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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Von Tulpen, Fritten und sonstigen Verirrungen
Eingestellt am 23. 04. 2002 16:21


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Fledder
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Sep 2001

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Es war kurz vor Ostern und von Fr├╝hlingsgef├╝hlen konnte nicht die Rede sein. In ganz Deutschland regnete, nieselte, hagelte und graupelte es und die Temperaturen lagen um den Gefrierpunkt - genau wie unsere Laune. Abhilfe w├╝rde nur ein Kurzurlaub schaffen. Wir wollten nicht allzu weit reisen, denn aufgrund unserer Orientierungsschwierigkeiten auf Autobahnen hatten wir nicht vor, unsere Nerven und unser alterndes Auto allzu sehr zu strapazieren. Wir verfahren uns grunds├Ątzlich ÔÇô v├Âllig gleich, wohin wir fahren. Planen wir einen sch├Ânen Nachmittag an einem See im nicht weit entfernten Nachbarort, finden wir uns garantiert an einem anderen Ort wieder. Ich wei├č nicht, woran es liegt; unser Auto ist vollgestopft mit diversen Landkarten und Stadtpl├Ąnen. Vor jeder Fahrt wird die Route festgelegt und ich als Beifahrerin komme mit auf den Knien ausgebreiteten Plan in den Genuss, den Weg zu weisen. ├ťberfl├╝ssig zu erw├Ąhnen, dass ich das Kartenlese ncht allzu gut beherrsche, denn die abstrakten Striche verwirren mich meist derart, dass ich irgendwann noch nicht einmal wei├č, wo wir eigentlich herkamen.

Mein Gatte nimmt dies mit k├╝hler Gelassenheit hin, er selbst beherrscht auch nicht die Kunst des Kartenlesens ÔÇô ihn verl├Ą├čt sogar die Geduld allein beim Auffalten der Karte. So weise ich uns immer den Weg und nach zigmaligen Hin- und Herdrehen der Karte kommt es oft vor, dass ich sie v├Âllig desillusioniert zerkn├╝lle und auf den R├╝cksitz werfe. Wir fahren dann nach Gef├╝hl und Intuition. Dabei sehen wir auch viel mehr von der Natur als wenn man stets starr auf die Karte stiert.

F├╝r unseren Kurzurlaub bot sich das nah gelegene Holland da direkt an und mir fiel spontan der Ort ein, den ich fr├╝her bereits einmal besucht hatte. Es sollte also keine Schwierigkeiten bereiten, diesen Ort wiederzufinden.

Dank der technischen Errungenschaft des Internets suchte ich verschiedene Quartiere in diesem Ort aus und stellte fest, dass es zu der Vorosterzeit unverh├Ąltnism├Ą├čig teuer war, dort zu n├Ąchtigen. Gr├Â├čtenteils waren auch die Quartiere ausgebucht, die f├╝r uns in Frage kamen. Ein netter Vermieter, der selbst keine Ferienwohnung mehr bei sich frei hatte, nannte uns jedoch eine Familie, die uns sicherlich noch unterbringen k├Ânne. Leider gab es keine Fotos oder Beschreibungen von der Unterkunft, aber es war uns im Endeffekt gleich, Hauptsache wir w├╝rden irgendwo unterkommen, und allzu schlimm k├Ânne es ja schlie├člich nicht werden.

Wir freuten uns und wollten drei Tage ├ťbernachtungen in einem Bungalow buchen. Dieses Vorhaben stellte sich gar nicht als so einfach dar, denn ich rief die holl├Ąndische Vermieterfamilie an und fragte, ob sie noch etwas frei h├Ątte, man habe sie empfohlen. "Jo", meinte der Vermieter am Telefon und sagte dann nichts mehr.

"Jo.", meinte ich dann auch und nannte ihm den Termin der Anreise. "Jo", entgegnete er wiederum -weder freudig ├╝berrascht noch unfreundlich.

