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Leselupe.de > Kurzgeschichten
WARUM?
Eingestellt am 15. 04. 2008 16:21


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Taurec
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2003

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Das frage ich mich schon seit fast einem Jahr. Ich schaue in den dunklen Nachthimmel. Wolken ziehen vorbei. Es ist kalt. Ich ziehe den dicken Mantel um mich enger. An den W├Ąnden der Ruinen spiegelt sich das Feuer des Horizonts.
Dort, einige Kilometer entfernt, tobt das Grauen des Krieges. Sein Grollen ist bis hier zu h├Âren. Als ich n├Ąherkommende Motoren h├Âre, ziehe ich ein letztes Mal an der Zigarette, nehme meine Waffen auf, und gebe meinen Kameraden bescheid. Keiner spricht ein Wort - es gibt nichts zu reden.
Eine Kolonne von Lastwagen kommt in Sicht. Sie halten, ein kurzes Kommando ert├Ânt, und wir steigen in einen der Laster ein. Mit einem Ruck fahren die Laster an. Es geht in Richtung Front.
W├Ąhrend der Kampfl├Ąrm immer lauter wird, denke ich an fr├╝her. Ich sehe Bilder aus einer gl├╝cklicheren Zeit. Ich sehe eine h├╝bsche Frau, und zwei Kinder vor einem Haus im Gr├╝nen. Ich erinnere mich an meinen Zivilberuf, ich war Lehrer. Damals brachte ich Kindern Lesen und Schreiben bei, manchen Kids musste ich auch Benimm beibringen. Ich l├Ąchele, als ich an den frechen Klaus denke.

Das Leben war sch├Ân. Niemand dachte jemals an Krieg. Bis an den einen Tag, an dem der ├ťberraschungsschlag begann. Ohne Erkl├Ąrung, ohne Vorwarnung griffen sie uns an. Als ich es in den Nachrichten sah, was an den Ostgrenzen geschah, wollte ich es nicht glauben. Ich dachte an einen Spielfilm. Bis die Einberufung kam. Ab dem Tag war ich kein Lehrer mehr, sondern Sch├╝ler. Man brachte mir bei, zu t├Âten. Nat├╝rlich hatte ich, wie viele andere auch, damals als junger Erwachsener auch meinen Wehrdienst abgeleistet. Aber was war nach 25 Jahren schon noch davon ├╝brig? Die Ausbildung wurde sehr schnell durchgezogen, dann wurden wir an die Front verlegt. Die ersten Gefechte ├╝berlebte ich nur mit viel Gl├╝ck. Anfangs von den Berufsoldaten, welche den Kern der Einheit bildeten, noch abf├Ąllig "Anf├Ąnger" und "M├Âchtegernsoldat" genannt, erwarb ich mir schnell Anerkennung, als sie merkten, wie schnell ich das ├ťberleben lernte.
Ich legte keinen Wert darauf. Ich verachtete mein Tun, hatte aber keine Wahl, wenn ich ├╝berleben wollte.


Ein Donnerschlag schreckt mich auf. "Deckuuuung!"
Der Lastwagen vor uns brennt lichterloh. Die Schreie der Soldaten in ihm sind markersch├╝tternd. Ich hechte aus dem Laster, und werfe mich in den Graben hinter der Leitplanke. Hinter einem Wegweiser finde ich erst mal Deckung. Falkenberg 10 Km steht drauf. Die meisten Soldaten entkommen wie ich in die Deckung. Nur aus dem brennenden Lastwagen ert├Ânen immer noch schreckliche Schreie. Wieder ein pfeifendes Ger├Ąusch, eine nahe Explosion. Die Druckwelle wirbelt den brennenden LKW hinfort. Die Schreie h├Âren auf. ├ťber uns in der Luft erscheinen zahlosse Lichtpunkte. Ich wei├č, dass es keine Sterne sind. Dort bek├Ąmpfen sich D├╝senj├Ąger beider Seiten.
Es wird still. Nur das Prasseln einiger Flammen ist zu h├Âren.
"Sammeln!"
Aus den Gr├Ąben kommen sie geklettert, nehmen Haltung an.
"Wo ist Ihre Waffe, Rekrut Meier?"
Ein gemurmelter Fluch, ein Rascheln und Geklapper von Plastik und Metall. Fast alle in diesem Zug sind Frischlinge, gerade mal ein paar Wochen eingezogen.
Obwohl mittlerweile auch amerikanische und europ├Ąische Truppen k├Ąmpfen, brauchen wir alles, was wir haben. Fluchend erinnere ich mich an die Trag├Âdie von Berlin...

