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Leselupe.de > Humor und Satire
Warten in Absurdien
Eingestellt am 07. 01. 2008 11:01


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Pfannenstiel
Nennt-sich-Schriftsteller
Registriert: Dec 2007

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Jack Johannes Jonas Jubelum sah von der vor ihm liegenden Straße auf zur Turmuhr des Parlamentsgebäudes, als ein fein gekleideter Herr ihn in seiner Eile fast umrannte. Mit Mühe gelang es Jack doch noch das Gleichgewicht zu halten.
„Können Sie denn nicht aufpassen!“, schnauzte ihn ein anderer gut gekleideter Herr an, der hinter dem ersten herbeigeeilt kam.
Etwas perplex wollte Jack gerade erklären, dass er fast umgerannt worden wäre, da war der zweite Herr schon wieder weg. Jack schüttelte den Kopf und wandte seine Gedanken dem Grund zu, warum er überhaupt hierher gekommen war. Vor kurzem hatte er einen Brief erhalten, in welchem ihm ein gewisser Jean Jacques Jèmand um ein persönliches Treffen vor dem Parlament gebeten hatte. Da es für Jack einigermaßen ungewohnt war, Post von ihm gänzlich unbekannten Personen zu bekommen, die noch dazu einen französisch anmutenden Adressaten aufwiesen, tat er, was jeder vernünftige Mensch in einem solchen Fall tun würde. Er schlug den Namen im Telefonbuch nach und rief an. Wie sich herausstellte, war Jean Jacques Jèmand aber keinesfalls so ernst zu nehmen, wie das bei gewöhnlichen Stalkern, Mördern oder Psychopathen der Fall gewesen wäre. Nachdem Jack 5 Minuten mit ihm telefoniert hatte, stimmte er einem Treffen zu. Jetzt wartete er und fragte sich, warum er das getan haben mochte. Er war sich nicht ganz sicher, aber Monsieur Jèmand hatte am Telefon eine menschliche Wärme und Ausstrahlung vermittelt, die ihn nichts Schlechtes von diesem Menschen denken ließ. Aber Fakt war auch, dass er noch immer nicht genau wusste, warum der Monsieur um dieses Treffen gebeten haben mochte und wer er eigentlich war. Als Angestellter bei der Stadtverwaltung wusste Jack aus langjähriger Berufserfahrung mit Leuten umzugehen, doch jemand wie Monsieur Jèmand war ihm dabei noch nie untergekommen. Jèmand schien genau zu wissen, was er wollte und wie er es bekam, ohne aber auch nur ein Wort darüber zu verlieren.
„Würden Sie bitte einen Schritt zur Seite treten.“, nuschelte eine ältere Dame Jack an und er wurde aus seinen Gedanken gerissen
Die Dame stand genau vor ihm und wollte, dass er einen Schritt beiseite trat, obwohl er auf einem großen öffentlichen Platz stand und ihn die ältere Dame mit nur 3 Schritten hätte umgehen können. An ihrem Gesichtsausdruck sah Jack, dass sie es ernst meinte und fest entschlossen war, keinen Schritt mehr zu gehen, nur weil er ihr im Weg stand. Großmütterchen und er starrten sich an wie zwei Tiere, die auf die Reaktion des jeweils anderen warten. Schließlich trat Jack doch einen Schritt beiseite.
Ein Fünfergespann von aufreizend gekleideten jungen Damen kam an ihm vorbei und unterhielt sich lautstark lachend über die neuesten Ereignisse in ihren Liebesleben. Als Jack ihnen nachsah, sah er, dass sie verräterische unbeschriftete Einkaufstaschen mit sich trugen und aus einer der Taschen eines der seidenen Nachthemdchen halb heraushing. Die beiden einzigen Sitzbänke vor dem Parlamentsgebäude waren unterdessen noch immer von einem darauf schlafenden Obdachlosen und einem ebenfalls darauf schlafenden Pärchen Jugendlicher besetzt. Deshalb musste Jack stehen, während die Leute an ihm vorbeieilten oder krochen.
Gerade kam ein Taxi auf den Platz geschossen und Jack sprang gerade noch aus dem Weg, als dieses vor dem Parlamentseingang zum Stehen kam und eine Raumpflegerin schimpfend aus diesem gesprungen kam. Offensichtlich war der Fahrer ihr eigener Mann, ein promovierter Doktor der Psychologie, den eine etwas seltsame Auslegung der freudschen Theorien den Job gekostet haben mochte, als er Bordellbesuche auf Rezept verschrieb. Das alles konnte Jack den wüsten Beschimpfungen und Kommentaren der Frau entnehmen, die sich den Kittel zurechtzupfte und die Türe geöffnet hielt. Schließlich knallte sie die Türe lautstark zu und der Wagen startete mit quietschenden Reifen durch, der Mann trat die Flucht an und auf dem Weg ins Gebäude beschimpfte sie lautstark einen Regierungsbeamten, was sich dieser erlaube, ihr nicht die Türe offen zu halten. Der Mann stammelte eine Erklärung, aber die Frau kreischte munter weiter ihre Beschwerden, bis sie tief im Gebäude verschwand.
