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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Wandern mit Erna
Eingestellt am 24. 02. 2017 03:39


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Resjek
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Apr 2016

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Wir waren zweiundzwanzig Jahre verheiratet. Erna war eine erfolgreiche
Geschäftsfrau und ich Buchhalter in ihrem Betrieb. Wir teilten eine grosse Leidenschaft: Das Wandern.

Wir nutzten jeden freien Tag, um in die Berge zu fahren. Kleine Touren von
fünf bis sechs Stunden lagen uns am meisten. Nichts Extremes, nie höher als dreitausend.
Unterwegs rasteten wir oft, die Bergwirtschaften kannten wir mit Namen: Alpenblick, Himmelreich, Bella Vista und wie sie alle heissen...

Unsere letzte Wanderung machten wir ins Alpstockgebiet.
Es war ein glasklarer Spätsommertag. Wir begannen um sechs Uhr
morgens mit dem Aufstieg bei der Talstation der Stockbahn. Nach etwa zweieinhalb Stunden hatten wir die Felsenegg und damit die Grathöhe erreicht. Wir machten eine kurze Rast und wanderten dann dem alten Saumpfad entlang Richtung Gupf.
Unterwegs wollte Erna einen kleinen Abstecher machen auf den Plattensprung. Das Panorama sei dort oben einfach einmalig, meinte sie.

Wir verliessen den Pfad beim Wegweiser und waren zehn Minuten später
oben. Der Plattensprung ist wirklich platt wie ein Teller, ein Felsvorsprung unter dem es etwa dreissig bis vierzig Meter senkrecht in die Tiefe geht.

Wir legten die Rucksäcke ab und Erna begab sich sofort an den Rand der
Platte. Sie machte das hier immer so. Ich stand ein bisschen weiter zurĂĽck
und sah ihr zu. Sie hielt eine Hand als Sonnenschutz ĂĽber den Augen und schaute in die Ferne.
Es war vollkommen still hier oben.

Ich schaute sie eine Weile nachdenklich an und verspürte plötzlich den
absonderlichen Wunsch, ihr einen Tritt zu geben. FĂĽr den Bruchteil einer
Sekunde hatte ich den fast unwiderstehlichen Drang, sie in die Tiefe stĂĽrzen zu sehen.
Ich wusste, dass ich etwas tun musste, um mich von diesem wahnsinnigen Gedanken zu befreien und hob deshalb den Wanderstock in Richtung Alpenkette. Ich wollte irgend etwas Belangloses sagen, als meine Frau plötzlich einen Schrei ausstiess. Ich sah, wie sie das Gleichgewicht verlor, die Arme haltsuchend in die Luft warf, beim Hinfallen erst auf die Platte schlug und lautlos abstürzte.

Jetzt heisst es, ich hätte sie umgebracht. Zwei Wanderer behaupten, ich
hätte sie mit dem Stock angestossen. Sie hätten es genau gesehen, als sie über der Platte rasteten.
Diese Idioten.

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aligaga
One-Hit-Wonder-Autor
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Wow! In einem Jahr hier zwar 29 eigene "Werke" eingestellt, auf Zuspruch gehofft und ihn auch bekommen, selber aber nur 1 (in Worten: einen!) Kommentar zu einem Werk Dritter abgegeben, und zwar folgenden (am 3. Juli vorigen Jahres):

quote:
Wenn man das so liest, bekommt man auch Lust darauf sich "hinter Sahneeis zu verschanzen.."

Eine witzige Metapher, werde ich mir merken.

Wirklich toll! So muss Literaturforum! Solch kolleigiales Bemühen hält es langfristig aufrecht! Weiter so!

