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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Waffenstillstand
Eingestellt am 03. 11. 2012 14:27


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Hagen
Häufig gelesener Autor
Registriert: May 2011

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Vietnam.
Kurz vor Weihnachten, ab achtzehn Uhr ist Waffenstillstand, der Laden dicht, keine Kampfhandlungen mehr!
Lange Vorträge eines Generals über die Ästhetik des Waffenstillstandes – wir sind ja die Guten – kein Schuss mehr, auch nicht die Andeutung einer Provokation.
Es ist etwa siebzehn Uhr dreißig, ein Hubschrauber soll noch schnell ein paar Soldaten einsammeln, damit auch wirklich und absolut keine Provokation erfolgen kann.
Im Funk labert ein General einen vom Waffenstillstand und der Diskjockey des örtlichen Soldatensenders legt schon hin und wieder mal eine Weihnachtsplatte auf,
‘Rudolph, the red nosed Reenter’ und ‘dreaming of a white Christmas’ – er hat nur zwei Weihnachtsplatten.
Der Huey nimmt die zehn Soldaten der Patrouille auf, er braucht zwanzig Sekunden dazu, und ist schon wieder in der Luft, weil der Vietkong ran ist, und mit allem was er hat nach dem Hubschrauber schießt.
Die Grunts haben bei ihrem überstürzten Aufbruch noch ein paar C-Rationen zurückgelassen, und die Vietkongs, die ja auch was von Weihnachten und dem Waffenstillstand gehört haben, machen sich darüber her.
Als sich die Vietkongs über die Dosen hermachen, ging eine Mine hoch. In weiser Voraussicht hatten die Grunts die Dosen vermint; - war ja noch nicht Waffenstillstand!
Waffenstillstand ist erst ab sechs.
Trotzdem, zwei Mann tot, zwei lebenslang Krüppel; - sogenannte Verluste.
Bei dem Hubschrauber kommt inzwischen ein Notruf rein.
Eine andere Patrouille ist in einen Hinterhalt geraten und sitzt fest. Zwei Mann tot, einer ist auf eine Mine getreten und hat nur noch ein Bein und einen durchgebluteten Druckverband auf dem Stumpf.
Den Soldaten geht langsam die Munition aus, ein paar Phantoms sind noch schnell gestartet und schmeißen Napalm, um die Jungs zu entlasten, aber der Funker ruft verzweifelt um Hilfe.
Nun ist die Situation aber die, dass der Hubschrauber nur noch für eine halbe Stunde Sprit hat, und der verzweifelt um Hilfe rufende Trupp ist eine knappe halbe Flugstunde entfernt.
Also zurückfliegen und auftanken, aber dann ist es sechs, - Waffenstillstand!
Nichts darf mehr laufen!
Der General weist nochmal darauf hin – wir sind die Guten!
Der Dj spielt eine Weihnachtsplatte, und auf einem anderen Kanal kommt ein verzweifelter Notruf rein; - von dem Soldaten, der langsam verblutet.
Der General erzählt noch ein paar Kalte, der Copilot des Hubschraubers kann nichts anderes machen, als das Funkgerät ausschalten, alle fünf Kanäle, fünf Schalter umlegen.
Klick, Klick, Klick, Klick, Klick.
Die Männer biegen die Mikrofone ihrer Helmsprechanlagen nach unten.
Keine Hilferufe mehr.
Kein General.
Kein rotnasiges Rentier.
Der Huey fliegt zum Stützpunkt, die Männer gehen sich besaufen und der General ins Casino. Dort ist ein Tannenbaum, aus der Heimat eingeflogen, und der Feldgeistliche erzählt einen von der Menschlichkeit.
Die Patrouille kann ja später noch als ‘Verlust‘ gemeldet werden.
Im Interesse des Waffenstillstandes wurden die Männer ‘aufgegeben‘…

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llillie
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Registriert: Nov 2012

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Ich würde den allerletzten Satz weglassen.

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Hagen
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Registriert: May 2011

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Hallo llillie,

Zunächst einmal vielen Dank für die Beschäftigung mit meinem Text.
Ob der letzte Satz wegzulassen wäre; - darüber könnte man sich in der Tat streiten, aber das wollen wir ja nicht.
Ich bin nur der Ansicht dass er dazugehört, weil wir zunächst von der strategischen Situation ausgehen, dann aber zur Taktischen wechseln. Um wieder zur Strategischen zurückzukehren, ist der letzte Satz notwendig.
Aber da kann man sich, wie gesagt, drüber streiten; - auch darüber, ob das Ganze überhaupt nötig wäre.

Liebe Grüße
Yours Hagen

______
nichts endet wie geplant!

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