: rasch.
Es passt mir nicht so recht zu deinen andren Adjektiven leise, tief und still.

Lotte Werther

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gareth
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Dec 2003

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ja, ich weiß,

Lotte Werther, dass die Gedanken nicht neu sind. Aber wenn insgesamt Deine Anerkennung bleibt, will ich zufrieden sein.
-Rasch, still und schwarz-, steht für die Kürze und Bedrohlichkeit des Geschehens und sollte kein Widerspruch sein zu -lähmend, leise, tief-. Das "leise" ist schon eine Verdoppelung zu still, aber der Stabreim lähmend-leise war zu verführerisch :o)

Liebe Grüße gareth

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Lotte Werther
Guest
Registriert: Not Yet

Rasch

Dein Text lässt mich noch nicht los. Das liegt am Inhalt wie auch an der Form.
Ich habe deine Antwort wirken lassen und mich der Strophe wiederholt gewidmet:

"Doch weiß ich wohl, ich saß bei Alltagsdingen,
als das Erkennen schnellen Fußes nahte,
rasch, still und schwarz, ein Netz aus dunklem Wissen
sank lähmend leise tief in die Gedanken..."

So könnte ich es auch gedacht und gesagt haben.
Allein das rasch, welches du logisch richtig gesetzt und erklärt hast, will mir immer noch nicht gefallen.
Nun weiß ich auch warum: weil ich es mit dem nachfolgenden still als raschtill lese.
Vielleicht setzt du ja nur die Reihenfolge der Adjektive um.
Un doch - nicht nur deshalb allein. Rasch ist zu sehr an das alltägliche Gehetze gebunden für mein Empfinden.

Das stille und schwarze Netz aus dunklem Wissen, das lähmende Sinken tief in die Gedanken - genau getroffen um auszudrücken, was das Erkennen war.

Nur rasch stört hier. Immer noch.

Lotte Werther

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Enza ost
Guest
Registriert: Not Yet

Lieber Gareth!

Es freut mich, wiederholt feststellen zu dürfen, dass Du alles, aber nicht durchschnittlich bist...Kompliment für diese schönen Zeilen...

Lieber Gruß von Enza ost

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