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Leselupe.de > Erotische Geschichten
W ä s c h e g e f l ü s t e r
Eingestellt am 17. 06. 2001 15:26


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Ralph Ronneberger
Foren-Redakteur
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W ä s c h e g e f l ü s t e r

(Eine wahrlich nicht ernsthaft gemeinte Nachbetrachtung zum Spreewaldtreffen. Ähnlichkeiten mit noch lebenden Personen oder vorhandenen Textilien sind daher rein zufällig))


Eigentlich bin ich ja sehr für Reinlichkeit, und ich fände die zwei Stunden in der Waschmaschine auch als durchaus angenehm, wenn es in der Trommel nicht immer so furchtbar eng zugehen würde. Also, unter Platzangst darf man da nicht leiden. Aber es gibt auch angenehme Seiten. Wo trifft man beispielsweise sonst so viele unterschiedliche Leute auf einmal? Wo sonst könnte man so viele Neuigkeiten erfahren?
"Mach doch ein bißchen Platz! Es müssen ja auch noch andere herein!" knurre ich allerdings recht unfreundlich, weil sich ein besonders speckiges T-Shirts so ungehörig breit macht.
"Gerade erst zum dritten Mal hier und schon die große Fresse", faucht ein angegrautes Unterhemd giftig.
Das gilt mir. Immer diese Alteingesessenen! Als Neuer hat man bei ihnen möglichst die Klappe zu halten. Dabei muß sich das vorsintflutliche Stück dankbar schätzen, nicht schon längst zum Putzlappen degradiert worden zu sein.
"Er denkt eben, er sei was Besseres. Nur weil er sich Oberhemd nennen darf", höhnt eine der beiden dunklen Socken, deren penetranter Körpergeruch mir die Tränen in die Knopflöcher treibt. Ich habe schon eine bissige Erwiderung auf der linken Kragenecke, als ich einen derben Stoß verspüre und unsanft auf einem der einstmals knallbunten Slips lande. Schuld ist die als besonders taktlos bekannte Jeany, die ihren steif voluminösen Körper natürlich auch noch in die Trommel zwängen muß. Wenn jetzt noch das Badetuch... Nein, wir haben Glück. Mit softigem Klack schließt sich das Bullauge. Erwartungsvolle Stille. Dann mehrere rastende Geräusche.
"Dreißig Grad", stellt eine der Socken fachmännisch fest.
"Scheiße, da gehen die Grasflecken an meinen Knien nie raus", knurrt Jeany "Diese lausige Männerwirtschaft ist zum Kotzen."
"Genau. Mir würden sechzig Grad auch mal wieder gut tun", pflichtet das Unterhemd bei.
"Denkste, davon geht dein Grauschleier weg? Glaub mir, der ist chronisch," kichert Schirri, das Küchenhandtuch.
Die gehässige Antwort geht im Rauschen des einströmenden Wassers unter. Alle beginnen stumm zu saugen.
"Iiii...Brrr... wieder diese stinkigen Aldi-Tabs! Wenn er jetzt noch den Weichspüler vergessen hat, werd ich zum Feudel", blubbert eines der T-Shirts. "Na, dem zeige ich beim Bügeln, was ne Falte ist."
Beifälliges Gemurmel in der Trommel, das erst unterbrochen wird, als sich ein piepsiges Stimmchen vernehmen läßt, das kläglich fordert, endlich rausgelassen zu werden. Man stutzt, schaut sich fragend an.
"Das ist ein Taschentuch. Ralph hat es in mir stecken lassen", klärt uns Jeany auf.
"Das geht ja noch. Mir ist da etwas viel Schlimmeres passiert. Bei mir vergaß er sogar den Kugelschreiber aus der Brusttasche zu nehmen. Seit dieser Sauerei..."
"...bist du nur noch ein Arbeitshemd", kommt es im Chor zurück. Wir kennen diese Geschichte längst. Das einstmals blütenweiße Sonntags-Nachmittags-Ausgehhemd erzählt sie bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit.
Zum Glück beginnt sich gerade die Trommel zu drehen, und da diesem einstmals so vornehmen Stück dabei immer leicht schwindlig wird, bleibt uns die Story diesmal erspart.
Ein paar Runden rechts herum. Kurzes Verschnaufen - dann ein paar Runden links herum. Macht richtig Spaß. Wir werden übermütig, klatschen wild aufeinander, verknäulen uns, stürzen uns eng mit irgendeinem Kumpel verschlungen in das schaumige Wasser, um uns dann triefend an der Trommelwand klebend wieder heraus ziehen zu lassen. Wir genießen minutenlang dieses Spiel, ehe es langsam Routine wird und allmählich wieder ein Gespräch in Gang kommt.
