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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Warten
Eingestellt am 18. 05. 2016 14:42


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ThomasWuerttemberger
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Dec 2014

Werke: 22
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Warten

Sie warten auf das Christkind. Viele haben bereits WeihnachtsbÀume gekauft und sie auf ihre Balkone gestellt. Die PlÀtzchen und Lebkuchen sind gebacken und in Vorratsdosen verstaut. Die neuesten Bratapfelrezepte werden ausprobiert. Die Hektik, das Geschiebe, GedrÀngle und Gezerre in den KaufhÀusern der StÀdte strebt seinem Höhepunkt entgegen. Betriebliche Weihnachtsfeiern finden statt, Wichtelparties, man trifft sich und verweilt auf WeihnachtsmÀrkten.
Etliche mögen diesen alljÀhrlich stattfindenden Brauch nicht und reihen sich ein in die Warteschlangen der Check-in Schalter auf den FlughÀfen.

Andere warten auf schneebedeckte Wiesen, Felder und HĂŒgel.
Doch in den Fluren blĂŒhen GĂ€nseblĂŒmchen, steht duftender Raps, glucksen fröhlich die BĂ€che. Es gibt Nahrung im Überfluss fĂŒr die Vögel des Himmels, die Tiere des Feldes, das Wild des Waldes. Kein Mangel, kein mĂŒhsames Scharren im Schnee. Wildschweine durchpflĂŒgen den Waldboden und finden die mĂŒhevoll gesammelten VorrĂ€te der Eichhörnchen. Aber auch die leiden keine Not.

Fahles, gelbes Licht scheint durch kahle Baumkronen. Alles ist bereit,
alles wartet.

Sie kamen vor Jahren. Leise, - keiner hörte sie. Der Erste durchschwamm den Grenzfluss. Am Ufer angelangt, schĂŒttelte er sein Fell. An manchen Stellen schimmerte die Haut durch, die Rippen traten hervor.
Narben und Spuren von KÀmpfen im schönen Antlitz.
Ach, so viele KĂ€mpfe.
Der zweite folgte und auch er schĂŒttelte sein Fell am Ufer. Die anderen warteten und schließlich kamen auch sie .

Die Bewohner der StĂ€dte jubelten und hießen sie willkommen. Die Regierung des Landes erließ Gesetze zu ihrem Schutz. Die Bauern kannten sie und erschraken.
Die LĂ€mmer auf den Wiesen und deren MĂŒtter; sie
wussten nichts von denen, die durchs Wasser kamen, von deren Narben, den MĂŒhen, von den KĂ€mpfen, ach, den vielen KĂ€mpfen.

Nicht alle sind erfahren im Töten. Manche werden ĂŒberwĂ€ltigt vom Hunger, von ihrer Gier. Die stĂŒrmen, zerbeissen und zerreissen, schlagen die ZĂ€hne in die Flanke, reissen die weichen, warmen BĂ€uche der LĂ€mmer auf, zerren die Eingeweide hervor. Wie lange dauern fĂŒnfzehn Sekunden im Sterben?
Wie lang bis die Erfahrenen die Kehlen packen und die LĂ€mmchen aus der Hölle fĂŒhren. Wie lang dauern fĂŒnfzehn Sekunden fĂŒr die MĂŒtter die abseits stehen?


Sie verließen die zerfallenen StĂ€tten um Babylon, wanderten ĂŒber den Sindschar,
kamen von den Höhen des Hindukushs, durchstreiften Kaukasus und suchten Schutz in den WÀldern der Karpaten.
Und so viele fanden auf dem Weg den Tod. So viel KĂ€mpfe, so viel Not und ĂŒberall der Tod.
Der Allerbarmer;
er gab ihnen den Mond.
Und immer warten sie, warten auf seine Vollendung am Himmel
und wie sie weinen, ach, wie sie weinen, die Kinder derer aus Babylon, immer weinen sie.
So verlassen, in den WÀldern und auf den Höhen, ohne Heimat, so viel Trauer.



Aber nun sind sie hier und ein Ende hat ihr Warten.

Sie warten auf den Schnee, sie warten auf das Christuskind, Gottes Lamm und auf den Weihnachtsmann.
Und die Kinder derer, die durch den Grenzfluss schwammen,
warten auf die LĂ€mmer auf den Wiesen, wo kein Schnee liegt. Und die MĂŒtter der LĂ€mmer kennen sie jetzt -
und warten!

__________________
TS

Version vom 18. 05. 2016 14:42
Version vom 12. 06. 2016 00:37
Version vom 12. 06. 2016 00:39
Version vom 17. 06. 2016 23:21
Version vom 18. 06. 2016 23:16

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ThomasWuerttemberger
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Antwort auf Kommentar von Blumenberg

Hallo Blumenberg
Danke fĂŒr deine Anregungen.
Nein, es geht nicht um das Thema FlĂŒchtlinge. Es geht um ein anderes Thema. Ich ĂŒberlasse es dem Geist eines jeden Lesers fĂŒr sich das heraus zu lesen was er heraus lesen möchte.
__________________
TS

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