Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m√ľssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92257
Momentan online:
97 Gäste und 3 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Gereimtes
Wachwerden
Eingestellt am 24. 12. 2007 15:21


Autor
Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.
Vera-Lena
Routinierter Autor
Registriert: Oct 2002

Werke: 671
Kommentare: 10342
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Vera-Lena eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Wachwerden

Es singt der Vogel Zuversicht,
auch noch im späten Abendlicht,
und marmorn lauscht die Fensterbank,
ein Knacken steuert bei der Schrank.
Dies Tönen wird zum Kartograph
es reißt mein Fremdland aus dem Schlaf.
Da gibt es plötzlich lichte Wege
und Wörter tief im Herzgehege.
Der schwarze Sumpf aus √Ąngstlichkeit
ist wahrlich nur noch halb so breit,
leichtf√ľ√üig kann ich mich durchschreiten
und meine Wälder dir entbreiten,
dir dartun meines Flusses Schneise
voll Glut selbst unterm Wintereise.

Da stehe ich, mir mehr vertraut ‚Äď
Mensch, der den Andern besser schaut.







__________________
Der Mensch ist sich selbst das größte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

Version vom 24. 12. 2007 15:21

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Vera-Lena
Routinierter Autor
Registriert: Oct 2002

Werke: 671
Kommentare: 10342
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Vera-Lena eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Patrick,

alles, was nach Hoffnung aussieht, kann man nat√ľrlich mit Weihnachten in Verbindung bringen.

Ich hatte aber weniger an Weihnachten gedacht bei diesem Text. Es ging mir einfach darum, deutlich zu machen: Wenn man mit sich selbst auf gutem Fu√üe steht, seine Schw√§chen und den einen oder anderen Vorzug kennt, dann f√§llt es einem leichter, auf andere zuzugehen und man t√§uscht sich auch nicht so schnell in anderen Menschen. Mit sich selber "gut verheiratet" zu sein, ist schon immer die beste Voraussetzung, auch mit anderen Menschen gut zurecht zu kommen, ihnen ihre Schw√§chen nachzusehen und ihre Vorz√ľge zu bewundern. Man verliert seine √Ąngstlichkeit vor dem fremden Wesen "Mensch".

So hatte ich das gemeint.
Danke f√ľr Deine freundliche Antwort!
Und einen guten Rutsch ins Neue Jahr!
Liebe Gr√ľ√üe von Vera-Lena



__________________
Der Mensch ist sich selbst das größte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

Bearbeiten/Löschen    


presque_rien
???
Registriert: Feb 2003

Werke: 200
Kommentare: 1762
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um presque_rien eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Liebe Vera-Lena,

finde ich sehr schön, dein Gedicht! Sich selbst und einen anderen Menschen zu lieben und zu verstehen sind wahrlich zwei Seiten einer Medaille.

quote:
Es singt der Vogel Zuversicht,
auch noch im späten Abendlicht,

Das ist die einzige Stelle mit einer Zeitangabe - ich habe etwas gestutzt wegen der Assoziationen von "Wachwerden" (-> Morgen). Warum wählst du diesen Anfang?
quote:
es lauscht marmorn die Fensterbank,
ein Knacken steuert bei der Schrank.
Vielleicht besser: und marmorn lauscht die Fensterbank. Ansonsten wunderbar atmosphärisch!
quote:
Dies Tönen wird zum Kartograph
und reißt mein Fremdland aus dem Schlaf.
Sehr ungew√∂hnliche, intensive Metapher! Ich f√ľhle, wenn ich das lese, diesen Moment (den man beim Aufwachen nat√ľrlich nicht immer hat), wenn man wach wird und das Unterbewusste, worin man eben noch orientierungslos verloren war, pl√∂tzlich eine Form annimmt, die man verstehen und bewusst (bestenfalls sogar zielgerichtet) durchschreiten kann. Ich liebe es auch, wie du von hier aus das Landkarten-Wortfeld entwickelst:
quote:
Da gibt es plötzlich lichte Wege
und Wörter tief im Herzgehege.