Ich fragte, ob er denn nicht wenigstens unsere Anschrift und die Telefonnummer ben├Âtige. "Jo!", wiederholte sich der Vermieter und ich nannte ihm das Gew├╝nschte. Dann war es wieder ruhig im H├Ârer. Ob ich noch einmal ein paar Tage vor der Anreise bei ihm anrufen solle, fragte ich ihn, um die Anreise zu best├Ątigen?! Was sollte schon anderes kommen als "jo"... Daraufhin legte ich ein wenig beunruhigt den H├Ârer auf und sah uns schon mit Sack und Pack vor dem bereits an andere G├Ąste vermieteten Bungalow stehen.

Auf jeden Fall waren nun drei Tage ├ťbernachtungen in einem Bungalow in Holland gebucht. Ich freute mich sehr und konnte den Tag der Abreise gar nicht erwarten. Das Wetter hier wurde immer schlimmer aber gerade diese Ecke Hollands, in die wir reisen wollten, war bekannt f├╝r ewig sch├Ânes Wetter. Selbst wenn ringsherum schlechtes Wetter herrschte, dort war es IMMER sch├Ân. Nat├╝rlich ben├Âtigten wir dann auch keine Regensachen etc. Das schlossen wir von vorne herein aus.

Endlich kam der Tag der Abreise und wir fuhren schon sehr fr├╝h morgens los, denn man konnte ja nie wissen. Normalerweise betr├Ągt die Fahrt drei Stunden, so dass wir noch zum Fr├╝hst├╝ck dort ankommen w├╝rden. Dann stellten wir uns vor, dass wir schnell unsere Sachen auspacken, am Meer entlangspazieren und uns die Sonne auf das Antlitz scheinen lassen w├╝rden.

Wir kamen auch planm├Ą├čig auf der Autobahn voran. Aufgrund unserer ewigen Verfahrerei hatte ich mir selbstverst├Ąndlich die Route ausgedruckt und zus├Ątzlich noch jemanden gefragt, der sich damit auskennt, meinen Vater. Er nannte mir die St├Ądte, an denen wir unweigerlich vorbeifahren mu├čten. Wenn nicht, dann w├Ąren wir falsch gefahren. Mit der Route und der Stadtliste auf meinem Scho├č dirigierte ich uns Richtung Holland - so dachte ich. Bisher stimmte unsere Fahrtrichtung auch mit den Aufzeichnungen auf meinem Scho├č ├╝berein, doch pl├Âtzlich traten Differenzen ein. Sicherlich hatte ich mich vertan, denn auch eine Route mu├čte richtig gelesen werden. Und mein Vater k├Ânnte auch einmal irren und eine Stadt vergessen...

So fuhren wir unbeirrt weiter und weiter und ├╝berfuhren die Grenze Belgien.
Nat├╝rlich gelang man auch ├╝ber Belgien an unser Ziel, das wu├čte ich wohl und auch mein Gatte konnte sich aus alten Fu├čballzeiten erinnern, dass er einst ├╝ber Belgien zu einem Fu├čballspiel nach Holland gefahren war. Schlie├člich fanden wir auch ein Schild, auf dem wieder ein Name einer holl├Ąndischen Ortschaft erschien, den ich von meinen Scho├čaufzeichnungen wiederkannte.

Wir kamen dann sp├Ąter ohne weitere Umwege in unserem Ort an. Es regnete Bindf├Ąden und es war bitterkalt. Aber gerade dort in dieser Ecke Hollands, verzieht sich der Regen oft sehr schnell und die Sonne kommt dann doppelt so stark heraus.
Wir fanden auch sofort den Vermieter, der uns freundlich begr├╝├čte und uns nicht ohne Stolz in seinen Garagenhof im unaufger├Ąumten Hinterhof dirigierte. Ich freute mich schon, dass er nicht total ├╝berrascht von unserer Ankunft war und uns nicht etwa fragte, was wir denn wollten. Er hatte also mit uns gerechnet und augenscheinlich auch eine Bleibe f├╝r uns frei. Er blieb n├Ąmlich auf seinem Hinterhof vor einer Garage stehen und ├Âffnete uns eine T├╝r zu etwas und w├╝nschte uns sch├Ânen Urlaub - und entschwand.

