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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Von Steinen, den Wellen und einem leeren Strand
Eingestellt am 20. 11. 2002 22:14


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velthurvik
Bl├╝mchendichter
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Leerer Strand, herrlich und das bei diesem Wetter, hatte ich nicht erwartet. Das konnte auch so bleiben. Beim Absetzen der Tasche klirrten die beiden H├Ąmmer mit der Colaflasche. Ein lauer Wind, Sonne, nur wenig Wellengang. Das richtige Wetter. Die neuen Lederhandschuhe passten erstaunlich gut. Brille auf die Nase und los konnte es gehen. Vor Jahren hatte ich hier zwei Lituites gefunden. In DDR-Zeiten m├Ąchtig was wert. Doch in den letzten Jahren waren zu viele Sammler aufgetaucht, besonders aus Holland. Auch hatten osteurop├Ąische Importe die Preise verfallen lassen.
Ich nahm meine Tasche, kletterte auf die ersten Ger├Âlle und begann die Gesteine genauer unter die Lupe zu nehmen. Bis zur n├Ąchsten Biegung des Strandes sind es bestimmt zweihundert Meter. In einer Stunde zu schaffen. Hinter der ersten Biegung erwartete mich ein recht k├╝hler Wind. Nach kurzer Zeit zog ich die Kapuze ├╝ber dem Kopf. Das ist beim b├╝cken etwas hinderlich aber durch die langsamen Bewegungen beginnt man ja doch zu frieren, auch wenn die Endemaisonne kr├Ąftig scheint. Ein Klappern von Steinen lie├č mich hochsehen. Die Wanderer hatte ich doch nicht kommen sehen. Erstaunt betrachteten mich eine Frau um die Vierzig und ein etwa gleichaltriger z├╝nftiger Wandersmann. Ich zog die Kapuze vom Kopf und nahm die Brille ab. Mit einem ersten L├Ącheln der Frau wurde das quittiert. Erst jetzt wurde mir mein unheimlicher Eindruck bewu├čt, den ich auf die beiden machen mu├čte. Mit dunkler Kutte, Kapuze ├╝ber dem Kopf, Umh├Ąngetasche, zwei H├Ąmmern und gro├čer Schutzbrille, dass wirkte bestimmt nicht gerade vertrauenerweckend. ÔÇ×Suchen Sie was?ÔÇť erklang ein recht bayrischer Dialekt. ÔÇ×Ja SteineÔÇť antwortet ich wahrheitsgem├Ą├č. Etwas irritiert blickten mich beide an. Eine derartige Antwort hatten wohl beide nicht erwartet. ÔÇ×Was finden Sie denn hier f├╝r Steine?ÔÇť hakte der Mann nach. ÔÇ×FossilienÔÇť gab ich einsilbig zur├╝ck. Nichts ist unangenehmer als neugierige Touristen. Besonders beim sammeln. Erwartungsvoll blickten mich beide an. ÔÇ×Findet man denn so was hier im Osten?ÔÇť reagierte die Frau. Etwas perplex antwortete ich ÔÇ×jaÔÇť. Als Beweis hielt ich beiden zwei Orthoceren (Geradh├Ârner) unter die Nasen. Beide sahen sich die Fundst├╝cke genau an. Es entspann sich ein kurzes Gespr├Ąch. Viel hatte ich noch nicht gefunden. So erz├Ąhlte ich kurz was am Strand so zu finden ist und wo das Eis es hergeholt hatte. Schnell stellten die Beiden fest, da├č der Strand doch mehr enthielt als sie in den vier Tagen die sie an der See waren, ahnten. Um zu verhindern da├č das Gespr├Ąch abendf├╝llend wird, setzte ich demonstrativ meine Brille auf und nahm meine H├Ąmmer in die Hand. Man verstand, verabschiedete sich h├Âflich und ging. Zufrieden blickte ich den Strand entlang. Kein Mensch und keine Hunde. Letzteres ist besonders wichtig.
Etwa einhundert Meter weiter war ein Baum samt Wurzelteller das Kliff herunter gebrochen. Er teilte den Strand. Seine Krone hatte es bis zum Wasser geschafft, der Wurzelteller noch nicht. Erstaunlicher weise trug die Krone noch gr├╝ne Bl├Ątter. Die Regen der letzten Tage mochten noch genug Wasser geliefert haben, so das diese nicht vertrockneten. Ich beschlo├č dort Pause zu machen. Bis dahin w├╝rde ich noch etwa eine Stunde brauchen. Einige Kelloway-Gesteine verz├Âgerten das. Im Jura hatte hier ein Flaches Meer existiert. Die Gesteine aus dieser Zeit enthalten viele Holzreste, die sich in Braunkohle verwandelt haben. Wenn man Gl├╝ck hatte, konnte man Farnbl├Ątter darin finden. Ich hatte das Gl├╝ck zwei Jahre zuvor gehabt. Heute war mir jedoch Fortuna nicht holt. Nur kleine Holzreste mit vielen winzigen Muschelsplittern blickten mir entgegen. Nichts verwertbares. Ein rostbrauner Haufen blieb zur├╝ck. Der n├Ąchste Sturm w├╝rde ihn sich holen.
