Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5437
Themen:   92194
Momentan online:
213 Gäste und 9 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Humor und Satire
Von Dichtern, Hunnen und Rittersleuten
Eingestellt am 08. 03. 2002 19:50


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
M├Â├čner, Bernhard
Routinierter Autor
Registriert: Dec 2001

Werke: 89
Kommentare: 204
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um M├Â├čner, Bernhard eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Wir Dichter sind seit alter Zeit
beliebt ob unsrer F├Ąhigkeit,
in kunstvollen, gereimten S├Ątzen,
die unsre Leser an uns sch├Ątzen,
in Epen, Dramen und Gedichten
Geschichtliches so zu berichten,
dass jeder Leser glaubt beim Lesen,
der Dichter sei dabei gewesen.
Geschichte, so gereimt betrachtet,
wird gern als Wissenschaft erachtet.

Was w├╝sste man von Odysseus
und von dem G├Âttervater Zeus,
wenn nicht ein Dichter wie Homer
Verk├╝nder ihrer Taten w├Ąr,
der die Olympier, die antiken,
samt ihren Helden, ihren Kriegen
kunstreich beschrieb und ├╝berdies
sie erst unsterblich werden lie├č?
Der Dichter nur verleiht der Zeit
den Kranz der Unverg├Ąnglichkeit.

Die Helden liegen l├Ąngst im Grab,
auch ihre G├Âtter traten ab,
sie wurden abgesetzt und floh┬┤n
verschreckt von ihrem Himmelsthron,
verjagt von Hunnen und Barbaren,
die f├╝rchterliche Wilde waren!
Sie kreuzten auf in w├╝sten Herden,
wie festgewachsen auf den Pferden.
Das Wesen dieser Reiterhorden
bestand im Rauben und im Morden,
sie schlugen blutig eine Spur
quer durch Europas Hochkultur.

Die Dichter hielten sich voll Grausen
weitab von den Kulturbanausen.
Fiel so ein W├╝stling tot vom Pferde,
versank er ruhmlos in der Erde,
kein Dichter lieh dem toten Leib
den Nimbus der Unsterblichkeit.
Kein Epos, kein Gedicht bezeugen
der Hunnen ungehobelt Treiben,
(sie selber konnten ja nicht schreiben)
und deshalb wei├č man nur von ihnen,
dass man sich freute, als sie gingen.

Worauf die neue Zeit begann
und k├╝hne Ritter traten an:
Die K├Ąmpfer ohne Fehl und Tadel,
von hohem und von mindrem Adel.
Die Siegfriede und Parsivale,
mit weichem Herz und harter Schale,
Besch├╝tzer f├╝r bedr├Ąngte Damen
und Gr├╝nder von ber├╝hmten Namen.
Fromm speisten sie im hohen Saal,
gruppiert um ihren heil┬┤gen Gral.
Die ganze Welt vernahm die Kunde
von K├Ânig Artus Tafelrunde.

Doch, leider Gottes, war nicht jeder
ein Siegfried oder Drachent├Âter,
so mancher trieb noch nebenbei
gemeine Wegelagerei!
Wer zahlte, durfte weiterfahren,
um Geld erleichtert, oder Waren.
Wer ohne Mittel war, den stie├č
er roh ins finstre Burgverlie├č,
wo ihn, zumeist nach wenig Tagen
die Ratten aufgefressen haben.
Der arme Mensch erfuhr sodann,
wie man von Armut zehren kann.

Verlie├č ein Ritter je sein Weib
einmal f├╝r eine l├Ąngre Zeit,
und war die selbe sch├Ân und jung,
so brachte er (zur Vorbeugung)
am Morgen fr├╝h, bevor er schied,
sie noch zum alten Wagenschmied.
Der hieb von einem Eisenreifen
einen gen├╝gend breiten Streifen
und schmiedet den dem jungen Weib
um ihren zarten Unterleib,
auf dass der ritterliche Gatte
auch unterwegs Gewissheit hatte:
Der schwere Eiseng├╝rtel hemmt
des Weibes Lust,
sie geht nicht fremd!