Eine Garage? In einer Garage sollten wir wohnen? Das zu diesem Preis, den ich hier erst gar nicht nennen m├Âchte..!!!
Wir traten ein und verhedderten uns mit Koffer, Taschen und Haaren umst├Ąndlich in dem Fliegenvorhang, der dort hing. Nachdem wir uns befreit hatten, sahen wir das ganze Ausma├č der Herrlichkeit. Das sollte unsere Bleibe sein, das war kein Scherz. Wir fielen von der Diele in die K├╝che.

Nein, es war keine K├╝che, es war das Wohnzimmer. Quadratisch, praktisch und gut stand dort eine K├╝chenzeile und ein Tisch mit einem orangfarbenen Plastiktischtuch und vier einfachen Holzst├╝hlen. An der Wand gab es au├čerdem ein Regalbrett mit einem mikroskopisch kleinen Fernseher (ohne Fernbedienung). Die gem├╝tliche Ausstrahlung des Wohnzimmers wurde durch zwei Sessel komplettiert, denen man ansah, dass man auf ihnen nicht l├Ąnger als f├╝nf Minuten sitzen konnte, ohne dass man R├╝ckenschmerzen bekam. Au├čerdem konnte man von dort aus bestimmt nicht erkennen, was ├╝berhaupt im Mikro-Fernsehen lief.
Daneben ging es ├╝ber in das Schlafzimmer, in denen zwei Betten standen, zwischen denen ein kleiner Schemel als Nachtisch diente. Die Kr├Ânung der sch├Ânsten Stunden sahen wir allerdings erst abends. Bei Bet├Ątigung des Lichtschalters erhellte eine Lampe das Zimmer und warf einen grellen gelben Lichtschein mit 350 Watt in den Raum. Dieses Licht erinnerte mich an fiebrige Tr├Ąume. Es war eine Lampe, die zwischen den Betten angebracht war. Da hatte sich jemand handwerklich kreativ geschickt angestellt. Mit der Laubs├Ąge hatte jemand eine Sonne aus Sperrholz ges├Ągt und angemalt. Davor stand eine gelbe Birne nackt in einer Halterung, die wild in sich hin und herflackerte.

Das unbeheizte dunkelgr├╝ne Badezimmer bestand aus einem Rohr, welches aus der Wand kam und als Dusche diente und einem kleinem Waschbecken und nat├╝rlich der Toilette. Wenn man duschen wollte, dann lief man in Gefahr, dass das Wasser bis ins Schlafzimmer l├Ąuft, aber das sollte ja nicht unser Problem sein. Alles in allem war es die ungem├╝tlichste Unterkunft, die ich gesehen habe.

Mein Gatte lie├č sich wortlos in einen der Sperrm├╝llsessel fallen und starrte m├╝rrisch auf eine - zugegebenerma├čen sch├Ąbige - Vase, der einzige Schmuck im Wohnzimmer-K├╝chenbereich. Ich ignorierte dieses Verhalten, denn schlie├člich wollten wir unseren Urlaub nicht in dieser Unterkunft verbringen, sondern drau├čen an Wind, Sonne und Luft. Schnell verstauten wir unsere Sachen und wollten die n├Ąhere Umgebung erkunden.
Es regnete immer noch und dazu war nun auch noch Sturm aufgezogen. Wir erinnerten uns an unsere Regensachen, aber nun war es zu sp├Ąt. Sie lagen zu Hause.

Wir gingen los zum nahe gelegenen Meer. Auf dem Weg dorthin mu├čten wir wieder umkehren, damit ich mir noch schnell M├╝tze und Schal aus unserem "Bungalow" holen konnte, da mir sonst mindestens meine Ohren vor K├Ąlte abgefallen w├Ąren. Wir sahen dann das wilde Meer, grau und voller Schaumkronen und sonst war weit und breit keine Menschenseele zu sehen. Nat├╝rlich warteten alle, bis sich der Regen und der Sturm verzogen w├╝rde, dann w├╝rden sie sich alle wieder am Strand tummeln. Das altbekannte Bild: Eisbekleckerte Kinder mit Sch├Ąufelchen, Strandburgen, schimpfende Eltern, verliebte P├Ąrchen, schreiende M├Âven...

