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Leselupe.de > Experimentelle Lyrik
Von Löchern und Lücken
Eingestellt am 30. 10. 2013 09:25


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Eberhard Schikora
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Apr 2012

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Von Löchern und Lücken

(eine beliebig ergänzbare Dokumentation)

Meist liegt zugrunde ein Defekt,
wird irgendwo ein Loch entdeckt,
und grade ein besonders kleines,
ist öfter der gemeinsten eines.
Ist das Loch latent verborgen,
macht es uns die größten Sorgen.
Natürlich gibt es noch und nöcher,
mittlere und große Löcher.
Ganz ähnlich ist es mit den Lücken,
auch diese haben ihre Tücken.
Löcher gibt’s, die immer währen,
meist aber sind’s sie temporären.
Gewöhnlich wird man’s besser finden,
wenn Loch und Lücke schnell verschwinden.

Das warn die Allgemeinaspekte,
es geht nun weiter ganz direkte
zu den Löchern, den speziellen,
erläutert an konkreten Fällen.
Ich mach es mir bewusst bequem,
ich halt’ nicht viel von ’nem System.
Ordnen kann man Dinge, Sachen,
mit Löchern ist dies kaum zu machen,
zumal man weiß als Realist,
dass das Loch ein Unding ist.
Weil also klar ist der Befund,
ist das, was folgt, recht kunterbunt.

Kleine Himmelskunde

Ein blaues Loch im Wolkenhimmel,
erfreut der Wanderschar Gewimmel,
der Bauer aber meint: Von wegen!
Die Felder brauchen dringend Regen.

Wer sich gern am Strande aalt,
freut sich, wenn die Sonne strahlt,
doch hämisch das Ozonloch lacht:
Hast Du UV-Schutz mitgebracht?

Das schwarze Loch der Himmelskunde
ist heute fast in aller Munde.
Der Fachmann sagt, es sei gewichtig.
Ein schweres Loch? Find’st du das richtig?


Textilschäden

Das Loch im meiner Jackentasche,
mit dem ich sie gern überrasche,
raubt ihr ab heut’ nicht mehr die Ruh:
Sie näht die ganze Tasche zu.

Ist’s Knopfloch gar zu eng bemessen,
kann man den Knopf getrost vergessen;
versucht man, ihn hindurch zu kriegen,
wird dieser prompt von dannen fliegen.

Das Mottenloch ist arg verpönt,
die Motte hat sich dran gewöhnt,
und auch der bunte Rock der Schotten
wird leicht ein Opfer muntrer Motten.

Das Loch im Schuh tut ziemlich weh,
reicht es durch Strumpf zum großen Zeh.
Woher ich die Erfahrung hätt’ ?
Schuld war ein Nagel in ’nem Brett.

Ist achtlos der Chemiestudent,
er Löcher in den Ärmel brennt.
Du willst es wissen noch genauer?
D i e Löcher sind meist schwefelsauer.

Verkehrstechnisches

Schwarzfahrern wird gewöhnlich bange,
kommt der Controller mit der Zange,
um abzulochen Fahrausweise;
. nun wird recht teuer diese Reise.

Dort gähnt ein Parkloch an der Eck’,
wer schneller ist, der schnappt es weg.
„Pech gehabt“, denkt sie, „mein Süßer“,
der steht nun da als Lückenbüßer.

Verwandt ist mit der Lück’ das Leck,
es nicht zu sehn, hat wenig Zweck.
Ein Segelboot, das undicht ist,
benutzt wohl nur ein Optimist.

Der Fahrradschlauch bleibt ungeflickt,
bist du von Haus aus ungeschickt.
Und fluchen wirst du ganz spontan
Beim Platten auf der Autobahn.

Ob per ’Linie’ oder ’Charter’,
wird das Fliegen bald zur Marter,
für den Fluggast, den Pilot,
wenn’s Schlechtwetter-Luftloch droht.

