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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Vom Fernsehen wird mir schlecht
Eingestellt am 24. 10. 2005 17:55


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cuankosique
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Vom Fernsehen wird mir schlecht...

Ich m√∂chte an dieser Stelle erw√§hnen, dass die Zeiten schlimm sind. Wirklich schlimm. Beim Recherchieren werden Sie feststellen, dass es massenhaft Literatur dar√ľber gibt. Sie werden darin den Beweis entdecken, dass manche es gemerkt haben. Einige konnten noch absehen, was passieren wird.

Im Jahre 2005 hat das Wort im Gebrauch keine Relevanz mehr. Alles wurde gesagt. Wir reden um zu reden ‚Äď man kann pausenlos erz√§hlen, jedes Thema hat seine Fachsprache und jeder Spezialist pflegt seine Vokabeln. Generell gibt es von Allem viel zu viel. √úberflutet von Idealen, Krisen und vorgelebten Gef√ľhlen verlieren wir uns im Versuch der Identifikation. Das unterscheiden f√§llt uns schwerer...

Im Hier und Jetzt geschieht alles Fassungslose ‚Äď das Leben zieht an dir vorbei und du kannst gar nichts richtig oder falsch machen, kannst aber auch nicht aufh√∂ren, es zu versuchen.
Jede Logik kann nur deine eigene sein und Moral ist eine Flucht ins Prinzipielle. Wir k√∂nnen nicht heilen, sind durch die Macht der Gewohnheit desensibilisiert worden und man wird vielleicht sagen, dass es das Fernsehen war, das die Grundsteine daf√ľr gelegt hat. Es war der Mensch, als er angefangen hat seinen eigenen Kopf zu √ľberbauen.
Er hat die Zeit vergessen, hat mit Blockbustern jedem Detail eine Schublade geschaffen und alle Ideen bedeutungslos gemacht. Die Opposition ist ein medialer Witz geworden, der im Taumel der Eitelkeiten untergeht.

An jeder Ecke kannst du deine Lobby finden, dein Vertrauen findest du im Kreise derer, die mit der Komplexit√§t deiner Gef√ľhle und Gedanken etwas anfangen k√∂nnen. Wenn das fehlschl√§gt, hilft dir die High Society den richtigen Kompromiss und den passenden Look dazu zu finden - je introvertierter desto SMS und Internet. Durch die Stra√üen tanzt die Zukunftsmusik einer kompakten Traumwelt, die an Erotisierung und L√§cherlichkeit nicht mehr wachsen kann.

Dem Einzelnen ist es durch eine schmale Auswahl an Auslegungsm√∂glichkeiten bestimmter Sprachmodelle unm√∂glich geworden, sich glaub- und ernsthaft auszudr√ľcken. Hinter allem bleibt ein Konstrukt zu vermuten und z√§hfl√ľssig zieht sich die Belanglosigkeit durch den t√§glichen Input, der uns √ľberrollt.

Ich kann schreiben, aber ich kann auch nur noch denen erzählen, die eh schon wissen. Schatten an den Wänden dieser Stadt, wie sie alles darum gäben, dreidimensional zu sein. Wie sie im Flusse der Geschichte mit der Entgleisung des Verstandes gewachsen sind, während jeder von ihnen mehr und mehr in die Agonie seiner ganz persönlichen neurotischen Psychose verfällt.

Ich f√ľhle mich nicht kompatibel.

Wohin ich den Kopf auch richte, in finde nur immer wieder mich und mein bedingtes Interesse f√ľr die Dinge. Die Dinge sind rund und eckig, gro√ü wie klein und meins wie deins. Die Dinge bleiben einsam - in ihrer Wirkung nicht eindrucksvoller als tausende von Geisterfahrern, denen niemand mehr entgegen kommt.
Irgendwann wird Irgendwer res√ľmieren und leid tun mir jene, die in den Dokus √ľber unsere Zeit zu sehen sein werden. Leid tut mir jedes Geheimnis, das immer eins bleiben wird und jede gute Kraft, die an eine Bundesrepublik 2005 verschwendet wurde... das ganze Potential, das zu Beginn des neuen Jahrtausends sein Leben lie√ü. Manchmal ist es, als w√§ren wir mitsamt unserer Kunst nie geboren worden und manchmal ist es wieder, als stecke in ihr das Bed√ľrfnis einer ganzen Generation.

