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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Wahrer Horror
Eingestellt am 30. 09. 2002 12:36


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Antaris
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Wahrer Horror

Bis zum vergangenen Monat hat B. in einem Dorf in Bosnien in der Familie ihres Vaters und ihrer Stiefmutter gelebt. Dass die Stiefmutter sie fortw├Ąhrend dem├╝tigte und misshandelte k├╝mmerte niemand. Die M├Ąnner pochen auf ihr Recht, Auseinandersetzungen unter den Familien mit Waffengewalt auszutragen. Krieg oder nicht, ein Mensch z├Ąhlt nicht viel in der Region, und eine Frau erst recht nicht.

Nach den Pflichtschuljahren versorgte B. tagein, tagaus die Schweine der Familie, welche die Schwiegermutter selbst schlachtete und verkaufte. So bringt sie mehr ein als wenn sie einem Beruf nachginge, sagte ihr die Stiefmutter. Einmal war sie f├╝r ein paar Wochen im Ausland. Ein entfernter Verwandter hatte eine Kneipe in S├╝ddeutschland, und freute sich ├╝ber die Arbeitskraft, die nur gegen Kost und Logis zur Verf├╝gung stand, bis ihn Nachbarn oder Konkurrenten verpfiffen. Stundenlang waren Kontrolleure im Haus, aber sie fanden B. nicht, weil die Wirtsleute sie auf dem Klo eingeschlossen hatten. Danach schickten sie die Wirtsleute zur├╝ck.

F├╝r die n├Ąchsten beiden Jahre versorgte sie wieder die Schweine. Als die Nachbarn ihr erz├Ąhlten, dass sie bald heiraten sollte hielt sie das f├╝r Gerede, aber dann kamen Fremde. Ein Vater suchte eine gute Frau f├╝r seinen Sohn hie├č es. Du heiratest, entschied die Schwiegermutter, und dann flog B. mit ihrem zuk├╝nftigen Schwiegervater nach Oslo, Norwegen. Das Touristenvisum war schon vorbereitet, und der Handel war perfekt.

Viel hat ihre Stiefmutter und ihr Vater nicht f├╝r B. bekommen. Teile ihres Gesichts und ihres Oberk├Ârpers sind entstellt seit die Stiefmutter im Suff einmal einen K├╝bel kochendes Wasser ├╝ber ihr auskippte.

In Oslo hat sie nun drei Monate Zeit, schwanger zu werden, dann wird sie geheiratet, wenn nicht, wird sie zur├╝ck geschickt. Eine Frau aus zweiter Hand z├Ąhlt in ihrer Heimat freilich noch weniger.

Wenn sie ein Kind gebiert darf sie nicht einmal den Namen f├╝r ihr Kind selbst bestimmen. Das ist Sache der Schwiegereltern und des Mannes. Sie bestimmen auch, wie oft und wie lange B. ihr Kind in den Arm nehmen darf, wie ihr Kind erzogen wird, und alle anderen Dinge, ├╝ber die M├╝tter normalerweise selbst entscheiden. Schweinefleisch und Slibowitz lassen nicht dar├╝ber hinwegt├Ąuschen, dass sich B.’s neue Familie ebenso wie die alte als Moslems sehen, und nach ihrem Verst├Ąndnis geh├Âren Kinder grunds├Ątzlich zur Familie des Vaters. In ihrer Heimat w├Ąre es sogar denkbar, dass die Schwiegereltern ihr Kind als eigenes Kind registrieren lassen.

Verl├Ąsst B. ihren Mann, oder, wie es bei ihrer leiblichen Mutter geschah, findet der Mann nach ein paar Jahren eine andere Frau bleiben die Kinder in der Familie des Vaters. Fr├╝her hat die Familie ihres Vaters B. erz├Ąhlt, ihre Mutter sei gestorben, aber l├Ąngst wei├č sie, dass ihre leibliche Mutter in Deutschland lebt. Alle paar Jahre gelingt es Mutter und Tochter einander zu treffen, ansonsten halten sie lose Kontakt per Telefon. Das alles ist leider in meiner Heimat normal, sagt die Mutter, ich wurde fr├╝her auch verkauft.

Die Hochzeitsvorbereitungen laufen. Die Verwandtschaft scheut sich nicht, die angehende Braut mit einer Videokamera zu filmen, und ├╝ber Umwege gelangt das Video zu B,’s leiblicher Mutter. Auf dem Video blickt B. apathisch zur Seite. Ihr Gesicht ist verquollen.

Sie schlagen mein Kind tot, sagt die Mutter, ich muss nach Oslo reisen und mein Kind sehen.

Ihr Mann erlaubt ihr die Reise nicht.

__________________
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margot
???
Registriert: Mar 2002

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ja, in manchen regionen der welt existiert
die barbarei pur. sch├Ân geschildertes beispiel
f├╝r etwas, das man als zivilisierter mensch
eigentlich f├╝r unm├Âglich halten sollte.

ralph
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schlagt mich bitte nicht tot. ich bin kitzlig.

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Antaris
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Horror

Hallo Ralph,

ich habe nicht genug Phantasie um mir sowas auszudenken, und und bewu├čt auf literarische Ausschm├╝ckungen verzichtet. Das letzte Kapitel dieser Geschichte ist auch noch nicht geschrieben. Das Schlimme ist, dass solche Dinge auch in unserer n├Ąchsten Umgebung vorkommen - vor aller Augen und doch unbemerkt. Wenn Du davon h├Ârst denkst Du wahrscheinlich, warum haut die Frau nicht ab und rennt zur n├Ąchsten Polizeidienststelle, aber aufgrund ihrer Erziehung zieht sie diese M├Âglichkeit nicht in Erw├Ągung. Ausserdem sitzt die Angst vor der Polizei im fremden Land sehr tief.

Terres-des-femmes macht hierzulande gerade eine Kampagne gegen Zwangsheiraten, ist aber in Norwegen nicht vertreten. Kennt zuf├Ąllig irgendwer in Lupanien Frauenorganisationen in Norwegen?

LG

Antaris
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Esel sei der Mensch, st├Ârrisch und klug

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margot
???
Registriert: Mar 2002

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sind wir wirklich solcherma├čen spielb├Ąlle unserer
erziehung und herkunft, da├č wir unseren stolz
quasi bei unserer geburt abgeben?
__________________
schlagt mich bitte nicht tot. ich bin kitzlig.

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Antaris
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Spielball

Hi Ralph,

ich f├╝rchte, ja. Wenn Du Dein Leben lang gedeckelt wirst f├Ąllt es Dir schwer zu glauben, dass irgendetwas anderes f├╝r Dich m├Âglich ist, auch wenn es Dir andere Menschen vorleben, und wenn Du einmal Deinen Stolz abgegeben hast wird es verdammt schwer, ihn Dir wieder zu erk├Ąmpfen.

B. wurde vor einigen Tagen in eine KLinik eingeliefert. Nun soll sie zur├╝ckgeschickt werden. Ihr Vater hat sich mit dem Auto(!) auf den Weg gemacht um sie zu holen.

LG

Antaris
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margot
???
Registriert: Mar 2002

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mehr als mein mitgef├╝hl mit den opfern und meine
verachtung f├╝r die menschen, die dieses unrecht
zulassen, kann ich leider nicht leisten.
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schlagt mich bitte nicht tot. ich bin kitzlig.

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