Es sind die üblichen Belanglosigkeiten aus dem textilen Alltag. Während ich der dahinplätschernden Unterhaltung lausche, merke ich, wie eines der T-Shirts immer wieder meine Nähe sucht und sich schließlich gänzlich an mir fest klammert. Wir nennen es Nikotino, weil Ralph es immer trägt, wenn er im Arbeitszimmer am Computer sitzt und soviel qualmt, daß selbst ein geöffnetes Fenster den Nebel nur kurzzeitig aufzureißen vermag. Nikotino riecht daher immer recht streng, und selbst jetzt, wo er schon einige Male durchs Wasser gezogen wurde, haftet noch ein leichter Marlboro-Hauch an ihm. Nikotino ist aber bei allen sehr beliebt, weiß er doch immer interessante und manchmal auch lustige Geschichten aus dem Internet zu erzählen. In einer "Drehpause" rückt er wieder ganz dicht an mich heran, und ich fühle mich fast ein wenig geschmeichelt.
"Du Sannrich, sag mal. Wie war es denn eigentlich am vergangenem Sonnabend?" Auch er nennt mich Sannrich. Fast alle tun das. Nur weil ich mal stolz verlauten ließ, dass ich aus der sündhaft teuren Boutique "Susanne" am Markt stamme.
"Sonnabend?" sage ich gedehnt und lasse mein Gedächtnis anlaufen. Ich gebe ja zu - im Denken bin ich eh manchmal etwas langsam. "Ach so. Du meinst den Treff mit den Berliner Lupianern."
Nikotino hatte mir schon früher mal von ihnen erzählt. Wie gesagt: er hockt ja immer mit vor dem Bildschirm und kennt natürlich die vielen Geschichten, Gedichte und Diskussionen aus der Lupe. Ich hatte bisher nie das Glück, aber dafür durfte ich bei der mit Spannung erwarteten Begegnung dabei sein.
"Ach, einfach nur schöööööön", sage ich und lasse offen, ob dieser Ausruf des Entzückens nun dem Erleben am vergangenem Wochenende oder der eben wieder einsetzenden Karussellfahrt gilt.
"Das kann ich mir vorstellen. Aber erzähl doch mal. Was habt ihr angestellt und vor allem... wie sind sie denn nun, die Damen und Herren Autoren?"
"Nette Leute!" kann ich gerade noch rufen, ehe ich von Jeany gnadenlos in die langsam wärmer werdende Lauge gedrückt werde.
"Mensch, paß doch auf!" japse ich ungnädig, als mich die Trommel wieder nach oben zieht. Jeany tut, als hätte sie nichts gehört.
"Die iss sauer, weil sie wegen ihrer Grasflecken nicht mit durfte", raunt mir Nikotino zu. "Aber nun erzähl doch mal."
Ich weiß, ich werde vor ihm keine Ruhe haben und versuche einen in möglichst knappe Sätze gekleideten Bericht zu geben.
"Tja - also gegen 8.00 Uhr hat Ralph mich aus dem Schrank geholt. An der fahrigen Art, mit der seine Finger an meinen Knöpfen zerrten, merkte ich, daß er spät dran war. Obendrein schien er noch hundemüde zu sein. Na, ich aber auch! Stell dir vor - früh um drei - ich hänge gerade im Tiefschlaf auf dem Wäschetrockner - da reißt er mich vom Gestell und haut mich brutal aufs Bügelbrett. Wo ich doch eigentlich..."
"Ich weiß, er hat noch eine Ewigkeit mit Ole telefoniert. Aber weiter. Ihr wart also spät dran."
"Ja, das Frühstück wurde halb im Stehen eingenommen und dann ging es ab. Ich ahnte schon, er würde den Wagen wieder fürchterlich schinden - aber Pustekuchen. Auf der Autobahn waren fast durchweg nur 80 km/h erlaubt, und jede Menge Sonntagsfahrer vor ihm auf der größtenteils einspurigen Strecke hielten sich auch daran. Kein Überholen möglich. Ralph wurde immer nervöser. So ließ sich die mit flammarion ausgemachte Uhrzeit nicht einhalten. Er wollte sie nämlich spätestens dreiviertel zehn am Prenzlauer Berg auflesen. Kurz nach halb zehn hingen wir aber immer noch am Adlergestell rum. Er rief also bei flammarion an und... stell dir vor, die flammarion fiel aus allen Wolken, weil er schon in Berlin war."




