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Leselupe.de > Gereimtes
Vulgäre Töne
Eingestellt am 05. 05. 2003 12:05


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Penelopeia
Autorenanwärter
Registriert: Nov 2002

Werke: 149
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Kommt mein Kollege heut morgen an
mit völlig zerzausten Haaren.
Ob er sich zu Hause nicht kämmen kann? -
Schweigen. Dann läßt er einen ...

Vor'm Mittag klopf ich an seine Tür:
"Kommst du, Zerzauster, zum Essen?" -
"Gut", sagt er, "tun wir was für's Magengeschwür:
Gehn wir gemeinsam fressen!"

Drauf zeig ich ein nicht sehr erfreutes Gesicht:
Ob ihm eine Laus gelaufen..? -
"Was heißt hier: Laus über Leber!" bölkt er.
"War gestern einen saufen!"

Ich murmle etwas von inn'rer Balance,
die aus dem Gleichgewicht wäre,
und füge Worte hinzu von Anstand,
Benehmen und Menschenehre...

Das wär es ja grad, so macht er sich Luft:
Die Einsicht, ganz zu gehören
zu jener dekadenten Menschheit,
würde frustriern und verstören...

"Ach so", sag ich, "gut, komm mit mir auf's Klo:
Ich werde Dir was beweisen."
Ob ich ihm etwa vormachen wollt'
wie man da täte sch...?

So zog ich das Lästermaul mit mir dahin,
wo Spiegel hängen an Wänden.
Ich würde, versprach ich ihm dabei,
seine Mißlaune beenden.

Wir stellten uns vor einem Spiegel auf.
"Du mußt", sprach ich, "hinein gaffen!
Wie tröstlich die Wahrheit, wenn du erkennst:
Du gehörst mehr zu den Affen..!"

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blaustrumpf
???
Registriert: Mar 2003

Werke: 20
Kommentare: 735
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Hallo, Penelopeia

Also, du kennst vielleicht Leute...

Ich habe herzlich gegrinst. Und deine Verse sind wirklich schön, die edle Größe des "Kommst du, Zerzauster, zum Essen?" macht mich gar schaudern.

Vor Wonne.

Schöne Grüße von blaustrumpf


__________________
Dafür bin ich nicht aus dem Schrank gekommen, um mich in eine Schublade stecken zu lassen.

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Penelopeia
Autorenanwärter
Registriert: Nov 2002

Werke: 149
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edle Größe...

Hallo Blaustrumpf,

danke für's "Hochwohlmeinende"... Ich dachte mir, da ich den Kollegen so ansprach, man solle doch halbwegs nachsichtig-liebevoll mit so kleinen Äffchen - bzw. Schweinchen - umgehen...

Liebe Grüße

Pen.

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Klopfstock
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo, Pen,
immer wenn ich dieses Gedicht lese, und ich tat es schon
einige Male, stelle ich mir vor, wie der Liedermacher
Reinhard Mey es mit leisen Tönen zur Gitarre vorträgt.
Das sollte jetzt ein Kompliment sein.
Langsam kriege ich immer mehr Spaß an Deinen "Lästermaul-Sachen"...*zwinker*...Ganz am Anfang, bei einem Deiner
ersten Gedichte, die ich las, dachte ich von "Perfektions-Gewohnheiten" geprägt, nur, es holpert ))
Aber je mehr ich mich in Deine Sachen hineinlese, desto
mehr komme ich zu der Überzeugung, das ist ja gerade das
Reizvolle daran, dieses etwas Ungehobelte,nicht so Glatte.
Du spielst eine sehr eigene und für mich inzwischen sehr
reizvolle Melodie, in die man sich die Mühe geben muß
hineinzuhören. Man muß sich Zeit nehmen, darf Deine Sachen nicht einfach so "überfliegen".
Das ist wie bei atonaler Musik, die ist einem auch nicht
sofort zugänglich. Aber, wenn man erst einmal dahinter kommt, entdeckt man, was andere übersehen oder überhört haben, diesen gewissen eigenen Reiz der Sache.
Und man sieht vieles mit anderen Augen.
Der Mensch lernt halt nie aus.
Wenn Dein Kollege wirklich so ist, scheint es ein "kleines
Ferkel" zu sein
Wenn Du es Dir nur ausgedacht hast, dann hast es gut gemacht ))

Wünsche Dir einen schönen
un sonnigen Tag und mach weiter so!!!
Liebe Grüße

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Penelopeia
Autorenanwärter
Registriert: Nov 2002

Werke: 149
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reizvolle Melodie...

Hallo Klopfstock,

das war ja ein überdickes Lob! - Ich werd' ganz rot vor Scham... Wiewohl es, das gebe ich auch zu, gut tut... Vielleicht noch eine Erklärung zu meinem Stil: eigentlich hab ich gar keinen - eigenen. Ich las und lese immer noch gern H. Heine, er ist für mich das unerreichbare Vorbild hinsichtlich melodischer Versgefüge. Die Puristen haben ihm häufiger Vorwürfe gemacht. Das begann mit Goethe, der ihn einen "Gassenjungen" nannte, und ist noch nicht beendet mit den modernen "Erbsen- und Silbenzählern". Die werfen ihm vor, er habe, vor allem in seinen Spätwerken, massiv die Gesetze von Reim und Metrum verletzt. Beispiele dafür meinen sie viele zu finden. Tatsächlich kann man, z.B. in "Deutschland, ein Wintermärchen", sehr eigenartige "Versbauten" finden. Ich will das hier nicht näher analysieren bzw. mit Beispielen belegen, nur: sie klingen trotzdem harmonischer oder, wenn er es wollte, "atonaler" - Dein Vergleich - als viele andere Werke bekannter Autoren, und sie entfalten zumeist eine schwer zu übertreffende Wirkung...
Ja, und so schreibe ich vor allem aus der ständigen Versuchung heraus, dem Geheimnis dieser Sprachmelodien, die sich mit den bekannten Regeln nicht erklären - schon weil sie diese gelegentlich einfach ignorieren - auf die Spur zu kommen...

Liebe Grüße

Pen.

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