Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92209
Momentan online:
484 Gäste und 12 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Wandeln auf nassen Gleisen!
Eingestellt am 22. 08. 2001 23:03


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
FishingWithJack
Hobbydichter
Registriert: Aug 2001

Werke: 5
Kommentare: 0
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Das war wieder eine dieser N├Ąchte, die mich schlichtweg in den Wahnsinn treiben. Den ganzen Tag war es br├╝llend hei├č und trotz zugezogener Vorh├Ąnge und nackt auf dem Bett rumliegen, gab es keine Erleichterung. Und auch jetzt, kurz vor Mitternacht, ist es nicht wesentlich besser. Wenn ich am Nachmittag kurz auf den Balkon trat, um einen Blick auf die Welt zu werfen, sah ich nur leichtbekleidete Frauen. Auch das schafft keine Erleichterung. Also warf ich mir ein Hemd ├╝ber und schl├╝pfte in eine Hose, um noch in die Nacht zu gehen. Ich marschierte die Strasse entlang und blickte in fremde Fenster und Balkone. Die Leute sa├čen zusammen, einer spielte auf einer Akkustikgitarre, Kerzen brannten und ich h├Ârte leises Murmeln und das Klingeln von Weingl├Ąsern, mit denen angesto├čen wurde. Auch um diese Uhrzeit waren die Menschen noch auf der Strasse, sa├čen mit einem Bier oder einer Flasche Wein auf dem Gehweg oder hatten sich gar St├╝hle und ein Tischchen auf die Strasse gestellt. Ich schlenderte in einen D├Âner-Laden und traf sie. Edna! Man stelle sich vor, in einem verkackten D├Âner-Laden. Ist das etwa ein Ort der Romantik? Sicherlich nicht! In diesem Moment allerdings der beste aller Orte. Edna troff etwas Sesamsosse von der Lippe und ich konnte kaum an mich halten, sie ihr nicht einfach vom Kinn zu lecken. Auch sie hatte mich bemerkt, obschon ich unrasiert und ungeduscht war. Sei┬┤s drum, wenig sp├Ąter sa├čen auch wir vor dem Laden auf dem Gehsteig, jeder eine Flasche Bier in der Hand und plauderten, w├Ąhrend wir uns Zigaretten drehten. Was mich daran sehr faszinierte, war die Art, wie sie Zigaretten drehte und wenn ich ganz ehrlich bin, war es nicht die Art wie sie sie letztlich drehte, sondern wie sie das gummierte Papier anleckte. Edna war nicht sonderlich gro├č, vielleicht eins sechzig mit etwas gutem Willen, ihr Haar war braun und lockig. Schminke trug sie keine, ein Tr├Ągershirt, ein schwarzes R├Âckchen und Sandalen. Auch ihr sah man an, dass sie unter der Gluthitze gelitten hatte und ihr Duft wurde dadurch nur noch verst├Ąrkt. Nach einigen Stunden (was wei├č ich, was wir geredet oder geschwiegen hatten) kam ein L├╝ftchen auf und in der Ferne rollte gar ein Donner heran. Endlich Abk├╝hlung. Ich wu├čte bereits vom ersten Moment an, dass, wenn ich Edna diese Nacht nicht haben k├Ânnte, ich nie wieder eine Frau haben wollte. Edna war ein Kind, trotz ihrer 23 Jahre und ihre durchtriebene Naivit├Ąt verschaffte mir von Zeit zu Zeit eine konkrete Erektion. Als der erste Regentropfen fiel, hatten wir schon 3 Bier getrunken. Wir blickten ┬┤gen Himmel und warteten sehns├╝chtig auf mehr. Da erhob sich Edna und streckte mir ihre kleine schmutzige Hand entgegen. "Komm┬┤!", sagte sie, "ich zeig Dir was sch├Ânes". Ich ergriff ihre Hand, die mir weich und klein erschien und mit ineinander verschr├Ąnkten Fingern spazierten wir die Strasse entlang Richtung S-Bahngleise. Eine etwas verwilderte Gegend, Schotter, Buschwerk, abgestellte M├Âbel und M├╝ll. Wir ├╝berwanden einen Zaun (Edna, trotz ihrer geringen K├Ârpergr├Â├če mit Leichtigkeit, ich mit M├╝he) und liefen zu den Gleisen hinab. In diesem Moment brach der Regen los und innerhalb von wenigen Sekunden waren wir na├č bis auf die Haut. Welche Labsal! Wir standen bei einem alten Sofa, aus dem schon die Metallfedern gr├╝├čten und Edna begann sich auszuzuiehen. Sie tat das mit einer Selbstverst├Ąndlichkeit, die mich erregte. "Komm doch", sagte sie wieder und sah mich mit ihren Augen an. Nun zog auch ich mich aus und als sie meine Erregung sah, mu├čte sie unwillk├╝rlich l├Ącheln. Wieder streckte sie mir ihre Hand entgegen, ich ergriff sie und sie f├╝hrte mich auf die Gleise. Dort spazierten wir dann ein Weilchen, zwei nackte Menschenkinder im Sommerregen, Hand in Hand, schweigend. Das Schweigen war in diesem Moment das aufregendeste, ich w├╝├čte auch heute nicht, was man h├Ątte sagen k├Ânnen. Nach etwa 20 Minuten kehrten wir zu dem Sofa zur├╝ck, unter dem unsere Sachen lagen. Wir setzten uns nackt darauf, Edna in meinem Arm und betrachteten ├╝ber Stunden den langsam nachlassenden Regen.
Miteinander geschlafen haben wir nicht. Warum auch, denn die Sch├Ânheit dieses Moments war nicht zu ├╝bertreffen. Ein eigenartiges Bild, denke ich heute oft, zwei nackte Menschen, aneinandergekauert auf einem verdreckten Sofa im Regen. Eigenartig, aber unwiderbringlich sch├Ân!

