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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Von denen, die anders sind, die wenig reden und noch weniger zu sagen haben
Eingestellt am 13. 01. 2014 12:40


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Winfried Stanzick
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2011

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Rezension zu:

Daniella Carmi, Lucy im Himmel, Berlin Verlag 2013, ISBN 978-3-8270-1074-2

In ihrem neuen Buch erz√§hlt die in Deutschland im Gegensatz zu ihrem Heimatland Israel noch wenig bekannte Schriftstellerin Daniella Carmi eine ungew√∂hnliche Geschichte, die in der arabischen Welt Israels spielt, die leider immer noch viel zu wenig unserer √Ėffentlichkeit bekannt ist. Sie handelt von Nadja und ihrem Mann Salim. Nadja ist eine Christin, die √ľber viele Jahre gegen√ľber ihren Eltern durchsetzen musste, dass sie den Moslem Salim heiraten durfte. Salim ist Rechtsanwalt, hat aber mangels Auftr√§gen den Beruf aufgegeben und verdient sich etwas Geld, indem er alte Autos repariert und aufbereitet. Nadja arbeitet als Sozialarbeiterin in der Verwaltung, wo sie im Verlauf des Buches auch das Ehepaar Marina und Roman kennenlernt.

Insbesondere Roman wird ihr bisheriges Leben etwas durcheinander bringen. Dieses Leben hat sich vor kurzem schon dramatisch verändert, weil das kinderlos gebliebene Ehepaar Nadja und Salim nach langem Warten ein Angebot zur Adoption bekommt. Doch kein zierliches Baby, sondern ein dreizehnjähriger Junge namens Netanel kommt zu ihnen mit nach Hause.

√úber eine sehr lange Zeit redet der Junge nichts, schweigt permanent und klettert mit Vorliebe auf die B√§ume im Garten, wo er stundenlang sitzt und Melodien summt. Bald findet Nadja heraus, dass es immerzu Melodien der Beatles sind, die der Junge in seinem Vorleben offenbar oft geh√∂rt haben muss. Seine ganze Welt besteht aus Figuren wie ‚ÄěLucy in the sky with diamonds‚Äú und anderen.

Nadja widmet sich dem Jungen mit viel Geduld, die sie im √úbrigen auch f√ľr ihren immer schweigsamer und seltsamer werdenden Ehemann Salim aufbringen muss. Dazu kommt die Tatsache, dass Netanel offenbar von zwei widerstreitenden Gruppen ins Visier genommen wird. Streng religi√∂se Juden wollen ihn unterrichten, w√§hrend andere in mysteri√∂sen Briefen davor warnen. Alles ist recht r√§tselhaft und erst sp√§t l√ľftet sich das Geheimnis um Netanel. Doch dann ist er pl√∂tzlich verschwunden. Und es ist ‚ÄěLucy im Himmel‚Äú, die eine L√∂sung bietet.

Daniella Carmi hat einen Roman geschrieben, der schräg ist, und der sich erst langsam dem Leser öffnet. Eine Geschichte erzählt sie von denen, die anders sind, die wenig reden und noch weniger zu sagen haben. Sie tut es auf eine humorvolle Weise, mit einer geradezu entwaffnenden menschlichen Wärme, die einem die Figuren im Laufe des Buches ans Herz wachsen lässt.

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