Durch die ├ťberraschung beg├╝nstigt, erreichten die chinesischen Truppen sehr schnell Berlin, und kesselten dort fast 50.000 Mann der Bundeswehr ein. Sie k├Ąmpften tapfer, und konnten die Stadt eine ganze Woche lang gegen eine zehnfache ├ťbermacht halten. Der Widerstand endete erst, als sich die Chinesen entschlossen, eine taktische Kernwaffe zum Einsatz zu bringen. Sie wollten sich nicht l├Ąnger aufhalten lassen.
Dieses grausame Vorgehen sollte uns zur Kapitulation zwingen, doch sie erreichten damit genau das Gegenteil. Obwohl der Feind immer noch zahlenm├Ą├čig 1:20 ├╝berlegen war, konnten wir ihn stoppen. Warum konnte es soweit kommen? Als die Chinesen anfingen, den asiatischen Raum zu erobern, hofften die Russen und die EU darauf, dass die Chinesen innehalten w├╝rden. Nat├╝rlich war dies nicht der Fall. Zuerst wurde Russland angegriffen, dann wurden blitzschnell die L├Ąnder des ehemaligen Ostblocks unterworfen. Russland selber k├Ąmpfte noch, wie im 2. Wk von den USA unterst├╝tzt. Doch die Millionenheere Chinas lie├čen sich nicht stoppen. Der Schlag gegen die EU kam also nicht wirklich ├╝berraschend, die eigentliche ├ťberraschung war die tats├Ąchliche ├ťbermacht. Polen fiel innerhalb weniger Tage - so schnell waren nicht mal wir Deutschen im 2. WK gewesen. Erst jetzt, in diesen Tagen, war es gelungen, die Chinesen zum Stehen zu bringen...

