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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Warten auf... ein Wunder?
Eingestellt am 02. 11. 2004 14:40


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cara
Autorenanwärter
Registriert: Dec 2003

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Warten auf... ein Wunder?

Sie schafft es einfach, jedesmal. In meine Gedanken, in meine Sehnsüchte, meine Tagträume. Schon kann ich mich nicht mehr auf mein Buch konzentrieren. Stattdessen sehe ich von meinem Sessel aus durch die Schaufensterscheibe, betrachte die Leute, die vorüber gehen. Die Rollifahrerin, dick eingepackt und mit Sonnenbrille – an einem trüben Herbsttag. Ein ganz schönes Tempo, das sie da drauf hat. Oder dieses seltsame Päärchen, sie fast einen Kopf größer als er, mit einer Bierflasche in der linken Hand. Er – glatzköpfig und Handy am Ohr. Ich blicke wieder auf mein Buch. Aber konzentrieren kann ich mich wirklich nicht mehr darauf.
Tina... Was wäre, wenn sie jetzt plötzlich da draußen stünde, auf der anderen Seite der Scheibe, und mich beobachtete? Sofort sehe ich auf, aber natürlich steht sie nicht dort. Sie, auf deren Anruf ich so sehnsüchtig hoffe. Und doch weiß, dass er wohl nie kommen wird. Die ich so gern sähe, jetzt, hier. Um ihr zu erklären...
Ja, was? Und wie? Wie soll man einer anderen Frau erklären, dass man sich in sie verliebt? Gerade jetzt. Und vor über zwei Wochen schon. Und mit traumwandlerischer Sicherheit auch morgen wieder – immer wieder aufs Neue. Vor allem, wo ich doch zu wissen meine, dass sie ihrerseits Männer bevorzugt. Jedenfalls, was dieses spezielle Thema angeht.
So etwas lässt sich nicht erklären. Es passiert einfach. Ich habe keine Ahnung, ob das oft vorkommt. Bei mir ist es jedenfalls so, seit Anfang diesen Jahres. Seitdem ich festgestellt habe, wie sehr ich mich für Frauen begeistern kann. Und wie grauenhaft schüchtern ich ihnen gegenüber dann immer bin.
Deshalb habe ich ihr gestern auch diesen Brief gegeben. Der Grund, weshalb ich nun jedesmal einen halben Herzanfall erleide, wenn mein Handy sich bemerkbar macht. Zum Glück ist das gerade heute nicht häufig der Fall.
Gestern habe ich mir einfach ein Herz gefasst – naja, vielleicht auch nur ein Halbes – und habe ihr endlich mitgeteilt, was ich fühle. Die Frage ist nur, ob sie es auch tatsächlich wahrgenommen hat. Immerhin habe ich mich nicht getraut, es ihr ins Gesicht zu sagen. Ich habe in dem Café gebrunsht, in dem sie arbeitet. Absolut planmäßig natürlich. Ich wollte endlich mit ihr sprechen. Aber als ich da so saß und mir den Bauch vollschlug – obwohl der ganz schön nervös war – sank mein Mut immer weiter. Und mit jeder Stunde, die verging, mit jedem Blick zu ihr – und ein Jeder sprach Bände von ihrer Schönheit, ihrem Lächeln und der Sonne, die jedes Mal in meinem Herzen aufging dabei – verließen mich mehr und mehr der Mut und die Entschlossenheit sie anzusprechen.
Ein Indiz dafür, dass es wirklich Berg ab ging mit mir, war die Tatsache, dass meine Begleitung unsere Konversation offensichtlich so interessant und spannend fand, dass sie mit dem Kopf auf der Tischplatte vor sich hin döste. Während ich innerlich wie ein Flummi hüpfte zwischen dem Glücksgefühl, in der Nähe der Begehrten zu sein, und bloßer Panik, weil ich vorhatte, sie auf meinen Gefühlszustand aufmerksam zu machen...
Wie es wohl wäre, sie zu küssen...? Bei dem Gedanken musste ich meine Augen von ihr nehmen, denn ich war sicher, dass er mir deutlich vom Gesicht abzulesen sein musste.
Ich kann das nicht, schoss es mir durch den Kopf. Ich bringe das einfach nicht fertig.
Kaum hatte ich das gedacht, war der Entschluss schon gefasst. So leicht konnte es also mitunter sein, eine schwierige Entscheidung zu fällen. Und da ich schon seit zwei Wochen den Briefumschlag mit dem Gedicht darin mit mir herum trug, das ich ihr damals schon hatte geben wollen, zog ich diesen kurz entschlossen hervor.
Aber so ein Gedicht, das deine Gefühle von vor 14 Tagen beschreibt, kannst du ihr ja nicht einfach kommentarlos in die Hände spielen, belehrte ich mich selbst.
Und weil ich sowie so nichts mehr zu verlieren hatte, beschloss ich, noch das Gedicht von vor zwei Tagen mit in den Umschlag zu packen. Das, das ich geschrieben hatte, als ich auch in diesem Raum gesessen hatte, und sie mich gerade begrüßt und mit einem ihrer Blicke aus diesen unglaublichen Augen bedacht hatte. Nach dem ich mich für eine ganze Zeit lang erstmal nicht mehr hatte rühren können, geschweige denn sie einfach so ansprechen.
Einen erklärenden und entschuldigenden Brief – mit meiner Handynummer darin – später klebte ich den Umschlag mit ihrem Namen darauf zu und war bereit zu gehen. Meine doch nicht ganz sanft entschlummerte Begleitung brachte mich dann noch dazu, den Brief persönlich zu übergeben – eigentlich hatte ich ihn, kurz vor unserem Weggang, nur noch schnell und unauffällig auf unseren Tisch zaubern wollen. Danach verließen wir fluchtartig das Gebäude.