Von @ali war das der letzte Kommentar.

eom

aligaga

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Ji Rina
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Registriert: Apr 2015

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Hallo Resjek,
Auch mir gefällt Deine Geschichte, besonders weil sie so kurz gehalten ist. Nicht ganz klar komme ich mit “den Zeiten” und den letzten beiden Worten. Erzählt wird hier, als sei seit dem Geschehen, eine lange Zeit vergangen;

quote:
Wir waren zweiundzwanzig Jahre verheiratet.
quote:
Wir nutzten jeden freien Tag, um in die Berge zu fahren. Kleine Touren von fĂĽnf bis sechs Stunden lagen uns am meisten.
quote:
Es war ein glasklarer Spätsommertag.
Dann schreibst Du plötzlich:
quote:
Jetzt heisst es, ich hätte sie umgebracht. Zwei Wanderer behaupten, ich hätte sie mit dem Stock angestossen...
Und endest die Geschichte mit:
quote:
“Diese Idioten”
Wenn es bei einem Todesfall zwei Zeugen gibt, die einen als Mörder darstellen, wird es da nicht erst richtig kompliziert? Man wird angeklagt, muss sich einen Anwalt nehmen, mehrere Verhöre, etc…etc…Kommt man aus der Geschichte überhaupt wieder raus?
Diese Frage bleibt fĂĽr mich am Ende offen. Der Autor jedoch schliesst die Geschichte, so als handele es sich um eine kleine Anekdote in seinem Leben.
Die “Leichtigkeit” der letzten beiden Worte stehen für mich nicht im Einklang mit dem vorher erzählten. Wäre die Geschichte im “letzten Sommer”passiert, klänge es für mich runder. Du könntest uns die Geschichte auch vom Knast aus schreiben – oder einen Hinweis geben, dass der Prot. dort bald landen könnte.
Mit Gruss,
Ji

__________________
Der Leser hat´s gut: Er kann sich seine Schriftsteller aussuchen.
(Kurt Tucholsky)

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Ji Rina
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quote:
Der Leser wird eingeladen, selbst darĂĽber zu urteilen, ob Max sie umgebracht hat, oder eben nicht.
Mit diesem stilistischen Dreh bringe ich den Leeer dazu, die Geschichte in seinem Kopf selbst zu ende zu schreiben.
hm...
In dieser KG geht es ja nicht um ein Verhör bei der Polizei, viel mehr erzählt der Autor, "wie es war".
Spätestens hier:
quote:
Ich wollte irgend etwas Belangloses sagen, als meine Frau plötzlich einen Schrei ausstiess.
verstehe ich, dass er die Frau nicht umgebracht hat: sie steht weiter weg; er bleibt zurück, will irgendetwas sagen und sieht wie sie das Gleichgewicht verliert: Nicht umbedingt eine Beschreibung die auf einen evtl. gewollten Stoß hinweisen lässt. Deshalb dachte ich, es gehe darum, dass der Prot, nun unschuldig beschuldigt wird.
Und so bleibt es fĂĽr mich auch unwichtig, ob sie nun zusammen arbeiteten, sie die Cheffin war, etc...

Aber egal, ist nur mein persönlicher Eindruck.

heiter auf der Leiter,
Ji
__________________
Der Leser hat´s gut: Er kann sich seine Schriftsteller aussuchen.
(Kurt Tucholsky)

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FrankK
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Hallo, Resjek

quote:
Na ja, ĂĽber die Struktur von Kurzgeschichten kann man geteilter Meinung sein.

Hmm, eigentlich nicht. Im einfachsten Fall hat eine Kurzgeschichte 3 Elemente:
Einen Anfang – ein Mittelteil – und ein Ende.
Dieser Text hat einen sehr umfangreichen Anfang (gefühlt 75%) und ein sehr knapp gehaltenes Mittelteil (etwa 25%), das Ende besteht (für meinen Geschmack) aus zwei Worten, die im leeren Raum stehen: „Diese Idioten.“

quote:
Ich gebe als Autor eigentlich nur den "Rohbau" vor und lade den Leser ein, sie sich mit seiner Fantasie selbst anzueignen.

