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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Von der Herrlichkeit deutscher Bildung
Eingestellt am 25. 10. 2004 14:23


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Kojiro
Schriftsteller-Lehrling
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Von der Herrlichkeit deutscher Bildung oder: Der Fluch Deutschlands

Schmetterlinge tanzen verliebt im grellen Grün. Sonnenstrahlen dringen durch das Blätterwerk der Bäume, offenbaren Vögel, die fröhlich auf dünnen Ästen zwitschern. Im Schatten des Baumes ein überfüllter Mülleimer.
Die Entdeckung des Stückes menschlicher Zivilisation warf mich zurück in die Realität. Hier sitze ich nun, muss mich mit vorgekautem Wissen quälen, welches von der ledernden Stimme des Lehrers vorgetragen wird. Schüler schreiben mechanisch – fast synchron zueinander – in ihre Hefte, besessen auf eine gute Note. Alle außer Ich. Ich fühle eine Leere in mir, die gefüllt werden will, bin erschöpft, mein Blick wendet sich sehnsüchtig nach draußen. Dort, wo das Leben lebt.
„Nichts ist so unnatürlich wie die Natur“, schallen mir Nietzsches Worte durch den Kopf. Für unsere Begriffe mag sie tatsächlich unnatürlich scheinen. Doch ist das Marathonsitzen in grauen Bauwerken natürlicher?
Endlich das befreiende Gongen der Schuluhr. Die Stille, die noch vor wenigen Sekunden herrschte, wird von dem Tumult der Schüler zerrissen. Gleichsam auf der Flucht rennen sie aus dem Klassenzimmer - bloß pünktlich zur nächsten Schulstunde im nächsten Klassenzimmer erscheinen. Stress wird bereits in der Schule gefördert. Man wird von Terminen gejagt, die nicht hinter einem, sondern vor einem liegen – paradox, oder?
In Gedanken versunken schließe ich mich dem Fluss der Massen an. Auf den Korridoren speien die Klassenräume Massen von Schülern aus. Ich erhasche einige misstrauische Blicke von Augen, den Lehrern angehörig, die ganz leise hinter den großen Brillen mich beäugen. Man grüßt sich auf den Fluren nicht, man geht einander vorbei, man beachtet sich nicht – man kleidet den Status eines unsichtbaren Schlossgespenst. Dennoch sind die tiefen dunklen Gänge, in denen sich Schüler und Lehrer verlieren, erfüllt von einem Brei an Tönen – man hört so viel und gleichzeitig doch nichts.
Man sieht SchĂĽler, die Hausaufgaben abschreiben, oder auch mit Drogen handeln. Ein Lehrer steht unscheinbar daneben. Gesetze sind Huren in den Schulen, aber Jungfrauen im Gericht.
Ich betrete den Raum, in dem die nächste Schulstunde ausgetragen werden soll. Eine Deutschstunde. Schon bald werden niveaulose Diskussionen im Zimmer Platz finden, wobei niemand jemand anderem zuhört, und jeder denkt, er habe Recht. Ein- und Zugeständnisse sind hier fehl am Platz. Die Schüler lernen schon früh, was es heißt, ein Deutscher zu sein. Zu Hause fressen sie Sägespäne, und hier wollen sie Bretter scheißen.
Schon bald wird die Diskussion entfacht, in denen sich das Niveau einer schlechten Talkshow widerspiegelt, die von den SchĂĽlern begeistert Daheim verfolgt werden. Es geht um Schule.
“ Leider ist die Schule nicht mehr Schule.“, sagt Elias. Elias ist Ausländer und kommt aus Jordanien. Ein schwarzes Schaf.
Laura entgegnet:“Weshalb soll die Schule nicht mehr Schule sein? Natürlich ist Schule Schule!\" Laura kommt aus Norddeutschland, ist schlank, sieht gut aus und bekleidet einen angenehmen Status in der Klasse.
“Schule Schule?\", fragt Elias verblüfft. Dann schießt er \"Schule ist nicht mehr Schule…“ hinterher.
“Schule nicht Schule? Unsinn! Schule ist Schule und bleibt Schule!“, kontert Laura scheinbar geschickt.
Die Lehrerin nickt zufrieden und erfreut sich an der einleuchtenden und logischen Argumentation von Laura. Elias wirft sie einen verächtlichen Blick zu. \"Ausländer...\", flüstert sie leise zu sich selbst.
Im nächsten Moment sollte eine Durchsage durch die Lautsprecher der Schule gejagt werden. Es sind die PISA-Ergebnisse.
Ungläubig schütteln Schüler und Lehrer ihre Köpfe.
„Schule ist eben nicht Schule“, flüstere ich leise. Meine ersten Worte, die an dem Tag dem Gehege meiner Zähne entflohen sind.
Draußen zwitschern die Vögel.