Am Baum angekommen zw├Ąngte ich mich durch die Krone. Am Kliff hochklettern und an der anderen Seite wieder runter, mochte ich mit meiner Tasche nicht. Auf der anderen Seite warf ich die H├Ąmmer runter, stellte die Tasche daneben und r├╝ckte eine Sandsteinplatte zurecht. Cola, Stullen und Schokolade waren schnell ausgepackt. Ein pr├╝fender Blick bis zum n├Ąchsten Bogen, kein Mensch. Hinter dem Baum r├╝hrte sich kaum Wind. Etwas entfernt hatte sich Jemand die M├╝he gemacht und quer zum Strand einen Wall aus Steinen errichtet. Sicher mehr als einen Meter hoch und fa├čt bis zum Wasser. ÔÇ×Ne Menge ArbeitÔÇť stellte ich fest. Ich zog die Jacke aus und setzte mich drauf. Angenehm warm. Zum zweiten mal an diesem Tag wurde ich ├╝berrascht. Die beiden Schw├Ąne hatte ich nicht geh├Ârt. Ihre Landung mochte im Rauschen der Wellen untergegangen sein. Vorsichtig tappten beide an Land. Was die wollten war sofort klar. Die Stullen. In den letzten Jahren waren immer Schw├Ąne hier gewesen. Strandwanderer hinterlie├čen ja meist etwas.
Beide postierten sich etwa zwei Meter entfernt. Ich griff nach meinen Stullen. Sie r├╝ckten n├Ąher. Ich ├Âffnete die Alufolie. Der Gr├Â├čere r├╝ckte unbeirrt weiter vor. Entschlossen bi├č ich in die erste Stulle und erntete ein heftiges Fauchen. Betteln la├č ich mir ja noch gefallen, aber Mundraub am Strand. ÔÇ×Na gut dann teilen wir, Du das Brot und ich die WurstÔÇť sagte ich laut. Es wurde geteilt. Vorsichtshalber warf ich die Brotst├╝ckchen ins Wasser. Beide begannen sofort mit dem Sammeln. Am Ende der Stullen angekommen, schifften beide sich wie erhofft ein und paddelten parallel zum Strand weiter. Cola und Schokolade mu├čte ich also nicht teilen.
Eine Weile beobachtete ich ihren Weg im Wasser. Als die Schokolade zur H├Ąlfte alle, erreichten beide den Steinwall und bestiegen wieder vorsichtig den Strand. Nach einigem Z├Âgern verschwanden beide dahinter. Im Flug mochten die da was fre├čbares gesehen haben.
Alufolie, Flasche und Schokolade wanderten in die Tasche. Den kleineren Hammer steckte ich ebenfalls ein. Die Gr├Âlle wurden ohnehin gr├Â├čer. Mit dem gr├Â├čeren Hammer machte ich mich langsam auf den Weg zum Steinwall. Der w├╝rde sicher Stoff zum Suchen geben. Es wurde frisch und ich schlug wieder die Kapuze ├╝ber den Kopf.
Mit heftigen Fl├╝gelschlagen kamen beide Schw├Ąne hinter dem Wall hervor und fl├╝chteten hastig aufs Wasser. Sicher auch laut protestierend, doch das war bei den lauten Wellen nicht zu h├Âren. Irgend etwas mu├čte sie erschreckt haben. Vielleicht ein Tier, jedoch der Strand schien nach wie vor leer.
Langsam arbeitete ich mich zum Steinwall vor. Unterwegs fand ich einige Brachiopoden (Armf├╝├čer) aus der Oberkreide. Chatwinothyris diagnostizierte ich. ├ähnelt den Muscheln ist jedoch nicht mit diesen nicht verwand. Der Kalksteinbrocken war recht gro├č und besch├Ąftigte mich einige Zeit. Am Wall angekommen hatte die Tasche deutlich an Gewicht gewonnen.