"Auf die ├╝brigen Lastwagen verteilen!"
Wir fahren weiter Richtung Front. Die Frischlinge sind still, und man sieht, dass sie Angst haben. Die alten Hasen unterhalten sich, und man sieht nicht, dass sie Angst haben. Das ist der Unterschied - Angst hat jeder, auch ich. Man musste schon sehr dumm sein, um keine Angst zu haben. Der L├Ąrm ist jetzt sehr laut. Ich wende mich einem der Frischlinge zu. "Was Du hier h├Ârst, ist nicht gef├Ąhrlich. Das ist unsere Artillerie."
Die Laster hielten an.
"Absitzen!"
Wir stellen uns auf. Ein kommandierender Offizier erscheint, und wechselt ein paar Worte mit unserem Feldwebel. Ich kann nicht viel h├Âren, durch den L├Ąrm.
Nur einige Worte. "... hohe Verluste... Aufstockung Gruppe B... Aufmarschgebiete... Befestigungen..."
Kommandos ert├Ânen. Wir werden aufgeteilt. Ich und drei├čig andere Soldaten werden der Gruppe B zugeteilt. Wir setzen uns in Marsch. Auf der Stra├če kommen uns einige Lastwagen entgegen. Sie transportieren Verwundete. Ich sehe Ruinen und noch einige intakte H├Ąuser. Ein Ortsschild. Doberlug-Kirchhain steht drauf. Ein Plakat steht daneben, und l├Ądt zu einem Dorffest ein. Sehr witzig. Wir kommen also genau richtig zur Party. Einige der alten Hasen machen auch entsprechende Witze, ich verkneife mir das. Wir marschieren durch das Dorf, unsere Schritte hallen von den W├Ąnden wieder. Die Befestigungen liegen vor dem Dorf. Au├čer unseren Schritten h├Âren wir ferne MG-Salven. Leuchtkugeln steigen auf. Manchmal h├Âren wir Projektile ├╝ber uns hinweg fliegen. Ab und zu steigen aus beiden Richtungen Raketen auf. Sie ziehen Schleifen am Himmel, wenn sie Flugzeuge verfolgen. Als wir die Befestigungen erreichen, pfeife ich Anerkennend.
Solide Betonbunker, ausgekl├╝gelte Schie├čstellungen, MG-Nester, sogar Platz f├╝r Raketenlafetten.
"Na endlich kommt ihr mal an. Der n├Ąchste Angriff wird nicht lange auf sich warten lassen. Wir dachten schon, wir bek├Ąmen keine Verst├Ąrkung mehr." Ein Offizier leuchtet uns in die Gesichter. "Um Gottes Willen! Das sind ja fast noch Kinder! Wir brauchen Soldaten... Na, dann wollen wir mal sehen, wie wir euch unterbringen, hilft ja doch nichts."
Ich verziehe das Gesicht, der Offizier macht ja einen ziemlich desillusionierten Eindruck. Ich kanns ihm nicht ver├╝beln. Aber ein bisschen Motivation k├Ânnte nicht schaden. Als ich ihn darauf anspreche, lacht er nur. "F├╝r die Motivation werden die Chinesen schon sorgen..."
Wir werden auf die Stellungen verteilt. Ich komme zusammen mit vier anderen Frischlingen in eine Stellung. Die Anlage deutet daraufhin, das man nicht ganz so ├╝berrascht war, wie es aussah. So was baut man nicht in ein paar Tagen. Den Bau hiervon mussten die Ingenieure schon begonnen haben, als ich noch in Polen vor Warschau k├Ąmpfte.
Noch ist es ruhig, au├čer gelegentlichen Artillerieschl├Ągen kommt nichts. Obwohl die Einschl├Ąge recht weit weg sind, zucken die Frischlinge bei jeder Explosion zusammen. Ich nutze die Zeit, sie zu beruhigen, und ihnen noch mal lebenswichtige Verhaltensregeln beizubringen. Unsere Stellung liegt auf einem H├╝gelzug vor einem Fluss. Das gibt uns einen wichtigen Vorteil. Die Chinesen m├╝ssen erst ├╝ber den Fluss, und anschlie├čend eine starke Steigung ├╝berwinden. Von Minenfeldern, Stacheldraht und ├Ąhnlichen Scherzen ganz zu schweigen. Ich mache mir jedoch keine Hoffnungen, zu oft schon haben die Chinesen ├Ąhnliche Hindernisse ├╝berwunden.
Gegen sieben Uhr Morgens geht es dann los. Zuerst Artilleriebeschuss mit Raketen und Granaten. Das feindliche Feuer konzentriert sich zun├Ąchst auf den Hang vor den Befestigungen. Die ├╝bliche Taktik - zuerst mal die Minenfelder umgraben. Der L├Ąrm der Explosionen ist stark, doch wir haben Ohrensch├╝tzer. Die Explosionen erhellen durch die Schie├čscharten den Bunker, der Boden und die W├Ąnde erbeben. Drei der Frischlinge sind wie erstarrt vor Angst, der vierte kr├╝mmt sich in Erbrochenem. Ich robbe zu ihm - er hat seine Ohrensch├╝tzer vergessen, und der L├Ąrm macht ihn fertig. Ich ziehe sie ihm auf, und er wird ruhiger. ├ťber das Kom-System der Ohrensch├╝tzer versuche ich sie auf das vorzubereiten, was unweigerlich folgen wird. Der direkte
