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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Vor einer dunklen Halle
Eingestellt am 15. 07. 2016 18:17


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Arthur Steinlah
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jul 2016

Werke: 2
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Steven Reimann war seit vielen Jahren ein Wrestling Fan und liebte diesen Kampfsport über alles. Er konnte einfach nicht genug bekommen von diesen bunten Kämpfen, in denen Männer in seltsamen bunten Strumpfhosen die Helden einer ganzen Generation darstellten.

Das war auch der Grund dafĂĽr, dass er mitten in der Dunkelheit vor einer alten Lagerhalle im Hafen stand, die Sporttasche in der Hand, eine coole Lederjacke tragend und die Sonnenbrille auf der Nase. Wrestler mussten einfach cool aussehen, so wie Filmhelden. Behauptete jedenfalls Reimanns Sohn, der gerade vierzehn Jahre alt wurde und eigentlich gar keine Ahnung hatte vom Leben. Weder von seinem Leben, noch vom Leben eines sogenannten Wrestlers, einem Showmann. Nichts weiter.

Und der Mann am Tor, in Anzug und Krawatte, sah auch nicht gerade vertrauenserweckend aus. Ganz im Gegenteil. Steve wusste nicht so genau, mit wem er es hier eigentlich zu tun hatte oder was der Zirkus soll. Sie sagten ihm im Sportstudio nur, wenn er sich mal in einem wirklich harten Wrestling Match beweisen wolle, das nur für ein spezielles Publikum zugänglich sein würde, müsse er sich in der Lukowsky Spedition am Hafen einfinden.

Ein kurzer Blick auf die kleine Karte mit der Adresse. Die Adresse stimmte. Die Sonnenbrille auf der Nase eines Türstehers zu Mitternacht hingegen wirkte einfach lächerlich. Steven fühlte sich wie bei einem angehenden Mafia Thriller mit ihm in der Hauptrolle. Vermutlich würde Chuck Norris da drin auf ihn warten und ein drei Sekunden Match bestreiten wollen, für das er lediglich ein würdiges Opfer benötigte.

„Hey! Warum bist du hier, Mann?“, sprach der Türsteher ihn plötzlich an und irgendwie erwartete Steven, dass der Mann im nächsten Moment eine Waffe ziehen würde, um sie an seine Schläfe zu halten. Das wäre eine typische Filmszene, die einfach cool aussehen würde und die Qualität des Films unterstreichen dürfte. Außerdem passte das Szenario sehr gut in die aktuelle Situation. Nichts passierte.

„Verstehst du mich, Kumpel?“, wollte der Türsteher wissen und schob die Sonnenbrille etwas nach unten, um den persönlichen Blickkontakt herzustellen.
Steven zeigte die Karte vor. Es war eine kleine Visitenkarte, die oben rechts mit seinem Vornamen gekennzeichnet war.
„Du bist also Steven?“, wollte dich Türsteher wissen.
„Ja.“, antwortete Steven kurz und knapp.

Er wusste einfach nicht, wie er sich in dieser Situation angemessen verhalten sollte. Er wusste im Grunde genommen noch nicht einmal, wieso er ĂĽberhaupt hier war. Alles woran sich Steven erinnerte war der Streit mit seinem Sohn im Fitnessstudio gegen Mittag.

„Warst du schon mal dabei? Bei einem Hardcore Training, meine ich?“, forschte der Türsteher nach.
„Nein. Eigentlich nicht. Ich treibe mich nur gerne Sportstudio rum, um meinen Körperschuss zu halten. Früher habe ich mich mit Karate und Kung-Fu beschäftigt. Ein paar Jahre im Studio gelernt und so. Ich dachte, eines Tages würde ich vielleicht mal bei einem MMA Match mein wahres Talent zeigen. Daraus wurde leider nichts. Also dachte ich mir ich versuche es mal hier.“

Die gesamte Erklärung wirkte ungefähr so glaubwürdig wie im Film. Fehlte nur noch, dass jetzt Chuck Norris zur Tür herauskam, Steven seine Hand auf die Schulter legte und kurzerhand die Freundschaft erklärte. Natürlich geschah das nicht. Aber der Gedanke bei dunkler Nacht im Hafen an den besten Action Filmen zu denken und sich selber zum Protagonisten der Hauptgeschichte zu machen, war irgendwie faszinierend. Dumm, aber faszinierend. Wenigstens half das Kopfkino die Ruhe zu bewahren.

„Du bist ein schlechter Lügner.“, stellte der Türsteher fest.
„Wie hast du das rausgefunden? Steht irgendwo auf meiner Stirn Lügner?“

Steven war es irgendwie peinlich, von einem Türsteher bei einer kleinen Notlüge ertappt worden zu sein. In seinem Kopfkino hätte dieser Trick funktionieren müssen. Dann wäre er einfach in die Halle geschlendert und hätte in aller Bescheidenheit das verdammt blöde Training abgeschlossen.