Den Wall inspizierte ich eine Weile. Am Kliffende angekommen entschlo├č ich mich einen rostbraunen Sandstein herauszuziehen. Sah aus wie Turritellasandstein. Zahlreiche spitze Schneckengeh├Ąuse sahen aus dem rostbraunem Stein hervor. Der sa├č jedoch fest. Einige heftige Hammerschl├Ąge sollte den l├Âsen. Pl├Âtzlich r├╝hrte sich etwas hinter dem Steinwall. Ich sah hoch und in ein erschrockenes Gesicht. Heftig schnappte das Gesicht nach Luft. Ich erstarrte. Die Zeit schien einen Augenblick stillzustehen. Langsam lie├č ich den Arm mit dem Hammer herunter und das Gesicht wich einen Schritt zur├╝ck. Hinter dem Wall sa├č eine Frau. V├Âllig verdutzt richtete ich mich vollends auf, murmelte eine Entschuldigung und ging um den Wall herum. Fast w├Ąre ich noch ├╝ber meine eigenen F├╝├če gefallen. Nun sah ich erst mal richtig hin. In ihrem blauen Bikini sa├č sie auf der einzigen sandigen Stelle des ganzen Strandes und hielt sich die Zehen von einem Fu├č. Nach wie vor starrte sie mich an und ich konnte meinen Blick auch nicht abwenden. Mein Anblick mu├čte ja recht schrecklich wirken mit der Schutzbrille und der Kapuze. Dazu der erhobene Hammer. Einen Augenblick ├╝berlegte ich was ich sagen sollte, doch mir viel nichts ein. Ich lie├č es und zog einfach weiter. Was sie nach dem Schreck sicher nicht brauchte, waren sinnlose Spr├╝che.
Ein St├╝ck weiter sah ich zur├╝ck. Sie lag wieder hinter der Mauer und hatte sich eine Sonnenbrille aufgesetzt. Erst jetzt viel mir auf wie h├╝bsch sie ist. Ihre langen Beine und ihr schlanker K├Ârper bildeten einen guten Kontrast zum dunklen Hintergrund des Steinwalles. Dazu der blaue Bikini, der ihr zweifellos gut stand. Wo mochte sie hergekommen sein? An mir vorbeigekommen war sie nicht. Auf der anderen Seite des Strandes Steilk├╝ste soweit das Auge reichte. Ohne gute Kletterk├╝nste kam man da nicht runter. Wieso hatte Sie sich die Zehen festgehalten? Fiel mir ein. Die Schw├Ąne! Hatte einer der Schw├Ąne am Zeh...? Nicht zu glauben. Sie mu├čte geschlafen haben. Unwillk├╝rlich mu├čte ich heftig lachen. Verfressene Viecher.
Kurze Zeit sp├Ąter gab ich es auf. Jegliche Konzentration war weg. Nachmittag war es ohnehin. Die Vorstellung Schwan und Zeh; Und dann kommt noch einer mit erhobenen Hammer! Ich blickte zur├╝ck. Die Stelle hinter dem Steinwall war leer. Auch der ├╝brige Strand, leer. Die Schw├Ąne hatten sich aufs Meer hinaus getrollt. Langsam ging ich zum Steinwall zur├╝ck. Nichts. Nur der Abdruck ihres K├Ârpers war noch einigerma├čen im Sand zu erkennen.
Wo war sie so pl├Âtzlich hin? Das Kliff? Kein Gedanke. Am Strand entlang gerannt? Unsinn, voller Ger├Âlle. Erstaunt trat ich ans Wasser. Wie leer ist der Strand ....


Den Beitrag habe ich bereits versuchsweise ver├Âffentlicht. Nach Hinweisen und erheblicher ├ťberarbeitung nun eine neue Version.

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flammarion
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hallo,

das scheint mir eher ein tagebuch-eintrag zu sein als eine kurzgeschichte. auch h├Ątte ich mir mehr vom fachwissen gew├╝nscht. nicht jeder kennt sich bei fossilien aus. die meisten kennen doch nur donnerkeile. ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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velthurvik
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Von Steinen ....

Hallo Flammarion,

Mit dem Fachwissen wollte ich es nicht ├╝bertreiben. Fossilien sind tats├Ąchlich nicht jedermanns Sache. Der Beitrag w├Ąre sonst etwas ausgeufert. Den Tagebucheintrag w├╝rde ich nicht so sehen. Mach mal einen Vorschlag zum Besseren.

velthurvik

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flammarion
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nun,

es ist zu trocken, keine gef├╝hle, keine geschichte, nur aufz├Ąhlung von bildern. sorry.
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Old Icke

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