Artilleriebeschuss, und den folgenden Sturmangriff. Als eine kurze Feuerpause eintritt, wei├č ich was gleich geschehen wird. Ich schaue kurz durch eine Scharte, und sehe zu meiner Genugtuung Explosionen im Feindesland. Unsere eigene Artillerie hat die feindlichen Stellungen ausgemacht, und bombardiert sie.
Wieder einmal f├╝hle ich tiefe Dankbarkeit gegen├╝ber unseren Fernsp├Ąhern und Ari-Kameraden. Seit die ├ťberwachungssatelliten nicht mehr funktionieren, spielt die Aufkl├Ąrung eine gro├če Rolle. Schei├č Sonnenaktivit├Ąten. Man k├Ânnte meinen, alles hat sich gegen uns verschworen.
Obwohl aus dem direkten Beschuss nun nichts geworden ist, riskieren die Chinesen trotzdem einen Sturmangriff. Amphibienpanzer und Fahrzeuge setzen in Massen ├╝ber. Ich mache mich kampfbereit, und sehe, dass auch die Frischlinge sich bereit machen. Als sie das feindliche Heer zum ersten Mal sehen, gl├Ąnzen Schwei├čperlen auf ihrer Stirn. Sie werden leichenblass, doch ich erkenne auch ihre Entschlossenheit. Ich sage nur ganz ruhig:
"Kommt Jungs. K├Ąmpfen wir."
Und wir beginnen zu k├Ąmpfen. Ich kenne das. Alles, was jetzt geschieht, geschieht in einem Rausch. Wir k├Ąmpfen mechanisch, ohne Gef├╝hl, vergessen Angst und Schmerzen, empfinden auch keinen Hass. Nur eine eiskalte Ruhe und Entschlossenheit beherrscht uns. Die MGs rattern, Panzerabwehrraketen fauchen zu dutzenden aus ihren Rohren, Gewehre feuern. Den Chinesischen Sturmtruppen fegt ein Feuersturm entgegen, er enth├Ąlt all unseren Abwehrwillen. Ihre Reihen lichten sich, doch f├╝r jedes Opfer r├╝cken zehn neue nach. Sie schieben sich heran, nehmen keine R├╝cksicht auf Verluste. Wer fliehen will, wird von den eigenen Leuten erschossen, sie haben keine Wahl. Ich kann sie nicht hassen, sie sind genauso Werkzeug einer menschenfeindlichen Organisation, wie wir. Wir alle dienen nur noch dem Krieg. Das MG unserer Stellung wird hei├č.
"Rohr wechseln, sonst haben wir gleich Ladehemmung."
Mein Kamerad k├╝mmert sich darum. Es dauert knapp vier Sekunden, dann ist die Waffe wieder bereit und f├Ąngt wieder an zu rattern. Maschine des Todes. Da sehe ich das Unheil kommen!
"Achtung, Bomber!"
Wir werfen uns in Deckung. Sprengbomben lassen den Bunker erzittern. Splitter fliegen durch die Scharten, einer der Frischlinge wird verletzt. Ich denke daran, wie viel Gl├╝ck wir haben, dass die keine Bunker-Buster-Bomben verwendet haben. Doch auch so ist das Unheil schon gro├č genug. An unserem Frontabschnitt r├╝cken die Chinesen besonders stark vor. Ich frage mich, wieso die anderen Stellungen nicht mehr feuern. Unser MG jedenfalls nimmt den Dienst wieder auf. Nach und nach fallen auch die anderen wieder ein, nur das MG rechts von uns bleibt still. Die muss es voll erwischt haben. Ich bef├╝rchte, dass die Chinesen dort durchbrechen k├Ânnen und gebe ├╝ber das Kom-System meine Bef├╝rchtungen weiter. Auf der anderen Seite des Flusses rollen noch mehr Panzer und Amphibienfahrzeuge an.
"Passt auf, Jungs, und haltet die K├Âpfe in Deckung. Die werden uns gleich einheizen."
Wieder fauchen Panzerabwehrraketen los. Ganze Schw├Ąrme ziehen Rauch ├╝ber den Fluss. Doch die Chinesen feuern Abwehrraketen ab, w├Ąhrend ihre Panzer unsere Stellungen aufs Korn nehmen. Pl├Âtzlich setzen ihre Panzer zur├╝ck und ziehen schnell ab. Nur wenig Sp├Ąter w├╝hlen Explosionen die Stellen auf, von denen aus sie gefeuert haben. Sie haben die Artillerie bewusst auf sich gezogen, damit sie die Infanterie nicht am St├╝rmen hindern kann. Doch auch so ist ihrer Infanterie heute kein Gl├╝ck beschert - ihre Verluste sind zu gro├č, der Angriff bricht zusammen. Ich sehe sie hinter dem MG fallen, zu dutzenden. Eine Massenflucht setzt ein, und diesmal ist hinter ihnen niemand mehr, der sie an der Flucht hindern k├Ânnte. Wieder einmal hat die Linie gehalten. Erleichterung ├╝berkommt mich, und da passiert das Ungl├╝ck. Das MG hat Ladehemmung. Einer der chinesischen Soldaten dreht sich um.