"Das verstehe ich nicht", brummt Nikotino.
"Na, bei der ging doch der Wecker um Etliches nach. Ich glaube bei ihr war es erst kurz nach acht. Und sie noch im Nachthemd", kichert es hinter mir.
Ich brauche mich nicht zu verrenken, ich kenne die Stimme. Sie kommt von dem dunkelblauen Pyjama-Oberteil. Eigentlich ein ziemlich lahmarschiger Geselle. Deshalb wird er auch immer nur Nachtjacke gerufen.
"Woher weißt du das?" frage ich erstaunt.
Nachtjacke grinst über den ganzen Kragen, doch dann läßt er sich zu einer Erklärung hinreißen.
"Als Ralph am Sonntag so gegen Mittag endlich aus dem Bett gefunden hatte, galt sein erster Blick dem Computer-Bildschirm. Und was soll ich sagen, da stand doch in der Lupe bereits ein kompletter Bericht über das Treffen. Dort las ich auch über die Sache mit dem Wecker. Und wißt ihr, von wem der Bericht verfaßt war? Ja - genau von dieser flammenden Marion. Die scheint eine ganz Ausgeschlafene zu sein."
"Isse auch!" werfe ich hastig ein, um das Gespräch wieder an mich zu ziehen. Doch Nachtjacke läßt mich nicht zu Wort kommen. Er hat sich flammarions Bericht genau gemerkt und zitiert ihn so, dass man glauben könnte, er sei dabei gewesen. Ich gebe ja zu, daß er sehr gut erzählen kann. Aber irgendwie wurmt es mich. Er wird erst unterbrochen, als er von der Insel am Lübbener Hafen erzählt. Wasserspielplatz, Labyrinth, Würstchenbude - nichts läßt er aus.
"Ach ja - diese Insel möchte ich auch mal sehen", seufzt das einstmals gute Oberhemd. "Aber ich tauge ja nur noch als..."
"Mann, nun sei mal nicht traurig", tröstet ihn Schirri. "Du warst dafür schon in der Oper."
"Warn wir auch", gröhlen die dunklen Socken im Chor.
"Habt bloß nischt gesehen", höhnt Jeany
"Na und? Dafür haben wir den ganzen Abend mit ihrer Strumpfhose geflirtet", grinsen die Socken.
"Hach, was ist das schon", mischt sich jetzt der grüne Slip ein. "Ich habe eine ganze Nacht lang auf ihrer weinroten Reizwäsche zugebracht. Ich kann euch sagen: Die war Spitze! Im wahrsten Sinne des Wortes. Und ein Duft ging von ihr..."
"Ach halt die Klappe, Du alter Matscho!" fährt ihm Schirri dazwischen. " Das ist jetzt über zwei Jahre her, und seitdem ist sie nie wieder hier gewesen. Vergiß dein Fräulein Dessous. Inzwischen ist sie wahrscheinlich längst in der Kleidersammlung gelandet. Die siehst du nie wieder. Und wenn sie hier noch den Haushalt führen würde, dann wärst du verwaschener Lustmolch auch längst ausgemustert."
"Darf ich jetzt vielleicht weiter erzählen?" knurrt Nachtjacke ein wenig gereizt. Komisch. Mich fragt keiner. Und so muß ich zuhören, wie Nachtjacke begeistert von der Kahnfahrt durch den Unterspreewald erzählt. Nur Jeany murmelt etwas Abfälliges. Ich verstehe nur: "Olle Kahnfahrt" und "stinklangweilig". Na ja, sie wird von Ralph meist auf der Arbeit getragen und darf deshalb auch häufig bei Wind und Wetter mit auf dem Kahn rumschippern. Derweil schwärmt Nachtjacke von Mutter Natur, von der Stille auf dem Wasser, von den blauen Libellen-Hubschraubern und den ebenfalls blauen Vergißmeinicht, die sogar mitten im Wasser blühen.
"Man fühlte sich zeitweise, wie von jeglicher Zivilisation abgeschnitten", behauptet Nachtjacke.
"Aber wir hatten immer Funkkontakt mit der Außenwelt", werfe ich schüchtern ein. "Moloe ist nämlich Funker und hat ständig SOS-Rufe abgesetzt."
"Häh?!"
"Na ja - macht man doch so auf See, was soll... und außerdem habe ich gehört, wie er sich mit Martin..."
