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Leselupe.de > Horror und Psycho
Waldteufel
Eingestellt am 24. 10. 2001 01:11


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Nihilix
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WALDTEUFEL
13.09.-17.09.1996

Unter mir der mit Moos und Gras √ľbers√§te weiche Waldboden. Dar√ľber der sonnige blaue Himmel.
In Gedanken versunken blicke ich umher, h√∂re das vereinzelte Zwitschern eines Vogels, das Knacken des Unterholzes, wenn ein Wild durch das Dickicht l√§uft, das Rauschen der Bl√§tter und √Ąste, wenn ein Windhauch durch die B√§ume f√§hrt oder das Schreien eines geschlagenen Tieres, dass der nat√ľrlichen Nahrungskette zum Opfer f√§llt.
Sehe dann am blauen Himmel einige Wolken sich vor die Sonne dr√§ngen und im n√§chsten Augenblick wieder verschwinden. Zeit vergeht, ich gebe mich meinen Tr√§umen und W√ľnschen hin, versinke in eine Welt, die so nie existieren wird. Die Bl√§tter an den B√§umen leuchten in einsamer Farbenpracht, gold, gelb, braun, orange, r√∂tlich, schimmern sie im letzten Sonnenlicht. Verirrte Strahlen der Sonne durchdringen die Gipfel der B√§ume, w√§rmen meinen K√∂rper ein letztes Mal, dann verschwindet die Sonne farbenfroh langsam am Horizont, ein Bild, Sehnsucht erweckend.
Schleichend bricht die D√§mmerung herein, die Luft wird k√ľhler, es fr√∂stelt mir ein wenig.
Ein starker Wind zieht von Westen her auf, weht zu mir her√ľber einen Duft von Harz und Moder, s√ľ√ülich mir die Sinne raubend, einem schweren Rotwein √§hnlich, der z√§h und blutrot im Glas schimmert, dem Lebenssaft gleich.
Die Schatten der B√§ume werden l√§nger, f√ľhren ein Eigenleben, ver√§ndern Form und Gestalt, mal Fratzen, mal bucklige Gnome, dann wiederum schemenhafte Riesen mit tentakelartigen Armen, nach mir greifend, fordernd, wie ein Seelenr√§uber. Gleichzeitig verstummen die V√∂gel, das Rauschen der B√§ume nimmt zu, mal wie Schreie, mal wie das warnende Gefl√ľster eines Waldgeistes, einer Elfe gleich. Die Dunkelheit umschlingt mich langsam wie ein Mantel, letzte Sonnenstrahlen machen dem ersten Mondschein Platz, schaurig sch√∂n der Anblick der silbrigen Scheibe, von Wolkenfetzen, dunkel und grau, verhangen.
Ein Kauz lässt sein klagendes Lied erklingen, begleitet durch das reißende Rauschen eines Wildbaches.
Die Schatten werden l√§nger, schneller jetzt auch die Gestalt √§ndernd, wollen sie mich packen, schleichen sie sich heran, katzenartig und flink. Leichter Schauder durchf√§hrt mich, von G√§nsehaut begleitet, ich wei√ü, die Zeit der Waldteufel ist angebrochen. Obwohl noch keine Gefahr droht, macht sich die Angst bis ins letzte Glied breit. Ich versuche die Angst zu unterdr√ľcken, allein mit mir selbst, meinen Gedanken und den Waldteufeln.
Sturm keimt auf, der Himmel gelb, wie Schwefel, höllengleich. Ein Donner ertönt in der Ferne. Die Bäume biegen sich, ein Kampf der Natur, Jahrtausende alt. Da plötzlich ein Blitz, erhellt die Szenerie, grinsend und zuckend Fratzen mir entgegen blicken, höhnisch und falsch. Unruhig rutsche ich hin und her, Ruhe und Romantik sind längst Angst und Grauen gewichen. Mein Herz, schnell schlagend bis zum Hals - innere Stimmen flehen um Hilfe. Ich mahne mich selbst zur Ruhe, angewurzelt dem Schauspiel frönend. Laut mit mir redend und auf Antwort wartend, die Angst dadurch versuchen zu vertreiben. Doch Schatten bewegen sich auf mich zu, nicht wissend, ob lebend oder tot, doch auffressend das letzte Licht des Tages. Kein Leben, weit und breit, nur ich selbst und die geballte Natur.