Ich war meinerseits schon einmal zufrieden, denn ich habe das Meer gesehen, was mir pers├Ânlich immer viel wert ist. Der Regen hatte immer noch nicht nachgelassen und so gingen wir wieder in den Ort, um zu sehen, was es dort noch zu sehen gab. Es gab nichts zu sehen. Ein paar Souvenierl├Ąden hatten ge├Âffnet und boten uns Schutz vor dem Regen. Es standen dort Gummistiefel und Regenschirme anstatt Schwimmreifen und F├Ârmchen in den Auslagen. Das gab uns zu denken. Sollte der Regen noch l├Ąnger andauern?

Ab und zu stie├č ich meinen Gatten in die Rippen - sag doch auch mal was... Er sprach nicht mehr.
Seit unserer Ankunft im "Bungalow" war er sehr einsilbrig. Sicherlich hatte er Hunger oder war m├╝de - oder beides. Dann spricht er n├Ąmlich nicht mehr. Schnell war auch ein Imbiss gefunden, in denen es Fritten gab. Fritten spezial m├Âgen wir sehr gerne und wir orderten gleich eine gro├če Portion. Mi├čmutig machte uns auch der Imbissangestellte das Gew├╝nschte fertig - er hatte bei dem grauen Wetter auch seine gute Laune verloren. Wortlos a├čen wir unsere Fritten und schauten in das Grau-in-Grau des ├ľrtchens. Was k├Ânnte man nun blo├č unternehmen?! Ob mein Gatte m├╝de w├Ąre, fragte ich ihn. Er sch├╝ttelte den Kopf. Nat├╝rlich war er totm├╝de, wollte es wohl nicht zugeben.

Da wir das ├ľrtchen nun schon nach einer Stunde in- und auswendig kannten, schlug ich vor, an einen anderen Ort zu fahren und dort einen sch├Ânen hei├čen Kaffee zu trinken. Ich kannte da ein tolles Bistro. Man sa├č dort direkt am Meer und konnte bei klassischer Musik in die Wellen schauen. Sch├Ân ruhig war es damals dort gewesen, zivile Preise und nette Bedienung. Angetan von dieser Idee starteten wir los zum n├Ąchsten Ort und fanden dann auch gleich dieses Bistro am Meer.

Wir k├Ąmpften uns durch die windigen, verschlammten D├╝nen zu dem Bistro am Meer durch und stie├čen atemlos die T├╝r auf. Uns schlug Kindergeschrei entgegen, wie es nur von mindestens drei kompletten Kinderg├Ąrten stammen k├Ânnte. HIER waren sie also die Menschen! Hier hielten sie sich also auf.
Hier warteten komplette Generationen darauf, dass der Regen aufh├Ârt und die Sonne zum Vorschein kommt. Die Bedienung huschte komplett entnervt zwischen Kindern in verschiedenen Gruppen auf dem Boden hin und her, stolperte hier und da ├╝ber Dreir├Ąder und Trecker, kickte F├Ârmchen und Sch├╝ppchen durch den Saal und war nicht ganz positiv drauf.

