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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Vom Leben M. Meads inspiriert
Eingestellt am 18. 08. 2015 13:01


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Winfried Stanzick
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2011

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Rezension zu:

Lily King, Euphoria, C. H. Beck 2015, ISBN 978-3-406-68203-2

Ob sich einzelne Szenen so oder Ă€hnlich tatsĂ€chlich zugetragen haben, wie sie in dem vorliegenden mit dem Kirkus Preis ausgezeichneten Roman der Amerikanerin Lily King beschrieben werden, ist möglich, aber fĂŒr die literarische Beurteilung des Buches nicht wichtig.

Wenn die New York Times ein Buch unter die fĂŒnf besten literarischen BĂŒcher wĂ€hlt, wie sie es mit „Euphoria“ im Jahr 2014 getan hat, als das Buch im Original erschien, dann ist das eine große Ehre.

Die Geschichte, die Lily King erzĂ€hlt, hat nicht nur wegen ihres leidenschaftlichen Stils all diese Auszeichnungen verdient. Offenbar seit langem von der berĂŒhmten Ethnologin Margaret Mead, ihrem Leben und ihren Forschungen fasziniert und mit der im Anhang des Buches aufgelisteten Literatur wohl vertraut, hat sich Lily King inspirieren lassen zu einem spannenden und schönen Roman, der sich nicht nur mit den fantastisch beschriebenen Beziehungen und dem von ihrer jeweiligen Geschichte geprĂ€gten Innenleben ihrer Protagonisten beschĂ€ftigt, sondern auch einen hervorragenden Einblick gibt in das Leben und Arbeiten fĂŒhrender Ethnologen Anfang der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

Lily King konstruiert eine Begegnung und Beziehungsgeschichte zwischen der schon durch Veröffentlichungen berĂŒhmten amerikanischen Ethnologin Nell Stone, ihrem Ehemann Fen und dem Briten Andrew Bankson in Neuguinea in den Siedlungsgebieten verschiedener eingeborener StĂ€mme im Flussgebiet des Sepik.

Eine leidenschaftliche Dreiecksbeziehung entwickelt sich, gepaart mit professionellen Konkurrenzen, insbesondere zwischen Nell und ihrem Mann. Andrew Bankson, in dem man unschwer Margaret Meads spÀteren zweiten Ehemann Gregory Bateson erkennen kann, ist nicht nur von Nells Arbeit und ihrer wissenschaftlichen Leidenschaft und Stringenz begeistert, sondern er nutzt auch eine Abwesenheit Fens, die noch dramatische Folgen haben wird, sich Nell sexuell zu nÀhern. Die erwidert sein Begehren, doch ob all das eine Zukunft haben kann und wird in dem Buch, soll hier offen gelassen werden.

Wenn man sich irgendwann gelöst hat nach einigen Dutzend Seiten von dem dauernden Vergleich mit den Menschen, deren Leben Lily King zu diesem leichtfĂŒĂŸig erzĂ€hlten Roman inspiriert hat, taucht man ein in eine sinnliche Geschichte von drei Menschen, die aufbrachen, die Fremde zu erkunden auf den Spuren nach den UrsprĂŒngen der Menschheit und des Menschseins, und dabei ohne es wirklich zu wollen, in den „Dschungel ihres eigenen Inneren eingedrungen“ (Ilija Trojanow) sind.

Ein Roman, in dem es neben der Ethnologie und ihren Methoden hautsÀchlich geht um Begierde, Liebe und um unterschiedliche Lebensformen und Herrschaft.


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