"Mensch, daß heißt SMS - du Knallhemd!" wiehert Jeany los und haut mir vor Vergnügen ihre wassergesättigten Beine um den Kragen. Die ganze Trommel dröhnt vom aufkommenden Gelächter.
Nikotino rettet mich, indem er auf das Thema zurück kommt und meint, daß man sich auf dem engen Kahn doch erst so richtig kennengelernt haben muß. "Was sind denn das nun für Typen?" will er wissen.
Ich schicke ein triumphierendes Lächeln zu Nachtjacke hinüber. Tja - Selbsterlebtes läßt sich eben nicht durch Angelesenes ersetzen.
"Och - die war'n alle schwer in Ordnung. Und überhaupt nicht eingebildet, wo sie doch so berühmt sind."
"Berühmt?"
"Ja ganz bestimmt. Zum Beispiel die Lisa. Ein hübsches nettes Mädchen und sehr ruhig - auf den ersten Blick. Und schöne Gedichte schreibt sie auch. Und das Tollste... sie ist Bauchtänzerin!"
"Waaas? Da habe ich ja im Chat noch nie was von gelesen", murmelt Nikotino und schickt einen fragenden Blick zu Nachtjacke. Der zuckt auch nur mit den Schultern.
"Na ja. Für solche Art von Tanz mag sie ja vielleicht zu schlank sein, aber zumindest ging sie bauchfrei und im Nabel glänzte ein wunderschönes Schmuckstück."
"Wird wohl ein gewöhnliches Pircing gewesen sein",vermutet Nachtjacke.
"Weiß nicht, wie es heißt. Sah aber sehr hübsch aus."
"Na schön. Also Lisa ist berühmt. Und die anderen?" Nikotino grinst ein wenig nachsichtig. Gilt das mir?
"Hm. Also bei Martin bin ich mir da ganz sicher. Seine Gedichte zählen zu den besten. Deshalb war er ja auch Autor des Monats. Und goldenes Mitglied ist er auch. Und weil er immer so den Durchblick und ein ruhig ausgleichendes Wesen hat, wurde er vor kurzem sogar Minister."
"Was denn? Kultusminister in Berlin?" Nachtjacke bleibt vor Staunen fast die Luft weg.
"Nee, nich in Berlin. Da heißt das ja auch Senator. In der Lupe! Zwar nur Minister a.D. - das verstehe ich zwar nicht, aber..."
"Oh, du heilige Einfalt. Du meinst Administrator!"
"Oder so. Iss ja auch egal. Jedenfalls ist er was ganz Hohes, und die anderen meinen, das hätte er auch verdient und er sei genau der Richtige auf einem solchen Posten."
Zum Glück ist jetzt niemand anderer Meinung, und so kann ich fortfahren. Meine Wahl fällt auf flammarion. Daß die berühmt ist, kann wohl niemand bezweifeln. Sie hat sogar schon Theater gespielt, sozusagen auf den Brettern gestanden, die die Welt bedeuten. Auf diesen Brettern hat sie auch gesungen. Von ihren Sangeskünsten konnte ich mich auf dem Kahn selbst überzeugen. Ich erzähle auch, daß sie dem Ralph eine ganze Kassette mit lauter Liedern von sich geschenkt hat. Die dudelt jetzt immer in seinem Auto, weil der arme Kerl ja nicht mal einen Kassettenrecorder in der Wohnung hat.
"Und außerdem schreibt sie ihre Memoiren - und das machen nun mal nur prominente Persönlichkeiten", setzte ich noch einen drauf und ernte diesmal ernsthaftes Nicken.
Und diese Reneè", fahre ich fort. "Die ist nicht nur berühmt, sondern obendrein schwer reich. Stellt euch vor, die kann sich sogar einen eigenen Leib-Lektor halten. Und der war sogar mit. Sie braucht ihn aber wohl auch dringend, denn sie scheint viele Neider - zumindest aber üble Kritiker zu haben. Auf dem Kahn sprach sie fast unentwegt von einem gewissen Sucher. Keine Ahnung, wer das ist. Aber der Lektor - Stephan heißt er - der scheint ihr wirklich den nötigen Rückenhalt geben zu können. Übrigens, so, wie die beiden miteinander umgingen, gewann ich fast schon den Eindruck, sie seien ineinander verliebt."