Wir verzogen uns in die hinterste Ecke und orderten erst mal einen gro├čen Kaffee. Ich mu├čte meinen Gatten anbr├╝llen, damit er mich verstand vor lauter Geschrei. Sch├Ân, sei es hier, schrie ich verzweifelt. Nat├╝rlich war es weder sch├Ân noch ruhig. Wir stellten dann unsere Gespr├Ąche ein, weil es unsere Stimmb├Ąnder allzusehr strapazieren w├╝rde und begn├╝gten uns mit Augenrollen und Kaffeetrinken. Ich hatte Gelegenheit, die anderen G├Ąste zu beobachten. Hier und da sa├čen Eltern wildverstreut in dicken Pullovern herum, die ab und zu einmal eines ihrer Kinder zu Ruhe ermahnten, anbr├╝llten und schrien, was aber nichts nutzte. Andere Eltern sa├čen ruhig in ihren St├╝hlen, starrten auf ihre Z├Âglinge ohne zu sehen, dass sie versuchten, andere Z├Âglinge mit Sand zu f├╝ttern oder mit ihren Sch├╝ppchen zu hauen. Andere Kinder warfen sich zwischen die F├╝├če der wieselnden Bedienung oder hatten ihre Freude daran, mit Tischen und St├╝hlen H├Âhlen zu bauen. Die Eltern konnte dies nicht schocken. Vielleicht taten sie auch so, als ob die Kinder nicht zu ihnen geh├Âren w├╝rden - oder sie hatten einfach nur Urlaub, man wei├č es nicht.
13 Gulden f├╝r zwei Kaffee erschien uns dann etwas ├╝berteuert und wir verlie├čen gleichzeitig mit unseren Nerven dieses Etablissement.

Zur├╝ckgekehrt in unseren Ort hungerte uns nach fester Nahrung. Mein Gatte gab noch immer nicht zu, m├╝de zu sein. Er sprach mittlerweile immer noch nicht und gab dann und wann mal ein unwirsches "hmm" zur Kenntnis. Schnell fanden wir eine Pizzeria, denn die holl├Ąndische K├╝che sagt uns nicht unbedingt zu. Pizza ist unverf├Ąnglich und macht satt.

Da es immer noch ununterbrochen regnete und es eh schon Abend war, gingen wir zur├╝ck in unsere Behausung und wollten es uns - soweit es geht gem├╝tlich machen. Wir setzten uns in die zwei Fernsehst├╝hle und konnten kaum sehen, was in dem Mikro-Fernseher vor sich ging, als mir DIE Idee kam.

Wir waren es gewohnt vom Bett fernzusehen, bevor wir einschlafen, aber das war ja dort nicht machbar. Ich kam also auf die Idee, die zwei Betten in die K├╝che zu r├╝cken, damit wir es ein kleines bi├čchen gem├╝tlicher hatten. Im Schlafzimmer war es schie├člich auch bitterkalt, weil die einzige Heizung in dem K├╝chen-Wohnzimmer installiert war. "Hm", meinte mein Gatte und ging mir schon geringf├╝gig damit auf den Nerv. Man mu├čte doch einfach nur das beste daraus machen...


Im Schein der gelben Sonnenkerze bauten wir komplett die Bude um, so dass die Betten nun neben Herd und K├╝hlschrank standen - also mitten in der K├╝che, wir aber wengistens vom Bett aus fernsehen konnten. Es war nun mittlerweile kurz vor Mitternacht und wir bekamen von Ungem├╝tlichkeit kein Auge zu, als furchtbare Ger├Ąusche erklangen. Vor unserem Bungalow hatte ein Jugendlicher pl├Âtzlich die Idee gehabt, sein Mofa zu reparieren. Mitten in der Nacht. Nun gut, der Junge konnte ja nicht ahnen, dass dort Leute eingezogen waren, die dort eventuell schlafen wollten. Und schlie├člich waren wir ja nur zu Gast in dem Garagenhof. Es wollte kein Ende nehmen mit dem rrrr├Ąngrrr├Ą├Ą├Ą├Ąnnnnggg├Ą├Ą├Ą├Ą├Ą├Ą├Ąnnnnggg und rupprupprupp.

