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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Wahrheitssuche
Eingestellt am 13. 05. 2009 21:03


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Lauren
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: May 2009

Werke: 4
Kommentare: 12
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Wahrheitssuche

Warum schleichst du eigentlich die ganze Zeit hier herum?“, fragte der Mann im grauen Arbeitsmantel, während er Bierkästen aufeinander stapelte.
„Och, nur so.“ Tom stand an der Schwelle zur Halle, die Hände in den Hosentaschen.
„Warst du nicht gestern auch schon hier?“
„Hm.“
„Wenn du was kaufen willst, musst du nebenan in den Supermarkt.“
“Ich will nichts kaufen.“
Der Mann musterte Tom und schüttelte den Kopf: „Du kannst mir helfen, wenn du schon da bist.“
„Was soll ich machen?“
„Hier, die ganze Palette muss auf die Rampe geschlichtet werden, aber ordentlich!“
„Geht klar.“ Tom betrat endgültig die Halle und half mit, den Gabelstapler abzuladen.
„Arbeiten Sie schon lange hier?“, fragte er nach einer Weile .
„Erst ein paar Wochen. Warum willst du das wissen?“
„Hat keinen besonderen Grund“, antwortete Tom so beiläufig, wie möglich.
„Du bist mir vielleicht ein komischer Vogel. Hast` nichts Besseres zu tun, als im Supermarkt umsonst zu schuften?“ Er schaute Tom direkt an.
„Weiß nicht.“ Tom vermied den Blickkontakt und wuchtete einen Kasten nach oben.
Der Mann schüttelte ungläubig den Kopf.
Sie arbeiteten schweigend, bis alles abgeladen war.
„Hast du noch Lust?“, fragte der Mann dann und grinste.
„Ja, schon.“
„Hier, die Saftkästen da vorne müssen auf den Gabelstapler.“
„In Ordnung.“
„Bist du so´n Ding schon mal gefahren?“
„Wer ich? Nee!“
„Mach mal voran, dann zeig ich`s dir.“
„In Ordnung.“
Als Tom so weit war, erklärte der Mann ihm, wie der Gabelstapler funktioniert. Tom hatte den Dreh schnell raus: „Hey, cool!“, rief er, während er zwischen Türmen von Kästen durchmanövrierte.
„Fahr da rüber.“ Der Mann lief die ganze Zeit neben ihm her, bis sie ganz hinten in der Halle angekommen waren. „Okay! Jetzt anhalten und runter mit der Gabel…. Ja genau so. Und jetzt muss alles wieder abgeladen werden.“
Gemeinsam machten sie sich an die Arbeit. Tom reichte dem Mann die Kästen, der sie an der Rückwand stapelte.
„Was haben Sie gemacht, bevor Sie hier angefangen haben?“, fragte Tom irgendwann.
„Warum willst`n das schon wieder wissen?“
Tom schluckte: „Bin eben von Natur aus neugierig.“
„Dies und das, hab ich gemacht.“ Der Mann keuchte. „Bin zur See gefahren“, platzte es dann aus ihm heraus. „Auf Frachtschiffen. War überall: Hongkong, China, Afrika. Hab die ganze Welt gesehen. War ´ne tolle Zeit. Aber irgendwann hat man die Schnauze voll. Irgendwann will man einfach wieder nach Hause.“ Er breitete beide Arme aus und ließ seinen Blick über die Halle wandern, als ob sie sein zu Hause wäre.
„Wie lange waren Sie weg?“ Tom hielt den Atem an.
„14 Jahre.“
„Und Sie heißen wirklich Farmer?“
„Was ist das denn für ne blöde Frage? Steht doch hier.“ Er zeigte auf den eingenähten Namenszug auf seinem Arbeitsmantel.
„Meine Mutter kannte mal einen, der Farmer hieß.“
„Deine Mutter? Wie heißt die denn?“
„Inga Mentzel.“
Farmer überlegte: „Kenn ich nicht.“
Jetzt oder nie, dachte Tom und holte Luft: „Früher hieß sie Gebauer!“
„Inga Gebauer“, wiederholte Farmer langsam. Er stellte seinen Kasten ab. Dann richtete er sich auf und starrte Tom an. Diesmal hielt Tom seinem Blick stand.
„Wie alt bist du?“
„Dreizehn.“
Farmer setzte sich auf eine der Kisten und vergrub den Kopf in den Händen. „Mein Gott“, flüsterte er.