Im Irgendwo zwischen Illusion und Wirklichkeit ist der Platz knapp geworden, an den Ufern lauert die groteske Vorstellung von Vernunft. In ständiger Bewegung - schnelllebige Bekanntschaften, halbherzige Unternehmungen. ...Alles und Nichts zwischen unseren Lieblingskontrasten, kein Gegenteil mehr, das noch nicht formuliert wurde.

__________________
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sohalt
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Viel zu allgemein. Viel zu schwammig.

"Im Jahre 2005 hat das Wort im Gebrauch keine Relevanz mehr. Alles wurde gesagt. Wir reden um zu reden ‚Äďusw."

Das behauptest du. Und das kannst du auch, sofern du deine Behauptungen nachher irgendwie fundierst, durch Beispiele belegst. Aber die M√ľhe machst du dir nicht. Und so bleiben deine Behauptungen leer. Dieses Problem ziehst sich durch den ganzen Text. Du schmei√üt mit deinen Diagnosen um dich, ohne zu erkl√§ren, wie du darauf kommst.

.."jedes Thema hat seine Fachsprache und jeder Spezialist pflegt seine Vokabeln."
Ja und? Wo ist das Problem? Was hat das damit zu tun, dass wir angeblich reden, um zu reden? Erfahrungsgem√§√ü geht das Gejammer √ľber Fachtermini meistens in Richtung: "Die wollen ja nur ihre Null-Aussagen hinter den schwierigen W√∂rtern verstecken, damit sie sich besser wichtig machen k√∂nnen". Wenn du das meinst, schreibs bitte auch. (Ein sch√∂nes Beispiel f√ľr dieses Verhalten lieferst du weiter im Text ja selbst, wenn ohne besondere Not von "Sprachmodellen" und "Konstrukten" die Rede ist).

Deine Sprache ist unpräzise.

Bsp:
"Das Unterscheiden f√§llt uns schwer." Das Unterscheiden zwischen was und was? Also bei mir zB klappt das Unterscheiden zwischen X und U noch ganz gut. Und das Unterscheiden zwischen (f√ľr mich) spannenden und langweiligen Texten auch.

"Wir können nicht heilen" - Was? Also Schnupfen heilen wir zB ganz gut. Meiner war letztes nach 2 Tagen wieder weg.

Der Mensch hat angefangen seinen eigenen Kopf zu √ľberbauen.
Häh? Kryptisch, kryptisch. Der Vorteil an dem geheimnisvollen Geraune ist, dass man nicht durch sieht und einem deshalb nicht so schnell auffällt, wenn dahinter nix ist.

Der Mensch hat die Zeit vergessen?
Gemeinhin beklagt man doch in solchen gesellschaftskritischen Texten lieber die allgemeine Hektik, den Stress, den Zeitdruck - also das Diktat der Zeit, alles nicht unbedingt Anzeichen daf√ľr, dass die Menschen, die die Zeit vergessen. Menschen, die die Zeit vergessen, k√∂nnen n√§mlich auch ihren Druck nicht sp√ľren...
Und du schl√§gst nachher ja auch in die selbe Kerbe, wenn du die beliebte Phrase von der "Schnelllebigkeit" bem√ľhst.

"Die Opposition ist ein medialer Witz geworden,.."
Mit diesem Statement wirst du an den Stammtischen dieser Welt viel zustimmendes Grunzen ernten. (Die Politiker sind sowieso alle Luschen, und die Medien auch, √ľberhaupt, die da oben...). Aber mir m√ľsstest du erstmal sagen, welche Opposition (vor allem gegen wen?) du meinst, bevor ich zustimmend mitgrunze.