"Hm",meinte mein Gatte und ich konnte nicht deuten, wie er dieses "Hm" meinte. War er sauer, war er entt├Ąuscht oder hatte er inzwischen mit allem abgeschlossen?! Oder stand er kurz davor, die T├╝r aufzurei├čen und dem Mofa-Mann den Lenker in den Auspuff zu stopfen?! Der Mofa-Mann f├╝r seinen Teil hatte wohl etwas geahnt und es herrschte pl├Âtzliche Stille im Garagenhof. Ich war sehr erleichtert und nahm mir vor, am n├Ąchsten Tag diesem Urlaub ein Ende zu setzen. Ich hatte keine Lust mehr auf "hm"┬┤s und "rrrr├Ąnnnggg├Ą├Ąng-rupprupp"┬┤s. Und ich hatte keine Lust mehr auf diese Bleibe und das Wetter. Das teile ich meinem Gatten dann auch mit, es war mir egal, ob jetzt wieder ein "hm" k├Ąme, ich wollte nicht mehr bleiben. Mein Gatte schien sehr erleichert und sprach von nun an wieder.

Er sprach, dass es ihm wirklich nicht gefallen w├╝rde und er froh sei, wenn wir wieder weg w├Ąren - er mir aber den Urlaub nicht vermiesen wollte. Aber erleichtert ├╝ber unseren Entschluss abzureisen, war er. Gut!

Irgendwann schliefen wir dann auch ein. Ab und zu wurde ich wach - exakt alle 30 Minuten, weil der K├╝hlschrank mit einem furchtbaren Rappeln ansprang. Dann gegen 7.00 Uhr ert├Ânte wieder das r├Ą├Ąnggggr├Ą├Ą├Ą├Ąngggg├Ą├Ą├Ąnngggg und rupp-rupp und best├Ąrkte mich wieder in unser Vorhaben, abzureisen. Da stand dieser Mofa-Mann wieder vor unserem Fenster und drosch wieder auf sein Mofa ein. Zwischendurch wieder kl├Ągliche Startversuche, die scheiterten, rupp-rupp, und weiter ging es. R├Ąnnggg├Ą├Ąnngggg...

Es regnete nat├╝rlich immer noch und es st├╝rmte noch mehr als am Tag zuvor. Nur, wie konnten wir aus unserem Dreitages-Vertrag heraus?! Schlie├člich hatten wir doch fest gebucht. Und nun wollten wir nach nur einer ├ťbernachtung wieder fort?

Uns fiel spontan unser alter Kater ein, dem es nicht gut ging. Wir mu├čten noch nicht einmal l├╝gen. Kurz vor unserem Urlaubsantritt stand es sehr schlecht um ihn und es stellte sich heraus, dass er hochgradig zuckerkrank ist und ich ihm jeden Tag Insulin spritzen mu├čte. Danach wollten wir sofort nach unserem Kurzurlaub beginnen. Ihn schoben wir vor, uns begr├╝ndeten unsere Abreise mit der Erkrankung unseres Katers.
Der Vermieter kam uns auch entgegen und wir konnten uns einigen. Schnell war alles verstaut und wir vermi├čten unseren alten Kater nun auch wirklich und wollten nach Hause.

So fuhren wir los und kamen spontan auf die Idee, auf dem R├╝ckweg unsere Freunde zu besuchen. Diese weilten zur gleichen Zeit auf einem nahegelegenen Campingplatz und w├╝rden sich sicherlich auch langweilen bei dem Wetter. Den Weg dort hin kannten wir und wir fanden auch den Campingplatz. Jedoch war keiner unserer Freunde zu sehen, sicherlich waren sie auch schon abgereist, der Wetterbericht sagte auch keine Besserung voraus. Und mit zwei Kindern im Wohnwagen war es auch kein Zuckerschlecken. So hatten wir Pech und machten uns nun wirklich auf die Heimreise.

Wir fuhren kreuz und quer und hin und her und fanden erst nach zwei Stunden die Autobahn. Aber wir waren frohen Mutes, schlie├člich freuten wir uns schon auf unser gem├╝tliches Heim. Wir erreichten schnell Belgien. Das war eigentlich ungew├Âhnlich, aber schlie├člich sind wir auch auch dem Hinweg ├╝ber Belgien gekommen - warum auch nicht auf dem R├╝ckweg. Ich hatte nat├╝rlich nur f├╝r die Hinreise eine Routenplanung vorbereitet ÔÇô denn nach Hause findet man schlie├člich immer.

