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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Ware Freiheit für sieben Milliarden
Eingestellt am 03. 11. 2011 14:01


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Herbert Schmelz
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WARE FREIHEIT FÜR SIEBEN MILLIARDEN
Freiheitstheorem wird in Lebenswirklichkeit entwickelt

Freiheit ist ein teures Gut. Nur relativ wenige einer Gesellschaft können sie sich leisten. Ob diese den richtigen Gebrauch von ihr machen, ist umstritten. Das ist auch kein Wunder. Denn ursprünglich galt die moderne Idee der Freiheit nur dann als wertvoll, wenn sie allen innewohnen könnte oder zumindest verliehen wäre. Freiheit muss vom Individuum praktisch angeeignet werden können. Sie ist nicht einfach da, aber durchaus erlernbar.

Die Entwicklung der Warenproduktion in der materiellen Sphäre und der Ideenwelt hat die Bedingungen für die Möglichkeit von Freiheit inzwischen so erweitert, dass sie auch wirklich angeeignet und genutzt werden kann. Wir spüren, durch Beobachtungen bestätigt, dass wir uns auf dem Wege der kulturellen Evolution wieder ein ganzes Stück vom Reich der Notwendigkeit auf das Reich der Freiheit zubewegen können.

Aber wir haben uns auch um die nicht medizinisch indizierten >Kinderkrankheiten< der Freheit zu sorgen, während wir in eine neue >postmoderne< Zeitenwende eintreten. Eine Reihe bedrohlicher Probleme -Diktaturen mit unterschiedlichen, auch demokratischen Ansprüchen oder technokratische Heilslehren (z.B. Lösung der Energieproblematik durch Atomkraftwerke)-, die teils auf Irrwegen der Kulturentwicklung entstanden sind und uns hinterlassen wurden, können nicht im Handumdrehen gelöst werden. Aber die Menschheit nimmt sie in Angriff.

Dabei sind dem Beobachter die gravierenden Unterschiede der Wendepunkte in der kulturellen Entwicklung bewusst. Von der Freiheit des Steinzeitmenschen, des antiken, des mittelalterlichen oder des modernen bürgerlichen Menschen zu sprechen, das beinhaltet in einem doppelten Sinn ein schweres Stück Arbeit. Sowohl durch die Menschheit als auch durch das menschliche Individuum muss sie erarbeitet und angeeignet werden. Um ein persönliches, vielleicht nicht ganz passendes Wort einzufügen: Ich vernehme das höhnische Gelächter über den antiken griechischen Freiheits- und Demokratiebegriff, während wir uns über die Sklaverei in der heutigen Welt empören.

Den schwankenden Mehrheiten schreibt heute die verknöcherte Arbeitsteilung und das gefächerte Einkommen das Ausmaß des Freiheitserwerbs und die Art ihres Gebrauchs weitgehend vor. Eine mehr oder weniger wachsende Minderheit jedoch, in Entwicklungsgesellschaften sogar die absolute Mehrheit, wird künstlich von der Teilhabe am wirklichen Fortschritt ausgeschlossen. Ihnen sind Zugänge zum eigenen, freien Disponieren versperrt. Dieser Teil der Menschheit ist auf eindeutige Solidarität angewiesen.

Wo die Einübung der Freiheit, der Lernprozess von vornherein abgeschnitten wird, kann frischer Wind und erlesener Geschmack, kultureller Fortschritt nicht mehr wahrgenommen werden. Dort herrscht Fäulnisgeruch vor, der vom vergeblichen Überlebenskampf unter der potentiell gewalttätigen Drohung des Existenzminimums zeugt. Es ist und bleibt daher ein unverschämter Affront, in diesem Zusammenhang von >Eigenverantwortung< zu sprechen. Der militärische Kommandoton, den Freiheit nicht vertragen kann, ist dann auch nicht weit entfernt. Der freie Spielraum für eigene Aktivität aber aussichtslos entrückt.

Der entwickelte, aber nicht regulierte Markt, der Fluch und Segen oft undurchschaubar und willkürlich verteilt, ist für gar nichts verantwortlich. Nur zum Beispiel Josef Ackermann ist persönlich verantwortlich, wenn in der heutigen Welt Menschen am natürlichen Existenzminimum hungernd zu Grunde gerichtet werden. Er selbst hat sich unter dem Druck dieser Nachricht betroffen gezeigt, will >notfalls< die Spekulation der Deutschen Bank mit Agrarrohstoffen unterbinden. Wir dürfen gespannt sein, ob er dazu fähig ist.

Als in diesen Tagen die Statistik, wie bei einem Jubiläum, wieder einmal die Herrschaft über die große Zahl übernahm, war zumeist unausgesprochen auch von der Freiheit die Rede. Der siebenmilliardste Mensch ist geboren, die Menschheit wächst rasant weiter, jede Sekunde kommen drei Kinder dazu. Wir hören den Ruf unter uns, den traditionell versammelten Freiheitlichen der bürgerlichen Zeitenwende, das könne nicht gut gehen. Wir wären zu einer intelligenteren, effektiveren Nutzung der Lebensquellen nicht fähig. Wäre diese Vermutung zutreffend, müssten die sieben Milliarden endlos unter der schrecklichen Drohung der Kriegsfurie und ohne Aussicht auf menschenwürdige Existenz leben.

__________________
Ernst H.Stiebeling,EHS

Version vom 03. 11. 2011 14:01
Version vom 04. 11. 2011 08:07
Version vom 06. 11. 2011 12:21
Version vom 06. 11. 2011 17:45

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jon
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quote:
Es ist und bleibt daher ein unverschämter Affront, in diesem Zusammenhang von >Eigenverantwortung< zu sprechen.
Das kann man gar nicht oft und laut genug sagen!


Inhaltlich-logische Stolperstellen:

Ich verstehe den Schluss nicht. Dass (nicht wenige) Leute meinen, das könne nicht gut gehen, ist klar, aber wieso nennst du diese Leute "Freiheitliche"?
Überhaupt erscheint mir die Verknüpfung von „Menschenzahl“ und „Freiheit“ an sich zwar ok (Das kann man machen.), in dem Text spielt sie aber in Wirklichkeit gar keine Rolle (oder anders gesagt: Du machst es jedoch nicht.)

Der erste Satz ist ok, der zweite stimmt so nicht. Es gibt in diesem Sinne nicht DIE Freiheit, sondern ein Kontinuum von Freiheiten sowohl was den Bereich angeht (z.B.: Freiheit der Arbeitsplatzwahl) als auch den Grad der Freiheit betreffend (in diesem Beispiel: Kann ich unter allen existierenden Jobs wählen oder muss ich mich mit den "Rest" begnügen? Gibt es überhaupt einen "Rest"? Kann ich Jobs ausschlagen, vielleicht sogar gar nicht arbeiten gehen? Oder muss ich Jobs sogar ausschlagen, obwohl ich sie gern annehmen würde?)

quote:
Wir sind im Begriff, auf dem Wege der kulturellen Evolution vom Reich der Notwendigkeit in das Reich der Freiheit uns zu bewegen.
… auf diesem Weg sind wir aber schon recht lange, oder? So ungefähr 40000 Jahre, schätze ich mal. Was ist "jetzt" das besondere Moment, worin besteht diese "Zeitenwende"?



Stilistisch
… hab ich (bis auf deine verdrehten Sätze ) nicht viel auszusetzen. Einiges klingt eher nach „Palaver" (Welche "Kinderkrankheiten" denn?), anderes ist mir zu stark polemisch (das mit dem Moder z.B.)
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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