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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Warten
Eingestellt am 20. 09. 2014 10:53


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pseudodelic
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jun 2012

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Er sa├č auf seinem Sessel, rauchte eine Selbstgedrehte und lie├č die Asche neben dem Aschenbecher auf eine braune Bananenschale fallen. Er wartete. Das einzige was er tat war zu rauchen und stur auf die Wand zu starren, sein Blick schweifen zu lassen, dann wieder auf einem Punkt zu verharren. Er schaute auf die Uhr, aber es war lange noch nicht soweit.
Der Druck auf seiner Blase wurde unertr├Ąglich, wie das Warten selbst, und er bahnte sich einen Weg durch die Unordnung seiner Wohnung. Er stolperte ├╝ber Magazine, Kippenstummel, einem Buch aus der Bibliothek, das schon lange Zeit ├╝berf├Ąllig ist, eine kaputte Lampe, Unterhosen mit Rest, eine ranzigen Haarb├╝rste, Holz von einem Beistelltisch, der dem letzten Saufgelage zum Opfer fiel.
Er machte sich nichts draus mit seiner Socke in Urinspritzern zu stehen, es k├Ânnten seine sein, und f├╝gte noch einige dazu. Als er wieder zu seinem Sessel schl├╝rfte, stie├č er sich den Zeh an seinem Nachttisch, der ungewollt in der Mitte des Raumes stand. Er fiel zur├╝ck in seine Ausgangsposition und steckte sich eine Zigarette an. Er wartete weiter. Sein Blick fiel auf seine Uhr, der Zeiger kriecht. Neben ihm stand ein Glas gef├╝llt mit tr├╝ben Leitungswasser, er warf es vom Couchtisch. Es blieb im Ganzen, aber das Wasser ergoss sich ├╝ber den Fu├čboden. Eine gro├če Rauchwolke kroch aus seinem Mund, langsam, und flog in seine Nase.
Sein Telefon schrillte.
Er hob nicht ab, denn er wusste wer es war.


Nachdem es aufh├Ârte zu klingeln, zog er das Kabel aus der Wand, welches er bequem im Sitzen erreichte, und lehnte sich wieder zur├╝ck. Sein Blick blieb auf dem B├╝cherregal hingen mit den Klassikern. Vieles noch ungelesen, er hat zu wenig Zeit. Wer hat schon die Zeit sich mit einem Buch wochenlang rumzuschlagen. Er wartete.
Sein Magen grummelte, seine letzte Mahlzeit hatte er am Vortag. Aber Essen war jetzt eine Nebensache. Was soll's, er z├╝ndete sich gleich noch eine Kippe an. Sein Blick fiel auf das Wasserfleck auf dem Teppichboden, dann auf das eingetretene Obst mit Schimmel, und dann zur├╝ck auf das frische Nass. Sein Mund war trocken.
┬╗Ich brauch was zu trinken!┬ź. Er schnaufte kurz durch und erhob sich. In seinem K├╝hlschrank stand Bier und eine Packung K├Ąse mit drei Scheiben. Eine a├č er gleich, die Packung nahm er mit zum Tisch, genau wie das Bier. Er nahm den ersten Schluck und es war lauwarm, wie der K├Ąse. Es war Hochsommer. Trotzdem stellte er alles in den stromlosen K├╝hlschrank. Alte Gewohnheit. Sein Blick fiel auf die Uhr, und er wartete.
Die leere Flasche warf er vor sich, den K├Ąse hatte er aufgegessen. Er schaute auf die Uhr, er klopfte auf das Glas des Zifferblattes, der Sekundenzeiger tickt so m├╝de wie er selbst ist. Er ├╝berlegte ein Buch aus dem Regal zu nehmen, entschied sich aber dagegen, er hatte wenig Zeit. Der Geschmack in seinem Mund wurde fast unertr├Ąglich, nach den Zigaretten. Er wollte eine Cola trinken, kalt, mit Eisw├╝rfel und Zitrone- aber ihm blieb nur das Leitungswasser. Er behielt seinen Geschmack im Mund und rauchte noch eine Zigarette. Neben ihm lag die kostenlose Zeitung von letzter Woche. Er schlug sie auf, fing an einen Artikel zu lesen, riss ihn raus und kn├╝llte es zu einem praktischen Klumpen, dann z├╝ndete er es an. Als es brannte, musste er grinsen. Er z├╝ndete sich eine Zigarette an der bl├Ąulichen Flamme an und nahm einen tiefen Zug. Er schaute auf die Uhr, stand auf, zog sich den Rei├čverschluss zu und machte sich auf den Weg zu seiner Arbeit- er musste auf seinen Bus warten.

__________________
Seitdem ich selbstbewusst bin und genau das mache und sage, was ich wirklich will, komme ich mir verr├╝ckt vor.

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