Leider stand nirgendwo ein Schild mit einem bekannten Ort und wir wu├čten nicht, in welche Richtung wir fahren sollten.
Ostende las ich endlich auf einem Schild. Von Ostende wu├čte ich, dass dieser Ort am Ende von Belgien liegt, da mu├čten wir hin. Wir fuhren und fuhren und fuhren endlich den Tank leer. Schnell tauschten wir noch einige Gulden in Belgische Franc um und fuhren weiter. Je weiter wir vorankamen, desto besser wurde das Wetter und unsere Laune steigerte sich schlagartig.

Wir fuhren, bis wir das Schild sahen "F├Ąhre Oostende-Dover"! "Ach", gab ich kleinlaut zu, "das war das falsche Ende Belgiens".

Das kann man doch keinem erz├Ąhlen... Nun, da wir ja flexibel sind, besuchten wir auch Ostende und stellten fest, dass dies ein sehr netter Ort ist. Wir waren ganz ├╝berrascht, wie sch├Ân diese belgische Stadt ist. Und das Wetter war auch zum "Eierlegen". Keine Wolke am Himmel und strahlender Sonnenschein. Hier gefiel es uns - wir mu├čten nur aufpassen, dass wir nicht pl├Âtzlich auf der F├Ąhre nach Dover-England standen. Aber DAS ist uns nicht passiert.

Wir schauten uns Ostende an und stie├čen sogar auf Treibsand in den D├╝nen. Dann kamen wir auf die Idee, einfach immer am Meer entlang zu fahren, um zu sehen, wie die anderen Orte aussehen. Schlie├člich hatten wir ja noch Zeit und Geld hatten wir auch noch, so dass wir auch spontan noch eimal in Belgien ├╝bernachten k├Ânnten.

An einer Stra├če fanden wir auch die typischen Pommes Frites, die in Belgien besonders schmackhaft sind. Nat├╝rlich mu├čten wir diese ÔÇ×NationalspeiseÔÇť auch probieren und fuhren so den Imbi├čstand an.
Ein dicker Koch stand in der kleinen Imbi├čbude und schaufelte Pommes Frites von links nach rechts und von rechts nach links. Es duftete nach k├Âstlichen Pommes. Wir schauten auf die Preisliste, wo nichts von ÔÇ×Pommes FritesÔÇť, sondern von ÔÇ×FrietenÔÇť stand. Sicherlich w├╝rden wir den Koch mit unserem ÔÇ×2 x Pommes, bitteÔÇť verwirren. Er w├╝rde uns sicherlich nicht verstehen, wenn wir um Pommes bitten w├╝rden. Wir sprachen schlie├člich kein franz├Âsisch und er kein Deutsch. Und wenn die Pommes in Belgien ÔÇ×FrietenÔÇť hei├čen: Bitte!

Ich nahm allen Mut zusammen und bat: ÔÇ×Bitte 2 x Friiiiiieeeeten!ÔÇť
ÔÇ×AhÔÇť, br├╝llte der Koch, ÔÇ×zwei Pommes, alles klar!ÔÇť
Rot vor Scham schlichen wir mit unseren Friiiieeeten-Pommes an ein Tischchen, um uns dort an ihnen zu laben. Sie waren wirklich hervorragend!

Wir sahen wunderbare ├ľrtchen und das Meer war toll und je weiter wir kamen, desto s├╝dl├Ąndischer wurden die ├ľrtchen. Ich war vollends begeistert.

Dann erschien das Schild "France" und wir waren in Frankreich. Klar, das mu├čte ja auch noch sein. Wenn wir einmal hier waren, dann mu├čten wir auch nach Frankreich.