Seitdem bin ich nervlich irgendwie zerrüttet. Und ich schalte mein Handy nicht mehr aus, lasse es keine Sekunde unbeaufsichtigt. Weil ich auf einen Anruf von ihr warte. Der wohl nie kommen wird. So sitze ich hier, in einem Café, mitten in der Innenstadt. An einem Feiertag. Und wünsche mir nichts sehnlicher, als dass sie mir gegenüber stehen möge. Jetzt. Hier.
Am Freitag werde ich sie wiedersehen. In dem Café, in dem sie arbeitet. Falls sie ihre Schicht nicht getauscht hat.
Was dann weiter passieren wird – wer weiß. Ich weiß nur eines: Ich habe sie so sehr gern. Mehr als das.
Und ich habe Angst...
__________________
Die Gedichte schreiben mich -
ich fĂĽrchte sie nicht mehr.

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Alex Anderson
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jun 2004

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Hallo cara,

spätestens bei diesem Text von dir habe ich mir überlegt, ob es nicht doch sinnvoll wäre homosexuell zu werden. Na gut ich habe es mir schon oft überlegt, bin aber immer wiede zu dem Entschluss gekommen dass nicht so fühle. Nun am Anfang von deinem Test war ich mal wieder kurz davor, aber dann ist der Protagonist plötzlich weiblich.
Was ich damit sagen will du rĂĽhrst mein Herz an, mit deinem Schreiben, das habe ich bis jetzt nur selbst geschaft...
Herzlichen GlĂĽckwunsch
Yours
A.Anderson

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cara
Autorenanwärter
Registriert: Dec 2003

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Hallo nochmal!

Hallo Alex!

Wieder so ein groĂźes Lob von dir, ich danke dir sehr dafĂĽr.
:-) Das mit dem homosexuell werden meinst du aber nicht
ganz ernst, oder? ;-) AuĂźerdem *wird* man ja nicht einfach
so homosexuell. Mir ist nichtmal wichtig, ob jemand es
ist oder nicht; ich mach mir auch bei mir selbst nicht
wirklich Gedanken darĂĽber.
Das Einzige, was für mich zählt in dem Zusammenhang, ist
Liebe. Und was macht es da, ob man jemand gleichgeschlechtliches
liebt oder ob die Person das andere Geschlecht hat...

Viele liebe GrĂĽĂźe, cara
__________________
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ich fĂĽrchte sie nicht mehr.

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