Zwar war der G├╝rtel unbequem,
sowohl beim Sitzen und beim Gehn,
jedoch erf├╝llt er seinen Zweck:
Der Ritter ritt beruhigt weg.
Die Einsamkeit bedr├╝ckt sie sehr,
der schwere G├╝rtes noch viel mehr,
der scheuerte am Leib und rieb,
sie ging daher zum jungen Schmied
und klagte diesem ihren Schmerz.
Der hat, zum Gl├╝ck, ein gutes Herz!
Er schafft der Frau, die noch so jung,
sogleich etwas Erleichterung.
Vielleicht, da sein Bem├╝hen frommt,
ist┬┤s m├Âglich, dass sie wieder kommt!

Was dann geschah, dar├╝ber spricht
ein wohlerzogner Dichter nicht,
er meint jedoch, bei Licht besehn,
ist diesem Ritter Recht geschehn!
Denn der, in seines Kaisers Heer,
zog in dem Heilgen Land umher,
wo er den Muselman bekriegt,
manchmal verliert und manchmal siegt.
Zuletzt bekam er einen Orden
vom Kaiser, mit viel warmen Worten
worauf er ehrenvoll verschied.
Das freut die Witwe und den Schmied,
womit die Sage noch am Ende
ein sagenhaftes Ende f├Ąnde.



__________________
-Bernhard M├Â├čner-

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Bruno Bansen
Guest
Registriert: Not Yet

lang, lang...

Hi Bernhard! zuv├Ârderst dachte ich, Mann Gottes, bei dem Ding mu├čt du dir ja'n Tag freinehmen und, damit angefangen zu lesen, enpfindest du den nat├╝rlichen Alterungsprozess sehr, sehr deutlich. Man ist nach Beendigung desselben, merklich ├Ąlter geworden. Das, wie gesagt, dachte ich und fing dann an, las es bis zum Ende, was nicht bitter war und mu├č sagen, da├č es gro├čen Spa├č gemacht hat. (an ganz wenign Stellen 'n kleines Schlagloch, jedoch ganz leicht zuzusch├╝tten) Sch├Ân, da├č es wieder einige Leute hier gibt, die Wert legen auf das, was ein Gedicht, was gereimt ist ausmacht, eben den Reim und nicht so'ne Art von Reim oder Fast-Reim, welcher nur peinlich ist.

Hast Du gut gemacht! Gl├╝ckwunsch

von Bruno

Bearbeiten/Löschen    


M├Â├čner, Bernhard
Routinierter Autor
Registriert: Dec 2001

Werke: 89
Kommentare: 204
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um M├Â├čner, Bernhard eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Von Dichtern....

Danke, Bruno,
wenn Du diese unendliche Geschichte bis zum Schluss gelesen und f├╝r gut befunden hast, dann mag ich nicht widersprechen.
-Bernhard-
__________________
-Bernhard M├Â├čner-

Bearbeiten/Löschen    


Silvi Degree
Hobbydichter
Registriert: Jan 2002

Werke: 0
Kommentare: 505
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Ja, ja, die alten Rittersleut'!

Hallo,lieber Bernhard - prima, dein Werk!Man "erlebt" irgendwie s├Ąmtliche Geschehnisse mit.Besonders schmunzelte ich bei den letzten drei Strophen.
Wochenendgr├╝├če aus Sachsen
Silvi

Bearbeiten/Löschen    


M├Â├čner, Bernhard
Routinierter Autor
Registriert: Dec 2001

Werke: 89
Kommentare: 204
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um M├Â├čner, Bernhard eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Von Dichtern....

Hallo Silvi,
vielen Dank f├╝r das Kompliment! Ich hoffe, dass Du keine grauen Haare bekommen hast, ob der L├Ąnge des Geschriebenen,
es hat sich halt so entwickelt. Dass Dir gerade die letzten drei Strophen gefallen haben, kann ich nachvollziehen.
-Bernhard-

__________________
-Bernhard M├Â├čner-

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Humor und Satire Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!