Wie in Zeitlupe sehe ich, wie er sein Gewehr hebt, er ist in einer optimalen Position, an der einzigen Schwachstelle der Befestigung. Er w├Ąre kein Problem, wenn das MG funktionieren w├╝rde. In Zeitlupe dr├╝ckt er ab.


Ich sehe sein Gesicht. Kein Hass, keine Boshaftigkeit ist dort zu lesen - nur die pure Verzweiflung eines in die Enge getriebenen Tieres.

In Zeitlupe fliegt die Kugel auf mich zu.

Ob er Kinder hat?

Ich will mich hinwerfen, doch ich bin gel├Ąhmt.

Was macht er hier? Was mache ich hier?

Ein leises Pfeifen k├╝ndigt die Kugel an.

Ich sollte zu Hause bei MEINEN Kindern und MEINER Frau sein.

Ich sehe, wie der chinesische Soldat f├Ąllt, Blut spritzt aus einer Wunde.


Zu sp├Ąt - Ich kann die Kugel sehen. Niemand mehr kann sie zur├╝cknehmen.

Mein letzter Gedanke: WARUM?

In einer gr├Â├čeren Stadt steht ein Haus im Gr├╝nen. Kinder spielen im Garten, die Front weit weg. Die Frau ist im Haus. Nachrichten sind zu h├Âren.
"... Wurde vor zwei Tagen an der Doberlug-Befestigung ein vierter Gro├čangriff der Chinesischen Armee abgewehrt. Sprecher der Armee..."
Die Frau geht zum Briefkasten. Zwei Briefe sind drin. Eine Rechnung, und ein Brief von der Armee.
Im Haus ├Âffnet sie den Brief der Armee.
"...und bedauern sehr, Ihnen mitteilen zu m├╝ssen, dass Ihr Mann bei der heldenhaften Verteidigung Doberlugs gefallen ist..."
Sie sinkt in einen Sessel. Als die Kinder reinkommen und sie fragen, wann endlich Papi wiederkommt, weint sie nur... WARUM?

In einem Dorf in China lebt eine Frau mit einem Kind. Sie wei├č noch nicht, dass ihr Mann nicht wiederkommen wird. Verluste werden verschwiegen. Doch eines Tages, egal wie der Krieg ausgeht, wird sie es erfahren. Und auch sie wird fragen: WARUM?

Nicht mal Gott kennt die Antwort, falls es ihn gibt.
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Alles ist auf irgendein Naturgesetz zur├╝ckzuf├╝hren. Wenn uns etwas unnat├╝rlich vorkommt, dann nur deshalb, weil wir das entsprechende Naturgesetz noch nicht kennen.

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ViktorS
Wird mal Schriftsteller
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Den Plot der Geschichte fand ich gut und das Ende hat mir sehr gut gefallen.
Allerdings wirkte die Geschichte auf mich, ich wei├č nicht wie ich es anders sagen soll, irgendwie zu steril. Irgendetwas fehlt, leider kann ich nicht genau definieren was. Das ist aber nur meine Meinung.

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Taurec
Wird mal Schriftsteller
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Du meinst, wie ein Gericht, dass zwar gut schmeckt, und trotzdem ne Kleinigkeit fehlt? ^^

Keine Ahnung, was das sein k├Ânnte, ich hoffe nicht, dass ich zuwenig Details bringe. Ich habe bewusst auf zu blutige Schilderungen verzichtet, weil ich mehr auf die Gef├╝hle hinauswollte.



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ViktorS
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Das mit dem Gericht ist ein guter Vergleich. Ja ich glaube es liegt an den Details, wobei ich das Blut gar nicht vermisse. Es fehlen ein paar gut dosierte Beschreibungen, wie eine Prise Salz in der Suppe. Die Betrachtung auf der Gef├╝hlsebene finde ich sehr interessant, da viele lieber Blut spritzen lassen.

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Taurec
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Wenn ich wieder etwas mehr Zeit und Mu├če habe, schau ich mal...
Hab schon so ne Ahnung, was Du meinst. Ich muss nur aufpassen, dass ich nicht vom Wesentlichen abkomme.
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FrankK
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Hallo Taurec, Hallo ViktorS

Die Geschichte ber├╝hrt, sie ist Gef├╝hlslastig, keine unn├Âtige Action.
Irgendwas fehlt?
Vielleicht besser, irgendwas st├Ârt unterbewusst den Gesamteindruck.
Steril? W├╝rde ich nicht sagen, eher an den entscheidenen Stellen insgesamt zu sachlich.

Wie ein Zigeunerschnitzel mit zu wenig So├če.

Fast alle Gefechtsszenen wirken wie eine sachliche Aufz├Ąhlung von Fakten.
An den meisten Stellen gut unterbrochen von Gef├╝hlsregungen der Beteiligten.

