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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Von deutscher Revolution. Ein Roman (Rezension )
Eingestellt am 08. 04. 2004 22:55


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Dietrich Stahlbaum
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Von deutscher Revolution. Ein Roman

Rezension

Wolfgang Beutin schreibt mit seinem fünften Roman ein wenig bekanntes Kapitel deutscher Geschichte: die dramatischen Ereignisse der Jahre 1918/19, als aus einem verlorenen Krieg heimkehrende Soldaten, Arbeiter und Intellektuelle, revoltierten und eine sozialistische Räterepublik errichten wollten, in Berlin, in München, in Bremen, im Ruhrgebiet. Er beschreibt – dies ist das Besondere an dem Roman – aus der Sicht der Revolutionäre und mit der Feder einer Frau den am Ende vergeblichen Kampf für eine, heute nennen wir es: basisdemokratische Gesellschaft.

Im Mittelpunkt Johannes Knief, unabhängiger Sozialdemokrat wie seine junge Geliebte und Chronistin Charlotte Kornfeld. Er, der von Krieg und Krankheit gezeichnete Pazifist, Journalist und Motor der Bremer Arbeiterbewegung, ein „Linksradikaler“, der das besitzbürgerliche Regime und das Berliner „Bonzentum“ regierender Sozialdemokraten (Ebert, Noske und Genossen) bekämpft und den in der Pickelhaubenzeit geschundenen, oftmals zusammengeschlagenen und weg gesperrten Proletariern zu ihrem Recht verhelfen will. Sie, Kurierin und Geschäftsführerin einer Arbeiterzeitung, Johanns Lebens- und Kampfgefährtin, die mit ihm Verfolgung und Gefängnis, Krankenhaus und Asyl bei Heinrich Vogeler in Worpswede teilt, bis Johann Knief nach mehreren Operationen stirbt, am 6. April 1919, einen Tag bevor in München eine Räterepublik entsteht.

Die Bremer Räterepublik, nach trickreichen Schachzügen der Arbeiterführer am 10. Januar 19 ausgerufen, scheiterte keine vier Wochen danach an der Übermacht der „Weißgardisten“, Freikorps völkisch-deutsch-nationaler Couleur, die ein sozialdemokratischer Reichswehrminister in Bremen einmarschieren ließ.

Es ist die tragische Geschichte eines Matrosen- und Arbeiteraufstandes, die Geschichte seiner Hauptakteure, allen voran Johannes Knief, ein Idealist wie die vielen anderen „Linksintellektuellen“, die an der bitteren Realität scheitern mussten. Der Autor macht aus seinen Sympathien für sie keinen Hehl. Und es ist eine Liebesgeschichte, die ebenso tragisch endet.

Beutin gelingt es, uns am Geschehen hautnah teilnehmen zu lassen und der offiziellen Historiografie, wie sie in den Schulbüchern angeboten wird, andere Aspekte hinzuzufügen. Wir können davon ausgehen, dass der vielseitige Wissenschaftler von der Geschichte seiner Heimatstadt Bremen viel Staub abklopfen musste, damit darunter Verborgenes sichtbar wird.

Sein Stil ist zupackend und analytisch distanziert zugleich. Beutin liebt das Detail; er sieht und beschreibt alles, was das Leben ausmacht, und wie es man es von einem Germanisten erwarten sollte: Er entfaltet den ganzen Reichtum unserer Sprache.

Wolfgang Beutin: Knief oder Des groĂźen schwarzen Vogels Schwingen

Verlag Königshausen und Neumann, Würzburg 1/2004
249 Seiten



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jon
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Man merkt dem Text deutlich an, dass der Rezensent die im Roman beschriebene Zeit für eine interessante hält. Aber das ist für eine Rezi bestenfalls Nebensache.

Ich höre heraus, dass dieser Aufstand – trotz aller historischer Dimension, die er zweifellos hatte – irgendwie kaum mehr als ein etwas groß geratenes Aufbäumen von ein paar Leuten ist – „Hamlet“ mit tausend Füßen so zu sagen. Fußnote 1 Das Problem dabei ist vor allem: Ich weiß nicht, ob der Autor diese Dinge so wertet oder der Rezensent.

Tragisch endende Liebesgeschichten gibt es zu Hauf im Geschriebenen – was macht diese so erwähnenswert?

Was der Rezensent vermutet, was der Autor getan hat (Staub abklopfen), ist unerheblich – interessant ist höchstens, was der Autor wirklich getan hat. (Die Info, dass der Autor Historiker ist, ist dagegen schon interessant.)

Im letzten Absatz (, der im "realen Zeitungsleben" dafür geschrieben wird, damit der Redakteur was zum Wegstreichen hat), wird kurz behauptet, der Autor schreibe toll. Es ist aber offenbar nicht so toll, dass dies eine Stärke des Buches ist, denn sonst würde es nicht so hintendran baumeln.

Kurz und gut: Ich habe nach dieser Rezension kein Bild von diesem Buch – ich weiß wann es spielt und dass Liebe und Politik und Sterben drin vorkommen. Aber ich habe kein Gefühl dafür, ob es spannend ist (, oder ob es der Rezensent spannend fand), ob es sich gut lesen lässt (, oder ob der Rezensent es leicht lesbar fand), ob die Figuren glaubwürdig gezeichnet sind (, oder ob der Rezensent sie für glaubwürdig gezeichnet hielt Fußnote 2)… schlicht und einfach: Lohnt es sich für mich, die ich kein Interesse an diesem historischen Ereignis habe, das Buch auch nur in die Hand zu nehmen? Und: Würde es sich lohnen, es zu tun, wenn ich dieses Interesse hätte, (sind die "neuen Infos" so gewichtig?)?



Fußnote 1Grund für diese Assoziation ist sicher der mehrfache Gebrauch des Wortes "tragisch", der sich für mich immer auf einzelne Personen und nicht auf historische Prozesse bezieht. Vor allem die Formulierung „tragischer Aufstand, der an der bitteren Realität scheitern musste" klingt nach Melodram statt nach historisch verankertem Roman, war bei dieser Assoziationskette das wichtigeste Glied. (Hat denn der Autor gar nicht gesagt, welche Realität so bitter war? Zu starke äußere Feinde oder innere Probleme der Bewegung oder einfach nur die Wahl des unpassenden Zeitpunktes…?)

Fußnote 2 „Beutin gelingt es, uns am Geschehen hautnah teilnehmen zu lassen...“ ist so nackt und unbegründet, wie es hier steht, nur eine abgegriffene Floskel
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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