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Frank Zimmermann
Junior Mitglied
Wird mal Schriftsteller

Registriert: Jan 1999

Werke: 41
Kommentare: 273
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Frank Zimmermann eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Klasse Geschichte

Die Geschichte ist klasse. Der erste Teil ist mir sehr vertraut, weil ich in einem Viertel wohne, in dem es in lauen Sommern├Ąchten genau so zugeht, wie beschrieben.
Auch die Stimmung des Protagonisten ist mir durchaus vertraut.
Dann Edna: kein Klischee, sondern eine Erscheinung, eine besondere Person, trotz oder gerade wegen ihrer M├Ąngel.

Das es dann nicht zum Geschlechtsakt kommt, veredelt die Geschichte geradezu. Zwei Fremde treffen sich in einer hei├čen Sommernacht und gehen ficken. Das kennt jeder. Aber Deine Wendung ist originell und dabei von angenehmer Erotik.

So komme ich denn wieder zum Anfang: die Geschichte ist klasse (k├Ânnte glatt von mir sein...)!
Danke!!
__________________
fz

Bearbeiten/Löschen    


gladiator
Manchmal gelesener Autor
Registriert: May 2001

Werke: 10
Kommentare: 592
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um gladiator eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Hallo FishingwithJack

Sch├Âne Geschichte, die vor allem durch das Ende an Klasse gewinnt. Nur der letzte Absatz...ich komm sp├Ąter drauf, hier meine Anmerkungen:

Und auch jetzt, kurz vor Mitternacht, ist es nicht wesentlich besser. Tempusfehler.

Auch das schafft keine Erleichterung. Tempusfehler.

Auch sie hatte mich bemerkt, obschon ich unrasiert und ungeduscht war. Wieso sollte sie das hindern, Dich zu erkennen? Auf frisch gef├Ânte und schicke Jungs steht sie doch sicher nicht...

Auch ihr sah man an, dass sie unter der Gluthitze gelitten hatte und ihr Duft wurde dadurch nur noch verst├Ąrkt. "man" ist ein Unwort.

(was wei├č ich, was wir geredet oder geschwiegen hatten) Um mit den Worten von Seven of Nine aus Star Trek Voyager zu sprechen : Irrelevant! Wenn Du einfach schreibst, "Nach ein paar Stunden..." wirkt es viel besser, weil die Zeit mit Edna wie im Flug verging. Ich glaube, viele Autoren (mir geht es selbst so) meinen, sie m├╝├čten Zeitspr├╝nge fast entschuldigend erkl├Ąren. So geht es mir hier.

"Komm doch", sagte sie wieder und sah mich mit ihren Augen an. Womit sollte sie ihn denn sonst anschauen?

Miteinander geschlafen haben wir nicht. Warum auch, denn die Sch├Ânheit dieses Moments war nicht zu ├╝bertreffen. Ein eigenartiges Bild, denke ich heute oft, zwei nackte Menschen, aneinandergekauert auf einem verdreckten Sofa im Regen. Eigenartig, aber unwiderbringlich sch├Ân! Meiner Meinung nach komplett ├╝berfl├╝ssig. Du schreibst dem Leser hier vor, wie er Deine Geschichte zu verstehen hat. Aber das wird er auch so tun.

Gru├č
Gladiator



__________________
Die Raben fliegen in Scharen, der Adler fliegt allein.

Bearbeiten/Löschen    


Naciye
???
Registriert: Jul 2001

Werke: 33
Kommentare: 18
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
was es ist

Ich bin eifers├╝chtig! Das wei├čt Du. Mehr dazu in

Hochzeit wegen Edna geplatzt

Gr├╝├če Naciye

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!