"...hilft dir die High Society den richtigen Kompromiss und den passenden Look dazu zu finden."
Willk√ľrliches Begriffe zusammen w√ľrfeln. High Society ist doof, Kompromisse sind auch doof, und sowas wie Anpassungen an den passenden Look sowieso, also manschen wir das alles doch einfach mal in einem Satz zusammen, nicht?
Tats√§chlich wird die High-Society den Teufel tun, und uns irgendwelche Look-oder-Kompromiss-Empfehlungen geben, die schert sich nicht um uns, die hat Besseres zu tun (Parties, Yachten, Golfen, was wei√ü ich). Wenn's nach ihr ginge, k√∂nnten wir so abgefuckt und herungekommen und grindig daherkommen, wie es unserer Individualit√§t entspricht, die will n√§mlich mit uns so wenig wie m√∂glich gemein haben und wenn wir alle Sandler und Vagabunden und Lebensk√ľnstler w√§ren - umso besser!
Nein, du hast da was verwechselt: Die Leute, die uns unsere Tr√§ume und Ziele und Kompromisse und vor allem unseren Look verkaufen, dass sind die armen, kleinen Kreativlinge in den Werbe-Agenturen und Marketing-Abteilungen, arme, gestresste Arbeitsdrohnen wie wir. Klar, kriegen die wohl auch ihre Vorgaben von "oben", aber du meinst wohl damit eher irgendwelche d√ľsteren Macht-Eliten, Opinion-Leaders, graue Eminzenzen. Der Begriff "High-Society" ist jedenfalls zu schillerend daf√ľr, zu glamor√∂s, da denkt man an champagner-schl√ľrfende A/B/C-Promis in der Bunten, das evoziert das falsche Bild, denen wir wie gesagt, wirklich herzlich egal sind, selbst zu egal, um manipuliert zu werden.
Ganz abgesehen davon, dass ich da deine dunkle Verschw√∂rungstheorie nicht ganz abnehme. Wenn die Werber uns immer wieder alles m√∂gliche mit sch√∂nen, nackten Frauenk√∂rpern verkaufen wollen, dann weil sie eben glauben, dass wir das sehen wollen (und nicht in der Absicht um etwa das Patriarchat zu st√ľtzen), und das wollen wir doch (also heterosexuelle Frauen jetzt vielleicht weniger), auch wenn wir es zu einem Teil nat√ľrlich auch nur deswegen wollen, weil wir es so oft gezeigt bekommen haben. Es ist das meiste eine Wechselwirkung - und keine b√∂se Intrige von oben - es ist das meiste etwas komplizierter, als du denkst.


Durch die Straßen tanzt die Zukunftsmusik einer kompakten Traumwelt, die an Erotisierung und Lächerlichkeit nicht mehr wachsen kann.
Erster Teil: (meiner Meinung nach - pseudo - aber das hier ist wirklich ein reines Geschmacksurteil)lyrisch.
Zweiter Teil: sprachlich einfach nur schief.
An etwas wachsen (zB an den gestellten Herausforderungen wachsen) hei√üt durch etwas wachsen, womit man gemeinhin etwas Positives ausdr√ľcken will, einen Fortschritt in der Entwicklung, einen Wertgewinn. Du erwartest also ernsthaft von den Traumwelt, dass sie durch L√§cherlichkeit und Erotisierung an Wert gewinnt? Und dann wunderst du dich, dass sie das nicht kann? Du meinst wohl eher: eine Traumwelt, _deren_ L√§cherlichkeit und Erotisierung nicht mehr wachsen kann..

"Dem Einzelnen ist es durch eine schmale Auswahl an Auslegungsm√∂glichkeiten bestimmter Sprachmodelle unm√∂glich geworden, sich glaub- und ernsthaft auszudr√ľcken."
Diesen Satz sollte ich wohl besser mal f√ľr intelligent halten, es w√ľrde mich zumindest viel M√ľhe kosten, das Gegenteil zu beweisen. Aber was meinst du √ľberhaupt mit "Sprachmodell"? Meinst du die verschiedenen Codes? Die verschiedenen Fachsprachen? Es ist also unm√∂glich geworden, das hei√üt also, dass es vorher m√∂glich war. Warum? Was hat sich ge√§ndert? Ist die Auswahl an Auslegungsm√∂glichkeiten etwa schmaler geworden? Wodurch? Warum gabs fr√ľher mehr Auslegungsm√∂glichkeiten?