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Retep
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jun 2008

Werke: 41
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Guten Morgen Lauren,

gute Kurzgeschichte.
- keine Einleitung
- zwei Protagonisten stehen im Mittelpunkt
- chronologisches Erzählen im Präteritum (Dialog)
- wenig Handlung
- einfache Sprache
- im Laufe des Dialogs Hinweise auf die Pointe
- „Hat keinen besonderen Grund“, antwortete Tom so bei-
läufig (kein Komma) wie möglich.
- Tom vermied den Blickkontakt
- Wie lange waren Sie weg?“ Tom hielt den Atem an.
(Tom vermutet, dass es sich um seinen Vater handelt,Farmer
weiß noch nicht, worauf das Gespräch hinauslaufen
wird.)
- Pointe am Schluss des Textes.

Du verstehst es, Spannung aufzubauen, ich wusste zunächst nicht, wie die Geschichte enden würde.

Kleine Tippfehler:
- geschlichtet
- wie der Gabelstapler funktionierte.

Habe den Text gerne gelesen.

Gruß

Retep

__________________
>Die Kritiker nehmen eine Kartoffel, schneiden sie zurecht, bis sie die Form einer Birne haben, dann beißen sie hinein und sagen: „Schmeckt gar nicht wie Birne.“< (Max Frisch)

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bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

ich schließ mich den beiden nicht an, lieber @lauren.

wir erfahren etwas über gabelstapler fahren, saftflaschen, supermärkte und namensschilder, auch der vorname des knaben wird genannt: tom, und dann, am ende, kommt das raus, was man ab der mitte schon vermutet: s'ist der sohn.

leider erfahren wir von den personen gar nichts, nicht mal die haarfarbe, was für stimmen sie haben und welche eindrücke sie aufeinander machen.

der text ist ungefähr so spannend und so ergreifend wie blättern in einem adressbuch oder straßenverzeichnis, in dem man fündig wird oder nicht. es ist allenfalls eine stoffsammlung für eine noch zu erzählende geschichte darüber, wie sich vater und sohn in einem getränkemarkt zum ersten mal begegnen.

wenigstens einer der beiden sollte sowas erkennen lassen wie ein gefühl, und der andere sollte irgenwann anfagen, etwas zu ahnen - nicht erst am schluss, wennn ihm ein name genannt wird.

tipp: sich in den knaben wirklich reinversetzen, @lauren, nicht bloß schildern, wie er rumsteht oder flaschen sortiert. irgendwas muss er doch denken, dabei, oder nicht? und auf das käm's dem leser an. nicht, ob schnaps oder bier in den flaschen ist.

liebe grüße aus münchen

bluefin

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suzah
Guest
Registriert: Not Yet

wahrheitssuche

hallo lauren,

die geschichte könnte tatsächlich noch einige kleine änderungen vertragen, damit sie noch besser wird.
ich hatte ähnliche eindrücke wie frankk. u.a. kann ich mir auch nicht vorstellen, dass der mann es riskiert, dem fremden jungen den gabelstapler anzuvertrauen.
ausserdem hat bluefin recht, ein wenig müsste von den gefühlen der prots durchschimmern, ahnt der mann nichts, was denkt der sohn, das liesse sich doch auch in wenigen worten andeuten.

liebe grüße suzah

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Gernot Jennerwein
Häufig gelesener Autor
Registriert: Oct 2008

Werke: 108
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hallo @suzah und @FrankK

Ich find das nicht so abwegig mit dem Gabelstapler. Es gibt doch genug verrückte Kerle, vielleicht auch etwas leichtsinnige.
Außerdem ist der Mann da jahrelang zur See gefahren, also ein Abenteurer auf jeden Fall, und dem Jungen hatte er das Staplerfahren ja gezeigt, also konnte er auch selbst einschätzen, ob dieser es konnte oder nicht, außerdem war er ständig in seiner Nähe, um eventuell einzugreifen.

Liebe Grüße Gernot
__________________
der Sibirier

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Lauren
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: May 2009

Werke: 4
Kommentare: 12
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Wahrheitssuche

Danke für Eure Kommentare.

Es ging mir beim Schreiben hauptsächlich darum, einen Dialog zu schreiben, da sind die Gefühle wohl etwas zu kurz gekommen.
Grundsätzlich gebe ich euch Recht.

LG
Lauren

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