Nach der dritten Lesung (tatsächlich, ich habe dieses Stück jetzt drei Mal gelesen) habe ich folgende Empfindung: hier fehlt etwas, ich bin unbefriedigt.
Mit diesem detaillierten (im Verhältnis zum Rest der Geschichte) Setting als Einstieg versprichst Du eine grandiose Aussicht, führst mich als Leser auf einen gut beschilderten (Mordfantasie, tödlicher Absturz) Aussichtspunkt und zeigst – Nebel.
Ein „offenes Ende“ ist ein ganz klein wenig etwas anderes als „gar kein Ende“.
Zum Schluss führst Du mich als Leser in eine „Mordanklage“-Richtung, den nachfolgenden „Krimi“ soll ich mir aber selbst denken.
Anders betrachtet – diese Form deines Textes erinnert mich eher an „Incredible Mashines“, ein Spiel, bei dem mit extrem viel Aufwand (Kanonenkugel, Fallschirm, Aufzug etc.) ein simpler Mechanismus (Lichtschalter) betätigt wird, um eine Lampe einzuschalten.
Im Falle Deines konstruierten „Rohgerüstes“ kommt die Mechanik bis zum Schalter, aber die Lampe bleibt aus. Ich als Leser soll mir nun Gedanken darüber machen, wieso.
„Stromausfall? Schalter nicht richtig betätigt? Birne Kaputt?“
Symbolisch gesehen fehlt in Deinem Text eine Kontrollleuchte, die anzeigt, dass Strom da ist und das deutliche Klick-Geräusch, welches bestätigt, das der Schalter korrekt betätigt wurde.

Deine Geschichte basiert auf dem Konstrukt des Missverständnisses. Er hatte zwar Mordfantasien, seine Frau hatte aber einen Unfall. Die Zeugen sind unzuverlässig und interpretierten das gesehene falsch.

Insofern ist Dein Setting viel zu groĂź geraten.
Sie stirbt – er wird beschuldigt. Hätte auch umgekehrt sein können.
22 Jahre verheiratet – seit drei Monaten verlobt – egal.
Sie ist seine Chefin – sie könnte auch die Tochter seines Chefs sein.
Er könnte von Beruf auch Straßenbahnschaffner sein.
Keines von den Elementen, die Du im Setting verwendest, ist fĂĽr die Szene von Bedeutung.

Du erklärst im Text (deutlich) dass es sich nicht(!) um Mord handelt, damit funktioniert der „Background“ auch nicht wie von Dir gewünscht, als mögliches Motiv.


Für mein Empfinden müsstest Du also tatsächlich noch einmal Hand anlegen.


Aufmunternde GrĂĽĂźe aus Westfalen
Frank

__________________
Leben und leben lassen.

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FrankK
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Nachtrag

Ganz vergessen zu erwähnen, dass Du dir noch einmal die korrekte Schreibung folgender Worte ansehen solltest:
grosse, heissen, verliessen, dreissig, ausstiess, heisst, angestossen

Da ich aber glaube, dass Du (möglicherweise) noch einmal etwas Zeit und Kraft in diese Geschichte investierst, verschwinden (möglicherweise) auch einige dieser Probleme von selbst.


Aufmunternde GrĂĽĂźe
Frank
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Leben und leben lassen.

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Ji Rina
Häufig gelesener Autor
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quote:
Stell dir vor, du wärst einer der " Zeugen", die die Szene beobachtet haben. Je nach Perspektive, die sie eingenommen haben und aus welcher Distanz sie es gesehen haben„ konnten sie ganz gut den Eindruck haben, dass der erhobene Spazierstock zum Stoss verwendet wurde...
Darum ging es garnicht. Egal was die Zeugen gesehen / oder nicht gesehen haben könnten. In der Geschichte ist letztendlich nur wichtig, dass sie den Prot beschuldigen.
In meinem vorigen Kommentar schrieb ich,
quote:
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quote:
Ich wollte irgend etwas Belangloses sagen, als meine Frau plötzlich einen Schrei ausstiess.
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Spätestens in diesem Satz verstehe ich, dass er die Frau nicht umgebracht hat: sie steht weiter weg; er bleibt zurück, will irgendetwas sagen und sieht wie sie das Gleichgewicht verliert: Diese Beschreibung ist für mich kein Hinweis auf einen evtl. gewollten Stoß. Deshalb dachte ich, es gehe darum, dass der Prot, nun unschuldig beschuldigt wird.
Und das fände ich OK.: Der Prot dachte daran, sie zu töten, tut es jedoch nicht, wird dessen jedoch beschuldigt. Wobei aber dann Deine letzten beiden Worte; Diese Idioten, seltsam und zusammenhaltlos klingen.
Egal, wir reden sowieso aneinander vorbei.
Mit Gruss,
Ji

__________________
Der Leser hat´s gut: Er kann sich seine Schriftsteller aussuchen.
(Kurt Tucholsky)

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