"Verliebt in ihren Lektor, daß ich nicht lache", prustet der grüne Slip. "Bei dieser Berufsbezeichnung hast Du wohl ein "c" vergessen."
"Hat denn der alte Zausel immer nur Thema "Eins" im Schritt?" entrüstet sich Schirri und droht ihm mit dem Aufhänger.
"Immer zweideutig, genau wie Ole", nicke ich. "Na ja. So sind nun mal die Mediziner."
"Mediziner?" kommt es fragend im Chor zurück.
"Na klar. Schließlich handelt sein meistgelesenes Werk von Risiken und Nebenwirkungen einer bestimmten, auch als Heilmittel verwendeten Droge. Muß ein recht geheimnisvolles Zeug sein. Kommt wahrscheinlich aus den Tropen. Dort muß sich Ole eine Weile rumgetrieben haben, denn mit Urwaldtrommeln versteht er wohl auch umzugehen. Vielleicht eine Art Albert Schweizer."
"Meinst Du wirklich?" fragt Nikotino wieder mißtrauisch. "Soviel ich weiß arbeitet er in Berlin bei Siemens."
"Na ja, jetzt vielleicht. Wird wohl ne Stelle als Betriebsarzt dort haben", vermute ich und merke, daß mir die anderen nicht so recht glauben wollen. Also Themenwechsel. Ehe sie mich wieder alle auslachen.
Also schildere ich flammarions tragischen Sturz, als sie aus dem Kahn aussteigen wollte, berichte über das Kaffeetrinken in der Mückenburg äh Müggenburg, erzähle von der lustigen Runde die zum Abendessen beim Chinesen (der ein Vietnamese war) zusammen saß und bewundere Lisas auserlesenen Geschmack bei der Auswahl kostbarerer Elefanten-Skulpturen. Ab und zu werde ich natürlich von Nachtjacke besserwisserisch unterbrochen bzw. ergänzt. Und als ich dann an der Stelle angelangt bin, wo die ganze Truppe auf Ralphs Terrasse Platz nahm, mischt sich auch noch Schirri ein, denn von da an hat sie ja selbst einiges mitbekommen.
"Hi, hi. Ich hab mir ja echt eins gegrinst, als Ralph so hektisch in der Küche rum sprang, verzweifelt seine Tassen zählte, sich der häßlichen Biergläser schämte und mit so vielen Gästen auf einmal einen recht überforderten Eindruck machte.
"Ist das ein Wunder? Mehr als vier Personen waren bei ihm noch nie zu Gast. Er lebt eben recht einsam," nimmt ihn das kleine Gästehandtuch, das bis jetzt geschwiegen hatte, unerwartet in Schutz.
"Seine Schuld", grinst Schirri und erinnert sich an früher, wo ohnehin alles besser war. "Ein Dutzend Gäste - keine Seltenheit. Was war das dann doch immer für ein Betrieb in der Küche. Ich war stets ein wenig feucht."
"Ach Schirri, Du vergißt, daß die Hausfrau schon lange nicht mehr da ist."
"Ja - und alles wegen diesem Dussel. Weil er meint, zwei Frauen lieben zu müssen. Wenn er sich nicht für eine entschließen kann, weil er glaubt, nach einer solchen Entscheidung, der jeweils anderen Dame zeitlebens nachtrauern zu müssen - dann braucht er sich nicht zu wundern, wenn er am Ende allein da steht."
"Stimmt", kräht die eine dunkle Socke. "Der Strumpfhose ging das damals genauso. Sie wußte auch nicht, wem von uns beiden sie ihr Zwickelherz schenken sollte. Am Ende hatten wir beide von ihr den Kanal voll.
"Bei Euch ist das was anderes. Ihr gleicht euch doch auf den Faden."
"Hast Du ne Ahnung. Bei meinem Bruder ist der Gummi viel stärker ausgeleiert."
"Und Du wirst am Hacken schon dünn!" faucht der Angesprochene zurück.
"Auf alle Fälle geht es so nicht weiter", knurrt Schirri. "Es muß wieder Ordnung einziehen!"
"Und nicht nur das", meldet sich nun auch Jeany und läßt den Knopf vom Hosenbund feucht schimmern. "Einmal wieder mein Reißverschluß von zarter Frauenhand geöffnet....."