Das Problem an deiner Sprache, der Grund, warum man dich schwer versteht, ist √ľbrigens nicht die schmale Auswahl an Auslegungsm√∂glichkeiten, sondern im Gegenteil: die sehr breite. Wie gesagt, deine Sprache ist unpr√§zise. Ich werde dich jetzt nicht darum bitten, endlich mal Klartext zu reden, denn du w√ľrdest mir ohnehin mal erkl√§ren, dass es sowas wie Klartext gar nicht gibt, dass die Bedeutung immer abh√§ngig ist von Sender, Empf√§nger, Medium, Code und Kontext, dass gerade die Offenheit f√ľr viele Deutungen ein Kennzeichen von Literarizit√§t ist und dass dieser Text hier besonders literarisch sein will, habe ich mittlerweile selbst mitbekommen. Aber soll ich dir mal was sagen: Es gibt einen Unterschied zwischen vieldeutig und beliebig deutbar.

"Ich kann schreiben, aber ich kann auch nur noch denen erzählen, die eh schon wissen."
Das liegt ein St√ľck weit auch daran, dass du dich aber auch sowas von √ľberhaupt nicht bem√ľhst, deine Gedankeng√§nge f√ľr uns arme Unwissende irgendwie nachvollziehbar zu machen. (Ein gutes Mittel dazu w√§re zB Koh√§renz - anstatt eines wilden Springens von einer Assoziation zur n√§chsten.)

Das einzige, was dieser Text vermittelt, ist ein diffuses Gef√ľhl von Unbehagen, das wohl viele mit dir teilen . Keinen einzigen konkreten Ansatz zur Kritik, keinen einzigen konkreten Verbesserungsvorschlag. Sowas bringt einfach niemanden weiter.


Was mir gefällt:

"Ich f√ľhle mich nicht kompatibel.
Wohin ich den Kopf auch richte, in finde nur immer wieder mich und mein bedingtes Interesse f√ľr die Dinge. Die Dinge sind rund und eckig, gro√ü wie klein und meins wie deins. Die Dinge bleiben einsam - in ihrer Wirkung nicht eindrucksvoller als tausende von Geisterfahrern, denen niemand mehr entgegen kommt."

Dieser Absatz ist gut. Du sprichst von dir und deinen Empfindungen, (und hier kann ich sie zB sogar teilen), die Sprache ist nicht so (pseudo)-lyrisch wie im Absatz oben, es liegt nicht dieser Geruch von Generalisierung dar√ľber, wie im restlichen Text.

Bitte nimm meine harsche Kritik nicht pers√∂nlich, ich erhebe auch ganz gewiss keinen Anspruch darauf, die Weisheit mit L√∂ffeln gefressen zu haben, auch wenn das obige Gerede vielleicht ein bisschen so klingt. Das ist nat√ľrlich auch hochgradig subjektiv, Objektivit√§t ist eine Illusion, aber ich habe mich bem√ľht, es zu begr√ľnden.

lg
sohalt



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.A mesure qu'on a plus d'esprit, on trouve qu'il y a plus d'hommes originaux. Les gens du commun ne trouvent pas de différence entre les hommes. (Pascal)

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cuankosique
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ja

Keine leichte Kost, deine Kritik.

F√ľr die Analyse habe ich vermutlich l√§nger gebraucht, als f√ľr das Schreiben des Textes selbst - denn Recht hast du schon. Viel zu viel H√ľlle ohne Inhalt.

