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Leselupe.de > Ungereimtes
Wahnsinn
Eingestellt am 05. 11. 2003 17:20


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Rhea_Gift
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Wahnsinn

Graue Schleier tr├╝ben die Augen,
unaufhaltsam bahnt sich gl├╝hende Schw├Ąrze empor
aus Tiefen nie geschaut,
teerspinnige Finger umklammern den Geist,
ziehen zitternde Furchen in die gequ├Ąlte Struktur,
die vergi├čt, was sie einst ordnete -
mit dunkelblutiger Tinte zeichnen Federn
feine Risse,
j├Ąh klaffen sie zu schwindelnden Abgr├╝nden
auseinander,
an der splitternden Kante h├Ąngt der letzte Rest
verzweifelten
Verstandes,
an der Sch├Ąrfe des Grates reibt sich hei├č
der letzte seidene Faden
seines Netzes
wund,
und

in den tr├╝ben Augen
tanzt gefangen
ein kleiner Funke,
der Betrachter
folgt
seinen wilden Spr├╝ngen
zwar mit Faszination,
doch nicht ohne
zuckenden
Kopfschmerz.


__________________
...Seele, bist du nun erwacht?...Und sie zittert, und sie lacht allen Himmelssternen zu... (Hesse)

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Venus
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unendlich viele dichte bilder, daraus vergleiche, die das nacherleben ganz besonders eindringlich gestalten.
wortkunst in hohem ma├če

ich bin wirklich sehr beeindruckt!

Venus
__________________
den wind im r├╝cken, sterb ich mich ein
in den gro├čpassat -
und lebe erst recht

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Rhea_Gift
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Hi venus,

sch├Ân, da├č Dich die Bilder erreichen konnten - ich hoff, ich schuld Dir jetzt kein Aspirin

LG, Rhea
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Venus
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;o)
ein bier w├Ąr mir lieber!
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in den gro├čpassat -
und lebe erst recht

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Jongleur
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Wahnsinn

Hallo Rhea,
ein nachwirkendes Erlebnis, eine der schwierigsten menschlichen Lebenssituationen hast Du Dir da vorgenommen!
Sehr beeindruckend schilderst Du die Verzweiflung, das dennoch sehr Lebendige (gl├╝hende Schw├Ąrze / dunkelblutig.

So dramatisch gezeichnet das kommt, so f├╝hle ich mich doch als Leser ├╝berfordert. Vor allem im ersten Teil des Gedichtes finde ich so viele Interpreationen des Betrachters von au├čen, so dass die eigentlich beobachteten, wahrnehmbaren Details fast untergehen (tr├╝be Augen, das Loslassen dessen, was einst das Leben ordnete).

Fasziniert hat mich der Satz "vergessen, was einst das Leben ordnete". Wobei meine ├ťberlegung eher dahin geht, ob nicht die geordnete Wahrnehmung der Welt und die Interaktion im Leben "├╝berlagert", dadurch ausgeblendet werden.
Auch der im Text durchscheinende Wechsel an Stimmung von "tr├╝b" nach "Glut".
Insgeamt aber ist mir pers├Ânlich der erste Gedichtteil zu sehr dramatisch mit Adjektiven und Bildern "ausgeschm├╝ckt".

Wirklich angesprochen hat mich der zweite Teil Deines Gedichtes!! Der Kampf eines Menschen um den Verstand, sich mit letzter Kraft noch wehren, dies Festhalten-Wollen, sich nicht dem Wahn ├╝berlassen.
Allerdings empfinde ich eine "Kante", die wechselweise "br├Âckelig", dann wieder "scharf" ist als Widerspruch. Was hieltest Du davon, f├╝r das zweite Bild das Wort "Grenze" zu nutzen?
Dieser Text treibt auch toll voran, in Atemlosigkeit zeigt er ein Verfangensein. Um das zu st├╝tzen, w├╝rde ich das (langsamermachende) "und" noch entfallen lassen und statt dessen das "tanzt" vorziehen ...

Darf ich ... mal ... am Text zeigen, wie es mir durch den Kopf ging, wie ich es meine, was ich mir auch vorstellen k├Ânnte mit Deinem Gedicht??

Sonntagsgru├č vom Jongleur




Wahnsinn

An br├Âckliger Kante h├Ąngt der letzte Rest
eines verzweifelten
Verstandes,
an der scharfen Grenze zur Welt
reibt sich der letzte
seidene Faden
seines Netzes
wund,

tanzt,
in den tr├╝ben Augen
gefangen,
ein kleiner Funke,

demder Betrachter
folgt,
wilde Spr├╝nge
eines zuckenden
Schmerzes im Kopf.

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Rhea_Gift
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Hi Jongleur,

wie immer dnake f├╝r die intensive Auseinandersetzung, die Doppelung der Kante gefiel mir auch nicht. Habe es jetzt ge├Ąndert, aber anders, als Du vorschlugst. Ich denke, eine Kante und ein Grat lassen sich noch vereinbaren.
Ich wollte sehr im Bild und Gef├╝hl bleiben, nur unterschwellig Interpretationen einbauen, daher lasse ich die Dramatik (ich denke, da├č es sowohl gef├╝hlsm├Ą├čig kaum bemerkten wie aber auch mit dramatischen Gef├╝hlen sich ank├╝ndigenden Wahnsinn gibt).

Gerade das "und" mit folgender Leerzeile ist f├╝r mich wichtig, der Faden rei├čt, daher bricht auch die innere Wahrnehmung ab (l├Ą├čt sich nicht mehr in verst├Ąndige Worte fassen) - es folgt der Umschwung zum Betrachter von au├čen, der (mit der Welt) in der ersten Zeile ausgeschlossen wird. Die Struktur, die vergi├čt, was sie einst ordnete, meint den Verstand, der zwischen sich und der Welt noch unterscheiden kann - das folgende Chaos ist f├╝r den wahnsinnig Werdenden die Realit├Ąt, der Unterschied entf├Ąllt. ├ťber diese Interpretation und Folge l├Ą├čt sich sicher streiten - und Philosophen streiten sich ├╝ber die Frage der Wahrnehmung seit ihren Anf├Ąngen bis heute darum

Mein Gedicht ist nur ein Versuch, Wahnsinn l├Ą├čt sich sicher auch anders darstellen...

LG, Rhea
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