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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Vororte
Eingestellt am 02. 07. 2001 22:13


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Kyra
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Mar 2001

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Vororte

Ein langes Klingeln an der WohnungstĂŒr ließ Karla aus einem komplizierten Traum aufschrecken. Gerade hielt ihr ein Polizist einen alten Ausweis entgegen, darin lag das Foto eines toten Mannes. Der Polizist fragte sie, ob sie das sei. Im Pass neben dem Foto stand ihr Name. Karla hĂ€tte gerne gewusst wie der Traum weiter gegangen wĂ€re. Sie sah schnell zur Uhr, kurz nach zwei, bestimmt hatte sich jemand in der TĂŒr geirrt – bei diesem Hochhaus kein Wunder, hier wohnten die wenigsten Mieter lĂ€nger als ein Jahr. Karla lebte jetzt schon seit sieben Jahren hier. Ihrem BedĂŒrfnis so wenig wie möglich zu wohnen, kam dieser Ort sehr entgegen. Es war die betonierte Version einer Zeltstadt fĂŒr Urbannomaden - nichts endgĂŒltiges nur eine Station. Darum hielt sie es hier auch lĂ€nger aus, als in den schönen Wohnungen und HĂ€usern, die immer mit Hoffnungen und einer Zukunft verbunden waren. Dieser Ort stellte keine GlĂŒckserwartung an seine Bewohner. Das Klingeln hörte nicht auf, seufzend stand Karla auf, angelte nach den dicken Socken die sie in der Wohnung immer trug, zog ihr langes Nachthemd herunter und zwang ihren Körper, der noch in ihrem Traum verweilen wollte, zur TĂŒr zu gehen.
„Sie haben sich in der TĂŒr geirrt, wĂŒrden sie bitte sofort ihren Finger von der Klingel nehmen,“
rief Karla mit schlafrauer Stimme, wÀhrend sie durch den Spion sah.
Den Mann der vor der TĂŒr stand, hatte sie schon gesehen, wahrscheinlich im Aufzug. Es war ihr allerdings völlig gleichgĂŒltig, ob sie ihn kannte oder nicht, sie wollte zurĂŒck in ihren Traum, wollte erfahren, ob sie der tote Mann im Ausweis war, sehnte sich nach dem Augenblick, wenn ihr Körper sich wieder unter der Decke ausstrecken konnte. Manchmal dachte sie, kein anderer Mensch konnte es so genießen wie sie, ins Bett zu gehen - sich erst hineinzusetzen, die Kissen noch einmal richten, ein Buch zu greifen, die Lampe in die richtige Position bringen, um sich dann endlich mit aller Hingabe vom Bett umarmen zu lassen. Karla dachte manchmal, dies muss ein Mann fĂŒhlen, wenn er in eine Frau eindringt. Dieser Moment war in den letzten Jahren zu ihrem Orgasmus geworden, der Höhepunkt des Tages, manchmal schien er der einzige Grund zu sein, das Haus zu verlassen in ihre Buchhandlung zu gehen, zu arbeiten und zu leben. Es war natĂŒrlich nicht wirklich so, sie liebte ihr GeschĂ€ft, unterhielt sich mit vielen interessanten Menschen, hatte Freunde. Der Mann klingelte nicht mehr, blieb aber vor der TĂŒr stehen. Durch die Verzerrung des Spions sah er sehr merkwĂŒrdig aus, offenbar kam er gerade aus seiner Wohnung, er trug einen dunkelroten Bademantel, seine Arme hingen schlaff herunter, den Haarschopf hatte der Schlaf zerzaust, nur seine Augen waren wach und starrten in das kleine Loch in ihrer TĂŒr.
Karla riss sich zusammen, wenn er aus dem Haus war, musste entweder etwas passiert sein, oder er hatte sich ausgesperrt.
Karla entschloss sich, die TĂŒr zu öffnen, legte aber erst die Sicherheitskette vor. Obwohl sie ja mit ihren Mitte fĂŒnfzig fĂŒr einen so jungen Mann wahrscheinlich nicht mehr der Anlass war, aus dem Bett zu schlĂŒpfen, wenn ihn eine Sehnsucht ĂŒberkam. Durch den TĂŒrspalt linsend fragte sie,
„ist etwas passiert? Kann ich etwas fĂŒr sie tun, soll ich jemanden holen - einen Arzt oder die Polizei?“