„Nein. Ich bin Türsteher. Ich meine, ich bin ein echter Türsteher. Ich mache diese Arbeit jeden Abend vor einer Disco in einer Gegend, die mir nicht gefällt.“
„Ach, tatsächlich?“, fragte Steven erstaunt nach.
„Weißt du, in dieser Gegend ist die Unfallrate sehr hoch. Und damit meine ich nicht Verkehrsunfälle, sondern Unfälle die beim Kämpfen entstehen. Karate, Wrestling, Mixed Martial Arts, Backyard Wrestling und son Zeug. Diese Jugendliche glauben etwas beweisen zu müssen oder finden es einfach cool sich auf der Straße wie Getto Gangster zu benehmen. So, wie die großen Film aus Amerika es ihnen vormachen. Verstehst du was ich meine?“
„Worauf willst du eigentlich hinaus?“, wollte Steven verwirrt wissen. Er konnte sich einfach nicht genau vorstellen, warum er sich mit einem Türsteher in diesem Gespräch verstrickte. Hatte das ganze hier eine tiefere Bedeutung? Oder War er möglicherweise einfach nur zu dumm das Gespräch zu begreifen?
„Ich möchte dir nur erklären, dass es dumm ist etwas zu tun, von dem man keine Ahnung hat, nur um einem Kind zu imponieren. Verstehst du das?“, erklärte der Türsteher sein handeln.

Steven Reimann sah betroffen zu Boden und kickte einige Steine weg. AnschlieĂźend drehte er sich zwei oder dreimal im Kreis, fuhr sich mit der Hand durchs Haar und nahm seine eigene Sonnenbrille vom Gesicht. Er blickte den TĂĽrsteher direkt in die Augen. Fragmente der Szene von heute Mittag entstanden vor Steves geistigem Auge.

„Auch wenn die Presse immer wieder behauptet ein Wrestling Match sei eine abgesprochene Sache, bleibt das Match dennoch gefährlich für jeden Sportler. Tue mir einen Gefallen und geh nachhause, Steven. Du hast hier nichts verloren.“
„Warum nicht? Denkst du ich kann das nicht?“, blökte Steven jetzt wie ein bockiges Kind rum.
„Du bist deinem Sohn sehr ähnlich. Er hat heute Mittag im Fitnessstudio dasselbe gesagt, als du ihn geraten hast noch ein paar Jahre zu warten, bevor er sich mit Dingen wie Kampfsport in gefährlichen Situationen bringt.“
„Das habe ich vorhin gesagt? Woher weißt du das?“, wollte Steven verdutzt wissen.
„Auch wenn meine Haut braun und dunkel ist wie die Haut eines Türken, bin ich nicht unsichtbar. Trotzdem ihr mich niemals anseht bin ich jeden Mittag im Studio. Ich kann mit meinen Augen sehen, mit meinen Ohren hören und mit meinem Hirn denken. Ich brauche keine Sonnenbrille oder einen Anzug um cool zu wirken. Nur meinen Verstand, um eine Situation zu erkennen. Verstehst du mich, Steven?“

Die Erklärung des Türstehers gefiel Steven nicht, aber er musste zugeben, dass Steven Recht hatte. Langsam erinnerte sich Steven an den Vorfall von heute Mittag genauer. Es war, wie der Türsteher sagte.

„Wenn du alles mitbekommen hast, warum hast du mich von dem Blödsinn nicht abgehalten?“
„Hättest du denn in deiner Wut auf einen fremden Türken gehört, den du noch nie zuvor gesehen hast?“
„Vermutlich nicht, nein. Eher nicht. Ich hätte dich wohl ausgeschimpft und es auf eine Prügelei ankommen lassen.“, gestand Steven sich selbst ein.
„Das habe ich vermutet. Darum habe ich gehofft, dass wir mal die Gelegenheit erhalten uns unter vier Augen zu unterhalten. In aller Ruhe, von Mann zu Mann.“, erklärte der Türsteher und hob eine Lippe an. Er schien zu lächeln.

Steven Reimann griff seine Sportasche und warf noch einmal einen Blick auf das Lagerhaus. Er musste einen Moment lang darüber nachdenken, wie er sich beinahe selbst in eine gefährliche Situation gebracht hätte. Einer Situation, vor der er seinen eigenen Sohn noch vor wenigen Stunden warnen wollte.

„Wer bist du eigentlich?“
„Ich bin Murat. Der, der in der Mittagspause hinter der Snackbar steht.“
„Okay, Murat, war gut mit dir zu reden. Vielleicht sehen wir uns mal wieder.“
„Vermutlich morgen im Studio, gegen Mittag. Ich werde Getränke und Snacks verteilen. Wie immer.“

Steven nickte zur Bestätigung. Dann drehte er sich um und ging den Weg zurück, den er gekommen war.

__________________
"Jede Geschichte beginnt mit Fantasie."

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DocSchneider
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