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GabiSils
???
Registriert: Mar 2002

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Hallo Kojiro,

grundsätzlich gefällt mir dein Text. Allerdings scheint mir die "Rahmenhandlung" nur schmückendes Beiwerk für dein Anliegen zu sein, eine Kurzgeschichte ist das sicherlich nicht (zur Definition bitte Monfous Forentext lesen).
Ich wĂĽrde dir vorschlagen, das Thema zu einer Kolumne oder Glosse umzuarbeiten.

Sprachlich solltest du noch daran feilen. Nachstehend einige Beispiele, was mir auffiel (nicht vollständig. Sieht ein wenig bunt aus, soll aber wirklich kein Verriss sein; nimm es als Anregung, bitte.


Von der Herrlichkeit deutscher Bildung oder: Der Fluch Deutschlands (Schon der Titel klingt mehr nach Essay)

Schmetterlinge tanzen verliebt im grellen Grün. Sonnenstrahlen dringen durch das Blätterwerk der Bäume, offenbaren Vögel, die fröhlich auf dünnen Ästen zwitschern. Im Schatten des Baumes ein überfüllter Mülleimer.
Die Entdeckung des Stückes menschlicher Zivilisation warf mich zurück in die Realität. Hier sitze ich nun, muss mich mit vorgekautem Wissen quälen, welches von der ledernden (ledernd? oder ledern? was ist eine ledern(d)e Stimme, wie klingt die?) Stimme des Lehrers vorgetragen wird. Schüler schreiben mechanisch – fast synchron zueinander – in ihre Hefte, besessen auf (versessen auf oder besessen vom Wunsch nach ...)eine gute Note. Alle außer Ich mir (hier würde mir "nur ich nicht" besser gefallen) . Ich fühle eine Leere in mir, die gefüllt werden will, bin erschöpft, mein Blick wendet sich sehnsüchtig nach draußen. Dort, wo das Leben lebt.
„Nichts ist so unnatürlich wie die Natur“, schallen (wirklich? Die schallen? Reicht es nicht, wenn sie dir durch den Kopf gehen?)mir Nietzsches Worte durch den Kopf. Für unsere Begriffe mag sie tatsächlich unnatürlich scheinen. Doch ist das Marathonsitzen in grauen Bauwerken natürlicher? (Rhetorische Frage. Weckt Unmut beim Leser.)
Endlich das befreiende Gongen der Schuluhr. Die Stille, die noch vor wenigen Sekunden herrschte, wird von dem Tumult der Schüler zerrissen. Gleichsam auf der Flucht rennen sie aus dem Klassenzimmer - bloß pünktlich zur nächsten Schulstunde im nächsten Klassenzimmer erscheinen. Stress wird bereits in der Schule gefördert. Man wird von Terminen gejagt, die nicht hinter einem, sondern vor einem liegen – paradox, oder? (Gut!)
In Gedanken versunken schließe ich mich dem Fluss der Massen an. Auf den Korridoren speien die Klassenräume Massen (Wiederholung) von Schülern aus. Ich erhasche einige misstrauische Blicke von Augen, den Lehrern angehörig, die ganz leise hinter den großen Brillen mich beäugen. (Mißglückter Satz. Augen beäugen ... und "angehörig" kenne ich eher im Sinne von "verwandt". Haben alle Lehrer große Brillen?) Man grüßt sich auf den Fluren nicht, man geht einander vorbei, man beachtet sich nicht –
man kleidet (wenn schon, dann "bekleidet" - aber "hat" würde auch genügen)den Status eines unsichtbaren Schlossgespenstes. Dennoch sind die tiefen dunklen Gänge, in denen sich Schüler und Lehrer verlieren, erfüllt von einem Brei(naja) an Tönen – man hört so viel und gleichzeitig doch nichts.