Erst nach etwa dem f├╝nften Lesen bemerkte ich eine Art Bruch in der Spannung.
Mittendrin, kurz vorm H├Âhepunkt, flacht die erz├Ąhlerische St├Ąrke enorm ab.

quote:
Wir alle dienen nur noch dem Krieg. Das MG unserer Stellung wird hei├č.
"Rohr wechseln, sonst haben wir gleich Ladehemmung."

Hier bringst du das Unheil bereits zu fr├╝h dem Leser nahe.
Es passt auch nicht in die Kampfsituation.
Ein kurzer, knapper Befehl: "Rohr wechseln!"
Das Ausrufezeichen nicht vergessen!

Sp├Ąter noch einmal:
quote:
"Passt auf, Jungs, und haltet die K├Âpfe in Deckung. Die werden uns gleich einheizen."

Vielleicht besser:
"Passt auf, Jungs, die werden uns gleich einheitzen! Deckung!"
Ist k├╝rzer, knapper, "w├╝rziger" !

Danach folgen nur noch statische Informationen, wir n├Ąhern uns dem Tiefpunkt:

quote:
Eine Massenflucht setzt ein, und diesmal ist hinter ihnen niemand mehr, der sie an der Flucht hindern k├Ânnte.

Das ist noch in Ordnung, unterschwellig wird noch ein Gef├╝hl vermittelt.

Ich kommentiere jetzt mal Satz f├╝r Satz, wie sich meine Gef├╝hle abbauen:
quote:
Wieder einmal hat die Linie gehalten.

Klar, habe ich auch so erkannt. (In dieser Form eine ├╝berfl├╝ssige, zu sachlich gehaltene Information.)
Spannungsabbau!

quote:
Erleichterung ├╝berkommt mich, und da passiert das Ungl├╝ck.

Klar, war ja zu erwarten. (In genau dieser Form bestimmt schon 1000mal an anderer Stelle gelesen, erm├╝dende Platit├╝de, zumal das Ausrufezeichen fehlt.)
Spannungsabbau!

quote:
Das MG hat Ladehemmung.

"Das MG hat Ladehemmung - Punkt"
Entschuldige, aber - G├Ąhn! Nicht mal ein klitzekleines Ausrufezeichen unterstreicht die dramatische Wendung! (Keine Dramatik, nichts, was die Gef├╝hlswelt noch einmal anfeuert, einfach nur zu sachlich. Denk an Ausrufezeichen!)
Massiver Spannungseinbruch!

quote:
Einer der chinesischen Soldaten dreht sich um.

Und, was solls noch? (Beim ersten lesen hatte ich an dieser Stelle fast eine Pointe erwartet, ein freundliches Winken und ein nettes Danke, vielleicht auf plattdeutsch.)
Gerade noch Spannungsneutral.

Erst danach baut sich wieder ein Gef├╝hlsbogen auf, der irgendwo davor versucht anzusetzen.

Um bei eurem Bild mit dem Gericht zu bleiben:
Mit nur vier kleinen S├Ątzen ist es gelungen, aus dem 5-G├Ąnge-Men├╝ einen Einheitsbrei zu fabrizieren.

Kurzgeschichten leiden unter dem Problem, das man sie Satz f├╝r Satz analysieren kann.
In den oben genannten Passagen mu├č es dir gelingen, den Gef├╝hlsbogen zu erhalten oder besser sogar noch zu verst├Ąrken!


Ach ja...technisches Problem:
Der Hauptprotagonist sitzt mit seinen Jungs in einem Bunker. Vermutlich abgedunkelt.
Es gibt nur kleine Beobachtungsscharten und eine gr├Â├čere Schie├čscharte f├╝r das MG.
Der Feind steht drau├čen, vermutlich wesentlich helleres Licht, zumindest Lichtblitze durch Granatenexplosionen.

Man kann nicht vom Hellen ins Dunkle schauen, und schon gar nicht geziehlt schie├čen.
Ich will dich nicht frustrieren, dieser Umstand ist winzig und f├╝r die tragende Botschaft v├Âllig unerheblich.

PS.:
Vielleicht solltest du den letzten Satz in deiner Geschichte noch einmal ├╝berdenken.
Diese 'Gottesermahnung' wirkt zu abgedroschen. Vorschlag:
Lass den Satz weg und stell das davorliegende 'Warum' in eine eigene Zeile.


Mit freundlichen Gr├╝├čen

FrankK


__________________
Leben und leben lassen.

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