"Oh ja. Und dahinter lauere ich", grinst der grüne Slip.
"Mal wieder Stoff an Stoff mit einem BH", schwärmt das grauverschleierte Unterhemd.
"Oh ja. Ärmel an Ärmel mit einem duftigen Nachthemd", höre ich nun auch noch Nachtjacke seufzen.
"Einmal wieder wischen", piepst es aus Jeanys Hosentasche.
"Na hört euch dieses kleine versaute Stück an", entrüstet sich das Gästetuch.
Alles quatscht plötzlich wild durcheinander und ergeht sich in Lobeshymnen auf weibliche Gesellschaft für Ralph. Was ist denn mit denen auf einmal los? Sind denn die alle doof geworden? Ich kann ihr Gerede nicht nachvollziehen. Mir gefällt es hier, so wie es ist. Habe nie eine Frau vermißt.
"Die anderen sind auch alle Single", sage ich laut. "Die müssen auch allein klar kommen."
"Echt? Alle?" Schirri will es nicht recht glauben.
"Ja, alle. Hm. Das heißt bei Reneè bin ich nicht ganz sicher. Ich glaube, die hat mit dem Stephan zusammen ne Wohnung, wo sie gemeinsam schreiben und lektorieren und wo sie keine Vertreter ins Schlafzimmer lassen - wegen der plattgedrückten Milben."
Ich halte inne. Das haben die anderen wohl nicht so recht verstanden.
"Milben?" fragt Nikotino, und seine Stimme klingt merkwürdig angespannt. Und plötzlich gucken alle, als wäre ich nicht ganz dicht.
"Ja, die sollen sich in den Betten rumtreiben. Aber dafür gibt es solche Milben-Vertilgungsmaschinen. Und die Leute, die solche Geräte verkaufen, handeln auch mit Rosen. Da Moloe sein Singledasein ganz besonders satt hat, will er jetzt seine zu enge Beziehung zu littlediabolo etwas lockern und sich ein Mädchen - möglichst eine offenmundige Fee - zulegen. Dazu braucht er von den Milben-Vertilgungsmaschinen-Vertretern viele Rosen. Die wickelt er dann in mit eigenen Gedichten bedrucktes Papier und schickt sie zu einer schlanken schwarzhaarigen Autorin, die nach Athen ausgewandert ist, um dort unter einem Jasmin-Strauch sitzend, erotische Geschichten zu schreiben. Die will aber wohl gar keine Rosen, sondern vor allem Punkte für ihre Werke. Und sie will ganz berühmt werden. Genauso wie die anderen alle. Vielleicht sogar noch berühmter. Und damit das klappt, soll sie irgendwann mal von Griechenland eingeflogen werden, wo man dann Küsse und Erfahrungen tauschen kann. Für ersteres soll wohl moloe zuständig gemacht werden. Doch der zierte sich noch, wie eine Zicke am Strick.. Notfalls, so bekam ich mit, würde aber auch Ole diesen Part übernehmen. Flammarion, Reneè und Lisa stehen dafür wohl aber keinesfalls zur Verfügung. Stephan und Martin haben nur nichtssagend gegrinst, und Ralph behauptet, eh jenseits von gut und böse zu sein. Da vor allem Reneè, aber auch Martin, Lisa, Ralph und Ole mehr oder weniger gute Erotiker sind, käme da eine geballte Macht zustande, wodurch von Berlin aus die ganze Lupe erotisch überrollt werden könnte. Und da man...."
"Heh, Sannrich! Jetzt phantasierste aber!" schreit Nikotino auf. "Merkst du nicht, dass du total am Spinnen bist? Mir scheint, Du warst in den letzten Stunden des Treffen schon mit Zuhören völlig überfordert."
"Nee, nee - darum ging es wirklich. Das stimmt. Darüber wurde in Ralphs Wohnung bis früh um drei heiß und lautstark diskutiert. Ich habe nur nicht verstanden, warum bei diesem wirklich brisanten Thema dauern so fürchterlich gelacht wurde. Mag ja sein, daß ich dieses oder jenes falsch....Ach leckt mich doch am Ärmel! Ihr seid doch alle nur..."
Meine letzten Worte gehen bereits im Brummen der Laugenpumpe unter.


