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Leselupe.de > Humor und Satire
Von Beruf Schönredner
Eingestellt am 25. 05. 2001 22:31


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Willi Corsten
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Registriert: Apr 2001

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Ich war lange Zeit Politiker, doch dann entschloss ich mich, etwas für die Menschheit zu tun. Nach erfolgreich bestandener Umschulung darf ich mich nun sogar offiziell Schönredner nennen. In diesem Beruf verdient man auch viel Geld und braucht kaum zu arbeiten, er ist aber ungleich sinnvoller, weil er die Vorteile der menschlichen Fehler und Schwächen aufzeigt.
Gestern wurde ich zu einem Mann gerufen, der das Meckern seiner Frau nicht mehr ertragen konnte. Der etwa vierzigjährige Herr war untröstlich über seine Glatze und begriff nur allmählich, dass diese segensreiche Fügung endlich seinen Friseur ruinieren würde. Vollends überzeugte ihn jedoch erst mein weiser Spruch: ‚Glatzen verhindern einfürallemal, den ungeliebten Haarausfall.‘
An dieser Stelle mischte sich die Ehefrau ins Gespräch und beklagte lautstark den Bauchumfang ihres Gatten.
„Gnädige Frau“, sagte ich, „die Leibesfülle des Mannes zeugt von seinem unbändigen Fleiß, denn eines steht wohl fest: Nur wer sich ohne Rast und Ruh‘ durch das Leben futtert, hat rund um die Hüfte etwas zu bieten. Außerdem schont das Bäuchlein Bürste und Schuhcreme, weil es gnädig die ungeputzten Stiefel verdeckt.“
„Aber meine armen Augen“, stotterte der Mann und starrte hilflos den Küchenschrank an. Diesmal war ich verwirrt und erkannte erst nach geraumer Zeit, dass sein Scharfblick mir gegolten hatte. Dann fing ich mich aber und erwiderte fröhlich: „Das Schielen bedeutet innige Zuneigung. Ihre Augen lieben sich abgöttisch und können den Blick nicht von einander lassen. Danken sie dem Herrgott für das vermeintliche Missgeschick, denn nun dürfen sie diese Verliebtheit hautnah beobachten und können nebenher ihren Gesprächspartner total verwirren.“
Als ich den Mann endlich ins seelische Lot gebracht hatte, fing die Frau erneut zu keifen an. Einem tosenden Wasserfall gleich redete sie vom knarrenden Holzbein ihres Gatten und von seinem ewig klappernden Gebiss. Doch diese Vorwürfe ignorierte der Mann, weil er gerade sein Hörgerät suchte, das in den Suppentopf gefallen war.
Derweil kassierte ich mein bescheidenes Honorar von 500 Mark und machte mich auf den Weg zum nächsten Kunden.

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