Einerseits sicher doch, denn um genau diese Form von sogenannten "Blockbustern" und Schlagworten geht es schlie√ülich. Es kann schon sein, dass ich da nur versucht habe, treffende Endformulierungen f√ľr l√§ngst durchkaute Gedankeng√§nge zu finden. Ein paar davon sind mir im Grunde auch gelungen, wie ich finde. Vermutlich nur f√ľr mich selbst.
Ich habe in meinem Umfeld keine wirkliche ernst zu nehmende Kritik, die mir meine Worte so intensiv darlegen k√∂nnte. An dieser Stelle deshalb auch Dank an dich. F√ľr mich auch einer der Gr√ľnde, warum ich mich in der Leselupe angemeldet habe.

Da der Text f√ľr mich pers√∂nlich aber dennoch eine kopfliche und emotionale Bewandnis hat, will ich versuchen, dir ein paar Dinge dazu zu erz√§hlen.

Da das Leben, besonders in den letzten drei Jahren, f√ľr mich recht willk√ľrliche Z√ľge angenommen hat und ich mich bis hierher in einem recht langwierigen aber intensiven Selbstzersrt√∂rungsprozess befinde, muss ich manchmal feststellen, wie weit ich mich zunehmend vom Leben einer selbstverst√§ndlichen Vertrautheit irgendwo im ostdeutschen Mittelstand entfernt habe. Auch weil ich es frei so gew√§hlt habe, vor allem aber weil es einer gewissen Notwendigkeit entspricht, die Rotation im eigenen Kopf in einer Form von produktivem Exzess oder √∂ffentlichem Wahnsinn hinaus in die Welt zu kotzen. Dieser Anspruch ist hoch gegriffen und ich bin vielleicht nicht dar√ľber hinausgewachsen aber daran vorbei gefallen schon. Es scheint nun aber auch so, als geh√∂re selbst das zum Prozess jener willk√ľrlicher Ereignisse. Wie stelle ich das an? Schreibe ich √ľber das Leben, das ich leben m√∂chte oder lebe ich das Leben, √ľber das ich schreiben m√∂chte? Ich kenne keine Kompromisse, nur den einen, der mich abw√§rts f√ľhrt und von dem ich mir Authenzit√§t erhoffe. Der Kompromiss, meine Schrift, meine Musik und √ľberhaupt mein ganzes Schaffen mit mir in den Abgrund zu ziehen - Schritt f√ľr Schritt von einer Entwicklungsstufe meines Lebens zur n√§chsten. Auf B√ľhnen, mit Feuer in den Augen, R√ľckkopplung in den Gitarren, das Mikrophon an die Lippen gepresst und alles verwesende und entstehende in mir in die Ohren des dunklen Konzertraumes hauchend und schreiend - ohne Stilrichtung zu beziehen, ohne sich einer bestimmten Farbe zu bekennen, ohne Scheuklappen, R√ľcksicht und Vernunft. Dem Wahnsinn Luft machen...

Wenn das der Anspruch sein sollte, wenn es f√ľr mich letztlich nur darum geht eine ganze Palette an Gef√ľhlen, so wie ich sie f√ľhle, zu vermitteln, bleibt mir dann noch die Wahl, ob ich in jedem wichtigen Gedankengang den Worten gleichzeitig ein Gesicht gebe, indem ich anfange des H√∂rer oder Lesers eigenen Kopfmatsch mit meinen Inhalten zu umklammern? Das klingt etwas zu solide, aber ungef√§hr so absolut m√∂chte ich das gerne verstehen, falls ich es eines Tages schaffen sollte (im Grunde genau anders herum) so willk√ľrlich und umst√§ndlich wie das Leben selbst, mit so wenig Worten wie m√∂glich so viel wie m√∂glich sagen zu k√∂nnen.

Bis dahin Danke f√ľr alles konstruktive.

Bei Interesse, falls eben solche Musik, von deren Art ich sprach: Guck mal nach "Mutter" (Gro√üartige Band - ich finde mich darin immer ein St√ľck weit wieder. In den Texten, der Sprachweise und der Musik - kam gerade ein Film √ľber die Band heraus "Wir waren niemals hier" ...)