Anatomisches

Erst fängt das Nas’loch an zu tropfen,
und später wird’s erst mal verstopfen.
Eh’ man den Schupfen wirklich los ist,
kommt schon ein neuer, was kurios ist.

Wenn sie’s ins falsche Halsloch kriegt,
dann fragt man sich, woran es liegt.
Ich hab’ verletzt ihr zart’ Gemüt,
sie ist beleidigt, wie man sieht.

Hat dich verlassen deine Susi,
ist bald zur Stell’ ein neu’s Gespusi.
Das Loch im Herzen nicht mehr tropft,
wird es nur recht schnell zugestopft.

Hat dein Gebiss verschiedne Lücken,
verziere es mit schönen Brücken.
Die Kassen leider wimmeln ab
und zuzahl’n muss man nicht zu knapp.

Redst du ein Loch mir in den Bauch,
ich hinterher Erholung brauch’.
Ich find’ es einfach unerhört,
wenn mich da wer beim Träumen stört.

Ist schwarz die Katze, meint man doch,
sie habe auch ein schwarzes Loch,
doch grad an der bewussten Stelle
ist auch ’ne schwarze Katze helle.


Loch an Loch

Bei Löchern, die bisher beschrieben,
ist selten etwas ganz geblieben.
Bei ’Loch an Loch’ ist’s umgekehrt,
Normalbefund: eh’r unversehrt.

Das Netz als ein besondrer Fall
hat Löcher praktisch überall.
Es ist total durchlöchert quasi.
Gefürchtet war das Netz des Stasi.

Die Brüder ham nun selbst Beschwerden
im Fischernetz der Gauck-Behörden,
doch schade ist es, dass inzwischen
so mancher Schurke konnt’ entwischen.

Einst knüpfte man’s soziale Netz
und nahm es auf in das Gesetz.
So manchen Faulpelz stimmt’ dies heiter,
nun sind die Maschen wieder weiter.

Wenn’s Netz zu fester Form erstarrt,
wenn’s etwa eisern ist und hart,
spricht man meist von einem Gitter.
Der Sträfling findet Gitter bitter.

Ein Sieb, denkst du, sei gleichfalls hart,
doch eines schlägt hier aus der Art.
Liegt’s nämlich hinter deiner Stirne,
dann hast du eine weiche Birne.

Hat runde Löcher eine Röhre,
hat es zu tun mit dem Gehöre.
Dann wird’s wohl eine Flöte sein;
mehr fällt mir dazu jetzt nicht ein.

Der neuer Kamm, das gute Stück
hat offensichtlich ’Lück an Lück’.
Noch ist er absolut intakt,
nach Zusatzlücke angeknackt.


Diverse Löcher

Ich hab’ es dir ja gleich gesagt:
Mit Systematik man sich plagt.
Drum ist, was jetzt hier aufgetischt,
höchst unterschiedlich und vermischt.

Runde Löcher sind trivial,
elliptische eh’r anomal;
auch eckige sind nicht so häufig,
ein tiefes Loch ist uns geläufig.

Damit man dich nicht kriegt zu fassen,
musst du dir ein Schlupfloch lassen.
Ist die Hintertür verriegelt,
ist dein Schicksal schnell besiegelt.

Um sich aus allem rauszuwinden,
muss man Gesetzeslücken finden.
Wer einst das Jurafach studiert,
von dieser Einsicht profitiert.

Hat sie ein Loch, die Deponie,
erfasst die Grünen Hysterie.
Doch darf man’s auch zu leicht nicht nehmen,
wer dieses tut, der sollt sich schämen.

Briefmarken sammeln wird zur Qual,
wem Lück’ und Loch sind nicht egal.
Mich stört nicht solch ein Fehlbefund,
Hauptsach’, die Marke ich schön bunt.

Großes Brötchen, mein Verdacht:
Hier hat der Bäcker Schmu gemacht!
Kruzitürk’ und sapperlötchen,
ein Hohlraum bläht das schöne Brötchen!