Ihr schoss durch den Kopf - es wird doch hoffentlich nicht brennen – sie streckte den Kopf vor und schnupperte in den Gang. Nichts, kein Rauchgeruch, stellte sie erleichtert fest.
Der Mann musste ihren kurzen Schreck bemerkt haben, er hob besÀnftigend die HÀnde,
„es ist nichts passiert, sie mĂŒssen sich keine Sorgen machen. Ich weiß nicht, ob sie sich an mich erinnern, wir sind uns einige Male im Aufzug begegnet, ich wohne unter ihnen im achten Stock.“
Karla war etwas ratlos,
„warum klingeln sie dann bei mir, irgendetwas muss doch sein, wenn sie mich um halb drei wecken.“
Der Mann hob den Kopf, sah verlegen aber konzentriert in die Neonbeleuchtung des Flurs und meinte,
„ich habe auch schon bei anderen geklingelt, aber keiner hat mich ausreden lassen. Könnten sie mir bitte fĂŒnf Minuten zuhören und ihre Meinung sagen. Dann gehe ich sofort wieder. WĂ€re das möglich?“
Karla wusste nicht was sie dazu sagen sollte, so brummte sie so etwas wie eine Zustimmung und lehnte sich mit geschlossenen Augen an den TĂŒrrahmen.
Der junge Mann fing ohne Umschweife an, seine Stimme war etwas höher als vorher, Karla merkte dass er sich vorher jedes Wort zurechtgelegt hatte.
„Ich wohne mit meiner Frau und unserem Kind seit einem halben Jahr hier - wir haben jetzt ein schönes Haus am Stadtrand gefunden. Morgen ist der Umzug.“
Er atmete tief durch bevor er weiter sprach,
„vor drei Monaten habe ich eine andere Frau kennen gelernt. Jetzt weiß ich nicht, was ich tun soll, ich war noch nie so verrĂŒckt nach einem anderen Menschen, es ist Lust und Liebe. Wenn ich bei ihr bin, gehört mir die ganze Welt. Trotzdem weiß ich, wenn ich morgen mit meiner Frau und dem Kind in das Haus ziehe, wird es eine Entscheidung sein, die ich nicht wieder rĂŒckgĂ€ngig machen kann. Das andere habe ich dann verloren. Was soll ich tun? Ich weiß es einfach nicht, ich werde das machen, wozu sie mir raten. Ich kann mich nicht selber entscheiden.“
Karla verstand sofort, warum ist sie selber damals nicht auf die Idee gekommen bei den Nachbarn zu klingeln? So fragte sie,
„lieben sie ihre Frau?“
„natĂŒrlich liebe ich meine Frau und unsere Tochter, das ist etwas völlig anderes. Bei dieser anderen Frau fĂŒhle ich mich vollkommen. Ich weiß das klingt komisch, aber es ist eine Spannung die sich in wunschlosem GlĂŒck entlĂ€dt.“
Karla rÀusperte sich, bevor sie mit sorgfÀltig gewÀhlten Worten antwortete, die gleichen die ihr die beiden Male geholfen hatten, als sie vor so einer Entscheidung stand.
„Sie verwechseln da Liebe und Leidenschaft, wenn sie ihre Frau lieben, dann bleiben sie bei ihr und dem Kind. Die Beziehung zu der anderen Frau hat keine Perspektive und keine Zukunft, die Leidenschaft flacht ab, dieses GefĂŒhl reicht nicht fĂŒr eine Partnerschaft. Mehr kann ich dazu nicht sagen.“
Der Mann sah kurz zu Boden und nickte,
„danke sie haben mir sehr geholfen.“
Mit diesen Worten verschwand er aus Karlas Blickfeld und sie schloss erleichtert die WohnungstĂŒr. Mit einem befriedigten LĂ€cheln ging sie in das Schlafzimmer, manchmal war es doch gut, Ă€lter zu sein, dies alles zu kennen. WĂ€hrend sie in ihr leeres Bett schlĂŒpfte, erwachte in ihr ein unangenehmer Gedanke. Wenn sie bereits zweimal die richtige Entscheidung getroffen hatte, warum hatten dann ihre beiden Ehen nicht gehalten? War es vielleicht gar nicht die Entscheidung zwischen Liebe und Leidenschaft, sondern eher eine zwischen Vernunft und Liebe?
Karla gefiel diese Vorstellung nicht. Aber sobald sie sich der Umarmung ihres Bettes hingegeben hatte, war alles vergessen. Am nĂ€chsten Morgen sah sie dem Möbelwagen vor der HaustĂŒre parken, der Mann von gestern Abend hievte grade einen Karton in den Lastwagen, er sah fröhlich aus und als er sie erkannte winkte er ihr zu und rief,
„vielen, vielen dank fĂŒr ihre Hilfe.“