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Svalin
???
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Hi Ralph

Ich darf zuerst! Herzlichen Glückwunsch unserem neuesten Goldenen Mitglied und zu deinem wirklich witzigen Text. Daß ich solche Sachen mag, weißt du ja.

mit einem obligatorischen Zwinkern ;-)
Martin

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Jasmin
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Hallo Ralph!

Ganz suess und lieb und ausfuehrlich und originell hast du das hier beschrieben. Wirklich gut. Auch meinen Part finde ich hoechst amuesant und das mit den Punkten hast du wirklich auf den Punkt gebracht...


Schmunzelnde Gruesse

Jasmin
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Jasmin

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Renee Hawk
???
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Hallo Ralph,

gratulation zum "Golden" (wird auch langsam Zeit). Die Geschichte (ich sag' es immer wieder gern) ist wahnsinn.

Liebe Grüße
Reneè

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Ole
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*gratuliert auch artig zum Gold*

Hi Ralph,

gelungene Geschichte, wie schon mehrfach geäußert, aber das kann man nicht oft genug sagen! Ich habe herzhaft gelacht, dies konntest Du ja auch real erleben...gestern bei unserer Vorlesung.
Gruß in den Spreewald
Ole.
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"...Wir sitzen mit unsern Gefühlen
meistens zwischen zwei Stühlen --
und was bleibt, ist des Herzens Ironie..."

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Ralph Ronneberger
Foren-Redakteur
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Hallo Mädels und Jungs,

ich möchte mich ganz herzlich und gar artig bei euch für die Glückwünsche bedanken und schmunzelnd anerkennen, daß ihr auf die Waschmaschine so nett hier reagiert, wo sie sich doch schon reichlich 12 Stunden zuvor dank flammarions Lesekunst sogar life gedreht hat.
Tja, das war ne Nacht, die ich auch so schnell nicht vergessen werde. Doch nun von den "gesellschaftlichen Höhepunkten" zurück zum harten Lupenalltag. Es gibt viel zu lesen, manches zu kommentieren und auch ein bißchen was zu schreiben. Na denn.
Es grüßt euch
Ralph
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