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Leselupe.de > Humor und Satire
Wachstumsförderung
Eingestellt am 24. 02. 2011 11:52


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Karl Feldkamp
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2006

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Der Mensch wächst mit seinen Ausreden. Jedenfalls ich. Obwohl bei mir längst altersbedingtes Schrumpfen angesagt wäre. Allerdings nicht im Liegen. Horizontal erreiche ich neue Höhen und Breiten. Besonders im Reich der Körpermitte. Meine höchste Erhebung ist der behaarte Kraterrand rund um meinen ausgedehnten Bauchnabel, der sich, schaue ich liegend in Richtung unsichtbare Füße, unter dem stramm gespannten dünnen T-Shirt überdeutlich abzeichnet. Und Hüftgold ist ebenfalls recht gut angelegt.
Ausreden für diese mein ausuferndes Volumen habe ich überreichlich. Täglich fallen mir neue ein. Mein Bauch lässt mich imposanter erscheinen und gibt mir die Ausstrahlung eines Wohlhabenden. So ein Spargeltarzan in meinem Alter. Wie würde das denn aussehen? Magersucht war noch nie eine meiner besonderen Leidenschaften. Ich esse gern. Und das ist keine Ausrede sondern nichts als die reine Wahrheit. Allerdings für die jeweiligen Nahrungsmengen fallen mir stets allerbeste Argumente ein.
So ist es doch nur ein Gebot der Höflichkeit, auf die Gastfreundschaft meiner Freunde, Verwandten und Bekannten positiv einzugehen. Schließlich gibt sich die Frau meines auch nicht gerade unansehnlich schmalen Freundes mit dem Menue, das sie mir und meiner Frau serviert, immer sehr viel Mühe. Und das verpflichtet mich unweigerlich, alle ihre Speisen unübersehbar zu genießen, auch wenn ich dafür Opfern bringen muss. Und wenn es nur das ist, anschließend noch umförmiger zu erscheinen. Für die Köchin ist ein derart ehrlicheres Kompliment glaubwürdiger als irgendwelche Sprüche, die behaupten, es habe mir besonders lecker oder grandios geschmeckt.
Wie Frauen so sind, hält sich meine beim Probieren der Speisen der Konkurrenz sehr zurück. „Schmeckt es dir nicht?“ will die Frau meines Freundes mit schon deutlich beleidigtem Unterton immer wieder von der meinen wissen. Um der Enttäuschung der Freundesfrau entgegen zu wirken, muss ich dann um unserer Freundschaft willen zusätzlich das essen, was meine Frau an Nahrung verweigert.
Und da mein Freund, der sich für einen begnadeten Hobbykoch hält, sich auch noch an einem kalorienhaltigen Nachttisch versuchte, kann ich doch als höflicher Gast diese Köstlichkeit nicht einfach ablehnen, denn auch ein guter Hobby-Koch lebt vom Lob und Appetit seiner Gäste.
Meiner gelegentlich reizenden Schwiegermutter ein weiteres Stück des extra für mich gebackenen Mohnstreuselkuchens abzuschlagen, gehört sich schon gar nicht. Das könnte ich nicht einmal mit einem riesigen Strauß ihrer Lieblingsblumen (rosa Rosen) beim nächsten Besuch wieder gut machen. Wenn dann ihre Tochter, die ich vor über 20 Jahren heiratete, beweisen will, dass sie wesentlich besser backen kann als ihre Mutter, bin ich genötigt, mindestens ein Stück mehr vom ehelichen Kuchen zu essen.
Ja gut, mit Bewegung – das sagt auch mein Hausarzt - wäre sicherlich vieles wieder auszugleichen, zumal ich häufig relativ unbeweglich am Computer-Schreibtisch sitze. Allerdings immer wenn ich mich entschließe, wenigstens spazieren zu gehen, muss ich vorher noch einmal schnell in mein E-Mail Postfach schauen. Und was finde ich darin? Eilige Nachrichten, die ich selbstredend unbedingt und direkt beantworten muss. Meine Facebookfreunde kann ich doch nicht einfach warten lassen.
Immerhin, wenn ich Müll aus unserer Wohnung im vierten Stock zu den grauen, braunen und gelben Tonnen bringe, nehme ich nicht den Fahrstuhl sondern sogar beim Wiederaufstieg die Treppe, um mich danach schwer atmend erneut an den Computer zu setzen. Zwischendurch stehe ich auf, um zur Toilette zu gehen. Dabei nehme ich nicht den direkten Weg sondern, wegen der zusätzlichen Bewegung, den Umweg über die Küche.
Als berenteter Halbtagshausmann habe ich die Zuständigkeit für die Überwachung des Kühlschranks übernommen. Ich stelle fest, was eingekauft werden muss und komme somit nicht umhin, ihn täglich mehr als einmal zu öffnen. Meistens nehme ich dabei die Gelegenheit wahr, mir einen Becher Fruchtyoghurt herauszunehmen. Der macht nicht dick. Häufig stehen vom Wochenende noch ein paar Tortenstücke auf einem der weißen Gitterregale herum. Die esse ich immer gleich zu Beginn der Woche, damit sie mich im zweiten Wochenabschnitt nicht mehr belasten können. Außerdem könnten sie schlecht werden. Als Kriegsgeburt habe ich Hunger kennen gelernt und kann daher nun einmal nichts wegwerfen.
Nachdem ich Yoghurt und/oder Torte im Wohnzimmer gegessen habe, gehe ich zunächst auf den Balkon und laufe dort ein paar Schritte auf der Stelle. Danach wird es allerhöchste Zeit für die Toilette. Nachdem ich mich entleert habe, stelle ich mich erleichtert auf die zu meinen Gunsten fehlerhafte Waage, die mir mindestens 2 Kilo weniger anzeigt. Das sieht weniger dramatisch aus. Die Wirklichkeit wäre zu deprimierend und würde mich total demotivieren. Denn irgendwann, und das habe ich mir fest vorgenommen, werde ich auf Anraten meines Arztes mit Joggen im nahe gelegenen Wald beginnen.
Obwohl frische Waldluft eigentlich auch nur wieder Hunger macht.






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Bei jedem Irrtum hat die Wahrheit eine neue Chance.

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