Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5437
Themen:   92201
Momentan online:
418 Gäste und 12 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Humor und Satire
Vorsicht: Ziegen!
Eingestellt am 20. 11. 2006 11:39


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Seshmosis
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Nov 2006

Werke: 9
Kommentare: 6
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Seshmosis eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Vorsicht: Ziegen!

Kennen Sie Ziegen? Ich meine nicht die zweibeinigen, die sturen Böcke und die anderen, die man als doof bezeichnet. Ich meine die echten Ziegen auf vier Beinen und mit dem dicksten DickschÀdel der Welt.
Wer, wie ich, lĂ€ngere Zeit mit einer oder gar mehreren Ziegen zusammenlebt, weiß wovon ich rede. Schnell wird einem klar, warum die alten Griechen ihrem Ur-Wolpertinger, der ChimĂ€re, den Leib einer Ziege gaben. Eine ChimĂ€re ist ein falsch zusammengesetztes Puzzletier, das einen Löwenkopf hat und einen Schlangenschwanz. Dazwischen, wie gesagt, ist Ziege. Viel Ziege. Das altgriechische Wort „ChimĂ€re“ bedeutet ĂŒbrigens ganz schlicht – Ziege!
Das Hauptproblem, das Menschen mit Ziegen haben, grĂŒndet sich in der Tatsache, dass Ziegen keineswegs dumm sind, sondern hochintelligent. Nun hat der Mensch schon immer und von Haus aus Probleme mit intelligenten Lebensformen. Besonders mit KĂŒnstlern, Schriftstellern und eben Ziegen.

FĂŒr mich fing alles damit an, dass ich meiner Frau vor einigen Jahren eine Ziege namens Rosa zum Geburtstag schenkte. Sie freute sich. Sie freute sich so sehr, dass sie den Tag und den Abend mit Rosa verbrachte. Die fĂŒr das Abendessen geplanten HĂŒhnerkeulen verwandelten sich derweil in der Röhre in HĂŒhnerkohle. Ab diesem Moment hĂ€tte ich es wissen mĂŒssen.
Lassen Sie mich daher einige Dinge aufzeigen, die jenseits des ĂŒblichen Erfahrungshorizonts von Ziegenmilch, ZiegenkĂ€se und Ziegenbraten liegen.
Die Urmutter aller Ziegen und Ursache fĂŒr ihre grenzenlose Arroganz ist Almathea, die Ziege, die dem griechischen Obergott Zeus mit ihrer Milch das Leben rettete.
Weil der Göttliche den Ziegen dann aber keine Beachtung mehr schenkte, haben sie aus Rache die griechischen Inseln kahlgefressen, wie jeder Tourist vor Ort in Augenschein nehmen kann.
SpĂ€ter haben die Juden die Ziege zum SĂŒndenbock gemacht und in die WĂŒste geschickt. Seither kommt von dort nicht nur Gutes zurĂŒck.
Bei den alten Ägyptern waren Ziegen hoch im Kurs. So war der ziegenköpfige Gott Chnum derjenige, der den Himmel auf vier feste SĂ€ulen stellte, damit er den Menschen nicht auf den Kopf fĂ€llt. Er war es auch, der die Menschen aus feuchtem Ton, sprich Dreck, auf der Töpferscheibe formte. Zu den Überirdischen zĂ€hlt auch der göttliche Ziegenbock Ba-neb-dĂȘdet, Symbol der Zeugungskraft und Fruchtbarkeit, zu dem jahrhundertelang die Frauen um Kindersegen und MĂ€nner um Potenz beteten.
All dies haben die Menschen vergessen oder höchstens in regionalen Geschichten ĂŒberliefert. Die Ziegen aber wissen es! Durch ihr immens gutes RassegedĂ€chtnis erinnert sich jede einzelne Ziege an alles, was jede Ziege seit Beginn der Schöpfung erlebt hat. Und das lassen sie uns Menschen spĂŒren. Tag fĂŒr Tag.
Da schauen sie uns an, mit dem Löwenkopf, den die ChimÀre trÀgt.
Durch ihr Verhalten machen sie uns klar, wie die Rangordnung aussieht. Dort oben, noch ĂŒber dem Olymp mit Zeus und den anderen Göttern, sie, die Ziegen. Ganz weit unten, noch unter der Grasnarbe, die ja schließlich Futter bietet, wir, die Menschlein.
Apropos Futter: In der jĂŒdischen Kabbala kennt man verschiedene Formen der Intelligenz. Da gibt es zum Beispiel die „reine Intelligenz“, die „spirituelle Intelligenz“ und die „ordnende Intelligenz“. Die Ziegen haben eine weitere Form entwickelt, die „gefrĂ€ĂŸige Intelligenz“.
Das beginnt bereits damit, dass Ziegen Appetit auf rund 160 verschiedene Pflanzen haben, im Gegensatz zu KĂŒhen, die es auf lediglich 40 Sorten bringen. Bei Ziegen kommt jedoch eine große Zahl von NahrungsergĂ€nzungsstoffen hinzu, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, denn ich lebe seit Jahren mit Rosa, einem Prachtexemplar dieser Gattung zusammen. Zu dieser absolut lebenswichtigen Zusatznahrung zĂ€hlen Schokolade (bevorzugt mit NĂŒssen), Lakritz und Weingummis. Gerne genommen werden auch Pfefferminzbonbons, die den Atem erfrischen.
Die Ziege kennt im Prinzip nur zwei LebenszustÀnde: Fressen und WiederkÀuen.
WĂ€hrend beim Fressen ihre Gedanken ausschließlich auf die Nahrungsbeschaffung gerichtet sind, lĂ€sst sie ihre Gedanken beim WiederkĂ€uen gerne schweifen. Dann erinnert sie sich an die große Vergangenheit ihrer Rasse und ĂŒberlegt, wie man diesen Zustand wieder herstellen kann. Rosa versucht dies jeden Tag.
Das fĂ€ngt bei den nachmittĂ€glichen SpaziergĂ€ngen an, wo sie stets in die entgegengesetzte Richtung will wie ich. FĂŒhle ich mich wohl und will lĂ€nger an der frischen Luft bleiben, zieht es sie bestimmt schnell nach Hause. Habe ich es eilig, weil ich noch Besuch erwarte, wĂ€hlt Rosa garantiert jeden Grashalm einzeln aus und hĂ€lt mit ihm ein intensives stummes ZwiegesprĂ€ch, bevor sie ihn frisst. Habe ich mal gar keine Lust rauszugehen, schreit sie garantiert das halbe Dorf zusammen und jeder denkt, jetzt schlĂ€gt er das arme Tier.
Will ich sie gegen ihren Willen in den Stall bringen, tritt sie mir zielsicher schmerzhaft auf den Fuß, und das ohne hinzusehen. Ganz besonders liebt es Rosa, plötzlich einen Haken zu schlagen und sich sofort auf die Pflanzen zu stĂŒrzen, die fĂŒr sie absolut Tabu sind: Den sorgsam gehegten Apfelbaum, die gerade prĂ€chtig blĂŒhenden Rosen oder die empfindliche Rinde des Quittenbaums.
So liebenswert hinterhĂ€ltig Rosa ist, so Ă€tzend wehleidig ist sie auch. Im Winter verlĂ€sst sie den Stall nur mit warmer Kleidung. Sie trĂ€gt dann einen alten Pullover von mir oder einen eigens angeschafften, feuerroten Hundemantel fĂŒr Bernhardiner.
Trotz all dieser Eigenarten wird Rosa von allen geliebt, sogar von mir. Weil ich gelernt habe zu akzeptieren, dass sie mir haushoch ĂŒberlegen ist. Schließlich hat sie doppelt so viele Beine wie ich und wenn sie sich aufrichtet, ist sie zwei Meter groß. Und man ist ja froh, wenn man jemanden hat, zu dem man aufsehen kann.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
einfach