Wieder rempelte jemand Jack an und griff ihm dabei in die Hosentasche. Mit geweiteten Augen starrte Jack das unscheinbare Mädchen an und stellte fest, dass sie ihm seine Geldtasche gestohlen hat. Ruckartig griff er sich an die Hosentasche und nahm langsam die soeben vorgefallene Situation war. Das Mädchen ging seelenruhig weiter. Jack eilte ihr hinterher.
„Halt!“; schrie er dem Mädchen nach, das ihn nicht im Geringsten beachtete.
Er stellte sich vor sie, doch sie sah ihn nur gelangweilt an, als wĂĽrde sie darauf warten, dass er ihr ohne Weiteres aus dem Weg ging.
„Du hast mir meine Geldtasche gestohlen, gib sie wieder her.“
Das Mädchen sollte eine Chance bekommen, entschied Jack.
„Hm?“
„Du hast schon richtig gehört, gib mir meine Geldtasche wieder, die du mir aus der Hosentasche gezogen hast“, versuchte Jack es weiter.
„Mami! Mami!“, kreischte das Kind los und plötzlich tauchte eine ziemlich beleibte Frau an ihrer Seite auf.
„Was ist den Mäuschen?“, fragte die Mutter sie in zuckersüßem Ton.
„Der Mann da sagt, ich hätte ihn bestohlen.“
Unter den wĂĽtenden Blicken der Mutter fĂĽhlte sich Jack irgendwie fehl am Platz.
„Ihre Tochter, hat mir in die Hosentasche gegriffen und dabei meine Geldtasche gestohlen“, erklärte Jack und glaubte, die beleibte Mutter würde ihren Blick gleich auf ihre Tochter fallen lassen, stattdessen wich die Wut schierer Abscheu.
„In die Hosentasche gegriffen … höre ich da richtig?“
„Ja.“
Irgendetwas beunruhigte Jack. Die Mutter hob drohend die Hand und verpasste Jack eine schallende Ohrfeige.
„Was? Wieso?“
Jack verstand nicht ganz.
„Sie pädophilier Schweinehund.“, tobte die dicke Mutter und nahm ihre Tochter bei der Hand.
„Komm, Mäuschen, geh schnell weg von diesem bösen Mann. Sie sollten sich etwas schämen.“
Einige Meter weiter gab das Mädchen ihrer Mami Jacks Geldbörse.
„Brav gemacht, jetzt geh spielen, während Mami dir ein Geschenkt kauft.“
„Bekomm ich diesmal endlich ein neues Handy?“, fragte die kleine aufgeregt.
„Nein, also was ihr Kinder immer für teuren Schnickschnack wollt.“
„Aber …“
„Kein aber, wir brauchen Geld fürs Essen, Kleider, Strom und die Miete, da bleibt halt nichts für deine tollen Wünsche übrig.“
„Aber…“
„Nein und jetzt geh spielen.“
Die Kleine folgte brav und kaum war sie auĂźer Sichtweite griff die Mutter zu ihrem neuen Multimediahandy, um sich ein Taxi zu rufen.
Das geht zu weit, man hat mich bestohlen, klagte Jack in Gedanken und rieb sich die Wange.
„Haben Sie vielleicht ein bisschen Geld? Für einen guten Zweck natürlich.“, drängte sich der Verkäufer einer Obdachlosenzeitschrift auf.
„Die haben mich eben bestohlen, ich hab keinen Cent mehr bei mir.“
Der Mann ergriff seinen Arm.
„Sie wollen mich wohl verarschen, wie würden Sie Sich fühlen, wenn Sie keinen Cent mehr in der Tasche und kein Dach mehr über den Kopf hätten.“
Der Mann hielt die Hand auf und da fiel Jack auf, dass das Mädchen ihm auch noch seine Wohnungsschlüssel gestohlen hatte.
„Ah, verdammt.“, entfuhr es Jack und der Bettler schien das falsch zu verstehen. Sein Griff um Jacks Arm wurde stärker.
„Pass mal auf, Yuppie. Ich will bloß eine kleine milde Gabe von dir, nicht mehr, also rück raus!“
„Ich hab doch schon gesagt, dass man mich bestohlen hat, ich habe auch keinen Cent mehr in der Tasche.“
„Na wenn das so ist.“
Der Mann lieĂź ihn los und trat Jack auf die FĂĽĂźe.
„Dann will ich den feinen Herrn nicht weiter belästigen.“
Das ging jetzt schon weiter als zu weit, fand Jack.
Um ihn herum schien es niemand zu stören, was man ihm angetan hat und wenn es jemand bemerkt haben mochte, so war es diesem wohl egal, was da vor sich ging, immerhin geschehen solche Dinge ja jeden Tag zur Genüge. Jack wusste nicht recht, was er jetzt tun sollte. Weiter zu warten, schien ihm plötzlich vollkommen unsinnig und aufgewühlt von den letzten Ereignissen entschied er sich aufzubrechen. Jemand legte seine Hand auf Jacks Schulter und Jack erstarrte vor Angst.
„Tut mir Leid, dass ich mich verspätet habe, aber öffentliche Verkehrsmittel überraschen manchmal auch hart gesottene Pendler mit ihren Verspätungen. Ich bin Jean Jacques Jèmand, sie dürfen mich auch gerne Jèmand nennen, so tun es zumindest die meisten Leute, die mich kennen.“

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