Der schwarze Sumpf aus √Ąngstlichkeit
ist wahrlich nur noch halb so breit,
leichtf√ľ√üig kann ich mich durchschreiten
und meine Wälder dir entbreiten,
dir dartun meiner Fl√ľsse Spiegeln,
geheime T√ľren dir entriegeln.
Ich mag insbesondere das Herzgehege. Ich kenne das, wenn man mit Worten aufwacht, so als w√§ren sie ganz reale Wesen, die anscheinend die ganze Nacht lang in ihrem Gehege hin- und hergerannt sind. Aber warum eigentlich der Absatz danach? Beim dritten Vers der zweiten Strophe gibts Metrumprobleme - und als ich dar√ľber nachgedacht habe, wurde mir klar, warum! Man kann es wirklich kaum anders umformulieren. Ich pers√∂nlich w√ľrde in diesem Fall eher die Grammatik verbiegen als das Metrum, "Kann leichten Fu√ües mich durchschreiten" schreiben und auf das Subjekt verzichten. Aber ich wei√ü nicht, ob das objektiv die bessere L√∂sung ist. Noch ein kleiner Kritikpunkt: "Spiegel" passt nicht sehr gut zu "Fluss" - zumal mir der n√§chste Vers auch nicht so gut gef√§llt, er durchbricht die Naturmetaphorik.
quote:
Da stehe ich, mir mehr vertraut ‚Äď
ein Mensch, der einen Andern schaut.
Hier w√ľrde ich vielleicht die Pointe noch sch√§rfer setzen (obwohl, ich wei√ü nicht, ob's in meiner Variante noch verst√§ndlich w√§re??):

Da stehe ich, mir mehr vertraut ‚Äď
Mensch, der den Andern besser schaut.


Danke f√ľr dieses Gedicht! Ich w√ľnschte, man k√∂nnte von Selbst-Verst√§ndnis ganz nat√ľrlich zu Selbst-Akzeptanz gelangen und von da aus zu Fremd-Verst√§ndnis und Fremd-Akzeptanz. Der dritte und vierte Schritt k√∂nnen aber auch ohne den zweiten erfolgen.

Liebe Gr√ľ√üe und einen guten Rutsch!
Julia

Bearbeiten/Löschen    


Vera-Lena
Routinierter Autor
Registriert: Oct 2002

Werke: 671
Kommentare: 10342
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Vera-Lena eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Liebe Julia,

danke f√ľr Deinen ausf√ľhrlichen Kommentar!

Zunächst:
Mit dem Wachwerden, habe ich nicht ein Aufwachen am Morgen gemeint, sondern ein Aufwachen zu sich selbst, ein sich mit sich selbst näher vertraut machen und, infolge der Bestandsaufnahme, entsprechend an sich selbst zu arbeiten.

"Es singt der Vogel Zuversicht auch noch im sp√§ten Abendlicht", damit wollte ich sagen, dass es auch noch nicht zu sp√§t ist, wenn man 70 Jahre alt ist und beschlie√üt, die eine und andere Schw√§che zu √ľberwinden. Wenn man t√§glich da dran bleibt, kann es noch etwas bringen, denn: Man k√∂nnte ja auch noch 80 Jahre alt werden

Und marmorn lauscht die Fensterbank daran hatte ich auch rumgeknabbert, weil ich nämlich schon viele "und" in dem Text habe. Aber ich werde es auf Deinen Vorschlag nun doch dahingehend verändern.

Auch √ľber den Absatz habe ich gegr√ľbelt und ihn eigentlich nur gesetzt, damit der Text nicht optisch wie eine einzige So√üe daherkommt. Ich werde den Absatz wieder herausnehmen und statt dessen die letzten zwei Zeilen absetzen, die ja eine wichtige Essenz aus dem Ganzen enthalten.

Das "leichtf√ľssig" lasse ich drin, denn es hoppelt wirklich nicht allzu sehr.

Die vorletzten beiden Verse habe ich jetzt zugunsten der Naturmetaphorik geändert.

Ganz besonders danke ich Dir f√ľr den kleinen Ansto√ü, die letzte Zeile betreffend, denn damit war ich auch nicht zufrieden. Manchmal bringt eine kleine Umstellung schon ein gro√ües Ergebnis, aber man kommt selbst nicht darauf.

Ich bin nicht davon √ľberzeugt, dass man ohne Selbstakzeptans wirklich andere Menschen mit Gro√ümut und innerer Weitr√§umigkeit betrachten und verstehen und sie so lassen kann, wie sie sind, ohne an ihnen herumzumodeln, solange sie einen nicht darum gebeten haben.

Ich glaube, mein Vater hat mir alles an Selbstbewusstsein in meiner Kindheit geschenkt, was mir geholfen hat, zuerst immer freudig auf Menschen hinzuschauen und ihnen nicht sofort irgendeinen Stempel aufzudr√ľcken.

Danke f√ľr Deine Unterst√ľtzung bei diesem kleinen Werk! Sie bedeutet mir viel, und nun gestaltet sich der erste Tag im Neuen Jahr schon ganz in Richtung Zufriedenheit.

Ich w√ľnsche auch Dir ein gl√ľckliches, erkenntnisreiches, schaffensfrohes und inspiriertes Neues Jahr!

Liebe Gr√ľ√üe von Vera-Lena



__________________
Der Mensch ist sich selbst das größte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

Bearbeiten/Löschen    


2 ausgeblendete Kommentare sind nur f√ľr Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zur√ľck zu:  Gereimtes Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!