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Leselupe.de > Gereimtes
Vom Geben
Eingestellt am 22. 08. 2010 14:08


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Vera-Lena
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Vom Geben

Die Rose, festverschlossen in der Nacht,
ließ sich vom ersten Sonnenstrahle wecken,
sie hat die BlĂŒtenblĂ€tter aufgemacht
und duftet farbenfroh in dichten Hecken.

Als sÀnge sie, so hören deine Augen
den Farbenchor, der Schönheit Harmonie,
dein Herz singt mit, kann gut als SĂ€nger taugen,
kennt selbst fĂŒr Lob und Preis die Melodie.

So bist du eins mit dem, was schön erfunden,
voll Herrlichkeit auf diesem Erdenrund
und deine Freude wird sich gÀnzlich runden,
teilst du beglĂŒckt den reichen Schönheitsfund.

Dann wird auch jemand willig von dir nehmen
die Klage, rinnt sie einst aus deinem Mund.
Er schenkt ein lindernd Wort hin in dein GrÀmen,
sinkt in des Leides wie der Freude Grund.





__________________
Der Mensch ist sich selbst das grĂ¶ĂŸte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

Version vom 22. 08. 2010 14:08

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sekers
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Hallo Vera-Lena,

ich möchte Dir zu Deinem Text vom Geben schreiben. und ich sollte Dir vorher sagen, dass ich ihn formal und rhythmisch betrachtet fĂŒr makellos halte. und ich könnte, und vielleicht sollte ich, hier schon wieder enden.

aber ich finde, inhaltlich ist der Text nicht stimmig. nur ist das fĂŒr mich schwer in Worte zu fassen. ich probiers.

stutzen machte mich zunÀchst die Zeile

"kennt selbst fĂŒr Lob und Preis die Melodie"

denn da hatte ich so ein kleines Oszillations-Erlebnis zur Bedeutung von dem Wort selbst.
ich kann es lesen als 1) das Herz kennt selbst die Melodie, und braucht den Farbenchor gar nicht oder 2) das Herz hat fĂŒr soviele Dinge Melodien, warum auch nicht/sogar fĂŒr Lob und Preis.

und auch wenn mir Interpretationsmöglichkeiten bei einem Gedicht eigentlich gefallen, so ist mir hier mehr ein GefĂŒhl des ich weiß nicht was sie meint als, ja, das kann soviel bedeuten.

auch das "kann gut als SĂ€nger taugen" irritiert mich ein bisschen, und seine Bedeutung im Text erschließt sich mir nicht, denn 1) weil das Herz mitsingt heißt das noch nicht, dass es "gut singen" (wenn ich das gut als SĂ€nger taugen so ĂŒbersetze) kann, 2) die Melodie kennen bedeutet auch nicht automatisch "gut singen".

wenn Farben riechen, Augen hören, und ein Herz singt, (Strophe i und ii) dann ist das nicht unbedingt das, was ich als "die schlichteste Rede" bezeichnen wĂŒrde. Eher komplizierteste VerschrĂ€nkungen. und in der FĂŒlle wird es mir, aber das ist halt und nur mein Geschmack, ein bisschen viel, was da diverse Organe "artfremd" leisten mĂŒssen. nur um vielleicht, möglicherweise ein Bild in mir entstehen zu lassen, dass sich aber wegen VerschrĂ€nkungsĂŒberflutung einstellt.

wenn Du dann in der letzen Zeile von Strophe iii zum Thema kommst, dann bin ich enttĂ€uscht. vom "beglĂŒckten" Teilen des "reichen Schönheitsfunds".

enttÀuscht bin ich, weil das Geben sehr stark reduziert wird. geben, wenn ich Deinem Text folge, kann ich erst, wenn ich in der Lage war, Schönheit zu erfassen.

ich nehme es persönlich. aha, da fĂ€llt fĂŒr mich geben einmal flach, denke ich mir, denn da bin ich mir nicht so sicher, ob ich jemals Rosen duften höre.

und das Geben, in diesem Text, es ist so seltsam immateriell.
hat geben nicht auch und vor allem damit zu tun, dass der, der gibt, weniger hat, nach dem Geben, und der Begabte mehr?

in Deinem Bild ist hingegen der Geber ein und der Gewinner der Situation. Was eh OK ist, metaphysisch. aber eben mit dem umittelbaren Aspekt des Gebens nichts zu tun hat.

moralisierend verstehe ich auch die vorletzte Zeile. warum soll sich beim Geben die Freude gĂ€nzlich runden? was immer eine unrunde Freude bedeuten mag. aber wenn ich das gĂ€nzlich Runden als Metapher fĂŒr vollkommene Freude nehme, bedeutet der Text doch: wirklich freuen kann ich mich erst, wenn ich teile.
wiederum: ist schon möglich. aber gilt tatsÀchlich der Umkehrschluss, dass ich mich nicht so ganz gÀnzlich freuen kann, wenn ich nicht teile? muss ich teilen, um mich wirklich freuen zu können?

und die vierte Strophe hakt da nach. Gib nur, dann wird Dir in Zeiten des Klagens auch jemand zuhören. geben als Vorsorge fĂŒr schlechtere Zeiten.

zusammenfassend, ist Dein Text eine aus meiner Sicht sehr kapitalistische Sicht des Begriffs geben.

er erschien mir ein bisschen unstimmig, aber hat immerhin dazu gefĂŒhrt, dass ich mir meine verworrenen Gedanken zu Thema geben bewusster gemacht habe.

und dafĂŒr möchte ich mich bedanken.

aber die Kritik, wenn sie denn eine ist, belassen. (und hinzufĂŒgen, dass ich eh weiß, dass ich manches nicht verstehe. und vielleicht irgendwas ĂŒber- oder falsch sehe.)

