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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Wahrnehmungen
Eingestellt am 14. 02. 2014 12:03


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arielleira
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jan 2014

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Tim holte mich von der Arbeit ab und wir schlenderten durch Frankfurt. Ich war etwas nerv├Âs und unsicher, ich kannte ihn ja kaum und wusste nicht so recht ├╝ber was wir reden sollten. Doch meine Unsicherheit legte sich schnell und wir sprangen von einem Thema zum n├Ąchsten. Er erz├Ąhlte mir dass der Job bei dem wir uns kennen lernten sein erster sei und er solche Jobs nicht mehr mache. Er nahm sich vor sein Abi zu machen, zu studieren, zu reisen. Er war noch neugieriger auf das Leben als ich es je h├Ątte sein k├Ânnen. Er schien mir so befreit und leicht. Ich bewunderte ihn daf├╝r, doch ich wurde das Gef├╝hl nicht los, das irgendetwas mit ihm nicht stimmte. Es h├Ârte sich alles zu perfekt an, zu unreal f├╝r meine Ohren. Das Leben konnte doch nicht so sch├Ân sein!

Meine Bef├╝rchtungen wurden war als er mich mit zu einem Freund nahm. Der besagte Freund hatte seine Bude in einer Seitenstra├če der Kaiserstra├če im 5. Stock direkt ├╝ber einem Bordell. Sch├Âner konnte wohl eine Wohnung nicht gelegen sein, dachte ich mir. Ein Junkie, wie er im Bilderbuch stand, ├Âffnete uns die T├╝r. Schlagartig wurde mir klar woher Tims Euphorie und Lebensfreunde entsprungen war. Tim machte nun einen eher ern├╝chterten Eindruck. ÔÇ×Wei├čt du was, all die Dinge die ich dir vorhin gesagt habe w├╝nsche ich mir mehr als alles andere. Doch ich wei├č auch, dass ich sie nie erreichen werde.ÔÇť fl├╝sterte er mir leise zu, als wir durch den Flur liefen. Ich verstand Tim, denn mir erging es nicht anders.

Die Gedanken in meinem Kopf ├╝berschlugen sich auf dem Weg in das Wohnzimmer und mit dem Blick auf den kleinen Couchtisch und dem darauf verstreuten Pulver, Kristallen, Spritzbesteck und kleinen Crackpfeifen wurde mir bewusst wie tief wir eigentlich schon in dem Sumpf steckten. Was w├╝rde das f├╝r einen Unterschied in meinem verkorksten Leben machen, ob ich jetzt noch eine Nase ziehe oder nicht?

Zehn Minuten sp├Ąter schnupfte ich das erste Mal H. Tim und sein Freund kochten sich das H auf deinem Suppenl├Âffel ├╝ber einer Feuerzeugflamme auf und zogen sich zwei kleine Spritzen auf. Sie banden sich fast synchron den linken Oberarm ab und jagten sich das Zeug in die Venen, welche ├╝bers├Ąt mit kleinen L├Âchern und Wunden waren. Zuvor hatten sie mir eine kleine Line vorbereitet und einen gerollten 50 ÔéČ Schein daneben gelegt. Schei├č auf alles, dachte ich mir und zog.

Ich sa├č gespannt und ungeduldig auf der Couch neben den andern beiden. Mir gingen alle m├Âglichen Dinge durch den Kopf. F├╝r einen kurzen Moment blendete sich alles um mich herum aus. Meine Augen fielen zu und es f├╝hlte sich an als w├╝rde ich auf einem flauschigen Teddyb├Ąren in Lebensgr├Â├če sitzen, ich lie├č mich ganz und gar auf die neuen Eindr├╝cke ein. F├╝hlte mich umarmt und unglaublich entspannt. Der Teddyb├Ąr schaukelte sanft unter mir und ein Gef├╝hl der W├Ąrme durchfloss meinen K├Ârper.

Meine Wahrnehmungen verschwammen und als ich f├╝r einen kurzen Augenblick meine Augen ├Âffnete sah ich alles doppelt oder nur die Umrisse der Gegenst├Ąnde die mich umgaben. Alles verlangsamte sich und stand schlie├člich still. Mein gesamter Zustand l├Ąsst sich nur schwer in Wort fassen, es war unglaublich. Selbst das Gef├╝hl von ├ťbelkeit und Erbrechen st├Ârte nicht meinem gelassenen und gl├╝ckseligem Zustand. Ich stellte mir vor wie ich ├╝ber eine bl├╝hende Wiese schwebte, mit meiner Hand ├╝ber die Halmspitzen streifte und mich in der Luft drehte und Saltos schlug.

Tim und sein Freund sa├čen regungslos neben mir auf der Ledercouch und zuckten alle paar Sekunden zusammen. Ich hingegen f├╝hlte mich fantastisch, mir kam es auch nicht in den Sinn zu sprechen oder mich nach dem Empfinden der anderen Beiden zu erkundigen. Ich war in meiner Welt und dort wollte ich keinen anderen Teilhaben lassen. Zu sch├Ân war es dort. Es war nicht wie beim Rausch eines Teils oder Kokains welches Unmengen an Gl├╝ckshormonen freisetzte sondern es umgab mich eher ein bet├Ąubender und warmer Schleier aus Gelassenheit. Mein Kopf war dabei v├Âllig leer und gedankenlos, an das Einzige an dass ich dachte war wie wohl ich mich f├╝hlte und die damit verbunden Eindr├╝cke.