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ElsaLaska
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hallo kyra,
jetzt muss ich mich aber auch mal wieder melden.
was ich an dieser flĂŒssig heruntergeschriebenen geschichte leider bemĂ€ngeln muss, ist, daß du, die du doch bisher immer so wunderbar intensive bilder gefunden hattest, sprachlich in letzter zeit zum formelhaften neigst.z.b. der junge mann fing ohne umschweife an....das hat so was phrasenhaftes.
natĂŒrlich fĂ€ngt er ohne umschweife an, er steht ja auf glĂŒhenden kohlen und möchte endlich sein anliegen loswerden, soll er sich erst noch ein zigarette herausfummeln, das feuerzeug suchen, fragen, welche zigarettenmarke karla bevorzugt;-)?
auch ist mir die moral der geschichte irgendwie unklar, sie erscheint mir unlogisch. ausserdem scheint es mir ein klischee zu sein, dass es eine art vernunft-liebe gibt und eine andere art, die leidenschafts-liebe.
dass karla dann am schluss im bett liegend plötzlich alles vergisst? da stiehlst du dich ein bischen aus der geschichte raus, finde ich.
wir kennen uns schon ein bischen, also weiss ich, dass du meine kritik eher als freundlich-fragend empfindest, denn als vorwurfsvoll abhandelnd. hoffe ich.
liebe grĂŒsse
elsa

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flammarion
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außerdem ĂŒbernimmt die ratgeberin hier ein stĂŒck verantwortung, das sie gar nicht verantworten kann. lg
__________________
Old Icke

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ElsaLaska
Guest
Registriert: Not Yet

Verantwortung der Ratgeberin

hallo flammarion,
das halte ich nicht fĂŒr "unlogisch" oder "unmotiviert"...
ich meine, es ist klar, dass das die pointe sein soll:
ein mann lÀuft durch einen wohnblock und da er niemanden sonst hat, klingelt er halt alle nachbarn durch. er könnte genauso gut fragen: soll ich ab morgen joggen gehen oder lieber einen herzinfarkt riskieren?
gerade die beliebigkeit, mit der der mann seinen ratgeber sucht, zeigt auch die beliebigkeit seiner sozialen kontakte, seines ganzen lebens. ER muss verantwortung fĂŒr sein leben ĂŒbernehmen, das kann er nicht. also kann er genausogut wahllos irgendeinen ratschlag annehmen. das ist dann wie wĂŒrfeln.
wenn das die pointe ist, was kyra erst noch bestĂ€tigen muss, dann halte ich sie fĂŒr eine gute grundlage einer short story oder gar novelle.
liebe grĂŒsse
elsa

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Kyra
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Registriert: Mar 2001

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Hallo Elsa

Hallo Els

Du schreibst:
ER muss verantwortung fĂŒr sein leben ĂŒbernehmen, das kann er nicht. also kann er genausogut wahllos irgendeinen ratschlag annehmen. das ist dann wie wĂŒrfeln.
wenn das die pointe ist, was kyra erst noch bestĂ€tigen muss, dann halte ich sie fĂŒr eine gute grundlage einer short story oder gar novelle.

damit hast Du es völlig richtig interpretiert. Er hĂ€tte auch wĂŒrfeln können, nur ist das GefĂŒhl der Beliebigkeit etwas kleiner wenn man eine "erfahrene" Ă€ltere Dame fragt. Pech hat man allerding dann, wenn sie es auch immer (vielleicht) verkehrt gemacht hat.
Ich hatte Freundinnen die das I-Ging befragten, pendelten oder so..., da erschien es mir netter wenn man eine Nachbarin frag, die möglicherweise ihr Leben genauso versaut hat (oder auch nicht) genau kann man ja nie was sagen, jeder Weg schließt den anderen aus..;-)

Liebe GrĂŒĂŸe

Kyra

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Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Finde den Schreibstil leider nicht so flĂŒssig. Auch die Tatsache, dass ein Mitbewohner an einer TĂŒr klingelt und nach einer "intimen" Auskunft bittet, ist etwas unglaubwĂŒrdig.
Aber sonst macht die Story Freude. Sie ist eine eigenstÀndige Geschichte und regt vom ersten bis letzten Satz an weiter zu lesen.
Feile noch etwas an der Story, es lohnt sich.

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