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Leselupe.de > Ungereimtes
Wandern
Eingestellt am 02. 06. 2009 08:55


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lapismont
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Wandern

Ein Stein
springt mir von selbst in meinen Schuh
dr├╝ckt erst die Seite
dann in weiche Sohle.
Vorsichtig verlag're ich
mein Gewicht
bei jeden Schritt
damit der Stein nach vorne wandert
in die Spitze,
wo der gro├če Zeh ihn an sich presst
bis die Zeit gekommen ist
ihn auszusch├╝tteln
zu den andern.

Ein Stich in meinen Hacken
eine M├╝cke t├Ąnzelt eilig,
gefangen gequetscht
in blo├čer Faust.
Ein blutiger Fleck,
umgeben von Insektenbeinen.
Wessen Blut auch immer,
am Strumpfansatz beginnt
der Reiz zum Kratzen,
um mich schlagend wehre ich
die ganze Flotte gieriger Schmarotzer,
bis ein neuer Stich am Ohr
mich w├╝tend macht
und aus den Schatten hetzt.

Ein Tropfen Schwei├č
bei├čt in mein Auge.
Verrat der Brauen und Signal
die Zunge auszutrocknen;
und die Hand wird klebrig
wie die Sonnenstrahlen
auf der ungesch├╝tzten Haut.
Der Rest ist vollgesogen
allein das Wissen ohne Trinken
unterwegs zu sein,
erhebt den Durst zur unstillbaren Qual
zur├╝ck zum Schatten, zu den M├╝cken,
in die Netze geiler Spinnen.

Ein St├Âckchen bohrt sich
in den andren Schuh
und scheuert auch den Kn├Âchel auf.
Durch angefressnes Laub hindurch
verfolgt die Sonne meine Flucht
umsummt und angebohrt
entfesselt meine Lunge
einen Heidenl├Ąrm.
Ich schramme hart die Kiefernst├Ąmme,
Harz und Rinde zerren an den Gliedern,
lose Nadeln sto├čen ins Genick
und krauchen langsam hin zur Hose,
wo sie dolchend eine Niere perforieren.

Ein Loch im Gras, ein Grab im Moos,
ich knicke um und falle.
├äste bremsen, strecken ihre harten K├Ârper
mir entgegen,
pf├Ąhlen mich,
schon spritzt die erste Waldameise
ihre S├Ąure und holt Hilfe.
├ťberall bewegt es sich am Boden,
schieben sich die Panzer
auf mich zu.
Der erste Angriff ist noch vage,
doch die zweite Welle brandet schon wie Feuer,
fesselt meine H├Ąnde,
hoffnungslos zur Abwehrschlacht.
Jeder Biss treibt Gift in meine Adern
blaue Stra├čen durch das Fleisch
in Sommersachen;
m├╝de blinzen meine Augen
einmal noch zum blauen Himmel,
wandern weinend durch den Wald
im Schnabel einer Elster.


Version vom 02. 06. 2009 08:55

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Heidrun D.
Guest
Registriert: Not Yet

Es geht ja wohl nur vordergr├╝ndig um einen Ausflug, nicht wahr?

Mich d├╝nkt, ich wittere - nicht etwas shakespearische Morgenluft - sondern ein m├╝hsames Lebensgeschick ... beispielsweise eine redaktionelle T├Ątigkeit *grins. Allerdings w├╝rde LyrI ja dann wohl nicht im Schnabel einer Elster enden ... oder doch?

Fragende Gr├╝├če
Heidrun

Nat├╝rlich k├Ânnten die Rollen auch umgekehrt verteilt sein.

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suzah
Guest
Registriert: Not Yet

hallo lapismont,

teils zum lachen, teils zu lang.

der wander- und lebensunf├Ąhige lyri sollte wohl am besten zu hause in seinem bett bleiben und dort in der stickigen luft seines zimmers ersticken, denn durch ge├Âffnete fenster k├Ąmen ja auch wieder m├╝cken herein...

(das gilt nat├╝rlich auch im ├╝bertragenen sinne)

liebe gr├╝├če von suzah

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HerbertH
???
Registriert: May 2007

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eher Kurzprosa, bis eventuell die beiden letzten Zeilen.

PS: Es sind doch wohl die Augen des LyrI im Schnabel der Elster, nicht der komplette Wanderer.... ?
__________________
┬ę herberth - all rights reserved

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lapismont
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Hallo suzah,

was ist Dir konkret zu lang?

Hallo HerbertH,

als Kurzprosa habe ich es gar nicht geschrieben, sehe es auch gar nicht so, h├Ąngt vielleicht vom jeweiligen pers├Ânlichen Geschmack ab. Immerhin habe ich mir Gedanken ├╝ber Wortmelodie und -wahl gemacht, was ich bei Prosa eher weniger t├Ąte.

Zum Schluss: die letzten vier Zeilen beziehen sich auf die Augen, sie bilden den Blickwinkel des Wanderers ab.

cu
lap
__________________
Kunst passiert.

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suzah
Guest
Registriert: Not Yet

hallo lapismont,
also das ganze in der ausf├╝hrlichkeit, besonders 4. absatz.

wenn ich ein lange wanderung vor hatte oder einen marathon-lauf, so habe ich mich informiert, vorbereitet, getestet, ob meine f├Ąhigkeiten ausreichen und dann entsprechend ausger├╝stet. das gilt f├╝r die reale unternehmung wie auch im ├╝bertragenn sinne.

der arme wanderer leidet, weil er all das nicht ber├╝cksichtigt hat. ist eigentlich doch gar nicht zum lachen eher traurig, er ist lebensunf├Ąhig.

nebenbei, auch wenn in der ichform geschrieben, so muss der lyri ja nicht identisch mit dem autor sein.

liebe gr├╝├če suzah

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