Ich versuchte auf zu stehen um mir etwas zu trinken zu holen, doch ich schaffte es nicht. Mein K├Ârper hatte auf einmal das Gewicht eines Lastwagens, welches ich unm├Âglich aufstemmen konnte. Ich blieb sitzen und hatte Durst. Tim tippte mich von der Seite an und fragte mich mit kratzender und leiser Stimme wie es mir ginge. Ich wollte ihm antworten doch meine Stimme war weg. In einem piepsigen Ton brachte ich schlie├člich ein ÔÇ×GutÔÇť heraus und war allein vom Versuch zu Sprechen ersch├Âpft.

Es ├╝berkam mich das Gef├╝hl als w├╝rde ich im Sommer im Regen stehen und sanften Tropfen meine Kleidung benetzen. Ich genoss es und blickte an mir hinunter und stellte fest dass ich mir das alles nicht eingebildet hatte. Schwei├čausbr├╝che wie ich sie noch nie zuvor erlebt hatte, hatten mein Shirt durchn├Ąsst. Ich fasste mir durch den Ansatz der Haare und auch dieser war befeuchtet. Langsam wendete ich meinen Blick zu Tim, er war kreidebleich und Schwei├čperlen kullerten ├╝ber sein Gesicht. Er st├Âhnte leise bei jedem Atemzug, war v├Âllig weg getreten. Er lie├č seinen Kopf nach hinten fallen und rang nach Luft. Ich realisierte nicht wie schlecht es ihm wirklich erging und genoss weiter meinen Flash.

Ich wurde erst aus meiner Traumwelt gerissen als er nach vorne ├╝berkippte und zusammen gekr├╝mmt auf dem dunkelblauen Teppichboden lag. Sein Freund regte sich nicht und blieb wie erstarrt sitzen. Ich versuchte mich zu ihm zu beugen, hatte jedoch jegliche K├Ârperspannung verloren und fiel kopf├╝ber zu ihm auf den Boden. Da lagen wir beide nun, keiner von uns war im Stande etwas zu unternehmen und vor allem ich konnte ihm nicht helfen.

Ich f├╝hlte mich wie ein Maik├Ąfer der auf seinen R├╝cken gefallen ist und sich nicht mehr umdrehen konnte. Mit letzter Kraft lie├č ich mich auf die Seite fallen und landete unmittelbar vor seinem schmerzverzehrten Gesicht. Er rang immer noch Luft, keuchte und st├Âhnte. Seine Wangen bl├Ąhten sich auf, er riss die Augen auf und ich erschrak f├╝rchterlich ├╝ber die Tatsache, dass er keine Pupillen mehr hatte. Sie sahen wie eine Nadelspitze aus, umrandet von seiner eisblauen Iris. Ich wusste immer noch nicht so recht wie mir geschah, ich war so drauf wie ich es noch nie zuvor gewesen war.

Es f├╝hlte sich an, als w├╝rde man bei mir einen Knopf dr├╝cken und der Computer Kopf w├╝rde alle ge├Âffneten Dateien schlie├čen und alle gespeicherten Daten l├Âschen. Dies l├Âste ein solch befreiendes und befriedigendes Gef├╝hl aus, in einem Ausma├če welches ich nie f├╝r m├Âglich hielt. Ich zwang mich meine Augen zu ├Âffne. ÔÇ×Hilf mir!ÔÇť fl├╝sterte er mit angeschlagener Stimme bevor er sich auf den R├╝cken rollte und vor Schmerzen winselte. Nun realisierte ich, soweit es mein Zustand erm├Âglichte, den Ernst der Lage, raffte mich zusammen und richtete mich ├╝ber ihm auf. Ich r├╝ttelte an seinem Arm, schlug ihm ins Gesicht, ich redete auf ihn ein, sch├╝ttelte ihn erneut. Nichts half.

Sein Freund sa├č immer noch regungslos auf der Couch und bekam von all dem wohl nichts mit. Langsam brach Panik in mir aus. Was sollte ich tun? Unaufh├Ârlich versuchte ich ihn wieder zu Bewusstsein zu bringen. Doch alle meine Bem├╝hungen waren umsonst. Dachte ich, doch dann r├╝hrte er sich. ÔÇ×Hilf mir!ÔÇť stammelte er wieder und wieder. ÔÇ×Mein Herz..ÔÇť war sein letzter Satz den er von sich gab. Immer noch v├Âllig zu gedr├Âhnt gepaart mit Hilflosigkeit r├╝ttelte ich an ihm herum. Ich raufte mich hoch und torkelte mit schwankenden Schritten in Richtung K├╝che, vorbei an Umzugskartons, Holzst├╝hlen, Klamotten die ├╝berall auf dem Boden verteilt waren und M├╝ll, wohin das Auge reichte, schl├Ąngelte ich mich zur K├╝che.

Ich riss alle T├╝ren und Schubladen auf bis ich endlich ein Glas fand. Ich f├╝llte es mit Wasser aus dem Hahn und wankte zur├╝ck zu Tim. Das Wasser hatte ich fast bis zur H├Ąlfte auf dem Weg versch├╝ttet und den Rest entleerte ich auf seinem Gesicht. Nur schleppend kam er zum Gl├╝ck wieder zu sich, kr├╝mmte sich wieder zusammen und schlie├člich nach einer gef├╝hlten Ewigkeit ├Âffnete er wieder seine Augen.

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