Und falls eine Meinung zu noch einem Text: Hier klicken

Bis bald,

ilja

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sohalt
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Also erstmal bin ich √ľberaus positiv √ľberrascht, wie gut du mit Kritik umgehen kannst. Das findet man ziemlich selten. (Ich nehm mich da selbst gar nicht aus, ich reagier da auch ganz gern mal verschnupft, auch wenn ich recht gro√ü tu in meiner Signatur. Tja, Wunsch und Wirklichkeit.)

Und meine Kritik war allerdings ziemlich erbarmungslos, ein Schnellschuss (wie man wohl auch an den zahlreichen Fehlern bemerkt) und wenn es diese Leselupen-Regel von wegen "15 Min nachher kann man nix mehr ändern" nicht gebe, hätte ich bestimmt nachträglich noch einiges abgemildert.

Aber letztlich bin ich √ľberzeugt, dass Kritik notwendig ist und auch erbarmungslos sein darf. Und du hast ja Potential, in meinen Augen, sonst h√§tt ich mir n√§mlich die M√ľhe gar nicht gemacht.

Du beschreibst also, wie du zu deinem Schreiben stehst und darin steckt gewiss Leidenschaft und Radikalit√§t. Eine √úberf√ľlle und eine Wucht der Ideen, die sich nicht in eine leserfreundliche Struktur pressen lassen will, wie ich sie dir angeraten h√§tte. Du nimmst auf dich selbst keine R√ľcksicht und willst auch auf den Leser keine R√ľcksicht nehmen.

Das kann man nat√ľrlich machen, klar! Das kann sogar ganz gro√üe Kunst werden.

Aber dann stehen wir jetzt vor einem neuen Problem:
Im Ausgangstext sp√ľre ich n√§mlich von dieser Leidenschaftlichkeit und Radikalit√§t nichts. Das k√∂nnte genausogut ein gem√ľtliches alkoholgeschw√§ngertes hobbym√§√üiges Hirnwixen in feuchtfr√∂hlicher Runde sein, da wird man ja mitunter auch hochphilosophisch und ich finde das ja grunds√§tzlich auch nicht unsympathisch - nur schriftlich festhalten m√ľsste man das vielleicht nicht.

Diese Dringlichkeit, die in deiner Antwort r√ľberkommt, die sp√ľrt man im Text einfach nicht.

Dass dir weniger daran gelegen ist, Theorien zu entwickeln und zu fundieren, Zust√§nde zu analysieren, Zusammenh√§nge deutlich zu machen - das ist legitim. Du willst also Gef√ľhle ausdr√ľcken. Gut. Wom√∂glich ist der Essay hierf√ľr auch einfach nicht die geeignete Form, bleib also vielleicht lieber bei Lyrik.

Aber auch hier musst du aufpassen: Es gen√ľgt nicht, Gef√ľhle zu behaupten, du musste sie auch vermitteln k√∂nnen. (Ein weit verbreiteter Fehler bei Hobby-Dichtern. Da ist in jeder Zeile von Gef√ľhl die Rede, dreimal Liebe, Sehnsucht, ausbuchstabierte Leidenschaft, doch den Leser l√§sst es v√∂llig kalt. Ein andere spricht die ganze Zeit nur von konkreten Dingen und den Leser beutelts, weil er die Gef√ľhle zwischen den Zeilen sp√ľrt.) Also ganz au√üer Acht lassen solltest du den Leser nicht. Mag sein, dass die Worte geeignet sind, um dein Gef√ľhl zu beschreiben. Aber sind sie stark genug, um das Gef√ľhl im Leser selbst zu wecken?

Gedanken, Theorien vermittelt man am besten so, wie ich zuerst beschrieben habe: indem man sie durch Argumente fundiert, durch konkrete Beispiele anschaulich macht, in dem man seine Gedankeng√§nge logisch aufschl√ľsselt.

Mit Gef√ľhlen kann man das nat√ľrlich nicht so machen, klar. Aber vermitteln muss man sie trotzdem. Geht meiner Meinung nach viel schwieriger.

Also, toi, toi, toi!

lg
sohalt

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