Man sieht SchĂĽler, die Hausaufgaben abschreiben, oder auch mit Drogen handeln. Ein Lehrer steht unscheinbar daneben. Gesetze sind Huren in den Schulen, aber Jungfrauen im Gericht.
Ich betrete den Raum, in dem die nächste Schulstunde ausgetragen werden soll. Eine Deutschstunde. Schon bald werden niveaulose Diskussionen im Zimmer Platz finden (?), wobei niemand jemand anderem zuhört, und jeder denkt, er habe Recht. Ein- und Zugeständnisse sind hier fehl am Platz. Die Schüler lernen schon früh, was es heißt, ein Deutscher zu sein.(Aber hallo. Und was heißt
es?)
Zu Hause fressen sie Sägespäne, und hier wollen sie Bretter scheißen.
Schon bald wird die Diskussion entfacht, in denen sich das Niveau einer schlechten Talkshow widerspiegelt, die von den SchĂĽlern begeistert Daheim verfolgt werden. (Grammatik! Singular und Plural wĂĽst durcheinander) Es geht um Schule.
“ Leider ist die Schule nicht mehr Schule.“, sagt Elias. Elias ist Ausländer und kommt aus Jordanien. Ein schwarzes Schaf. (Achja? Wieso? Ist das wirklich so eine Klischee-Klasse von Karikaturdeutschen, die selbstverständlich alle le ausländerfeindlich sind, außer dem/der Protagonistin?))
Laura entgegnet:“Weshalb soll die Schule nicht mehr Schule sein? Natürlich ist Schule Schule!\" Laura kommt aus Norddeutschland, ist schlank, sieht gut aus und bekleidet einen angenehmen Status in der Klasse. (Was ist denn ein "angenehmer" Status?) “Schule Schule?\", fragt Elias verblüfft. Dann schießt er \"Schule ist nicht mehr Schule…“ hinterher.
“Schule nicht Schule? Unsinn! Schule ist Schule und bleibt Schule!“, kontert Laura scheinbar geschickt.
Die Lehrerin nickt zufrieden und erfreut sich an der einleuchtenden und logischen Argumentation von Laura. Elias wirft sie einen verächtlichen Blick zu. \"Ausländer...\", flüstert sie leise zu sich selbst.
Im nächsten Moment sollte eine Durchsage durch die Lautsprecher der Schule gejagt werden. Es sind die PISA-Ergebnisse.
Ungläubig schütteln Schüler und Lehrer ihre Köpfe.
„Schule ist eben nicht Schule“, flüstere ich leise. Meine ersten Worte, die an dem Tag dem Gehege meiner Zähne entflohen sind. (Aua! Nicht so gestelzt, bitte!)
Draußen zwitschern die Vögel.



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Kojiro
Schriftsteller-Lehrling
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Vielen Dank fĂĽr Deine Antwort.

Nomen est omen - wie mein Name vielleicht vermuten mag, komme ich nicht aus Deutschland, sondern aus Japan und wohne dort auch noch.
Ich erhoffe mir durch kleine Geschichten mein Deutsch zu verbessern :-)

Ich werde mir einige Fehler genauer nochmals durch den Kopf gehen lassen, aber bei einigen bin ich mir nicht sicher, ob meine Version nicht doch besser ist.


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GabiSils
???
Registriert: Mar 2002

Werke: 1
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Hallo Kojiro,

du kommst tatsächlich aus Japan? Japanisch klingende Nicknames sind gerade Mode, daher hatte ich das nicht vermutet, und dein Deutsch ist hervorragend!

Nun bin ich neugierig: Woher nimmst du deine Vorstellung von einer deutschen Schulklasse?