PROSA-EINLAGE

Weil der Reimfabrikant müde ist (der Leser vermutlich auch), verweist er noch „auf diesem Wege“ auf Löcher und Lücken, die entstehen bzw. vorliegen,

wenn irgendwo der Wurm drin ist.
„ es durch alle Ritzen zieht,
„ Mann/Frau den Gürtel enger schnallen muss,
„ der Hotelier das Zimmer 13 oder Buchbinder die Seite 14 vergessen hat,
„ einer nicht ganz dicht ist (wie z.B. der Un-Dichter)

Und dann sind da natürlich noch

das Loch im Zahn
die Löcher im Schweizer Käse
der Blackout
die Konfetti-Maschine, der ’Locher’
die Lochkarte (bekannter in Zeiten, als dieDatenverarbeitung noch in den Windeln lag)
das 3-dimensionale Netz (Schwämme kennt jeder)
das Bermuda-Dreieck (worin die gesamte unchristliche Seefahrt
verschwindet)
das aufblasbare Loch mit einer Gummihaut drumrum (ähnlich
die Seifenblase)
das verkappte Loch, die Fehlbesetzung (fatal in Orchestern,
gemeingefährlich bei Parlamentariern)
die dem Personalchef verdächtige Lücke im Lebenslauf (Knast?)

Und jetzt singen alle mit:

Lied 1: Wenn der Topf aber nun ein Loch hat, lieber Heintich …
Lied 2: Ein Loch ist im Eimer, Hans-Willi …


Weil der Autor nun gar nicht mehr müde ist, hat er sich doch zur Fortsetzung der Reimerei aufgerafft:

Die kühlen Grotten in den Bergen
sind bewohnt von Wichtelzwergen.
Doch brennt das Fegefeuer helle,
dann ist die Höhle wohl die Hölle.

Ein seltsam’ Loch hat die EU;
wir EUROs warten immerzu
auf die Schweizer, diese sturen,
weil ständig nachgehn ihre Uhren.

Den Lochfraß habe ich gefressen,
sehr bald wird da die Wand durchnässen;
so’n Leitungsschaden macht viel Dreck,
der Klempner, der macht ihn nicht weg.

Per Schlüsselloch kost’s keinen Eintritt,
und weil auch keiner gegen einschritt,
blickt’ ich hindurch und war erfreut.
Warum wohl? Guckt doch selbst, ihr Leut’!

.
.
(Loch im Gedicht)
.
.
Das Loch, das ich am meisten hasse
ist’s Loch in unsrer Haushaltskasse.
Wie ungerecht ist doch die Welt,
die Bonzen haben immer Geld!

Und auch die mentalen Lücken
können uns ganz schön bedrücken.
In andrem Lichte dies erscheint,
hat solche Lücken unser Feind.

Ist der gar in ein Loch gefallen,
lässt man vor Freud’ die Korken knallen.
Sieht man die Sache etwas schief,
ist’s Loch auch manchmal positiv.

So mancher, der von dannen ging,
gar sehr an seinem Leben hing.
Mit seiner Lücke – hinterlassen –
wird sich die Nachwelt kaum befassen.

Das letzte Loch ward oft besungen,
erwähnen muss ich’s notgedrungen,
sonst sagt man noch, ich würde kneifen;
viel lieber würd’ ich darauf pfeifen.

VERDACHT

Vermutlich haben andre schon
gebastelt an der Produktion
von Versen zu besagtem Thema,
vermutlich nach demselben Schema,
denn du und ich, wir spürn es doch:
Gar zu verlockend ist das Loch.

Monate später …

Ein Freund von mir, der dieses las,
der machte heimlich sich den Spaß
und ging selbst auf die Suche;
und boshaft, wie er öfter ist,
erscheint er voller Hinterlist
mit einem grünen Buche.
Er schlägt es auf, und siehe da:
ein Lochgedicht! Ich ahnt’ es ja,
ich ärgre mich und fluche.



__________________
schi

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