Langsam kriecht die nasse K√§lte in mir hoch, ein Gef√ľhl als ob tausende von toten kalten Fingern √ľber meinen K√∂rper wandern, der vor einiger Zeit noch so gem√ľtliche Platz wird auf einmal spitz wie ein Nagelbrett. Ich springe wie gestochen auf, einen Moment mit meinem Atem ringend und nach Orientierung suchend. Zu guter Letzt tauchen jetzt auch noch die ersten Nebelschwaden zwischen den B√§umen auf, lassen den eben noch zu sehenden Waldweg vor meinen Augen verschwinden. Wieder ert√∂nt ein Donner in der Ferne und ein Blitz zuckt auf. Auch der Gott des Donners und des Blitzes schien heute auf der Seite der Waldteufel zu stehen. Noch hielten diese sich zur√ľck, aber alles schien f√ľr sie zu laufen. Mittlerweile zitternd, vor Angst oder vor K√§lte, wer wei√ü, machte ich mich im Laufschritt in die Richtung auf, wo ich den Waldweg vermutete. Nach einiger Zeit hatte ich diesen dann auch gefunden, w√§hlte schnell und √ľberhastet eine Richtung, in die ich laufen wollte und verschwinde in der Dunkelheit.
Auf einmal prasselt Regen auf den Waldweg, flutenartig er vom Himmel f√§llt. Minuten sp√§ter, der Waldweg ein einziges Schlamm - und Pf√ľtzenmeer, ich selbst durchn√§sst und demoralisiert bis auf die Knochen. Pl√∂tzlich ist der Weg zu Ende, eine Sackgasse, dichter Wald blickt mir entgegen, durch den Nebel erblickte ich wabernde Gestalten, die mir entgegen kriechen. Ruckartig und gehetzt drehe ich mich um, will den R√ľckweg antreten, doch, welch ein Graus, ein Blitz erschl√§gt einen Baum, der mir dann den letzten Ausweg versperrt. Aus dem Baum heraus h√∂hnisch grinsend, blicken mir Fratzen entgegen. Eine Drehung, voller Panik- und herein ins Verderben, hinein in den dichten Wald, willkommen im Reich der Waldteufel. Die ersten Nebelgestalten versuchen mich zu fangen, mal klein und gebrechlich, einem Zwerg gleich, mal stark und dick, einem Riesen gleich. Wild um mich schlagend befreie ich mich aus den zahlreichen Umklammerungen. Trotz der N√§sse und K√§lte entsteht Schwei√ü an meinem ganzen K√∂rper- Angstschwei√ü. Ich renne um mein Leben, links und rechts weiterhin Arme nach mir greifend, H√∂llengesichter mich h√∂hnisch anlachen, der √úberlegenheit bewusst. Durch Spinnennetze und Dornenb√ľsche, Ekel am ganzen K√∂rper versp√ľrend, √ľber Stock und Stein, renne ich um Leben und Tod, schreiend um mich schlagend. Alles dreht sich im Kreis, der Nebel verschwindet, Mondschein erhellt ab und an die Nacht, vereinzelt Blitze am Firmament erscheinend, der Regen nimmt zu. Und ich laufe und laufe, zerkratze mir das Gesicht, Arme und Beine - Wunden, wie kleine Bisse oder gar von Krallenh√§nden gerissen, blaue Flecken und Beulen, √ľbers√§en meinen K√∂rper, wie von Schl√§gen gezeichnet, die Angst mir im Nacken sitzend. Auf einmal, ein gro√üer Baum, mitten im Weg, seine Arme nach mir ausstreckend, doch ich weiche aus, stolpere √ľber die Wurzeln und falle. Schlage auf mit dem Kopf, mit der Besinnungslosigkeit ringend, h√∂re ich Schreie und Lachen, Kr√§chzen und Schmatzen. Sehe Gestalten auf mich zurennen, mit Ihren Fratzen und Armen, tentakelgleich, blicken sie auf mich herab. Aus und vorbei, ein schwarzes Loch bringt die Erl√∂sung.
Schwei√ügebadet, mit einem Schrei auf den Lippen, fahre ich aus dem Schlaf hoch. Nach Luft schnappend und Orientierung suchend, finde ich endlich den Lichtschalter. Helligkeit flutet durch das Schlafgemach, alles ist beim Alten, Erleichterung steigt in mir sp√ľrbar hoch.
Doch pl√∂tzlich merke ich, dass kein Vorhang das Fenster verdeckt, dieses auch nicht verschlossen ist. Auch das Nachbarhaus, sonst ein Steinwurf entfernt, ist nicht mehr zu sehen. Stattdessen B√§ume und Str√§ucher, gro√ü und klein, mit Armem und Fratzen mir triumphal entgegen blicken. Schmerzen am K√∂rper noch dazu, von Kratzern - Bisswunden gleich, Beulen und blauen Flecken. Entkommen zwecklos, endg√ľltig aus und vorbei.
Kein Traum ist nach dem Schlaf beendet. Das Grauen ist √ľberall, nat√ľrlich und gef√§hrlich. Waldteufel gibt es halt nicht nur im Forst oder im Traum. Nein, auch die Wirklichkeit h√§lt ihre Waldteufel f√ľr Sie bereit, achten Sie bei Gelegenheit einmal darauf.



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Michael Schmidt
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√Ėfters mal ganze oder l√§ngere S√§tze sowie Abs√§tze w√ľrden die Lesbarkeit erh√∂hen.

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