GruĂź,
Gabi

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Kojiro
Schriftsteller-Lehrling
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Einen guten Abend Gabi :-)

Ja, ich wohne in Japan, habe mir sogar eine deutschen PC importieren lassen, um in deutsche Foren zu gehen.

Mag vielleicht ein wenig fantastisch klingen, aber mein Neffe wohnt in Deutschland und geht dort auch zur Schule.

Ab und zu erzählt er mir von seinen Erlebnissen und ab und zu bin ich halt auch selber in Deutschland.

Ich habe nichts gegen die Deutschen, ich finde sie in vielerlei Hinsicht äußerst symphatisch, nur in Japan kommt mir die Kultur noch ein wenig traditionsbewusster vor.
Vor allem grüßt man sich immer, auch wenn man sich nicht kennt, man verneigt sich häufig leicht und man spricht sehr komplex (man siehe den Dialog in meiner Geschichte: Manchmal fehlen Prädikate, man wird nicht angeredet, die Argumentation ist lächerlich, man bemüht sich erst gar nicht dem Gesprächspartner die Meinung zu erklären etc. - das habe ich oft bei Deutschen beobachtet, in Japan ist das allerdings anders).
Auf eine Frage antwortet man im Land der aufgehenden Sonne meistens nicht nur mit einem knappen Ja oder Nein, sondern baut die Antwort weiter aus, um hohen Respekt dem Gesprächspartner entgegenzubringen.

Andererseits mag es auch sein, dass Japan in dieser Hinsicht zu sehr traditionsbewusst ist, dass es vielleicht sogar altmodisch und unpraktisch ist.

Aber ich bin der Meinung, dass in Deutschland manchmal eine 'ordentliche' Moral fehlt. Es stimmt, wenn jemand sagt, dass das nicht auf alle Deutschen zutrifft, aber ich habe es bei erschreckend vielen beobachtet!

Aber bevor ich mich völlig unbeliebt mache, möchte ich loswerden, dass ich wohl kaum Deutsch lernen würden will, wenn ich die Deutschen nicht mag.

Achja und - wie viele bestimmt wissen - haben die Japaner "auch einen Tick" (ich glaube, so sagen das die Deutschen) in vielerlei Hinsicht.

Beste GrĂĽĂźe

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SvenKratt
Wird mal Schriftsteller
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Einen wunderschönen Abend Kojiro,

Ich habe dein Werk sehr genossen, auch wenn deine Darstellung der Zustände in deutschen Schulen vielleicht nicht ganz zutrifft. Ich kann dir auf jeden Fall versichern, dass es (zum Glück) nicht in allen Schulen so zu geht. So, wie du es beschreibst ist es eher eine Utopie, auf die wir uns langsam aber sicher zu bewegen. Meiner Meinung nach, ist das deutsche Schulsystem tatsächlich am versagen, ist zu anonym. Leistung zählt öfters mehr als Individualität. Wenn einer von 30 Schülern den Lernstoff nicht begreift, dann ist es sein Pech. Statt es ihm genauer zu erklären, wird er gescholten oder sogar lächerlich gemacht. Und bevor sich andere Leselupenuser über meine Aussage aufregen (ein paar Lehrer werden bestimmt darunter sein *g*) möchte ich noch hinzufügen: diese Aussage beruht auf meinen eigenen Erfahrungen.
Was die Umgangsformen angeht, so hast du in gewisser Weise recht. Viele Deutsche argumentieren auf diese Weise, wenn man da ĂĽberhaupt noch von Argumentation sprechen kann. Aber da handelt es sich meistens um die Art von Deutschen, die ihr Gehirn weggeschmissen haben und lieber die BILD Zeitung fĂĽr sich denken lassen.
Ich könnte bestimmt noch haufenweise Beispiele und Erklärungen usw. aufbringen aber dann würde ich wahrscheinlich noch morgen Früh hier sitzen.
Zu guter letzte: Mit deinen Aussagen machst du dich (zumindest bei mir) nicht unbeliebt, sondern wirst mir dadurch sogar sympathischer.

Liebe GrĂĽĂźe,

Sven

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