Wir bekamen einen Lachkrampf, weil es echt zu verr├╝ckt war, auf der R├╝ckreise von Holland nach D├╝sseldorf in Frankreich auszukommen. Wir sahen uns schon in Malaga die F├Ąhre nach Marokko nehmen... Aber davon hielten wir Abstand und fuhren nur ein kurzes St├╝ck nach Frankreich hinein. Denn dort gab es ja Autobahngeb├╝hren und wir wollten nicht auch noch Franz├Âsische Franc umtauschen. Wir machten dann Halt in einem ├ľrtchen in Belgien, direkt an der Grenze und tankten noch etwas Sonne.
Wir spazierten durch die wundersch├Ânen D├╝nen und begl├╝ckw├╝nschten uns zu unserer Irrfahrt. Sonst h├Ątten wir sicherlich nicht diese netten Orte gesehen.

Nun fuhren allerdings wirklich Richtung Heimat. Wir sahen zwischendurch ein Schild "Gent". Gent soll auch sehr sch├Ân sein, sagte ich und wir fuhren von der Autobahn ab, um uns Gent anzusehen. Wir hatten ja noch Zeit. Die Belgier fuhren wie die Franzosen und es war schon ein wenig anstrengend, ├╝berall Augen zu haben. Pl├Âtzlich stand vor uns ein Schild und wir beide k├Ânnen ja kein Wort franz├Âsisch oder belgisch oder fl├Ąmisch - was immer es war. So ignorierten wir es einfach.
Ein wundersch├Ânes Geb├Ąude erschien vor unseren Augen und wir hatten gar keine Zeit richtig zu staunen, als sich eine Politesse vor unseren Wagen warf. Hier d├╝rfen wir nicht fahren, sagte sie auf englisch. Hier ist Fu├čg├Ąngerzone! Oje, wir fuhren mitten durch die Genter Fu├čg├Ąngerzone und bemerkten es nicht einmal. Ich konnte die Dame ├╝berzeugen, dass wir auf dem Weg nach Deutschland seien und die Autobahn suchten.
Sie war sehr nett und verst├Ąndnisvoll und gab und kein Protokoll, aber die Wegbeschreibung zur Autobahn. Dankend verlie├čen wir Gent, um uns dann wieder auf der Autobahn wiederzufinden.

Uns hungerte wieder und wir hatten vor, an der n├Ąchsten Rastst├Ątte anzuhalten, um etwas zu uns zu nehmen. An der Ausfahrt "Rastst├Ątte" f├╝hren wir ab und fanden uns in irgendeiner Ortschaft wieder. Hatten wir die falsche Ausfahrt genommen?

Wir kurvten hin und her und fanden durch Zufall wieder unsere Autobahn wieder. Es war schon seltsam. Die Rastst├Ątte konnte man von der Autobahn aus sehen, aber nicht erreichen. Na, wir wollten dann die n├Ąchste Rastst├Ątte anfahren, da wir mittlerweile wieder dringend tanken mu├čten.

An der n├Ąchsten Rastst├Ątte und Tankstelle fuhren wir auch wieder freudestrahlend vorbei, weil wir die Ausfahrt verpa├čten. Konnten wir so d├Ąmlich sein?!
Wir schimpften auf die Belgier, die die Beschilderung so undeutlich stellten. Doch tanken mu├čten wir sehr dringend, so dass wir wieder einmal von der Bahn mu├čten, um in einem Ort zu tanken. Dort verfuhren wir wieder uns heillos und fanden nach langem anstrengenden Suchen aber wieder unsere Autobahn und hofften, die richtige Richtigung eingeschlagen zu haben. Es wurde dunkel, als wir endlich wieder bekannte Ortsnamen sahen.

Zu sp├Ąter Nacht erreichten wir ersch├Âpft aber gl├╝cklich wieder unser Heim.

Ich bin froh, dass wir uns so nett verfahren haben. Nun haben wir ein neues Reiseziel, Belgien. Die netten ├ľrtchen haben es uns angetan und der n├Ąchste Kurzurlaub kommt bestimmt...

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flammarion
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hallo,

das ist ein entz├╝ckender reisebericht. danke, da├č du uns teilhaben lie├čest. ganz lieb gr├╝├čt
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Old Icke

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