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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Waidmanns Gram
Eingestellt am 20. 01. 2019 21:24


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schwarze sonne
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Er schloss die Augen und lie├č den Fr├╝hlingsduft durch die Nase gleiten. Das bewusste Einatmen gab ihm ein Gef├╝hl der Freiheit. Sein Blick schweifte ├╝ber das Feld. Diesen Moment des Friedens g├Ânnte er sich stets ÔÇô den Moment, bevor die Flinte knallte, die V├Âgel aufstiegen, die Hunde jaulten und die Schmetterlinge ihre Fl├╝gel einklappten. Der Mann liebte den Geruch des nassen Laubes, liebte die mysteri├Âsen, schier unergr├╝ndlichen Wege des Waldes. Er liebte diese fast volkommene Stille, bevor seine Finger den Abzug dr├╝ckten.

Als kleiner Junge lag er h├Ąufig verborgen in der Lichtung am Rande des Hains. In diesen stillen Minuten des kindlichen Versteckspiels beobachtete er die Blumen, Falter und V├Âgel. Er erkannte sie an ihren Liedern, wusste, wo sie ihre Nester bauten.

Der Mann ├Âffnete die Augen und blickte zum Himmel, ein Adlerpaar kreiste hoch ├╝ber ihm. Er musste konzentriert bleiben, sich seiner Aufgabe vergewissern.

Als Knabe schlich er sich h├Ąufig in der Morgend├Ąmmerung aus dem Hause, mit dem Ziel, Rehe, Wildschweine und Hirsche zu beobachten. Er liebte es, wenn die Tiere miteinander k├Ąmpften, ihr Br├╝llen und das Bersten der Geweihe durch die Lichtung drang und ihm ein kaltes Schaudern bescherten.

Er erinnerte sich, dass er es gewesen war. Er war der erste, der sie sah. Eines Morgens kletterte er auf eine Eiche, setzte sich auf einen breiten Ast, den Stamm im R├╝cken, in der Hoffnung, einen guten Kampf zu bekommen. Doch bald entdeckte er sie - zwei Wolfswelpen ├╝ber das Gras h├╝pfend, einer Schmetterlinge jagend. Ihre Eltern bildeten die Nachhut. Einige Meter, bevor sie in den Wald eintraten, hielt der Alte inne, drehte den Kopf - und fixierte mit seinen Augen, die des Menschenjungen. Die Welt blieb f├╝r einen Moment stehen. Bis der Wolf im Unterholz verschwand.

Viele Monde vergingen, die Population der W├Âlfe stieg, ihr Geheule wurde seine Nachtmusik. Unz├Ąhlige gerissene Schafe musste die Gemeinschaft beklagen.

Der J├Ąger dachte an seine Kindheit im Wald, w├Ąhrend er den Wolf fixierte. Er liebte den Wald, liebte sein Zuhause. Er z├Âgerte, als wolle er dem Tier die M├Âglichkeit geben zu fliehen. Doch seine Beute verharrte. So schloss der Mann die Augen und lauschte dem Peitschen des Schusses. Dann atmete er aus.

Version vom 20. 01. 2019 21:24

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Wipfel
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Hallo schwarze sonne, einen sch├Ânen kleinen Text hast du da eingestellt. Sauber geschrieben - mit einem kleinen Logikfehler, wie ich meine. In Deutschland gibt es seit etwa 2000 wieder W├Âlfe. Das klappt dann mit dem Alter des J├Ągers nicht.

Gr├╝├če von wipfel

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aligaga
Guest
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Vom Alter des J├Ągers ist hier in keiner Zeile die Rede. Er wird uns als "Mann" vorgestellt. Folglich ist er keine Junge mehr, aber auch noch kein Greis. Da er, wie wir aufmerksam lesen, einer "Aufgabe" nachgeht, d├╝rfte es sich um einen Berufsj├Ąger handeln. @Ali sch├Ątzt ihn nach allem, was wir von ihm lesen, auf ├╝30.

Dass man erst im Jahre 2000 "amtlich" feststellte, der Wolf habe sich hienieden wieder reproduziert, hei├čt noch lange nicht, dass er nicht schon zuvor damit erfolgreich war. Es steht halt nur nicht bei Tante Guhgel im Regal, sondern im Ged├Ąchtnis des "Mannes", den wir beim Schuss beobachten d├╝rfen. Er war, und auch das erkennt der aufmerksame Leser, kein kleiner Junge mehr, sondern bereits ein "Knabe", als er die Wolfsjungen zu Gesicht bekommen hatte: knapp vor oder mitten in der Pubert├Ąt.

Zum Dritten: Wann die besagte Jagd stattfand, erfahren wir nicht. Offenbar liegt sie aber nicht in der Vergangenheit, sondern eher in der Zukunft - noch ist hienieden die "Entnahme" von W├Âlfen aus ihrem Lebensraum illegal.

Es kann also gar keine Rede von einem Zeitfehler sein; alles wohldurchdacht und stimmig!

Wie angenehm, wenn mal jemand etwas ohne den ├╝blichen Zeigefinger und ohne den scheinheiligen Schmelz in der Schreibstimme zum Wolf sagt, nota bene zu einer Zeit, wo man sogar den von Prokofjew xtra f├╝r Gro├čstadtkinder "neu eingerichtet" hat, wie's so sch├Ân hei├čt. Er wird jetzt nicht mehr erschossen, sondern "ausgewildert", damit er Lolek und Bolek fressen kann, die Streichelziegen eines s├Ąchsischen Kindergartens. Da lernen die Kinder dann endlich was von "Fressen und gefressen werden", schrieb ein SZ-Journalist unger├╝hrt, der es offenbar nicht so sehr mit der Vorstellungswelt von Kindern hatte.

Der b├Âhse @ali w├╝nscht diesem Schmierfinken von ganzem Herzen einen kapitalen Wolf an den Hals!

Am├╝siert

aligaga

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schwarze sonne
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Hallo molly,

vielen Dank f├╝r deine R├╝ckmeldung. Es freut mich, dass du etwas mit der Geschichte anfangen kannst. Danke auch f├╝r deine Korrektur - du hast nat├╝rlich 100% recht

Hallo Wipfel,

danke auch f├╝r deine R├╝ckmeldung. Ein "sch├Ân" klingt ja schon mal gut

aligaga hat ja eindrucksvoll dargestellt, dass es sich beim vermeintlichen Logikfehler um garkeinen handelt. Vielen Dank daf├╝r, ali. Ob die Geschichte nun in der Zukunft, Gegenwart oder vielleicht sogar Vergangenheit handelt - das soll egal sein. Ich wollte eine, kleine, Geschichte schreiben, die die aktuelle Thematik behandelt .. aber dennoch ist das hier eine Geschichte - kein Zeitungsbericht.

Danke aligaga auch f├╝r deine R├╝ckmeldung. Es ist doch immer wieder interessant, welche Gedanken "die" Leser beim lesen der eigenen Geschichten entwickeln. Ich w├╝nsche jedenfalls niemand einen Wolf an den Hals, ausser vielleicht vereinzelten St├Ârchen.

Beste Gr├╝sse und vielen Dank,

sonne

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