köstlich.
weiter so!
lg
__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen    


nachtlichter
Guest
Registriert: Not Yet

Hey Seshmosis,

absolut sympathisch, die Rosa Ziege und ihre Geschichte – da lacht mein tierfreundliches Herz, zumal wir vor einiger Zeit eine unheimliche Begegnung der tritten Art mit so einem Tier hatten. Die aus ihrer in Personalunion mit einer Stute begrasten Koppel ausgebrochene Ziege begrĂŒĂŸte mich freundlich, so dass ich mich eine Zeitlang mit ihr unterhielt, wĂ€hrend mein sichtlich gelangweilter Robin Hund ins Dösen verfiel. Das provozierte nun die Schwarzweißgefleckte. Sie nahm ohne Vorwarnung Anlauf und knuffte meinen kleinen Braunen ordentlich in den Allerwertesten, so dass dieser vor Entsetzen laut aufschrie und einen Satz machte. Mein Lachanfall ließ sich beim besten Willen nicht unterdrĂŒcken und so beschloss ich, unverzĂŒglich mit dem zutiefst gekrĂ€nkten Hund von dannen zu ziehen. Im Augenwinkel bemerkte ich gerade noch rechtzeitig, dass die Gehörnte schon wieder Anlauf nahm und dieses Mal auf meine vier Buchstaben zielte, sie jedoch wegen meines behenden Sprungs zur Seite verfehlte. Robin Hund und ich mußten daraufhin rĂŒckwĂ€rts und laut schimpfend den Ort des Geschehens verlassen...

Nee, sie sind ganz einfach liebenswert – gerade wegen ihres Dickkopfes!

Deine Story ist einfach gut geschrieben, zeugt von viel Humor und VerstĂ€ndnis fĂŒr mehrbeinige Lebewesen. Ich schließe mich flammarion an – mehr davon!

Lieben Gruß

nachtlichter

Bearbeiten/Löschen    


maerchenhexe
???
Registriert: Nov 2006

Werke: 42
Kommentare: 519
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um maerchenhexe eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Hallo Seshmosis

bitte mehr von Rosa. habe mich köstlich amĂŒsiert beim Lesen deiner Geschichte. Habe auch schon ganz "persönliche" Erfahrungen mit Ziegen hinter mir.

lieber Gruß

maerchenhexe
__________________
Tend the garden, that you seeded,
be a friend, where a friend is needed and you won't have to look round the other way.

Bearbeiten/Löschen    


Marcus Richter
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Jan 2003

Werke: 73
Kommentare: 552
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Marcus Richter eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Absolut,

an diesem Text gibt es wirklich nichts zu "meckern",

mit freundl. GrĂŒssen,
Marcus
__________________
"Ein Wort aufs Papier und wir haben das Drama."
Durs GrĂŒnbein

Bearbeiten/Löschen    


ZurĂŒck zu:  Humor und Satire Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!