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Leselupe.de > Kurzprosa
Vom Wolf im Schafspelz
Eingestellt am 19. 07. 2004 22:00


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Reflex
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Vom Wolf im Schafspelz


Ich w├╝nschte, ich k├Ânnte dir besseres berichten, doch hat es sich so zugetragen, wie ich es nun erz├Ąhle:

Wir hielten ihn f├╝r einen Wolf im Schafspelz, doch irrten wir uns, war er doch nur ein Wolf, der seiner Natur folgte. Es war der geringste, der schw├Ąchste, der unbekannteste meiner Br├╝der, der auf ihn zeigte und meinte, ihn entlarvt zu haben. Wir glaubten ihm, obwohl wir ihm noch nie geglaubt haben. Und als wir an ihn glaubten, wuchs er ├╝ber sich hinaus. Er wurde gr├Â├čer, als all seine Br├╝der und Schwestern, er ├╝berragte seine Eltern und blickte auf uns herab. Er fletschte seine Z├Ąhne, stie├č einen gellenden Schrei aus und hielt sein Gewehr in die H├Âhe. Wir taten ihm gleich und jeder, der uns beobachtete, verkroch sich vor Furcht hinter seinem Ofen. Mit lautem Gebr├╝ll folgten wir meinem Bruder, den Wolf zu enttarnen und ihn zur Strecke zu bringen. Nur wenige Schritte von unserem Haus entfernt, stellten wir den T├Ąuscher, den Blender, den Betr├╝ger, der voll gefressen von seinem letzten Raubzug auf der Lichtung ruhte und nicht bemerkte, dass wir uns ihm n├Ąherten. Mein Bruder vornweg eilend ersp├Ąhte ihn zuerst und legte sein Gewehr an, seine Troph├Ąe anvisierend, doch bevor er schoss, r├╝ckten wir l├Ąrmend n├Ąher. Der Wolf ├Âffnete verschlafen seine Augen und starrte ver├Ąngstigt, hellwach mit einem Male, unf├Ąhig sich zu r├╝hren in die L├Ąufe unserer Gewehre. Er zitterte, er zitterte, er zitterte und flehte laut um Erbarmen.
„Keine Gnade“, schrie mein Bruder, frisches Blut bereits witternd.
„Keine Gnade“, schrieen wir im Chor der Henker und der Kugelhagel, einem Inferno gleich, streckte den Wolf nieder.
Wir umringten ihn und brachen in lautem Jubel aus. Mein Bruder packte den noch warmen, zerrissenen Fleischberg und hielt ihn in die H├Âhe.
„Triumph, Triumph, Triumph“, rief er uns zu, das wir ihm dreimal nachsprachen.
Wir hoben ihn auf unsere Schultern, w├Ąhrend das Blut des Wolfes an ihm auf uns heruntertropfte und kehrten jubelnd in unser Dorf zur├╝ck, in dem wir freudig begr├╝├čt wurden. Man schlachtete ein Lamm, spielte Musik und ein Fest nie gekannter Gr├Â├če nahm seinen Lauf. Nur eine alte, sehr alte Frau, faltig und vertrocknet, sa├č in ihrer H├╝tte und feierte nicht mit uns. Stattdessen fragte sie uns Feiernde:
„Habt ihr denn einen Schafspelz beim Wolf gefunden?“
Mein Bruder antwortete:
„Nein, na und? Der Wolf ist tot, erhebet die Becher!“, und wir stie├čen mit ihm an.
Die Feier w├Ąhrte drei Tage und drei N├Ąchte. Mein Bruder wuchs mit dieser Tat, wir verehrten ihn seitdem und ich war stolz, sein Bruder zu sein. Die Alte verkroch sich aber in ihrer H├╝tte und z├╝ndete eine Kerze f├╝r den Wolf an.

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Blackmail
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Schriftsteller-Lehrling

Registriert: May 2004

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Guten Tag, mein Bruder.

Deine Wortwahl gef├Ąllt mir sehr gut, dieser Text hat mich geradezu eingeladen Ihn zu lesen. Es l├Ąsst sehr viel offen wor├╝ber man sich Gedanken machen kann.
Dein Schreibstil erinnert mich etwas an meinen in jungen Jahren, als meine Gef├╝hle meinen Verstand ├╝bermahnt haben und ich schneller dachte als ich schrieb.

Mit etwas ├ťbung kann aus dir was ganz gro├čes werden.
Ein gro├čer Narr, wie wir alle hier. Doch da es dein erster Text ist und du so zu sagen noch Jungfr├Ąulich bist freu ich mich eine Fortsetzung.

Hochachtungsvoll

Mr. Blackmail aka Steppenwolf

__________________
Wer k├Ąmpft, kann verlieren, doch wer nicht k├Ąmpft,hat bereits verloren.

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Reflex
Hobbydichter
Registriert: Jul 2004

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Hey Steppenwolf,

erst einmal m├Âchte ich mich f├╝r die sp├Ąte Antwort entschuldigen und Dir danken f├╝r die positiven, ermunternden Worte, denn ehrlich gesagt war ich eher ein bisschen skeptisch, als ich meine kleine Geschichte bei Leselupe eingestellt habe. Ich war mir nicht mal sicher, ob man sie als Literatur bezeichnen kann... ;-)

Der ├╝berhastete Stil ist bei der Geschichte durchaus gewollt. Letztlich geht es mir bei meinen Kurzgeschichten mehr um die Vermittlung von Atmosph├Ąre als um eine bestimmte Aussage. Ich m├Âchte dem Leser keine vorgefertigten Antworten vorgeben, sondern ich will ihm in den Hintern treten, dass er sich doch einmal ein wenig mehr ├╝ber Allt├Ąglichkeiten Gedanken machen sollte verpackt in einer m├Ąrchenhaften oder fantastischen (vom Worte "Fantasie" stammend und nicht im Sinne "besonders gut") Geschichte und sich fragt, ob er die Dinge, die er als gegeben hinnimmt, wirklich hinnehmen sollte (das klingt jetzt ein bisschen so, als wollte ich andere mit erhobenem Zeigefinger zurechtweisen und oberlehrerhaft belehren. Das liegt mir aber wirklich fern). Es sollen einfach Denkanst├Â├če sein, die vielleicht helfen, neue Dimensionen zu ergr├╝nden oder vielleicht finden ja einige ihre Gedanken darin wieder. Und all das m├Âchte ich dann noch in einigerma├čen anspruchsvolle Worte fassen. Kurzgeschichten sind insofern sehr gut zum Experimentieren und ein solches Experiment ist auch diese Geschichte. Sie ist in kurzer Zeit entstanden und vom Stil her eigentlich nicht repr├Ąsentativ f├╝r mich (meine ich). Vielleicht erkennst Du Unterschiede, wenn Du eine andere Geschichte von mir lesen solltest, die sicher bald folgen wird. Ich w├╝rde mich freuen.

Danke und viele Gr├╝├če

Reflex

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