Liebe GrĂŒĂŸe

G.

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Vera-Lena
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Lieber Sekers,

Danke!

Da sehe ich wieder einmal wie allein bzw. unverstÀndlich ich mit meinen Gedanken bin und doch immmer denke, dass sie absolut simpel sind.

Das ist jetzt ganz wichtig fĂŒr mich.

Dass dieses Gedicht als moralisierend empfunden werden könnte, hatte ich immerhin selbst schon befĂŒrchtet.

Die zweite Strophe vertauscht in der Tat die Wahrnehmungsmöglichkeiten von sehen und hören. Insofern hast Du Recht, dass der Text verschlĂŒsselt wirkt.

Das Herz desjenigen, den das Lyri anspricht, kann deswegen ein SĂ€nger sein ("gut als SĂ€nger taugen", damit meine ich eigentlich nur: ein SĂ€nger sein), weil dieser Mensch immer erfĂŒllt ist von Freude, wenn er etwas Schönes betrachtet und weil ich ihn tatsĂ€chlich sehr oft singen höre, wenn er mechanische Arbeiten macht. Auf diese Weise erlebe ich ihn als jemanden, der stĂ€ndig etwas aus seinem Herzen gibt.

Seine Lieder sind meistens AusbrĂŒche von Freude, also er ist auf diese Art von Liedern abonniert. Sein Singen empfinde ich als Geben, wie Du es auch sagst, auf eine immaterielle Weise. Es fĂ€llt ihm leicht, mit dem, was er als Schönheit empfindet, zu verschmelzen und er gibt durch seine Fröhlichkeit diese Freude an dem Schönen weiter. Wenn ihm dann jemand begegnet, dem er sagen kann,also heute habe ich eine besonders schöne Rose gesehen und der andere freut sich mit ihm, dann hat er etwas gegeben, ohne dass er er etwas weg-gegeben hĂ€tte und der andere, wenn er sich an Ă€hnlichen Dingen erfreuen kann, fĂŒhlt sich bereichert. Dass sich die Freude "gĂ€nzlich rundet", damit meine ich, dass sich die Freude verstĂ€rkt, wenn sich jemand mit einem mitfreut. Das wirst Du doch auch schon erlebt haben, dass Du Dir gedacht hast, oh, hoffentlich treffe ich heute den und den, denn der wird sich mit dem, was ich eben gerade erlebt habe, mitfreuen. So habe ich die dritte Strophe gemeint.

Die vierte Strophe kann leicht missverstanden werden. Da gebe ich Dir Recht.

Solche fröhlichen Menschen, die ein glĂŒckliches Naturell besitzen, wie ich es in den ersten drei Strophen beschrieben habe, finden nach meiner Erfahrung in der Not auch wirklich immer einen Helfer, denn ihr Naturell verĂ€ndert sich ja nicht, nur weil sie jetzt etwas Schweres durchzumachen haben. Aber man könnte den Text wirklich moralisierend lesen, etwa so:

Gib etwas, dann bekommst du auch etwas. Das habe ich aber nie und nimmer so gemeint. Dieser Gedanke war ĂŒberhaupt nicht in meinem Kopf.

Ich dachte daran, dass auch so ein glĂŒcklicher Mensch von Schwierigkeiten im Leben heimgesucht wird und hoffte, dass dann Menschen, die ehmals seine Freude geteilt haben auch mifĂŒhlend und anteilnehmend sein Leid mit ihm teilen werden, wenn ich selbst beispielsweise nicht mehr da sein sollte, um das tun zu können.

Danke, lieber sekers, fĂŒr Deine ausfĂŒhrliche Mitteilung darĂŒber, wie Du diesen Text gelesen und betrachtet hast. Es macht immer ein bißchen traurig, mißverstanden zu werden, aber Du hast mir die Möglichkeit gegeben, nun meinerseits eine ErklĂ€rung abzugeben und Du hast mir auch gezeigt, dass es mit dem "Ganz einfach" wieder einmal nichts war. Das sind die Stellen, an denen ich mich nie in andere hineindenken kann, nĂ€mlich die Tatsache, dass meine Texte mitunter nicht so leicht verstĂ€ndlich sind, wie ich das denke. Gut, dass Du mich darauf hingewiesen hast. Vielleicht lerne ich es ja doch noch *lach*

Einen schönen Tag wĂŒnsche ich Dir.
Liebe GrĂŒĂŸe
Vera-Lena
__________________
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